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Dem Leben entfremdet

Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden

(1)
Wir leben in einer vollkommen durchkonstruierten Welt und sind unfähig, lebendig, mitfühlend und empathisch die Wirklichkeit wahrzunehmen. Anlass für eine Fundamentalkritik an unserer Zivilisation durch den bedeutenden Psychoanalytiker und Gesellschaftskritiker Arno Gruen.
Unser Bewusstsein und unsere Wirklichkeit sind beherrscht von Krisen, Hass, Exzessen und Gewalt bis hin zur Verachtung des Menschlichen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Technik und Informatik beeinflussen, beaufsichtigen, befehlen uns: Das abstrakte Bewusstsein entfremdet uns unaufhaltsam dem Leben. Das Empfinden für die Wirklichkeit und das Mitgefühl für andere Menschen werden zunehmend durch ein unnatürliches und nicht mehr menschliches Bewusstsein abgewertet und unterdrückt. So nehmen wir den Ursprung unseres selbstzerstörerischen Tuns nicht mehr wahr. Das empathische Bewusstsein würde es uns ermöglichen, den Weg des Lebens neu zu entdecken.
Rezension
"Wer einen unbefangenen Blick auf den Zustand unserer Welt wirft, auf all das leid, das Menschen einander in Syrien, Somalia, Nordkorea, dem Irak und anderen Weltgegenden zufügen, wer die deprimierende Gewalttätigkeit der menschlichen Spezies in den Blick nimmt, wird es sich manchem Einwand zum Trotz nicht leisten wollen, auf Arno Gruen und seine Bücher zu verzichten."
Günter Kaindlstorfer, ORF, 17.05.2013
"Das klingt wie ein Erich Fromm fürs 21. Jahrhundert. Gut so."
Andreas Malessa, Deutschlandradio Kultur, 09.07.2013
Portrait
Arno Gruen, 1923 in Berlin geboren, emigrierte 1936 in die USA. Nach dem Studium der Psychologie leitete er ab 1954 die psychologische Abteilung der ersten therapeutischen Kinderklinik in Harlem. 1961 promovierte Arno Gruen als Psychoanalytiker bei Theodor Reik. Es folgten Professuren in Neurologie und Psychologie. Daneben führte er seit 1958 eine psychoanalytische Privatpraxis in Zürich, wo er seither lebt und praktiziert.
In seinen zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigt sich Arno Gruen mit dem plötzlichen Kindstod, mit den psychologischen Ursachen für Gewalt und Fremdenhaß, mit den Voraussetzungen für Autoritätsgläubigkeit und Demokratie.
Für das bei Klett-Cotta erschienene Buch Der Fremde in uns erhielt Arno Gruen im Jahr 2001 den Geschwister-Scholl-Preis.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 208
Erscheinungsdatum 17.10.2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-94746-5
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 210/136/25 mm
Gewicht 342
Auflage 5. Auflage
Verkaufsrang 78.415
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„Dem Leben entfremdet“

Cornelia Wandler, Thalia-Buchhandlung Baden-Baden

Was bringt Eltern dazu, die Lebendigkeit und Lebenslust ihrer Säuglinge als störend oder gar bedrohend zu erfahren?

Ein Kind solcher Eltern wird dann bald voller Angst und Unbehagen sein.
So lernt es früh, dass der Teil in ihm, der sein eigenes ursprüngliches Selbst ist, die Beziehung zu den Eltern gefährdet und deshalb
Was bringt Eltern dazu, die Lebendigkeit und Lebenslust ihrer Säuglinge als störend oder gar bedrohend zu erfahren?

Ein Kind solcher Eltern wird dann bald voller Angst und Unbehagen sein.
So lernt es früh, dass der Teil in ihm, der sein eigenes ursprüngliches Selbst ist, die Beziehung zu den Eltern gefährdet und deshalb schlecht ist. Das Eigene wird unversehens zum Fremden gemacht. Dieses eigene Fremde aber muss von nun an beständig bekämpft werden. So wird es unterdrückt und durch ein erwartetes Verhalten ersetzt. Wie verheerend sich die frühkindliche Abspaltung des Eigenen auswirken kann: zu einer „potentiellen Quelle eines inneren Terrors“,. Denn die „Nicht-Achtung“ der ursprünglichen Bedürfnisse und Wahrnehmungen des Kindes lässt in diesem eine tiefe Unsicherheit entstehen, die den Menschen dann permanent nach Sicherheit jagen, nach kompensatorischer Größe und Macht, nach Herrschaft und Besitz streben lassen. Da das Eigene als solches nicht sein darf und zum Fremden wird, das zuerst innen, dann – als Projektion – auch außen unterdrückt, gehasst und gedemütigt werden muss, „ist die Geschichte der großen Zivilisationen (letztlich) die Geschichte der Unterdrückung unserer empathischen Natur.“ Von diesem „Verrat am Selbst“ ausgehend, erklärt der Autor in seinem neuen Buch beispielsweise auch die Finanzkrise, deren Ursprung in der „Idee der Größe“ zu suchen sei, „die dem menschlichen Bedürfnis entspringt, seiner grundsätzlichen Unsicherheit zu entkommen“. Wenn wir den Prozess der Selbstentfremdung unterbrechen, uns selbst mit all unseren Schwächen und unserem Selbst annehmen und die Schwächen anderer respektieren, dann können wir uns selbst und andere wieder lieben lernen.“

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