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Demenz

Abschied von meinem Vater

(2)
Walter Jens, mein Vater, ist dement. Sein Gedächtnis ist taub, die Sprache versiegt. Die Blicke sind hohl und verloren. Meine Mutter, mein Bruder und ich sind uns einig, wir wollen, wir werden sein Leid nicht verstecken. Tilman Jens Buch ist die Chronik eines Abschieds des Sohnes vom geliebten und bewunderten Vater. Schmerzhaft konkret erzählt er von der Entdeckung eines ganz anderen, hilflosen Menschen, von der Grausamkeit der Krankheit, von einem quälenden langen Weg in die letzte Stufe des Dämmerns. Er zeichnet die Stationen dieses Abschieds nach und erzählt von einem Lebensende, das so gänzlich anders verläuft, als es seinem Vater, dem Virtuosen des Wortes, vorbestimmt schien.
Portrait
Tilman Jens, geb. 1954 in Tübingen, lebt als freier Autor in Frankfurt/M. Schon als Schüler bestand am späteren Berufswunsch kein Zweifel. Journalist: Reisen und Schreiben. Mit 15 Jahren erste Versuche beim Schwäbischen Tagblatt und bei der Sylter Rundschau. Abitur auf der Odenwaldschule. Studium in Konstanz. Daneben, zunächst in den Semesterferien, erste Filmbeiträge für das "Bücherjournal" des NDR-Fernsehens.
Bald darauf regelmäßige Mitarbeit in der ttt-Redaktion des Hessischen Rundfunks. Seit Mitte der 80er Jahre verstärkt auch Arbeit an längeren Formaten. Über 100 Fernsehfeatures, meist für die ARD, in denen Jens die Schnittstellen von Kultur, Theologie und Politik interessieren, sei es im Porträt des Dirigenten Kurt Masur oder in der kritischen Dokumentation über christlichen Fundamentalismus oder die Aktivitäten der Sekte "Scientology". Von der ersten Ausgabe an: Arbeit für 3sat-Kulturzeit.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 144
Erscheinungsdatum 19.07.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-15618-4
Verlag Goldmann
Maße (L/B/H) 185/126/15 mm
Gewicht 170
Buch (Taschenbuch)
8,95
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„Zeugnis einer schmerzhaften Loslösung“

Irene Hantsche, Thalia-Buchhandlung Jena, Goethe-Galerie

Anliegen des Sohnes von Walter Jens für sein Buch ist – ganz anders als das seiner Mutter - das persönliche Zeugnis einer schmerzhaften Loslösung von seinem Vater als das ethisches, moralisches Vorbild für ihn selbst und viele seiner Bewunderer.
Es ist keine Abrechnung mit dem Versagen des Vaters, der über Jahrzehnte seine NSDAP-Mitgliedschaft
Anliegen des Sohnes von Walter Jens für sein Buch ist – ganz anders als das seiner Mutter - das persönliche Zeugnis einer schmerzhaften Loslösung von seinem Vater als das ethisches, moralisches Vorbild für ihn selbst und viele seiner Bewunderer.
Es ist keine Abrechnung mit dem Versagen des Vaters, der über Jahrzehnte seine NSDAP-Mitgliedschaft verschwieg, sondern ein Nachspüren der Ursachen für dieses Verhalten, das ihn auf eine sonderbare Stufe stellt mit anderen prominenten Geistesschaffenden.
Es ist auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz, an der sein Vater zeitgleich mit dem bekannt Werden seiner NSDAP-Mitgliedschaft erkrankte. Die Folgen dieser Erkrankung auf das Familienleben mit all ihren Konsequenzen werden sehr bewegend dargestellt.
Dass bei der Auseinandersetzung mit diesen Themen Jens nicht immer nachvollziehbare Rückschlüsse einfließen ließ, beeinflusst nicht eine unbedingte Empfehlung für das Buch

Kundenbewertungen


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Ein Meisterwerk zum Thema Demenz
von Margarete Noack aus Berlin am 05.11.2010

Der Leser wird nicht überfordert. Es gelingt Tilman Jens, die Balance zwischen beunruhigenden Informationen über Demenz und dem manchmal erschreckenden Umgang mit Betroffenen, dem Leben an sich bis zum Schluß zu halten. Das nimmt die Schwere lenkt den Blick auf Meilensteine im Leben, die man nicht überlesen sollte. Wer sich... Der Leser wird nicht überfordert. Es gelingt Tilman Jens, die Balance zwischen beunruhigenden Informationen über Demenz und dem manchmal erschreckenden Umgang mit Betroffenen, dem Leben an sich bis zum Schluß zu halten. Das nimmt die Schwere lenkt den Blick auf Meilensteine im Leben, die man nicht überlesen sollte. Wer sich diesem Buch, auf der Suche nach Rezepten gegen das Vergessen nähert oder dem Drama eines intellektuell “gescheiterten” Lebens beiwohnen möchte, betrügt sich selbst, denn darin besteht der Wert des Buches: Es kann jeden treffen! Der Sohn erzählt die Lebensgeschichte seines berühmten Vaters. Wie er sich ihm fragend in Reflexionen über das gemeinsame und dessen Leben an sich nähert, zeigt mir die Liebe eines verunsicherten Sohnes, der um Verstehen ringt. Die Zeit des 3. Reiches gehört ebenso dazu wie die Tatsache, das zwei Frauen das Leben seines Vaters maßgeblich bestimmten: Anna, die Mutter von Walter Jens, die den schwachen, kränkelnden Sohn nicht annehmen konnte, ohne in ihm das Feuer des Ehrgeizes zu entfachen: “Du mußt ein Geistesriese werden” Und am Ende seines Weges Inge, die Ehefrau, die vermutlich , wie Anna, Schwäche schwer erträgt und ihn verbal von sich abkoppelt: “Das ist nicht der Mann den ich geheiratet habe.” Nur Margit, die Haushälterin und Bäuerin findet Zugang zu ihm. Der Schwache findet endlich Frieden wird geerdet durch das von ehrgeizigen “Geistesmenschen” immer ein wenig belächelte einfache Leben. Brauchte er die Demenz um sich endlich vom Ehrgeiz anderer zu befreien, möchte ich provokativ fragen? Haben Beruhigungs und Schlafmittel den Prozess der Menschwerdung verhindert, ihn in die Demenz getrieben ? Darin liegt für mich die eigentliche Tragik. Was wäre aus ihm geworden wenn Mutter Anna den kränkelnden Sohn einfach nur geliebt, ihn angenommen hätte wie er war und seiner Entfaltung liebevoll zugeschaut hätte ? Warum gibt der Pfleger Buntstifte und Papier und sagt: damit er, der Demente Walter Jens, was zu schreiben hat. Warum nicht einen Füllfederhalter oder Kugelschreiber? Warum bekommt er eine Puppe zum liebhaben? Ist denn keiner mehr da, der ihn liebevoll ansieht, umarmt, um ihm zu zeigen, dass er trotz Schwäche liebenswert ist? Oder waren das schon seltene Momente im Leben davor, nur Belohnung, wenn er erfolgreich war? Das Buch wirft viele Fragen auf, Fragen über die es sich lohnt nachzudenken - Lebensfragen, auch für das eigene Dasein. “Am Schreibtisch sieht alles ganz anders aus”, so Tilman Jens in seinem Buch über den Vater. Nein, er ist kein Vatermörder. Im Gegenteil, er schreibt über die Verwandlung eines Geistesriesen in einen Menschen, der lacht und weint. Weint er über das verlorene Leben das ihm beim Besuch auf dem Bauernhof bewußt wird, dieses einfache zum anfassen und spüren? Es ist Tilman Jens gelungen ein Buch über Demenz in angemessener Form zu schreiben. Angemessen weil es nicht die Dramatik einseitig beschreibt, sondern im Kontext eines Lebens aufleuchten läßt. Medikamentenmißbrauch, Urteile, Vorurteile, Einseitigkeit, sogar im Urlaub steht der Geist nicht still. Wer das Buch aufmerksam liest muß nachdenklich werden. Demenz ist eine Krankheit, die alles verändert, auch das Leben der Angehörigen.

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Sensibles Porträt von Walter Jens aus der Sicht seines Sohnes
von einer Kundin/einem Kunden am 23.07.2009
Bewertetes Format: SPECIAL (gebundene Ausgabe)

Sehr schönes, berührendes Buch. Ich begreife nicht, warum es viele Kritiker so verteufeln. Es ist m.E. durchaus nicht die späte Rache eines im Schatten stehenden Sohnes, kein Sturz des Denkmals vom Sockel. Im Gegenteil: Tilman Jens schreibt sehr schön, treffend, liebevoll, zart, sehr persönlich. So tut die Schilderung der... Sehr schönes, berührendes Buch. Ich begreife nicht, warum es viele Kritiker so verteufeln. Es ist m.E. durchaus nicht die späte Rache eines im Schatten stehenden Sohnes, kein Sturz des Denkmals vom Sockel. Im Gegenteil: Tilman Jens schreibt sehr schön, treffend, liebevoll, zart, sehr persönlich. So tut die Schilderung der Krankheit der Persönlichkeit des Vaters keinen Abbruch. "Wir wollen, wir werden sein Leid nicht verstecken", haben Mutter und Sohn beschlossen. Was ist denn schon peinlich an einer Krankheit? Walter Jans selbst ging ja auch offensiv (und öffentlich!) mit seiner Depression um; weigerte sich, sich dafür zu schämen. -- Für mich bleibt nach der Lektüre zurück: Ich habe Walter Jens ein Stück weit kennen und schätzen gelernt, ebenso seinen Sohn Tilman. Und: Hier kommt die ganze Demenz-Problematik zur Sprache wie in einem Lehrbeispiel (ich habe selbst einen Alzheimer-kranken Vater!): die Angst des Vaters, seine Geistesfähigkeit und Autonomie zu verlieren, und der Wunsch bzw. Beschluss, in diesem Fall sein Leben vorher in Würde zu beenden; die verpasste Gelegenheit, ebendies zu tun; die Qualen der Krankheit für Patient und Angehörige; dann, welch ein Glücksfall, die Margit, die ihn liebevoll und fröhlich pflegt und bei der er durchaus, auf anderer, "kreatürlicher" Ebene, neben Leid auch Freude empfindet. Schließlich, als Quintessenz, die entscheidende Frage: Ist dieses Leben noch lebenswert? -- Das neben der Demenz-Problematik zweite Thema des Buches: das Versagen bei der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit. Auch hier wird m.E. Tilman Jens dem Vater mehr als gerecht. Auch hier ist es keineswegs ein Denkmalsturz, kein Zerren von Privatem an die Öffentlichkeit; denn öffentlich wurde die Geschichte längst vorher. Dass die Scham über die verschwiegene Nazi-Vergangenheit die Demenz ausgelöst hat - ja dass sich Walter Jens geradezu in die Demenz geflüchtet hat, ist allerdings zweifelhaft. Andererseits - die Seelenlage hat ja unbestreitbar Auswirkungen auf den Körper; wieso soll die seelische Not die Demenz nicht zumindest beschleunigt haben?

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2 0
Beeindruckender Einblick in die Familie Jens!
von einer Kundin/einem Kunden aus Hannover am 14.04.2009
Bewertetes Format: SPECIAL (gebundene Ausgabe)

Dem Autor ist m.E. ein beeindruckender und sensibler Einblick -ohne voyeuristisch zu sein- in die Familie des berühmten Rhetorikers gelungen.

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