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Gehen, ging, gegangen

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015

(7)
Entdeckungsreise zu einer Welt, die zum
Schweigen verurteilt, aber mitten unter uns ist
Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.
Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.
Rezension
Julia Gerd-Holling, Literatur-Expertin Thalia
Das sagt die Literatur-Expertin:
"'We become visible' - das steht auf einem Plakat der Flüchtlinge, die auf dem Berliner Oranienplatz seit einem Jahr in Zelten leben. Natürlich sind sie sichtbar, aber eben für die meisten von uns doch nicht. Richard, frisch emeritierter Professor, sieht sie auch nicht und wundert sich bei den abendlichen Nachrichten, dass er sie nicht wahrgenommen hat, obwohl er da war. 'Oft war es so, dass er am Beginn eines Projektes nicht wusste, was ihn vorantrieb, so als hätten seine Gedanken ein von ihm unabhängiges Leben und ihren eigenen Willen und warteten nur darauf, von ihm endlich gedacht zu werden [...]'. Und was für Richard wie ein Projekt anfängt - er will den Flüchtlingen Fragen stellen, Fragen wie 'Wo sind Sie aufgewachsen? Was war in Ihrer Kindheit Ihr Lieblingsversteck? Wie haben sich Ihre Eltern kennengelernt?' -, verändert schließlich sein Leben, sein Denken und Fühlen. Ein großes Buch, sprachgewaltig, hochaktuell, genau - für uns ist Jenny Erpenbecks Buch der Gewinner des Buchpreises. Ob wir damit richtig liegen, erfahren wir am 12. Oktober ..."
Portrait
Jenny Erpenbeck wurde 1967 in eine Berliner Schriftstellerdynastie geboren. Nach einer Buchbinderlehre und Tätigkeiten als Requisiteuse und Ankleiderin an der Staatsoper Berlin studierte sie in Berlin Theaterwissenschaften und Musiktheaterregie. Seit 1991 arbeitete sie zunächst als Regieassistentin und inszenierte danach Aufführungen für Oper und Musiktheater in Berlin und Graz. Jenny Erpenbeck lebt als freie Autorin und Regisseurin in der Nähe von Graz, wo sie im Frühjahr 2000 mit großem Erfolg ihr erstes Stück "Katzen haben sieben Leben" am Schauspielhaus inszenierte.
2008 wurde Jenny Erpenbeck mit dem "Solothurner Literaturpreis" für ihr "feinsinniges erzählerisches Werk" sowie dem Heimito von Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet, 2009 wurde sie mit dem Preis der LiteraTour Nord geehrt, 2013 wurde ihr der Joseph-Breitbach-Preis für ihr literarisches Gesamtwerk verliehen, 2016 der Walter-Hasenclever-Literaturpreis und der Thomas Mann-Preis.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 352
Erscheinungsdatum 31.08.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8135-0370-8
Verlag Knaus
Maße (L/B/H) 223/146/35 mm
Gewicht 575
Verkaufsrang 3.047
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Buchhändler-Empfehlungen

„Brandaktuell“

Monika Fuchs, Thalia-Buchhandlung Hamburg

Jenny Erpenbeck ist Ihnen wahrscheinlich keine Unbekannte mehr, denn spätestens seit dem hochgelobten Buch „Aller Tage Abend“ (btb Taschenbuchverlag) ist sie ein Liebling des Feuilletons. Ihr neues Buch „Gehen, ging, gegangen“ ist z. Zt. auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Bisher hatte ich mich noch nicht an diese Autorin Jenny Erpenbeck ist Ihnen wahrscheinlich keine Unbekannte mehr, denn spätestens seit dem hochgelobten Buch „Aller Tage Abend“ (btb Taschenbuchverlag) ist sie ein Liebling des Feuilletons. Ihr neues Buch „Gehen, ging, gegangen“ ist z. Zt. auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Bisher hatte ich mich noch nicht an diese Autorin herangewagt. Auch dieser Titel und der Klappentext haben mich nicht wirklich angesprochen. Aber nachdem ein Freund mir dieses Buch ans Herz gelegt hat, habe ich mich doch getraut. Und nun wünsche ich mir, dass es dieses Buch noch viel weiter beim Deutschen Buchpreis 2015 schafft und möglichst viele Leser findet.

Jenny Erpenbeck erzählt eine sehr ungewöhnliche Geschichte über eine Gruppe von Flüchtlingen in Berlin und einen emeritierten Professor der Geisteswissenschaften. Eigentlich eine Gruppe von Menschen, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun hat. Denn die Flüchtlinge sind über Italien nach Deutschland gekommen, würden hier gerne bleiben und arbeiten. Doch Dublin II lässt diese nicht zu. Und der Professor hat bisher in seinem Elfenbeinturm gelebt und sich wenig für die Gegenwart interessiert.

Der Professor, Richard, hat ein Problem. Er ist verwitwet und allein in seinem Haus am See. Er hat keine Kinder und keine neue Frau. Und so wird die Zeit nach der Arbeit an Universität für ihn lang. Er denkt viel über die Zeit und das Leben nach. Doch eines Abends hört und sieht er in den Nachrichten, dass eine Gruppe von Afrikanern sich im Roten Rathaus verschanzt hat und in einen Hungerstreik getreten ist, um für ihr Bleiberecht zu demonstrieren. Richard ist an diesem Tag dort vorbeigekommen, doch er hat nichts davon mitbekommen. Es macht ihn neugierig. Doch bis er zu einer Entscheidung kommt, was er aus dieser Information machen soll, sind die Flüchtlinge bereits in einem Teil eines Altenheims untergekommen. Richard fasst einen Entschluss. Er möchte mehr über diese Menschen und ihr Leben erfahren. Und so geht er ganz systematisch vor. Er erstellt eine Liste mit Fragen, wendet sich an den Direktor des Altersheims, ob er den Flüchtlingen Fragen stellen darf und legt los. Doch diese Begegnungen verändern sein Leben. Aus der ursprünglichen Neugier wird Achtsamkeit. Er ist schockiert, und er engagiert sich immer mehr.

Jenny Erpenbeck hat ein wunderbares, zu Herzen gehendes Buch geschrieben, welches gerade in der jetzigen Situation zum Nachdenken anregt. Was können wir einzelnen machen? Und bleibt bei unseren rigiden Gesetzen die Menschlichkeit auf der Strecke? Die Autorin hat eine ganz eigene Art zu schreiben. Es ist ein völlig ruhiges Buch, und doch bewegt es einen. Es enthält interessante Zitate aus Klassikern des Altertums und viele sehr interessante, philosophische Gedanken. Und dazu bringt es uns die verfahrenen Situationen vieler Flüchtlinge nahe.

Ein großartiges, hochaktuelles Buch über die verfahrene Situation von Flüchtlingen in Deutschland. Wunderbar, wie dieser Professor langsam seinen Elfenbeinturm verlässt und die Geschichte dieser Menschen immer mehr an sich heranlässt, so dass er sich am Ende sogar richtig engagiert!

„Dieses Buch hätte auf jeden Fall auch den Deutschen Buchpreis verdient!“

Anette Dingeldein, Thalia-Buchhandlung Varel

Ein kluges Buch zu einem hochaktuellen Thema, dem es sich gleichzeitig auf einer eher abstrakten intellektuellen wie auch auf einer sehr konkreten persönlichen Ebene nähert. Ein kluges Buch zu einem hochaktuellen Thema, dem es sich gleichzeitig auf einer eher abstrakten intellektuellen wie auch auf einer sehr konkreten persönlichen Ebene nähert.

„Das Buch der Stunde“

Frank Wehrmann, Thalia-Buchhandlung Braunschweig

Der Roman der Stunde. Heiß gehandelt für den Deutschen Buchpreis ist das Buch zur Flüchtlingsdebatte nie oberflächlich, sondern stets hinterfragend. Brandaktuell, ergreifend, unterhaltsam. Lesen! Der Roman der Stunde. Heiß gehandelt für den Deutschen Buchpreis ist das Buch zur Flüchtlingsdebatte nie oberflächlich, sondern stets hinterfragend. Brandaktuell, ergreifend, unterhaltsam. Lesen!

H. Becker, Thalia-Buchhandlung Dresden

Man soll ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen - und einen Ausländer nicht nach seiner Herkunft. Regt zum Nachdenken an und vielleicht auch zum Handeln! Man soll ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen - und einen Ausländer nicht nach seiner Herkunft. Regt zum Nachdenken an und vielleicht auch zum Handeln!

Ulrike Kaiser, Thalia-Buchhandlung Mülheim

Ein ehemaliger Professor wird mehr oder minder unbeabsichtigt mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert. Unsentimentaler Roman zur Thematik, der vieles veranschaulicht. Ein ehemaliger Professor wird mehr oder minder unbeabsichtigt mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert. Unsentimentaler Roman zur Thematik, der vieles veranschaulicht.

Dorothea Weiss, Thalia-Buchhandlung Jena

Richard weiß nach seiner Pensionierung nichts mehr mit sich anzufangen. Aus Neugier geht er in ein Flüchtlingsheim. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Unbedingt lesen!!! Richard weiß nach seiner Pensionierung nichts mehr mit sich anzufangen. Aus Neugier geht er in ein Flüchtlingsheim. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Unbedingt lesen!!!

Joke Hoogendoorn, Thalia-Buchhandlung Leer (Ostfriesland)

Ihren Plaz auf der Shortlist für den DBP 2015 hat Jenny Erpenbeck mit diesem Roman sehr verdient. Sie gibt die Flüchtlingsproblematik ein Gesicht, hat mich sehr berührt. Ihren Plaz auf der Shortlist für den DBP 2015 hat Jenny Erpenbeck mit diesem Roman sehr verdient. Sie gibt die Flüchtlingsproblematik ein Gesicht, hat mich sehr berührt.

Petra Dressing, Thalia-Buchhandlung Kaiserslautern

Ein wunderbar leiser und unaufgeregter Roman, nach dessen Lektüre man sich umso mehr dem allzu aktuellen Thema stellen muss. Lebensgeschichten machen die Schicksale sichtbar! Ein wunderbar leiser und unaufgeregter Roman, nach dessen Lektüre man sich umso mehr dem allzu aktuellen Thema stellen muss. Lebensgeschichten machen die Schicksale sichtbar!

Nina Möller, Thalia-Buchhandlung Wuppertal

Ein Roman, der dann am stärksten ist, wenn es darum geht, die Fäden verschiedener Geschichten miteinander zu verweben. Leider hatte das Buch für mich zum Ende hin zu viele Längen. Ein Roman, der dann am stärksten ist, wenn es darum geht, die Fäden verschiedener Geschichten miteinander zu verweben. Leider hatte das Buch für mich zum Ende hin zu viele Längen.

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Kundenbewertungen


Durchschnitt
7 Bewertungen
Übersicht
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2
1
0
0

Dieses Buch hat den deutschen Buchpreis verdient!
von Evelyn Roewekamp aus Rostock am 28.08.2015

Jenny Erpenbeck ist mit diesem Buch etwas außergewöhnliches gelungen. Ein literarisches Werk zu einem hochpolitischen Thema. Diese Geschichte um Flüchtlinge und einen, etwas unbeholfenen ehemaligen Professor ist vielleicht etwas schräg, aber die Lebensgeschichten der Menschen aus Afrika greifen einen an. In hoher literarischer Qualität wird das erzählt. Die Autorin... Jenny Erpenbeck ist mit diesem Buch etwas außergewöhnliches gelungen. Ein literarisches Werk zu einem hochpolitischen Thema. Diese Geschichte um Flüchtlinge und einen, etwas unbeholfenen ehemaligen Professor ist vielleicht etwas schräg, aber die Lebensgeschichten der Menschen aus Afrika greifen einen an. In hoher literarischer Qualität wird das erzählt. Die Autorin beobachtet genau, und oft vermischt sich das Absurde mit dem Realen.

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2 0
Auf der Suche nach einem neuen Leben
von Xirxe aus Hannover am 19.08.2016

Richard, frisch emeritierter Professor, fällt wie so viele vor ihm zu Beginn dieses neuen Lebensabschnittes in eine Leere, die er versucht mit Sinn zu füllen. Da seine Arbeit ihm das einzig Sinngebende scheint, entschließt er sich zu einem neuen Projekt: Was ist Zeit? Die richtigen Gesprächspartner dazu sieht er... Richard, frisch emeritierter Professor, fällt wie so viele vor ihm zu Beginn dieses neuen Lebensabschnittes in eine Leere, die er versucht mit Sinn zu füllen. Da seine Arbeit ihm das einzig Sinngebende scheint, entschließt er sich zu einem neuen Projekt: Was ist Zeit? Die richtigen Gesprächspartner dazu sieht er in den Flüchtlingen, die in der Nähe seines Hauses untergekommen sind. Denn wer wenn nicht sie, die 'Aus-der-Zeit-Gefallenen', könnten ihm am besten erklären, was Zeit ist? Immer wieder besucht er sie und lässt sich ihr Leben erzählen; ihre Kindheit; ihre Flucht; ihr Ankommen; ihre Wünsche; ihre Träume. Je mehr er zuhört, umso mehr beginnt er zu verstehen, was diese Leute antreibt und überleben lässt. Richards Vorstellungen von der Welt und den Menschen beginnen sich zu ändern, langsam, Stück für Stück... Die ersten 50 Seiten war ich kurz davor, das Buch zur Seite zu legen. Nichts als die selbstmitleidigen Gedanken eines Pensionärs, der nicht weiß wie er seine Tage füllen soll. Doch dann beginnt er mit seinem Projekt und nach und nach nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Nicht in Form von Spannung und Action - der emeritierte Professor lässt sich auf die Geschichten der Flüchtlinge ein und man kann ihm buchstäblich dabei zusehen, wie sich seine Gedanken und seine Einstellungen ändern. Es ist nicht nur die Vergangenheit der Befragten, die so erschütternd ist, sondern auch die Aussichtslosigkeit des Lebens, das den Meisten bevorsteht. Keine Anerkennung als Flüchtling, keine Arbeit, Abschiebung wer weiß wohin, nirgendwo ein Leben mit Perspektive. Und alles nur, weil sie zur falschen Zeit im falschen Land geboren wurden. Es ist kein mitleidheischendes Buch, der Ton ist vielmehr so sachlich-kühl, dass es mir fast schon wieder zu viel war. Und mit noch einem Punkt hadere ich ein bisschen: Fast Alle waren gut, niemand hatte böse Absichten und/oder kriminelle Energien. Selbst die einzige Person mit einer vielleicht nicht so weißen Weste blieb im Vagen und verursachte mehr schlechtes Gewissen als alles Andere. Schön, wenn es wirklich so wäre - für überzeugend halte ich es nicht.

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Lesenswert und ganz aktuell
von Gaby Bessen am 10.01.2016

Ich erinnere mich noch gut daran, als im Jahre 2012 Flüchtlinge und deren Sympathisanten am Oranienplatz in Berlin ein Zeltlager errichteten und gegen die Abschiebung protestierten. Richard, ein emeritierter Professor der Altphilologie, verwitwet und allein in seinem Eigenheim am See, versucht seine neu gewonnene Zeit zu füllen. Eher nebenbei erfährt er... Ich erinnere mich noch gut daran, als im Jahre 2012 Flüchtlinge und deren Sympathisanten am Oranienplatz in Berlin ein Zeltlager errichteten und gegen die Abschiebung protestierten. Richard, ein emeritierter Professor der Altphilologie, verwitwet und allein in seinem Eigenheim am See, versucht seine neu gewonnene Zeit zu füllen. Eher nebenbei erfährt er von der Auflösung des Camps am Berliner Oranienplatz. Als ein Teil der Flüchtlinge jedoch in einem Altenheim in seiner unmittelbaren Nähe untergebracht werden, wagt er sich Stück für Stück an die ihm völlig neue Welt heran. Mit einem Notizblock und einem Stift befragt er die aus Italien kommenden Afrikaner all das, was er wissen möchte. Richard und die Afrikaner nähern sich an. Er verfolgt ihren Deutschunterricht, übernimmt sogar die Fortgeschrittenen für eine kurze Zeit, bis sie nach Spandau umgesiedelt werden. Auch dorthin führt ihn sein Weg regelmäßig. Hin und wieder lädt er einen von ihnen nach Hause ein, der eine probiert sich auf Richards Klavier, ein anderer versucht Bücher zu lesen. Schritt für Schritt entstehen freundschaftliche Bindungen und Richard, dessen landeskundliche Kenntnisse eher dürftig sind, erfahren einen enormen Zuwachs. Gleichzeitig bietet er in vielfältiger Form seine Hilfe an und muss erleben, wie die deutschen Formulare, Gesetze und Vorgaben selbst einem Deutschen nicht einleuchtend sind. Die Zukunft der Afrikaner steht unter einem schlechten Stern, denn alles läuft darauf hinaus, dass sie ihre Asylanträge in Italien stellen müssen, da sie mit Booten über das Mittelmeer gekommen sind und somit abgeschoben werden. Trotzdem gelingt es einigen eine Duldung zu erreichen, um das Unweigerliche hinauszuschieben. „Gegen, ging, gegangen“ ist ein Roman mit einem eher trockenen Schreibstil und keinen bemerkenswerten Höhen und Tiefen. Zahlreiche Portraits der betroffenen Afrikaner, ihr Lebenshintergrund und ihre Situation rütteln auf, regen zum Nachdenken an. Das Buch bekommt durch die derzeitige Situation der Flüchtlingsproblematik, der ungelösten Probleme, der gespannten Stimmung in unserem Land und den aktuellen Vorfällen in Köln eine besondere Brisanz. Es ist informativ und vermag durchaus die eine oder andere Sichtweise zu vertiefen oder verändern. Jeder, der sich Gedanken darum macht, wie es in unserem Land weitergeht und der in der Lage ist zu differenzieren, sollte dieses Buch lesen.

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Überzeugt als Roman nicht ganz
von einer Kundin/einem Kunden aus Bergisch Gladbach am 11.12.2015

Die sehr positiven Besprechungen an dieser Stelle muss ich etwas relativieren. Sicherlich ist das Thema des Romans hochaktuell und es ist Jenny Erpenbeck hoch anzurechnen, sich mit der Flüchtlingssituation zu beschäftigen, statt wie viele Autoren über die Luxusprobleme unserer privilegierten Welt zu schreiben. Das Problem ist nur, dass sie... Die sehr positiven Besprechungen an dieser Stelle muss ich etwas relativieren. Sicherlich ist das Thema des Romans hochaktuell und es ist Jenny Erpenbeck hoch anzurechnen, sich mit der Flüchtlingssituation zu beschäftigen, statt wie viele Autoren über die Luxusprobleme unserer privilegierten Welt zu schreiben. Das Problem ist nur, dass sie sich nicht entscheiden konnte, ob es ein Roman oder ein Sachbuch werden sollte. Erpenbeck kann ja toll schreiben, aber ihr künstlerisches Talent blitzt hier nur gelegentlich durch, weil der Stil mehr dokumentarisch ist. Die Schicksale der Menschen aus Afrika sind teilweise sehr bewegend geschildert und vielleicht hätte die Autorin besser eine Romanpause gemacht und eine reine Reportage geschrieben oder aber einen kunstvollen Text mit allen literarischen Zutaten daraus gemacht, was ja zu dem Thema auch sehr reizvoll sein kann. So ist es irgenwie weder Fisch noch Fleisch. Dennoch ist das Buch lohnenswert zu lesen, allein schon wegen des wichtigen Inhaltes.

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