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Believe

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Besprechung
Eine Liste der berühmtesten Diven der Welt aus der zeitgenössischen Musik zusammenzustellen, ist ein interessantes Gedankenspiel. Selbstverständlich fällt einem sofort Barbra Streisand ein. Streisand gehört zu der kleinen Gruppe von vielleicht drei internationalen Frauen, die nur mit dem Singen einer einzigen Note tausende von Zuschauern andächtig nach Luft schnappen lässt. Hinter ihr könnte man sich Céline Dion vorstellen, deren Abendkleid in der Briese einer unsichtbaren Windmaschine weht. Eine Diva ist eine Sängerin mit einem außergewöhnlichen und großartigen Talent am Rande der Exzentrik. Mit einer Stimme, die, wenn sie in voller Stärke erklingt, die Luft beherrscht, und die geflüstert Herzen brechen kann. Eine Diva bewegt sich fernab einfacher Launen und täglicher Trendwenden. Sie ist stark genug, alleine zu stehen und zu singen.

Doch was hat das alles mit einer reizenden jungen Dame von bescheidener Herkunft aus dem winzigen Dorf Neath in den walisischen Tälern zu tun? Einiges, denn Katherine Jenkins könnte Britanniens Herausforderin für den Thron dieser Frauen werden. Nachdem sie Rekorde gebrochen, Beifall geerntet und mehrfach Platinverkäufe ihrer Aufnahmen erreicht hat, mit Preisen überhäuft wurde und bei allen größten Sportturnieren Großbritanniens aufgetreten ist, bereichert sie ihr Werk nun mit dem Klassik-Crossover-Bereich. Getragen von einem Sound für ihr siebtes Album, der unter der erfahrenen Leitung des weltklasse Starmachers und Produzenten David Foster in den sonnenverwöhnten Hollywood Hills entstand und mit dem beispiellosen Rückhalt und Einsatz des neuen Labels Warner Music, fühlt sich Katherine wie eine Supernova. Mit ihren 29 Jahren ist das Band zu ihrer heimatlichen Kultur so stark, dass sie es wagen kann, es zugunsten der internationalen Bühne zu lockern. Und plötzlich sieht es so aus, als hätte das Vereinte Königreich eine Diva geboren, die in jeder Beziehung reif für die Weltbühne ist.

Katherine atmet tief ein. "Wenn ich an Diva denke, dann denke ich an Stimme. Ich denke an eine Frau, die unabhängig ist und sich um ihre eigene Karriere kümmert. Ich denke an eine Frau, die weiß, was sie künstlerisch leisten will. Und ich denke an eine Frau, die das mühelos bewerkstelligt. Ich bin bereit, diesen Weg zu gehen."

Wie wir wissen, war 2009 das Jahr der britischen Popmädchen. Was geschieht in den anderen Bereichen? "Es gibt zurzeit eine Diskussion über Frauen im Musikbusiness", sagt sie, "Ich werde immer gefragt, ob ich aufgrund all dieser tollen, aufstrebenden Künstlerinnen eine Veränderung bemerkt habe. Für die Popmusik sind das natürlich drastische Neuerungen. Und es ist fantastisch zu sehen, was diese Frauen tun und wie gut sie es tun. Aber in der klassischen Welt gibt es unzählige starke weibliche Charaktere. Dort ist das fast selbstverständlich. Daher ist der Begriff von Stärke und Weiblichkeit in der Welt, aus der ich komme, keineswegs merkwürdig, sondern ganz normal. In der Oper geht es nur um starke Frauen." Jenkins Man kann nicht gerade sagen, dass die Aufnahmen dieser entscheidenden, metamorphosierenden Platte mit offensichtlicher Stärke begonnen hätten. Zu wissen, dass sie für die Herausforderung bereit war, dem kreativen Mut ihrer Vorbilder nachzueifern, war eine Sache. Dies auszuführen, war eine andere. Im Februar letzten Jahres unternahm Jenkins die erste von mehreren dreiwöchigen Reisen nach LA, um gemeinsam mit Foster in seinem Studio zu arbeiten, mit der ausdrücklichen Absicht, etwas Neues und Richtungsweisendes für die Sängerin zu schaffen. "Am ersten Tag habe ich das Studio sogar unter Tränen verlassen. Und an meinen stimmlichen Fähigkeiten gezweifelt.-- Die außergewöhnliche Sängerin und der Produzent schlechthin begannen daraufhin mit einem Brainstorming über die Art der Songs, die ihre Karriere auf die nächste Ebene bringen sollten. "Meine übliche Arbeitsweise bei allen meiner ersten sechs Alben war es, die Songs auszusuchen, ihre Arrangements machen zu lassen und den Song dann einzusingen. Dieses Mal war es vollkommen anders."

Einer der Songs, die Katherine vorbrachte, war der weltweite Gothic-Pop-Hit Bring Me To Life von Evanescence aus dem Jahre 2003. Es gab etwas in Amy Lees Gesang auf dem Original, mit dem sie sich verbunden fühlte: eine Dringlichkeit und tiefe Sehnsucht. David begann mit einer grundlegenden orchestralen Überarbeitung des Songs, aus dem das Schlagzeug entfernt und durch pulsierende Streicher ersetzt wurde. "Und David sagte zu mir: "Das ist eine tolle Idee, aber ich glaube nicht, dass du diesen Song singen kannst.’" Sie war am Boden zerstört. "Ich bin es nicht gewohnt, dass mir jemand sagt, wo meine Grenzen liegen. Ich sehe lieber die Möglichkeiten. Ich wusste, dass ich das konnte." Sie verließ das Studio und zog sich unter Tränen in ihr Hotel zurück. "Ich habe ihm nicht gesagt, dass er mich zum Weinen gebracht hat, erst, als die Sessions beendet und wir so glücklich mit alldem waren, was wir geschaffen hatten. Als es unter Dach und Fach war."

Doch auf Regen folgt Sonnenschein. Bring Me To Life wurde im wahrsten Sinne des Wortes als zeitgemäßer musikalischer und emotionaler Sturm ins Leben gerufen und zum entscheidenden Merkmal dessen, was Katherine Jenkins mit ihrer neuen Platte erreicht hat. Es steht für den gigantischen Schritt ihrer eigenen Vorstellungskraft, den sie in LA vollzogen hat. Als man ihr die 12/8-Demoversion von Bob Marleys No Woman, No Cry von Fosters Koproduzenten Jocem vorlegte, war sie nicht mehr eingeschüchtert, sondern begann, in ihrem Kopf ihre eigene, einzigartige klassische Version zu hören. "Der Liedtext ist perfekt und passt fantastisch zu dieser friedlichen, gemütlichen Version. Unmittelbar nach dem Hören konnte ich sehen, wohin das führen würde. Ich liebe diesen Song. Wer tut das nicht? Aber ich konnte fühlen, wie er zu meinem eigenen werden könnte und wie er live klingen würde. Es ging nicht einfach nur darum, meinen Aufgabenbereich zu erweitern, sondern darum, das Ganze wie eine entstehende Liveshow zu sehen. Wenn man sich erhofft, klassische Crossover-Musik auf eine höhere Ebene zu bringen, muss man vor allem sehen, wie man das in einen größeren Maßstab überträgt." Jeder Song wurde geschickt mit Fosters Signatur angefertigt. "Jedes Mal, wenn David einen Song arrangierte, sprach er über diesen Moment, an dem die Musik das Publikum dazu bringt, aufzustehen und zu applaudieren."

Ein Duett des unglaublich eindringlichen I Believe mit Andrea Bocelli eröffnete weitere Möglichkeiten für ihre Karriere. "Es ist mein Lieblingssong auf dem Album", sagt Katherine, "wir haben ihn bereits ein paar Mal zusammen gesungen, aber niemals gemeinsam aufgenommen. Aber plötzlich war ich in Davids Welt, David hat eine Platte für Andrea produziert, und die Teile des Puzzles fügten sich einfach zusammen." Um im Gefüge des neuen Albums zu bleiben, verzichteten sie auf ein traditionelles Opernduett, zugunsten einer neuen Popsong-Lesart. "Meine Stimme soll nicht in die einer Popsängerin verwandelt werden. Das möchte ich gar nicht. Ich glaube aber einfach nicht, dass ich mit meiner Stimme keine Popsongs interpretieren kann."

Dies wurde durch ihre besondere Interpretation von Sarah McLaughlins Song Angel, einem etwas folkloristischeren Lied, bestätigt. "Wenn ich diesen Song zu Hause singen würde, hätte man genau die gleiche Art von Intimität, die wir auf der Platte haben", sagt sie, zu Recht begeistert von Fosters aufs Wesentliche reduzierter Produktion. Nachdem sie ihren neuen Sound gefunden hatte, begann in LA das Projekt X, die alchimistische Neuausrichtung von Katherine Jenkins, der jungen Frau aus dem kleinen Ort mit der riesigen Stimme. Der Grammy-ausgezeichnete Autor von Dance With My Father und Right Here Waiting For You, Richard Marx, steuerte außerdem noch die brillante Powerballade Fear Of Falling bei. "Es funktionierte einfach.--

Mit dem Eintritt in Davids Welt ging auch eine einzigartige Reihe persönlicher Herausforderungen an Katherine einher. Sie stellte sich jeder einzelnen, ohne sich nach dem einen Mal, das sie beifällig erwähnt hat, weiter einschüchtern zu lassen. "An einem der ersten Abende, als ich hier ankam, war ich in meinem Hotelzimmer, mit einem riesigen Jetlag. Ich hatte mich auf einen ruhigen Abend gefreut, wollte vielleicht etwas vom Zimmerservice bestellen. Da klingelte das Telefon und David fragte: "Was hast du heute Abend vor? Ich bin mir nicht mehr sicher, aber magst du Barbra Streisand?’" Ich sagte ihm, dass sie eine meiner größten Inspirationsquellen sei, woraufhin er meinte: "Wunderbar, ich möchte, dass du zu ihrer Geburtstagsparty kommst.’ Ich saß da in meinem Schlafanzug ohne Make-up und dachte -- wie schnell kann ich mich dafür fertig machen? Bringt mich nach Bel Air! Ich trat ein, und jeder war da, von Hugh Jackman über Sydney Poitier bis Warren Beatty. Der Typ, der das Fest für Barbra ausrichtete, hieß Sandy Gallo. David stellte mich ihm vor und er sagte: "Na, sie muss natürlich für Barbra singen.’ Ich war total übermüdet und überhaupt nicht vorbereitet, und bevor ich wusste, wie mir geschah, stand ich vor dem Klavier und musste vor über 100 Menschen singen. Ich durfte überhaupt nicht daran denken, wer mich hier alles sehen konnte. Ich sang O Mio Bambino Caro und ging über zu Happy Birthday. Die ganze Zeit über sah ich Barbra inmitten all dieser Menschen, wie sie ihren Hund Samantha streichelte und mich beobachtete."

Es ist dieser Stoff, aus dem Katherine Jenkins Träume gemacht sind. "Es war eine dieser außerkörperlichen Erfahrungen. Von außen mag ich gefasst ausgesehen haben, aber innerlich schrie es in meinem Kopf "OH MEIN GOTT, was zum Teufel machst du hier, Mädchen?’ Ich konnte nicht glauben, dass dies tatsächlich geschah. Es war eine dieser Geschichten, bei der man denkt: "Wenn ich das meiner Mama in Neath erzähle, wird sie mir das überhaupt glauben?’"

Wenn Katherine Jenkins Barbra am Klavier ein Ständchen bringen kann, dann ist sie auf jeden Fall auch bereit, neben ihr in die Riege der internationalen Diven einzutreten. "Was auch immer nun passiert, passiert. Ich bin niemand, der jede kleinste Bewegung plant und überlegt, was er als nächstes tut. Alles, was ich weiß, ist, dass ich ein Album geschaffen habe, auf das ich von allen am stolzesten bin. Es gehört mir. Ich war bei jedem Orchestrierungsschritt dabei, von der Planung bis zur Ausführung. Ich bin bereit für etwas Neues."

Und es hört mit dieser Platte nicht auf. Zusammen mit Design- und Produktionsgenie Kim Gavin, der in diesem Jahr für die Tour von Take That, der größten britischen Tour aller Zeiten, verantwortlich war, hat Katherine gerade mit der Planung ihrer ersten Solo-Arenatour begonnen. Der Übergang vom klassischen Milieu, in dem sie groß geworden ist, zur Mainstream-Welt rückt für Katherine näher. "Ich sehe keinen Grund, warum ich das nicht weiter treiben sollte. Ich habe hier etwas berührt, das sich richtig anfühlt. Die Leute glauben, dass klassische Musik, nur weil ich sie selbst mache, die einzige Musik ist, von der ich etwas verstehe, oder die ich selbst höre. Aber ich liebe alle unterschiedlichen Arten von Musik. Ich würde gerne etwas machen, das völlig aus der Reihe tanzt. Ich finde die Vorstellung großartig, so etwas zu tun, was Dido mit Eminem bei Thank you gemacht hat. Einen Folksong zu nehmen und mitten in eine legendäre Hip Hop-Platte zu stecken. Ich sehe keinen Grund, warum jemand wie Kanye West das nicht auch mit Oper machen sollte. Mit dieser Platte sind mir die zeitgemäßen Möglichkeiten einer Opernsängerin klar geworden."

Für die erste echte britische Diva geht es bis zum Horizont und weiter. Zeit, einen opernhaften Gin Tonic oder ein Pop-Bier auf sie zu erheben. Sie kann nun beides begleiten.
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Beschreibung

Produktdetails


Medium CD
Anzahl 1
Erscheinungsdatum 26.03.2010
EAN 0825646828555
Genre Pop
Hersteller Warner Music
Komponist Katherine Jenkins
Musik (CD)
19,99
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Mit diesem Album definiert die junge britische Ausnahmekünstlerin den Begriff Klassik-Crossover neu.
Ihre von ihr auf diesem Album präsentierten Versionen von Welthits wie „Who Wants To Live Forever“ von Queen oder Edith Piafs „La Vie En Rose“ sind purer Hörgenuss, zu dem ihre Stimme sehr beiträgt. Fast spielerisch vereint Jenkins auf ihre ganz eigene, außergewöhnlichen Art und Weise klassische Highlights (La Califfa) mit Klassikern der Popmusik. Damit erreicht sie zunehmend auch Hörer aus anderen Zielgruppen als der reinen Klassik. Ein Kleinod nicht nur für Klassik-Fans.

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