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Geisterstunde

Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift

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Niemand weiß mehr, was Bildung bedeutet, aber alle fordern ihre Reform. Ein Markt hat sich etabliert, auf dem Bildungsforscher und -experten, Agenturen, Testinstitute, Lobbys und nicht zuletzt Bildungspolitiker ihr Unwesen treiben. Nach der "Theorie der Unbildung" nun also ihre Praxis: Das, was sich aktuell in Klassenzimmern und Hörsälen, in Seminarräumen und Redaktionsstuben, in der virtuellen Welt und in der realen Politik abzeichnet, unterzieht Konrad Paul Liessmann einer scharfen Kritik. Hinter der Polemik steht ein ernstes Anliegen: der Bildung und dem Wissen wieder eine Chance zu geben.

Rezension
"Pflichtlektüre! Liessmann besticht durch Scharfsinnigkeit ebenso wie durch eine brillante Rhetorik." Friedrike Gösweiner, Tiroler Tageszeitung, 19.09.14
"Eine brillant formulierte, amüsant polemisierende Attacke auf die Unbildung." Markus Schär, Weltwoche, 01.10.14
"Provozierend, klug und erfrischend." Lerke von Saalfeld, SWR2, 25.11.14
"Liessmanns umfassende Kritik ist nicht nur inhaltlich fundiert, sie wird auch den stilistischen und formalen Anforderungen gerecht, die man mit anspruchsvoller Essayistik verbindet." Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten, 10.12.14
Portrait

Konrad Paul Liessmann, geboren 1953 in Villach, ist Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien; Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist. Er erhielt 2004 den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln, 2010 den Donauland-Sachbuchpreis und 2016 den Paul Watzlawick-Ehrenring. Im Zsolnay Verlag gibt er die Reihe Philosophicum Lech heraus. Seine Theorie der Unbildung (2006) war ein großer Erfolg und wurde in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen bei Zsolnay seine Bücher Das Universum der Dinge (2010), Lob der Grenze (2012) und Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift (2014) sowie im Carl Hanser Verlag gemeinsam mit Michael Köhlmeier Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Mythologisch-philosophische Verführungen (2016).

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 192
Erscheinungsdatum 29.09.2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-552-05700-5
Verlag Zsolnay
Maße (L/B/H) 215/126/28 mm
Gewicht 300
Auflage 4. Auflage
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Entlarvung des neoliberalistischen Optimierungs- und Verwertungswahns in der Bildung
von fritzcat am 30.04.2015

Sehr brauchbare aristotelische Definition von Glück durch Wissen und Bildung im Vorwort: die Fähigkeit ohne Verwertungszwang die Lust und Freiheit des Denkens, Erkennens, Verstehens zu genießen, sich am Schönen zu erfreuen. Von dieser Sichtweise ausgehend werden Wissen und Bildung mit den gegenwärtig adäquaten Strömungen (Bildungsreformen, B-Expertentum, Wissensbegrenzung etc.) kritisch in... Sehr brauchbare aristotelische Definition von Glück durch Wissen und Bildung im Vorwort: die Fähigkeit ohne Verwertungszwang die Lust und Freiheit des Denkens, Erkennens, Verstehens zu genießen, sich am Schönen zu erfreuen. Von dieser Sichtweise ausgehend werden Wissen und Bildung mit den gegenwärtig adäquaten Strömungen (Bildungsreformen, B-Expertentum, Wissensbegrenzung etc.) kritisch in Relation gesetzt. Bildungsreformitis wird als Kniefall vor neoliberalistischem Optimierungs- und Verwertungswahn entlarvt, Bildungsexpertentum als ideologisierte Geldmacherei und Kompetenzmanie als polarisierte Wissens- und Bildungsbeschränkung. Die unterhaltsame Aufbereitung des Kapitels über Consulting, Mentoring, Counseling etc. vermittelt sehr schlüssig die dahinter verborgene Intention der Entmündigung und konterkariert gleichzeitig Kompetenzen wie Entscheidungsfähigkeit, Selbstmanagement oder Hausverstand. Die Fähigkeit richtig von falsch oder Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden wird in den Hintergrund gedrängt und ist im globalen Ausbeutungskonzept auch nicht wünschenswert. Wünschenswert ist Identität über Konsum, infantile Abhängigkeit statt kritischer Betrachtung, Verantwortungsabgabe statt Selbstverantwortung. Die Basisterminologie der neoliberalen Strategen (Bologna, Pisa, Wettbewerb, Kompetenz, Messbarkeit usw.) wird erfreulich weitblickend analysiert und nach den Kriterien der Vernunft bewertet. Die daraus abgeleitete Conclusio für Schulen und Universitäten ist wohltuend logisch und macht Hoffnung, aber die immer wiederkehrende Floskel „dabei wäre alles so einfach“ verweist wohl eher auf die Tatsache, dass dieses Alles ganz und gar nicht einfach ist. Im letzten Kapitel werden Alternativen angeboten und der Wert des Musischen, Humanistischen und lustvollen Umgangs mit Wissen und Literatur betrachtet. Eine Gesellschaft, wird resümiert, die den Dingen keinen Eigenwert, keine Ästhetik und Schönheit mehr zubilligt, ist barbarisch, beschränkt und unmenschlich. Manche Themen (Power Point Präsentationen) werden etwas polemisch behandelt, für eine Diskussion sind sie jedoch allesamt äußerst brauchbar – eine Streitschrift eben.

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