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Der irdische Kelch

Das Jahr neunzehn des zwanzigsten Jahrhunderts. Nachw. v. Eveline Passet u. Ilma Rakusa

Es ist »das Jahr neunzehn des zwanzigsten Jahrhunderts«, kurz nach der Revolution. Ein Landschloss in einem russischen Provinzstädtchen, dessen erster Stock zu einem »Museum des Gutslebens« umfunktioniert wurde. Bevölkert wird das Schloss von sonderlichen Gestalten, die sich dort eingerichtet haben. Machtbesessene Emporkömmlinge, die die Gunst der Stunde nutzen, überlebensschlaue Bauern, eine betagte Kinderfrau, nun Hüterin zweier übriggebliebener Pfauen, und ein Gärtner, der unverdrossen den Garten bestellt, aus dem längst alle Bäume verschwunden sind. In dieser Gesellschaft soll der Dorfschullehrer Alpatow das Licht der Bildung verbreiten – eine aussichtslos erscheinende Aufgabe inmitten von Hunger, Bürgerkrieg und Aberglauben.
Michail Prischwin galt Zeit seines Lebens, ja bis zu Perestrojka und Mauerfall als ein apolitischer Autor, der als »Sänger der russischen Natur« (Paustowski) Bekanntheit erlangte. Prischwin führte allerdings auch jahrzehntelang ein von jeder äußeren und inneren Zensur freigehaltenes, gesellschaftlichmentale Verschiebungen minutiös festhaltendes Tagebuch, von dem nicht einmal seine Frau wusste. Und er schrieb in den Anfangsjahren seines literarischen Schaffens politisch gefärbte Texte wie »Der Irdische Kelch«, die zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht werden konnten. Die vielstimmige Erzählung mit ihrem Mischcharakter von Groteske und Legende ist der erste längere künstlerische Text, den Prischwin nach der Oktoberrevolution verfasst hat. Darin führt er eindrucksvoll sein ganzes Können vor: treffend gezeichnetes Personal und formale Kunstfertigkeit, stilistischer Reichtum und erzählerische Fülle.
Portrait
Michail Prischwin (1873–1954) wurde im Dorf Chruschtschowo rund 400 Kilometer südöstlich von Moskau als Kaufmannssohn geboren. Er studierte an der chemisch-agronomischen Fakultät des Polytechnikums in Riga, wo er 1897 festgenommen, inhaftiert und später unter Hausarrest gestellt wurde, weil er sich an der Verbreitung revolutionärer Schriften beteiligt hatte. Zwischen 1900 und 1902 schloss er sein Studium in Leipzig und Jena ab. Bis 1920 arbeitet Prischwin als Journalist, Dorflehrer, Bibliothekar und Museumskustos, daneben verfasst er – häufig auf der Grundlage von Reiseaufzeichnungen – seine ersten literarischen Texte. Neben seinen vielgerühmten Erzählungen sind vor allem sein autobiografischer Roman »Die Kette des Kastschej« und seine lange Erzählung »Shen-Schen« bekannt. Prischwin hinterließ auch ein umfangreiches fotografisches Werk, in dem er Natureindrücke festhielt, aber auch gesellschaftliche Veränderungen dokumentierte.
Eveline Passet geboren 1958, studierte Slawistik und Romanistik in Paris. Sie übersetzt aus dem Französischen und dem Russischen (u. a. Constant, Musset, Pennac, Rosanow, Golowanow und Kuprin), schreibt Rundfunkfeatures und leitet Workshops und Fortbildungen für Übersetzer. Zusammen mit Gabriele Leupold ist sie Herausgeberin von »Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden« (2012). 2014 erhielt sie den Übersetzerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft für ihr übersetzerisches Gesamtwerk.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 171
Erscheinungsdatum März 2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-945370-02-5
Verlag Guggolz Verlag
Maße (L/B/H) 195/121/20 mm
Gewicht 243
Originaltitel Мирская чаша
Auflage 1
Verkaufsrang 77.585
Buch (gebundene Ausgabe)
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