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Der Stinkefinger

Kleine Geschichte einer wirkungsvollen Geste

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Vom Steinzeitkrieger bis zu Varoufakis – eine Geste, mit der man sich maximale Aufmerksamkeit sichert.
Vom Steinzeitkrieger bis zu Varoufakis – eine Geste, mit der man sich maximale Aufmerksamkeit sichert.
Erst vor Kurzem provozierte die Geste eines griechischen Finanzministers in Deutschland Stürme der Entrüstung. Warum eigentlich, mag mancher Grieche gedacht haben? Denn in Griechenland bedeutet ein erigierter Mittelfinger heutzutage nicht so schrecklich viel – dort gilt inzwischen eine andere Geste als wirklich obszön. Und wäre das Ganze in Arabien oder Asien geschehen, niemand hätte sich erregt: Dort war der Stinkefinger vor der Globalisierung unbekannt.
Prof. Reinhard Krüger erforscht seit Jahrzehnten die Welt der Körpersprache – und gibt uns in seinem rasanten, kompakten und reich illustrierten Büchlein erhellende Einblicke in die Welt obszöner Gesten, speziell des Stinkefingers; sie entstammt dem griechisch-römischen Kulturkreis, war seltsamerweise über Jahrhunderte fast verschwunden, bis im 20. Jahrhundert von Amerika aus eine steile Renaissance begann.
Krüger beleuchtet nicht nur die Geschichte und Bedeutung der Geste, in welchen Ländern welche Gestenvarianten existieren, welche Künstler die Geste neu inter pretierten oder welche Politiker mit dem Finger voran bewusst oder unbewusst in welche Fettnäpfchen traten. Das Buch klärt auch über rechtliche Konsequenzen der Geste auf – und erzählt, wie einst eine in Nordkorea gefangengesetzte amerikanische Schiffsbesatzung den Triumph ihrer Peiniger dadurch desavouierte, dass sie auf Propagandafotos den in Asien unbekannten Stinkefinger zeigten.
Rezension
Wie er oder sie die Geste ausführt, was genau dies in seiner Kultur bedeutet und wo man sie historisch einreihen kann: das zu unterscheiden ist die Aufgabe, die Krüger in unaufgeregtem und anschaulichem Stil gelingt. Falter
Portrait

Reinhard Krüger, Romanist, Universalist und Gestenforscher an der Universität Stuttgart, hat bisher so unterschiedliche Arbeiten abgeliefert wie Studien zum Weltbild der Spätantike und der frühen Neuzeit, zur Semiologie, Archäologie der Globalisierung und zu Autoren wie Molière und Beckett.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 176
Erscheinungsdatum 10.03.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-86971-123-2
Verlag Galiani Verlag
Maße (L/B/H) 193/120/20 mm
Gewicht 236
Abbildungen mit Illustrationen
Buch (gebundene Ausgabe)
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Interessante Einblicke
von Michael Lehmann-Pape am 24.05.2016

Weltbewegend ist das Thema, dessen sich Krüger in diesem schmalen Band annimmt, nun eher nicht und ob man die einzelnen Etappen der Geschichte des hochgereckten Mittelfingers nun kennt oder nicht entscheidet auch nicht über die persönliche Lebensqualität. Aber interessant ist es schon, kundig erzählt, mit humorvollen Exkursen und einem durchaus... Weltbewegend ist das Thema, dessen sich Krüger in diesem schmalen Band annimmt, nun eher nicht und ob man die einzelnen Etappen der Geschichte des hochgereckten Mittelfingers nun kennt oder nicht entscheidet auch nicht über die persönliche Lebensqualität. Aber interessant ist es schon, kundig erzählt, mit humorvollen Exkursen und einem durchaus ernst gesponnenen, roten Faden versehen. Das schon in der Antike der Phallus omnipräsent (gar als Waffe) vorhanden war und schon bei Aristophanes der gereckte Mittelfinger seine Bedeutung besaß, das sind durchaus nicht breit bekannte Informationen. Vielfach trägt Krüger aus allen Bereichen und allen Zeiten die Nutzung der Geste zusammen. Wie der gereckte Mittelfinger im Mittelalter weit verbreitet in verschiedenen Gesten genutzt wurde, warum das nach Ende des Mittelalters plötzlich vorbei war (unklar, vielleicht durch die Herausbildung des „Gentleman“ bedingt) und wie der gereckte Finger dann doch so langsam wieder weltweit verbreitet Einzug in die non-verbale „Alltagssprache“ gefunden hat. „Der Mittelfinger als kollektive Äußerung“ führt den Leser gegen Ende der Betrachtungen nämlich in die Moderne der Geste als „globales Ausdrucksmittel“, in dem „das Zeigen des Mittelfingers tatsächlich die elementare Aufgabe einer jeden Kommunikation übernimmt“, als verbindendes Element in der Nutzung „gleichartiger Zeichen“. Bis dahin, dass der gereckte Finger „gattungsübergreifend“ seinen Platz finden könnte. Wer weiß, was die Affen in Indien so alles übernehmen von jenen Menschen, die ihnen ganz gerne den gereckten Mittelfinger zeigen. Informativ und breit in der Betrachtung ist dies vielleicht nicht das wichtigste Thema der Weltgeschichte, aber doch interessant zu lesen.

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