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Adler und Engel

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Bücherpreis, Kategorie erfolgreiches Debüt, 2002 und dem Rauriser Literaturpreis 2002

(1)

Jessie ist tot. Sie hat sich erschossen, als sie mit Max telephonierte.
Zu Schulzeiten der geborene Versager, picklig und übergewichtig, hat Max aus sich selbst das Projekt seines Lebens gemacht: einen Karrierejuristen. Innerhalb von zehn Jahren hat er sich hochgearbeitet, aus eigener Kraft, wie er glaubte. Zu Rufus nach Wien, auf den Olymp des Völkerrechts, von wo aus die Staatengemeinschaft aussieht wie ein paar Kinder, die sich gegenseitig Sand in die Augen werfen.
Aber dann ist Jessie wieder aufgetaucht und mit ihr das einzige echte Gefühl in Max' Leben: Die bodenlose Liebe zu der kindlich-verrückten Tochter eines Drogenhändlers. Als Jessie stirbt, schmeißt Max seinen Job. Er sitzt in Leipzig und beschließt, den Rest seiner Lebenszeit nach der Menge an Kokain zu bemessen, die er sich noch kaufen kann. Max ist am Ende.
Und das ist der Anfang von ADLER UND ENGEL. Max ruft bei Clara an, einer ebenso jungen wie abgebrühten Radiomoderatorin, sie zwingt ihn zu einer Reise zurück nach Wien, zurück in seine Vergangenheit. Allmählich wird klar: Seine und Jessies Geschichte war Teil des Dramas auf dem Balkan. Ihre seltsame Liebe ist ein Produkt jenes zynischen Miteinanders von Bürgerkriegshelden, Völkermördern, Drogenhändlern und UNO-Politikern, die Schreckliches zulassen, um noch Schrecklicheres zu verhindern.
Juli Zehs erster Roman ist furios, er kriecht in jede Hirnwindung. Noch aus dem unscheinbarsten Detail schlägt er Funken. Zugleich entwirft er ein erschreckend eindrucksvolles Panorama der gegenwärtigen Welt nach dem Zusammenbruch der Ideologien, verwebt die »amour fou« von Max und Jessie mit den politischen Wirrnissen an den äußersten Rändern Europas. Das alles geschieht in einer rasanten und absolut zeitgemäßen Sprache. Man liest ADLER UND ENGEL, als hörte man zu, wie die Gegenwart spricht.

Rezension
"Für eine solch bittere und zugleich eisige Zeitkritik haben Bret Easton Ellis und Michel Houellebecq eine Bresche geschlagen. Auf ihre Weise marschiert Juli Zeh da nun ebenfalls hindurch. Ihr Referenzsystem ist die Zeitdiagnose, nicht das schicke Kokettieren mit den Symptomen. Ihren Roman hat sie mit Einfallskraft, Gegenwartsbewusstsein und großer Intelligenz auf diese Ebene hinaufgeschrieben." (Die Zeit)
"Mit ihrem Debüt-Roman hat Juli Zeh den lang ersehnten großen realistischen Roman geschrieben. Snapshots von halluzinatorischer Klarheit, die zum Schönsten und Wildesten zählen, was in den letzten Jahren an deutscher Prosa erschienen ist. Eine Literatur, die der bildmächtigen Magie des Gabriel García Mßrquez ebenso entspricht wie dem harten, mitleidlosen Realismus der amerikanischen Short-Story-Legende Raymond Carver." (Die Weltwoche)
Portrait
Juli Zeh wurde in Bonn geboren und studierte Jura in Passau und Leipzig, wo sie 1998 ihr Erstes Staatsexamen ablegte. Ebenfalls in Leipzig studierte sie von 1996 bis 2000 am Deutschen Literaturinstitut (DLL), an das sie später als Dozentin zurückgekehrte. Nach ihrem Diplom am DLL folgte 2003 das Zweite Staatsexamen, 2010 wurde sie an der Universität Saarbrücken zum Dr. jur. promoviert. In ihrer Dissertation DAS ÜBERGANGSRECHT beschäftigt sie sich mit der Rechtsetzungstätigkeit von Übergangsverwaltungen am Beispiel von UNMIK im Kosovo und dem OHR in Bosnien-Herzegowina.
Zahlreiche Auslandsaufenthalte u.a. für die UN in New York und Krakau und vor allem in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina haben ihre Arbeiten geprägt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Hölderlin-Förderpreis, dem Ernst-Toller-Preis und dem Solothurner Literaturpreis.
Am 8. Dezember 2013 wurde ihr in München der Thomas Mann Preis 2013 der Hansestadt Lübeck und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen, 2014 erhält sie den Hoffmann-von-Fallersleben-Preis für zeitkritische Literatur.
Ihr erster Roman ADLER UND ENGEL erschien 2001. Ihr Roman SPIELTRIEB wurde 2006 am Hamburger Schauspielhaus für die Bühne dramatisiert. ALLES AUF DEM RASEN versammelt ihre Essays zu Gesellschaft, Politik, Recht und Literatur, die in großen deutschen Zeitungen und Magazinen erschienen sind. 2007 erschien ihr Roman SCHILF, 2009 CORPUS DELICTI. Zusammen mit Ilija Trojanow schrieb sie ANGRIFF AUF DIE FREIHEIT (Hanser Verlag, 2009), 2012 erschien der Roman NULLZEIT.
Im Sommersemester 2013 hielt sie unter dem Titel TREIDELN die Poetikvorlesung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. GOOD MORNING, BOYS AND GIRLS, ebenfalls 2013 erschienen, versammelt ihre Theaterstücke.
Insgesamt wurde ihr Werk bisher in 35 Sprachen übersetzt.
2013 war Juli Zeh Mitinitiatorin des internationalen Autorenaufrufs 'Writers Against Mass Surveillance' gegen die umfangreichen Ausspähungen durch die Geheimdienste.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 444
Erscheinungsdatum 2001
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-89561-054-7
Verlag Schoeffling
Maße (L/B/H) 216/141/43 mm
Gewicht 613
Verkaufsrang 39.363
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verwirrend, erschütternd und empfehlenswert
von einer Kundin/einem Kunden am 18.02.2012

Der Roman erzählt die Geschichte des Juristen Max, welcher nach dem Selbstmord seiner Freundin seine Lebenslust verloren hat und sich zu Tode koksen will. Nachdem er in einer Radiosendung angerufen hat, steht plötzlich Clara, die Radiomoderatorin, auf seiner Türschwelle und bittet ihn, ihr seine Geschichte zu erzählen, sodass sie... Der Roman erzählt die Geschichte des Juristen Max, welcher nach dem Selbstmord seiner Freundin seine Lebenslust verloren hat und sich zu Tode koksen will. Nachdem er in einer Radiosendung angerufen hat, steht plötzlich Clara, die Radiomoderatorin, auf seiner Türschwelle und bittet ihn, ihr seine Geschichte zu erzählen, sodass sie ihre Diplomarbeit darüber schreiben kann. Max erklärt sich einverstanden und im Verlaufe der Geschichte führt er die Leser immer weiter ins Drogenmilieu und in die Politik Europas ein. Juli Zeh lässt die Geschichte durch Max, also in der Ich-Perspektive, erzählen. Sie verzichtet auf sämtliche Anführungs- und Schlusszeichen, was den Lesefluss auf den ersten paar Seiten manchmal ein bisschen behindern kann. Ebenfalls scheut sie sich vor Fremdwörtern oder vulgären Ausdrücken nicht. Frau Zeh stellt gerne Vergleiche auf wie zum Beispiel: „[...] fühlte mich in der schwarzen Robe wie ein Transvestit mit Hang zum Priestertum.“ Im Roman ist gut zu spüren, dass Juli Zeh ein Jurastudium absolviert hat, denn sie lässt immer wieder gerne ihr Fachwissen einfliessen, was zum einen eher kompliziert ist, aber dennoch interessant. Die Geschichte spielt im Jahre 1999, also vier Jahre nach dem Bosnienkrieg, welcher in der Geschichte ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Die Kokainproblematik, welcher vor allem Max verfallen ist, ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Buches, was es auch fast zehn Jahre nach seinem erscheinen, noch attraktiv zu lesen macht. Das Buch ist sehr spannend zu lesen, da es durch die immer wieder unterbrochenen Erzählung von Max über sein frühres Leben die Spannung bis zum Ende aufrecht erhalten kann. Die ganze Geschichte ist ein bisschen wie ein Puzzle, die Teile setzen sich immer weiter zu einem Bild zusammen, doch (leider) fehlen am Schluss noch ein paar Teile. Das Buch enthält viele Versuche, Lebensweissheiten zu formulieren wie: „Das Leben ist merkwürdig, [...] es besteht eigentlich nur aus Griffen und Schritten. Ein paar wenige davon und schon ist alles anders.“ Diese können für einige Leser ansprechend sein, oder eben auch nicht. Sehr interessant ist auch, dass einige Personen und Gegebenheiten des Buches der Realität entsprechen, aber geschickt in eine fiktive Geschichte eingebettet sind, als ob Juli Zeh die Leser zu einem eigenen Recherchieren und Reflektieren anregen wolle. Insgesamt ist das Buch sehr komplex und verworren aufgebaut, sodass nach dem ersten durchlesen noch nicht alle Details erfasst werden können. Nach einem zweiten Mal aber, werden sich die Leser wundern, wie viel eigentlich, nicht einmal versteckt, schon vor dem Ende auf den Schluss hinweist. Das Buch ist eindeutig für ein erwachsenes Zielpublikum geschrieben, welches auch mal gerne einen anderen Sichtwinkel auf die Welt werfen würde. Das Buch ist nach seinem Erscheinen grösstenteils auch sehr positiv aufgenommen worden und auch mehrfach ausgezeichnet; so gewann Juli Zeh den deutschen Bücherpreis für das erfolgreichste Debüt. Das Buch empfiehlt sich für alle Leser, die eher anspruchsvolle Literatur suchen und sich einem eher speziellen Schreibstil anpassen können, sich gerne, auch noch nach dem Lesen, Gedanken über die Geschichte machen und die Realität und Fiktion des Buches unterscheiden können.

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Genial!!!
von J.G. aus Berlin am 21.05.2009
Bewertetes Format: Einband: Taschenbuch

Der Roman handelt von Max, einem erfolgreichen Anwalt für Völkerrecht, dessen Freundin Jessie sich bei einem gemeinsamen Telefonat in den Kopf schießt. Danach läuft sein Leben aus dem Ruder, er geht nicht mehr zur Arbeit und kokst sich zu. Will sich sogar das Leben nehmen. In einer Nachtshow im Radio... Der Roman handelt von Max, einem erfolgreichen Anwalt für Völkerrecht, dessen Freundin Jessie sich bei einem gemeinsamen Telefonat in den Kopf schießt. Danach läuft sein Leben aus dem Ruder, er geht nicht mehr zur Arbeit und kokst sich zu. Will sich sogar das Leben nehmen. In einer Nachtshow im Radio lernt er Clara kennen, die ihm hilft, wenn auch aus Eigennutz um ihre Diplomarbeit in Philosophie zu schreiben, mit der Vergangenheit aufzuräumen und nach dem Grund für den Selbstmord von Jessie zu suchen. Daher zwingt Clara ihn seine Geschichte und damit auch das Leben von Jessie auf einen DAT-Recorder zu sprechen. Nach und nach stellt sich heraus, dass Jessie die Tochter eines mächtigen Drogenbosses war, der im Bosnienkrieg seine Geschäfte machte und mit Max' ehemaligem Chef Rufus befreundet war. Dieser wiederum arbeitet in Wien für die UNO Resolutionen und Verträge aus, steuerte unter anderem den Balkankrieg und die Drogengeschäfte, ohne dass sein Angestellter Max wusste, dass er selbst an den Strängen der Weltpolitik zieht. Der erste Teil des Romans spielt sich in Leipzig ab, der zweite in Wien. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Max erzählt, der zugekokst und benebelt die Welt wahrnimmt. Gleichzeitig gibt es die Flashbacks, die sich im Kopf von Max abspielen. Der Roman ist ein hochwertiger Thriller mit einer genialen Sprache bzw. einem genialen Schreibstil, voller Kraft und sehr starken Bildern. Nur nach und nach löst sich die Story auf, in dem Juli Zeh den Leser zappeln lässt, wohlüberlegt was sie ihm wo mitteilt und immer wieder führt sie ihn in die Irre. Fazit: Dieses Debüt von Juli Zeh macht Lust auf mehr Bücher von ihr.

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Verwirrend und grausam
von Xirxe aus Hannover am 08.02.2016
Bewertetes Format: Medium: Hörbuch-Download

Was für eine chaotische Geschichte, die da aus einer Teenagerliebe erwächst. Es geht um Drogenhandel und -schmuggel, geschickt vermischt mit den Kriegswirren auf dem Balkan und der danach folgenden Osterweiterung - das sind die unschönen Beigaben einer Liebesgeschichte die keine ist. Max ist verliebt in Jessy, die aber in... Was für eine chaotische Geschichte, die da aus einer Teenagerliebe erwächst. Es geht um Drogenhandel und -schmuggel, geschickt vermischt mit den Kriegswirren auf dem Balkan und der danach folgenden Osterweiterung - das sind die unschönen Beigaben einer Liebesgeschichte die keine ist. Max ist verliebt in Jessy, die aber in Scherscha - der wiederum nur an viel Geld interessiert ist, an das er über Jessy heranzukommen glaubt, deren Vater ein Drogenhändlier im großen Stil ist. Max zieht sich zurück, wird ein erfolgreicher Anwalt im Völkerrecht und begegnet Jessy wieder. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als sich der Kontakt zu seiner alten Liebe intensiviert... Grundsätzlich keine schlechte Geschichte, wie hier das Grauen des Drogenhandels wie auch des Balkankrieges einem vor Augen geführt wird wie auf übelste Weise beides zusammengeführt wird. Doch irgendwie empfand ich die Art in der Alles zusammenhing, ziemlich konstruiert. Nichts, aber auch überhaupt nichts wurde hier dem Zufall überlassen, alles war geplant und von bösen Hintermännern in die Wege geleitet worden. Es löst sich am Ende (wenn auch nicht in Wohlgefallen) zwar alles auf und die Zusammenhänge sind klar erkennbar, doch etwas weniger Konstruktion hätte für meinen Geschmack dem Roman sehr gut getan. So bleibt es im Rückblick für mich eine recht chaotische Geschichte mit noch chaotischeren Hauptfiguren. Sehr gut gefallen hat mir aber Anna Thalbach als Vorleserin, die Jessy für mich überdeutlich darstellte mit ihrer feinen, manchmal leicht abwesend klingenden Stimme. Auch der Part von Max gefiel mir - recht neutral, schwer zu entscheiden ob Mann oder Frau, genau richtig für diese Figur. Alles in allem also ok - wenn man Anna Thalbach mag ;-)

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Schrecklich!
von einer Kundin/einem Kunden aus Oldenburg am 19.01.2015
Bewertetes Format: Einband: Taschenbuch

In meinen Augen ist es das schlechteste Buch, das ich je gelesen habe. Die Atmosphäre des Buches ist düster und melancholisch, wird aber im Verlauf des Buches immer abstrakter. Die Figuren wirken übertrieben und so auch die Szenen, Situationen und vor allem die Fäkalsprache. Es wirkt alles gestellt und... In meinen Augen ist es das schlechteste Buch, das ich je gelesen habe. Die Atmosphäre des Buches ist düster und melancholisch, wird aber im Verlauf des Buches immer abstrakter. Die Figuren wirken übertrieben und so auch die Szenen, Situationen und vor allem die Fäkalsprache. Es wirkt alles gestellt und kein bisschen realistisch, dafür aber umso mehr ekelerregend - auch wenn ich nicht zart besaitet bin. Man schon auf sehr abstrakte Literatur stehen, um Gefallen an dem Buch zu finden. Dennoch zwei Sterne, da die Spannung von Anfang bis Ende erhalten bleibt und den Leser (der sich für solche Literatur begeistert) ununterbrochen mitreißt und neugierig macht.

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