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Eine Liebe im Kaukasus

Roman

(2)
Marat, ein junger Anwalt, kehrt aus Moskau in seine Siedlung am Kaspischen Meer zurück. Seine Eltern haben bereits den Hochzeitssaal gebucht. Sie sind fieberhaft dabei, ihrem Sohn eine geeignete Braut zu präsentieren, während ihn der Fall einer ermordeten Bürgerrechtlerin nicht loslässt. Patja, auch sie aus Moskau zurückgekehrt, versucht sich vor den Nachstellungen Timurs in Sicherheit zu bringen, mit dem sie sich fünf Monate lang auf Facebook geschrieben hat und der sie, zur Freude der Eltern, partout heiraten will.
Die Präsentation der Kandidaten, ein wandernder Brautzirkus, führt quer durch die Milieus. Während des Vorstellungsmarathons kreuzen sich die Wege von Patja und Marat, die sich heftig ineinander verlieben. Romeo und Julia auf dem kaukasischen Dorf? Die Sache geht in der Tat nicht gut aus. Doch nicht die Eltern haben dabei ihre Finger im Spiel, sondern ein mafiotischer Krimineller, der zur falschen Zeit aus dem Gefängnis entlassen wird.
Alissa Ganijewa, eine mutige, weltoffene Schriftstellerin, erzählt diese Liebesgeschichte in zarten, rebellischen, zornigen Sätzen. Dialogreich, in komischen, oft skurrilen Szenen zeichnet sie das Bild einer Gesellschaft, in der globalisierte Lebensformen und traditionell geprägte Familienstrukturen, Archaik und Moderne aufeinanderprallen, während Korruption und Terrorgefahr ihr buchstäblich die brüchigen Fundamente wegzusprengen drohen.
Rezension
"Kriegen sie sich trotzdem? Das sei hier nicht verraten. Nicht nur, um das herauszukriegen, lohnt sich dieser stark von Dialogen lebende, von Situationskomik überquellende Liebes- und Gesellschaftsroman von der Südflanke des russischen Reiches unbedingt."
Martin Ebel, Tages-Anzeiger 22.08.2016
Portrait

Alissa Ganijewa, geboren 1985, wuchs in Machatschkala/Dagestan auf und lebt heute als Literaturkritikerin und Autorin in Moskau. Ihr Debüt, die unter männlichem Pseudonym veröffentlichte Erzählung Salam, Dalgat, löste heftige Reaktionen aus. Die russische Mauer, ihr erster Roman, wird zur Zeit in mehrere Sprachen übersetzt.

Christiane Körner lebt als Übersetzerin und Publizistin in Frankfurt am Main.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 240
Erscheinungsdatum 08.08.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42554-1
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 203/135/11 mm
Gewicht 376
Originaltitel Zenich i nevesta
Auflage 1
Verkaufsrang 37.837
Buch (gebundene Ausgabe)
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Eine Liebe im Kaukasus
von miss.mesmerized am 08.08.2016

Nach einem Jahr in Moskau kehrt Patja zurück in ihr Heimatdorf in Dagestan. Dort scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, denn für Frauen Mitte 20 gibt es nur ein Thema: Heiraten und Kinder bekommen. Mit 26 gilt Patja schon beinahe als alte Jungfer, die niemand mehr möchte. Auch Marat,... Nach einem Jahr in Moskau kehrt Patja zurück in ihr Heimatdorf in Dagestan. Dort scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, denn für Frauen Mitte 20 gibt es nur ein Thema: Heiraten und Kinder bekommen. Mit 26 gilt Patja schon beinahe als alte Jungfer, die niemand mehr möchte. Auch Marat, ein Anwalt, der hauptsächlich in Moskau arbeitet, erlebt dies und seine Eltern haben kurzerhand einen Hochzeitstermin ausgemacht und einen großen Saal gebucht. Nur die Braut muss noch gefunden werden. Während die beiden versuchen sich vor aufdringlichen Verehrern, alten Dorffehden und den typischen Sorgen rund um die Brautwerbung zu schützen, begegnen sie sich und verlieben sich. Sollten die Pläne der Eltern etwa ganz unerwartet erfüllt werden? Alissa Ganijewas Roman ist bisweilen sperrig zu lesen. Dies liegt hauptsächlich an dem Aufeinandertreffen zweier sehr verschiedener Welten: einerseits die weltoffene und moderne Jugend, andererseits die in der Tradition verhafteten Dorfbevölkerung, die sich von ihren alten Geschichten nicht lösen kann. Gerade die Brautwerbung und die Hochzeit – damit verbunden eine Szene, in der ein Brautpaar von einer erbosten Mutter einer abgewiesenen Bewerberin bösartigst verwunschen wird – muten bisweilen absurd bis erschreckend an und versetzen einem lockere 100 Jahre in die Vergangenheit. Eine gewisse Distanz, die sich Patja und Marat in Moskau erworben haben, lassen auch sie die Vorgänge im Dorf amüsiert und ironisch betrachten ohne jedoch auf die Bräuche herabzuschauen und auch durchaus gewillt, dem elterlichen Willen nachzukommen. Neben diesem Liebesgeplänkel wird aber auch die politische Situation in der kaukasischen Republik nicht verschwiegen. Es erschreckt einem schon, wie die Figuren auf die Verhaftung eines korrupten Dorfhäuptlings reagieren, von dem nur die (für die Bewohner) positiven Seiten betont werden. Auch ein Mord scheint nichts Außergewöhnliches zu sein, sondern wird mit einer gewissen Routine kommentiert. Dass hier einiges im Argen liegt, ist mehr als offenkundig. Dass dieser Roman es auf die Shortlist des russischen Booker-Preises geschafft hat, ist leicht nachzuvollziehen. Er verlangt einiges vom Leser – aber durchaus positiv zu verstehen ist.

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Zerrissen zwischen Tradition und Moderne
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 09.11.2016

"Eine Liebe im Kaukasus", der zweite Roman der in Dagestan geborenen Alissa Ganijewa, spielt in einer Siedlung nicht weit vom Kaspischen Meer und beschreibt den Clash zwischen Moderne und Tradition zwei junger Menschen. Marat, ein junger Anwalt, und Patja, beide aus Moskau in ihre Heimat in Dagestan zurückgekehrt, müssen... "Eine Liebe im Kaukasus", der zweite Roman der in Dagestan geborenen Alissa Ganijewa, spielt in einer Siedlung nicht weit vom Kaspischen Meer und beschreibt den Clash zwischen Moderne und Tradition zwei junger Menschen. Marat, ein junger Anwalt, und Patja, beide aus Moskau in ihre Heimat in Dagestan zurückgekehrt, müssen sich dem Wunsch ihrer Eltern stellen und endlich heiraten! Abwechselnd wird in den Kapiteln aus der Sicht Patjas und Marats berichtet, von Patjas Mutter, die ihrer Tochter immer wieder zu verstehen gibt, dass eine unverheiratete Frau mit den Jahren immer mehr an Wert verliert und Marats Eltern, die für ihren Sohn bereits für den 13. August einen Festsaal gemietet haben - doch leider fehlt noch die passende Ehefrau! Die Mütter, hysterisch und nach Enkelkindern lechzend, zeigen ihren Sprösslingen Listen von heiratswilligen und potenziellen Ehepartnern, die Kinder, Marat und Patja, finden an niemandem gefallen. Timur, mit dem Patja aus Moskau eine längere Brieffreundschaft pflegte, sieht in dieser das Ja für eine Heirat, doch bei der Begegnung in der Realität kann Timur bei ihr nicht überzeugen. Und auch Marat lernt seiner Mutter zuliebe die von ihr ausgesuchten Frauen kennen, wird jedoch mit keiner richtig warm. Auf einer Feier treffen sich nun Marat und Patja, sehen sich einige kurze Male und schon sind beide unsterblich verliebt und das Ende ist sehr vorhersehbar... Die Geschichte ist an vielen Stellen leider etwas kitschig, manchmal sperrig zu lesen, doch kann ich mir gut vorstellen, dass es in kaukasischen Familien wirklich so zugeht! Denn dass die Eltern auch im Jahr 2016 auf eine Heirat bestehen, teilweise den Partner der Kinder aussuchen, kommt (oft) vor. Und die Darstellung der Brautwerbung, die Bedeutung der Jungfräulichkeit, die Gerüchte in einer kleinen Siedlung, in der immer die Frauen die billigen Prostituierten sind und froh sein können, wenn sie jemand bis zum 25. Lebensjahr zur (Zweit-) Frau nimmt, ist mal tragisch und mal amüsant zu lesen. Eingebettet ist die Liebesgeschichte in eine angespannte Umgebung, in der islamistische Brüder Terroranschläge verüben und brutale Übergriffe der Staatsgewalt an der Tagesordnung stehen. Es ist eine kleine Geschichte von dem Verlust von Tradition, Sprache und Kultur. Etwas störend empfand ich die Tatsache, dass Patja als emanzipierte Frau, die einige Jahre in Moskau bei ihrem Bruder ein scheinbar nicht unwildes Leben gelebt hat, natürlich kurze Haare hat, sich nichts aus Make-Up macht und auch mal in Gummistiefeln auf die Straße geht. Können nicht auch Frauen mit langen Haaren, rotgeschminkten Lippen und High Heels cool und emanzipiert sein?! Im Nachwort führt die Übersetzerin Christiane Körner einige wichtige Informationen zu der Thematik des Buches, das einige Symbole verständlicher macht und beispielsweise auch die Sufi-Motive erklärt. Dieses Nachwort lässt die gesamte Geschichte in einem etwas anderes Licht erscheinen und einige Passagen, zB die vielen Meeres-Motive, werden verständlicher. Ein schönes Cover (das Meer!) und eine interessante Geschichte!

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