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Geschichte des Handwerks - Handwerk im Geschichtsbild

Dokumentation des Workshops vom 16. September 2013

Aus dem Vorwort
Das Handwerk bildet mit seinen kleinen und mittleren Betrieben den Kern des deutschen Mittelstandes und ist als Wirtschaftsbereich außerordentlich vielseitig. Ob Privatverbrauchern, Industrie, Handel oder der öffentlichen Hand - das deutsche Handwerk bietet ein breites, differenziertes und vor allem hochwertiges Angebot an Waren und Dienstleistungen. Eine besondere Stärke sind die individuellen Produkte und maßgeschneiderten Problemlösungen, die Handwerker durch ihr fachliches Können ermöglichen. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Handwerk die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes maßgeblich beeinflusst und sich selbst dabei nachhaltig gewandelt.
Seit Michael Polanyi in den 1960er Jahren den Begriff des impliziten Wissens in die Diskussion eingeführt hat, sind ganzheitliche Betrachtungen, die tacit knowledge und Erfahrungswissen in Innovationssystemen berücksichtigen, aus den Gesellschaftswissenschaften nicht mehr wegzudenken. In jüngster Zeit hat Richard Sennett mit seinen Überlegungen zum Handwerk darauf hingewiesen, dass die klassische Handwerklichkeit und das handwerkliche Denken einen zentralen Platz auch in der zukünftigen Entwicklung behalten. Mit der UNESCOKonvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes schlägt sich dies im Begriff des Kulturerbes nieder.
In Frankreich und seit 2009 auch in der Bundesrepublik Deutschland hat das organisierte Handwerk die Herausforderung dieses Paradigmenwechsels angenommen. In groß angelegten Imagekampagnen bringt das Handwerk seither den Menschen die Chancen der Handwerkswirtschaft wieder näher und stellt seine wirtschaftliche, technische und kulturelle Rolle selbstbewusst heraus. Es tritt als unverzichtbarer Akteur der Kultur- und Kreativwirtschaft etwa im Design, in der Denkmalpflege, in der Baukultur und der Musikwirtschaft in Erscheinung und zeigt jungen Menschen chancenreiche Betätigungswege für innovatives Unternehmertum und wirtschaftlichen Erfolg.
Doch das Handwerk wendet sich auch der eigenen Geschichte zu, denn für die Nachwuchssicherung ist ein neues, differenziertes Bild, das von der Handwerksgeschichte an den Schulen vermittelt wird, essentiell. In der Handwerksgeschichtsforschung sind in jüngster Zeit vor allem im Bereich des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handwerks vielversprechende, neue, differenzierte Ansätze gemacht worden. Für die Zeit ab ca. 1800 jedoch - die Zeit, in welcher das heutige kollektive Bewusstsein und die relevanten wirtschaftspolitischen Paradigmen geprägt wurden - sind neue Ansätze nicht nur dünn gesät. Hier fehlt überhaupt die nötige Quantität wirtschafts-, gesellschafts- und kulturgeschichtlicher Untersuchungen zum Handwerk, um einen modernen Forschungsstand zu konstituieren.
Noch ist die Quellenlage zum Handwerk disparat. Ein zentraler Zugriff auf die Quellen ist nicht möglich. Während Bestände der Selbstverwaltungsorganisationen des Handwerks in den regionalen Wirtschaftsarchiven und in öffentlichen Archiven aufbewahrt werden, sind dort Bestände von Unternehmen oder Nachlässe von Handwerkern die Ausnahme. Die Archivierungspraxis des Handwerks umfasst längst nicht alle Handwerksorganisationen und bietet auch qualitativ noch manchen Verbesserungsspielraum. Für das zukünftige Handwerksbild aber ist von Bedeutung, welche Quellen für die Forschung verfügbar sind.
Das Handwerk in der Bundesrepublik Deutschland möchte mit gutem Beispiel vorangehen und helfen, die strukturellen Hindernisse, die bei Erschließung und Zugänglichkeit zu den Handwerksquellen bestehen, zu überwinden. Es versteht dies als Geschichtspolitik im positiven Sinne.
Mit dem vorliegenden Tagungsband beginnen wir einen Dialog mit den Geschichtswissenschaften, den Archiven und Museen, um die Handwerksgeschichtsforschung zu beleben. Wir möchten dazu beitragen, Handwerkswirklichkeit und Handwerksgeschichte im Schulunterricht wie im Museum stärker erfahrbar zu machen und (wirtschafts-)historische Handwerksforschung mit aktueller Handwerksforschung zu verknüpfen. Denn ein vollständigeres, sachlicheres und differenzierteres Geschichtsbild nützt unmittelbar der zukünftigen Entwicklung des Handwerks.
Dem Panel, den Teilnehmern und allen, die mit Ihrem Engagement diesen kooperativen Workshop ermöglicht haben, möchten wir im Namen des ZDH, des
deutschen Handwerks und der wissenschaftlichen Handwerksforschung unseren Dank aussprechen. Möge dieser Anfang reiche Früchte tragen.
Berlin und Göttingen, im Oktober 2014
Holger Schwannecke
Generalsekretär des ZDH
Prof. Dr. Kilian Bizer
Direktor des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen
Inhalt
1 Begrüßung ... 1
Dr. Rainer Neumann, Leiter der Gewerbeförderung, Zentralverband des Deutschen Handwerks
2 Einleitung ... 6
Dr. Sabine Wilp, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Handwerkskammer Hannover
3 Bilder vom Handwerk - Handwerksgeschichte: Fragestellungen und Forschungsprobleme ... 8
Univ. Prof. Dr. Reinhold Reith, Universität Salzburg. Anschließend Diskussion
4 Chancen der Handwerksgeschichte in der Schule ... 33
Dr. Wieland Sachse, Fachleiter Geschichte, Studienseminar Göttingen für das Lehramt an Gymnasien. Anschließend Diskussion
5 Einleitung Nachmittag ... 43
Dr. Sabine Wilp, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Handwerkskammer Hannover
6 Handwerksquellen in öffentlichen Archiven und regionalen Wirtschaftsarchiven: Zukunftsaufgabe Bestandsübersicht ... 44
Dr. Ulrich S. Soénius, Vorstand und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln. Anschließend Diskussion
7 Auf der Suche nach dem Selbst: Der Umgang des Handwerks mit seiner eigenen Geschichte ... 64
Dr. Thomas Felleckner, Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, Leiter Historisches Archiv. Anschließend Diskussion
8 Archivrechtliche Fragen in der Handwerksorganisation ... 81
RA Klaus Schmitz, Zentralverband des Deutschen Handwerks, Abteilung Recht. Anschließend Diskussion
9 Abschlussdiskussion ... 86
10 Zusammenfassung und Empfehlungen ... 93
Dr. Klaus Müller, Geschäftsführer des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh)
11 Schlusswort ... 98
Dr. Titus Kockel, Kulturreferat, Zentralverband des Deutschen Handwerks
12 Teilnehmer ... 100
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Kilian Bizer
Seitenzahl 112
Erscheinungsdatum 31.12.2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-86944-135-1
Reihe Göttinger Handwerkswirtschaftliche Studien 96
Verlag Mecke Druck und Verlag
Maße (L/B/H) 297/210/15 mm
Gewicht 204
Buch (Taschenbuch)
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