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Erinnerungen an Schulzenhof

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Nach außen schien es eine Idylle, das Leben des Schriftstellerpaars Eva und Erwin Strittmatter in Schulzenhof. Ihrem ältesten gemeinsamen Sohn war es zeitweilig ein „Alptraum in schöner Landschaft“. Es brauchte diese Erinnerungen – mal hart, mal heiter -, um die Eltern in einem anderen Licht zu sehen.
„Drei Jahre, bevor meine Mutter starb, veröffentlichte sie ein Buch über ihr Leben. Wie Vater das Schulzenhofer Leben sah, kann man in seinen Tagebüchern lesen. – Meine Eltern haben das ihre gesagt, und also sage ich das meine. So einfach ist das – und so schwer.“
Er heißt Erwin wie sein Vater, seinen Familiennamen hat er längst abgelegt. Im Jahr 2001 beginnt er, in Briefen von seiner Kindheit und Jugend zu erzählen: Wie auch seine Brüder wurde er schon als Kleinkind der Großmutter in Obhut gegeben. Bei den Besuchen und als er später dort lebte, musste er sich dem strengen „System Schulzenhof“ des Vaters fügen, der alles seinem Werk unterordnete. Mal hart, mal heiter schildert Berner, wie zerrissen die Mutter zwischen der Liebe zu ihren Söhnen und der Bewunderung für den Mann war. Während er sich nun erinnert, rücken ihm die alten Konflikte und Verletzungen schmerzlich nah. Er hält es aus, er verändert sich, er differenziert, streitet und findet endlich die innere Freiheit, die Eltern zu akzeptieren, wie sie waren.
Rezension
" Gegen die Sicht der berühmten Eltern setzt Sohn Erwin Berner nun seine eigene. " Sächsische Zeitung, 16.01.2016
" ["Erinnerungen an Schulzenhof" ist] reich an Poesie und detaillierten Beschreibungen [...] " Sächsische Zeitung, 12.03.2016
" [...] [Erwin Berner] weist sich [...] als sensibler Beobachter aus. " Lausitzer Rundschau, 14.03.2016
" Ehrlich, schonungslos, offen gibt [Erwin Berner] Einblick [...] " Freie Presse, 17.03.2016
" Mir ist das Buch unter die Haut gegangen. [...] Dafür an den Verlag ein Dankeschön. " Gisela Steineckert, Junge Welt, 20.03.2016
" Sehr genaue Beobachtungen und sprachliche Präzision - der Text ist durchdacht und in seiner Direktheit doch künstlerisch gestaltet. " Irmtraud Gutschke, Neues Deutschland, 04.04.2016
" [...] eine starke Lektüre, die einem klarblickenden Autor zu danken ist. " Christian Eger, Mitteldeutsche Zeitung, 06.04.2016
" [Erinnerungen an Schulzenhof] ist eine starke Lektüre, die eine klarblickenden Autor zu danken ist. " Berliner Zeitung, 18.04.2016
" Es brauchte diese Erinnerungen [...] " rbb Kulturradio, 19.04.2016
Portrait
Erwin Berner wurde 1953 als ältester Sohn von Eva und Erwin Strittmatter geboren. Er war ein vielbeschäftigter Bühnen- und Fernsehschauspieler, u. a. in „Adel im Untergang“, „Sonjas Rapport“, „Die Verführbaren (Ein ernstes Leben)“, „Ein altes Herz geht auf die Reise“ und „Zur See“. Er lebt in Berlin und schreibt Stücke, Gedichte, Liedtexte und Prosa.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 272
Erscheinungsdatum 14.03.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-351-03615-7
Verlag Aufbau
Maße (L/B/H) 221/134/27 mm
Gewicht 409
Auflage 3. Auflage
Verkaufsrang 40.211
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ERINNERUNGEN AN SCHULZENHOF - Erwin Berners tief trauriger Rückblick auf Kindheit und Jugend im Hause Strittmatter
von j.h. aus Berlin am 25.04.2016

Erwin Strittmatter (1912-1994) zählte zu den bekanntesten und einflussreichsten Schriftstellern der DDR. Seine Frau Eva Strittmatter (1930-2011) war auch bereits seit 1954 freischaffende Schriftstellerin, die mit eher unpolitischen Werken eine große Popularität hatte. Beide haben in veröffentlichten Tagebüchern, Erinnerungen, Briefen einiges über das gemeinsame Leben in Schulzenhof und die... Erwin Strittmatter (1912-1994) zählte zu den bekanntesten und einflussreichsten Schriftstellern der DDR. Seine Frau Eva Strittmatter (1930-2011) war auch bereits seit 1954 freischaffende Schriftstellerin, die mit eher unpolitischen Werken eine große Popularität hatte. Beide haben in veröffentlichten Tagebüchern, Erinnerungen, Briefen einiges über das gemeinsame Leben in Schulzenhof und die persönliche Sicht darauf erzählt. Stets sind derartige Erinnerungen hinsichtlich der persönlichen Rolle teils idealisiert und offenbaren eine durchaus verklärte Sicht auf das eigene Leben. Was Wahrheit und was Dichtung ist, wo Unbequemes ausgelassen oder relativiert wird - der Leser wird es selten erfahren. Erwin Berner (*1953) hieß eigentlich auch Erwin Strittmatter und gab sich dieses Pseudonym zu Beginn seiner Laufbahn als Schauspieler, um nicht ständig mit den prominenten Eltern in Verbindung gebracht zu werden und sein eigenes Leben führen zu können. Und offensichtlich markierte dieser neue Name auch einen Bruch mit dem Elternhaus, das für ihn nie ein wirklich liebevolles war. Erwin Berner schildert den Vater als eitlen Egomanen, der die Familie ausschließlich seinem Werk und seinem Erfolg unterordnete. Und er schildert die Mutter als Erfinderin eines "Systems Schulzenhof", das den Großschriftsteller zum alleinigen Mittelpunkt machte, hinter dem auch die vier Kinder zurückstehen mussten. So lebten Erwin und sein Halbbruder Ilya über Jahre bei der Großmutter in Neuruppin - damit der Vater seine Ruhe hatte. "Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr sehnte ich mich nach Schulzenhof. Schien Vater auch unnahbar zu sein, neigte er auch zu jähen Wutausbrüchen, so war doch das Schulzenhofer Leben geordnet. Alles hatte seinen Platz. Die Zimmer im Fachwerkhaus wirkten freundlich. Man konnte schöne Dinge betrachten. Danach sehnte ich mich. Ich schwänzte die Schule, fälschte Entschuldigungszettel, täuschte Krankheit vor, nur um einen weiteren Tag in Schulzenhof bleiben zu können." (S. 32) Erwin Berner hat sich die Erinnerungen in Form eines Brief-Tagebuchs bereits 2001 von der Seele geschrieben. Er berichtet von Einsamkeit, zurückgewiesener Liebe und wohl über Jahre unterdrückter Homosexualität. Die Sicht auf die Mutter ist durchaus ambivalent - sie ist Opfer und "Täterin" wohl gleichermaßen und sieht sich in späteren Jahren selbst als Opfer, hält es nur der Öffentlichkeit halber weiter im Gefängnis Schulzenhof aus. Adressat der Briefe ist "Herzchen", von dem der Leser im Verlauf nur erfährt, dass er ein Züricher Bühnenbildner ist, den Berner 10 Jahre zuvor bei einem Gastspiel kennenlernte. Auch ansonsten bleiben zahlreiche für die Gesamteinordnung eigentlich bedeutsame biografische Fakten unerwähnt, bleiben die Erinnerungen gewollt bruchstückhaft. Offenbar aus Rücksicht auf die zur Zeit der Niederschrift noch lebende Eva Strittmatter erfolgte die Veröffentlichung der Erinnerungen mit deutlicher Verspätung. Und auch hier gilt wohl der oben genannte Vorbehalt in Hinblick auf die eigene Person. Die ganze und rein objektive Wahrheit kann es in solchen Fällen nie geben. Das Buch aus dem AUFBAU-VERLAG ist insbesondere für Strittmatter-Kenner eine sehr empfehlenswerte Veröffentlichung!

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