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Golden Boy

Roman

(4)
Aravind Adigas dritter Roman erzählt von zwei jungen Brüdern auf der Suche nach sich selbst, vom Sport als Aufstiegschance und gnadenlosem Wettbewerb, von jungen Talenten und alten Talentsuchern, von Liebe und Ausbeutung, von Leidenschaft und Gewalt. Manjunath Kumar ist vierzehn. Er weiß, dass er ein guter Kricketspieler ist, vielleicht sogar so gut wie sein älterer Bruder Radha. Er weiß, warum er seinen dominanten und sportbesessenen Vater fürchtet, seinen brillanten Bruder bewundert und von der Welt amerikanischer Serien sowie interessanter wissenschaftlicher Fakten fasziniert ist. Aber es gibt vieles, das er noch nicht weiß - über sich selbst und die Welt um ihn herum …
Als er Radhas großen Rivalen kennenlernt, einen privilegierten Jungen voller Selbstvertrauen, beginnt sich für Manju alles auf den Kopf zu stellen und er muss Entscheidungen treffen, die seine Welt verändern. Suggestiv und sensibel, bissig und schwungvoll – ein neuer, eindrucksvoller Roman des indischen Bestsellerautors und Booker-Prize-Gewinners.
Rezension
"Eine fesselnde Erzählung von Erfolg und Scheitern - schwer aus der Hand zu legen."
Deutsche Welle, 18. Dezember 2016
"Adiga ist ein Meister (darin), die krassen Disparitäten der indischen Gesellschaft zu literarisieren, ohne dass dabei die Moralkeule geschwungen wird."
Tilman Warnecke, Der Tagesspiegel online, 16. Dezember 2016
"Cricket wird bei Adiga zur Metapher für das Spiel des Lebens (...) Ein kurzweiliger, lesenswerter Roman."
Ulrich Rüdenauer, SWR2 Buchkritik, 24. Oktober 2016
"Ein extrem unterhaltsames, kluges und von Leben flirrendes Lehrstück über Indien und die Menschheit."
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 4. November 2016
"Die Einblicke in die indische Gesellschaft sind spannend und die Konflikte universell."
SPIEGEL Online, 16. Oktober 2016
Portrait

Aravind Adiga, geboren 1974 in Madras, wuchs zeitweise in Sydney, Australien, auf, studierte Englische Literatur an der Columbia University und am Magdalen College in Oxford. Er arbeitete als Korrespondent für die Zeitschrift Time und für die Financial Times. Er lebt in Mumbai, Indien. Sein erster Roman "Der weiße Tiger" gewann den Booker Prize und erschien in fast 40 Ländern.
Claudia Wenner lebt als Schriftstellerin, Publizistin und Übersetzerin in Frankfurt und Pondicherry. Sie übersetzte u. a. Werke von Virginia Woolf und gab eine Anthologie indischer Literatur heraus, "Die Geister Indiens" (2006).

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 335
Erscheinungsdatum 19.09.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-406-69803-3
Verlag C. H. Beck
Maße (L/B/H) 221/144/35 mm
Gewicht 578
Originaltitel Selection Day
Auflage 1
Buch (gebundene Ausgabe)
21,95
inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen


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Im Leben gibt es nichts umsonst
von einer Kundin/einem Kunden aus Hahnenbach am 02.11.2016

Falls ich dieses Buch in einer bestimmten Schublade ablegen müsste, würde ich es in der Kategorie Entwicklungsroman einordnen. Die Brüder Manjunath und Radha leben in Mumbai (Indien) in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Schon sehr früh erkannte deren Vater, dass beide großes Talent für den Nationalsport Cricket haben. Das macht ihn... Falls ich dieses Buch in einer bestimmten Schublade ablegen müsste, würde ich es in der Kategorie Entwicklungsroman einordnen. Die Brüder Manjunath und Radha leben in Mumbai (Indien) in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Schon sehr früh erkannte deren Vater, dass beide großes Talent für den Nationalsport Cricket haben. Das macht ihn auf der einen Seite stolz und zeigt ihm auf der anderen Seite eine Möglichkeit, wie sie den Slums entkommen können Anfangs ist es nicht einfach, in diesem Roman anzukommen. Das liegt einerseits an den vielen fremden Namen, die man mitunter nur schwer zuordnen kann, auf der anderen Seite an den Eigenarten dieser fremden Kultur. Doch das Lesen lohnt sich! Ich glaube, für jemanden der bereits einen Bezug zu Indien hat, geht das Eintauchen in das Leben, den Alltag der Protagonisten problemloser und schneller. Aber ist es nicht gerade das, was ein Buch soll - den Leser auf eine andere Kultur neugierig machen, das Interesse am Unbekannten wecken und den Wunsch befeuern, sich mit dieser anderen Kultur, dieser unbekannten Lebensform zu beschäftigen, damit man die Welt etwas besser versteht? Nach dem Lesen von "Golden Boy" ist man um viele Gedanken und Erkenntnisse reicher. Doch zurück zu dem Roman. Die Mutter verließ die Familie, als die Kinder noch klein waren und so ist der Vater Mohan Kumar, sowohl für die Erziehung der beiden Jungen, als auch für den Unterhalt seiner kleinen Familie alleine verantwortlich. Der einzige Weg den Slums von Mumbai zu entkommen, sieht er in der Förderung des Talentes seiner Söhne für den Nationalsport Cricket. Seine Methoden sind eigenartig, um nicht zu sagen, dass diese den Leser zum Teil abstoßen. Aber letztlich führt dieser Drill beide Jungen zum Erfolg im Sport. Sie werden von Tommy Sir, einem Talentsucher, für Cricket entdeckt. Der Autor schreibt in einer sehr schönen, an einigen Stellen fast blumigen Sprache. Doch es finden sich auch Passagen voller Lebensweisheiten. Z. B. Seite 54: "Rache ist der Kapitalismus der Armen: die Art und Weise, wie sie die ursprüngliche Wunde bewahren, unmittelbare Genugtuung aufschieben, die erste Beleidigung mit neuen Beleidigungen mästen, Bosheit investieren und reinvestieren und auf den perfekten Augenblick warten, um zurückzuschlagen." Allein schon über diesen Satz lohnt es sich, intensiv nachzudenken. Mohan Kumar, präsentiert seinen Söhnen voller Stolz einen Vertrag auf einer Serviette des MIG-Club geschrieben und sagt, (S. 54/55) "Worte haben Zauberkraft, merkt euch dies: Worte haben Zauberkraft". Doch im Leben gibt es nichts umsonst. Das Training bestimmt den Tagesablauf von Manjuhta und Radha. Javed, Manjus Freund prophezeit ihm, er werde zum Sklaven des Cricket und der Geldgeber, die seine Ausbildung bezahlen. Aber es ist nicht nur der Sport, von dem Manju verwirrt ist, sondern auch seine sexuelle Orientierung. Wer ist er? Schwulsein gehört in Indien wohl zu dem Schlimmsten, was einem jungen Mann widerfahren kann und er ist sich nicht sicher, findet sich sein Platz in dieser ausgegrenzten Gruppe oder vielleicht doch nicht? Der Autor, Aravind Adiga, lässt auf S. 116 Mehta (dieser finanziert die Cricket-Ausbildung der Brüder, erhofft dabei für sich selbst das große Geld, sobald sich die sportlichen Erfolge einstellen) eine bemerkenswerte Aussage über Indien machen: "...Ach, Cricket. Ich sage immer, wir mussten die Engländer erst loswerden, um die Vorteile der englischen Zivilisation genießen zu können". Einige Zeilen weiter, ebenfalls auf S. 116 wird es richtig provokant, als Metha einem Amerikaner seine recht persönliche und sonderbare Version, weshalb Cricket von der Regierung Indiens per Gesetz vorgeschrieben wurde mitteilt: "...Wissen sie, wir sitzen auf einer Zeitbombe: Weil Mädchen im Mutterleib getötet werden, fehlen unserer Bevölkerung ungefähr zehn Millionen Frauen....... Ich prophezeie ihnen, dass junge indische Männer zunehmend geistesgestört werden, weil sie keine Frauen zum Heiraten finden, und nicht einmal welche, mit denen sie sich paaren können. ...Nur eines kann uns vor diesem geballten bösartigen Hindu-Testosteron schützen: Cricket......". Dies ist wohl eine der eigenwilligsten Interpretationen in Bezug auf die Beliebtheit dieses Sports, die man sich vorstellen kann. Wer sich erhoffte, einen Roman mit einem platten Happy end zu lesen, der wird enttäuscht sein. Liebe und Ausbeutung, Leidenschaft und Gewalt gehen Hand in Hand. Auch am Ende sind da sowohl Licht und Schatten zugleich. Mit dem Vater Mohan Kumar brechen beide Söhne. Doch dieser hat sein Ziel erreicht, seine beiden Jungen sind den Slums von Mumbai entronnen.

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Wer ist am Ende der Golden Boy?
von Mrs. HenryFitzroy aus Wilhelmshaven am 16.10.2016

Bei diesem Buch geht es um Manju und Radha, zwei Brüder die im Slum von Bombay (Mumbai) leben. Ihre einzige Chance dort raus zukommen ist der Cricketsport. Um das zu erreichen werden sie von ihrem Vater quasi gedrillt und müssen mehr oder weniger verständliche Regeln einhalten, damit sie die Besten werden... Bei diesem Buch geht es um Manju und Radha, zwei Brüder die im Slum von Bombay (Mumbai) leben. Ihre einzige Chance dort raus zukommen ist der Cricketsport. Um das zu erreichen werden sie von ihrem Vater quasi gedrillt und müssen mehr oder weniger verständliche Regeln einhalten, damit sie die Besten werden und somit von Talentsuchern entdeckt zu werden, was dann auch klappt. Doch wer von Beiden wird am Ende der „Golden Boy“ sein? Wird es überhaupt einer von beiden? Die Geschichte über Manju und Radha ist so vielschichtig wie das Land selber und zeigt, das man es tatsächlich aus dem Slum schaffen kann – nur unter welchen Umständen? Zur Geschichte möchte nicht spoilern, aber jeder der beiden Jungs versucht hier seinen Weg zufinden und der Leser sieht die unterschiedlichen Entwicklungen. Wie die Jungs jeder für sich, einen Weg außerhalb des Slums versucht zu gehen. Denn einmal dort raus, will man nie wieder zurück. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte erzählt nicht nur von den zwei Brüdern, sondern auch das Überleben in einer so großen Stadt wie Mumbai, in einem Land, das nur nach außen hin in bunten Farben glänzt und glitzert. Hier wird gezeigt, dass auch bei aller Leidenschaft der Sport nur ein Geschäft ist und nur wer sich kaufen lässt und verkaufen kann, kommt weiter. Der Sportsgeist bleibt dabei meistens auf der Strecke. Aber man sieht auch, wie schwer es ist erwachsen zu werden und seinen eigenen Weg zufinden. Nur mit genügend Ehrgeiz können die Brüder eine Zukunft außerhalb des Slums aufbauen, doch müssen sie aufpassen um nicht selbst auf der Strecke zu bleiben. All diese Probleme werden aber nicht mit erhobenen Zeigefinger aufgezeigt, sondern fließen mit der Geschichte mit. Sei es der käufliche Sport, die Stellung der Slumbewohner, der Familiensinn – der auch zum Problem werden kann, bis zur Homosexualität. Diese steht (bis auf eine kurzzeitige Ausnahme) bis heute seit über 150 unter Strafe! Manju war für mich die Hauptperson und ich fand ihn auch stärker als seinen Bruder. Wer mich am meisten genervt hat, war der Vater der Beiden. Zwar kann ich verstehen das er alles drangesetzt hat, damit seine Jungs Cricket-Stars werden, aber das wie hat mich einfach nur genervt. Außerdem waren seine Methoden mehr als suspekt. Tommy Sir fand ich dagegen mehr als Vaterfigur für die Zwei, was den Sport angeht – auch wenn Manju und Radha das wohl nicht so empfanden. Alles in allem hat mir die Geschichte mit all ihren Fassetten sehr gut gefallen auch wenn ich ein bisschen die Augen verdrehen musste, als Shah Rukh Khan in die Geschichte – wenn auch nur als kleiner „Gastauftritt“ eingebaut wurde. Das war dann doch etwas zu klischeehaft für mich. Diese zwei Kurzauftritte hätte sich der Autor auch sparen können, auch wenn der Schauspieler selber eine IPL-Cricket-Mannschaft hat, so hat diese aber nichts mit dem Cricket zutun, welches die Jungs spielten. Was ich noch erwähnen möchte: Am Anfang muss man sich ein wenig an die manchmal doch etwas langen und verschachtelten mit in Klammern gesetzten Bezeichnungen und Erklärungen gewöhnen. Ansonsten war für mich der Schreibstil flüssig und bildhaft, so dass mein Kopfkino einwandfrei lief. Auch fand ich die ab und an eingestreuten Sätze in der wörtlichen Rede der Protagonisten in Hindi sehr authentisch. Den öfter mal auftretenden Szenenwechsel, der von einigen Lesern als schwierig empfunden wurde, kann ich so nicht nachvollziehen. Für mich war das nichts anders, als wenn ich mir einen Film ansehe und dort die Szenen zu Nebenfiguren und gerade andere Ereignisse wechseln. Wie gesagt, mein Kopfkino lief „ruckelfrei“. :) Vom Cricket sollte man sich in der Geschichte auch nicht ablenken lassen, man muss nicht versuchen den Sport zu verstehen, denn dieser steht hier eigentlich auch gar nicht im Vordergrund und ist nur Mittel zum Zweck – es hätte auch z. B. Feldhockey sein können, der in Indien ebenfalls stark betrieben wird. Mein Fazit: Wer sich nicht an den indischen Wörtern stößt und Cricket nicht verstehen will, hat hier eine Geschichte die zeigt das Indien nicht nur buntes Bollywood ist. Ein Buch das mich neugierig auf mehr von dem Autor gemacht hat und auf jeden Fall weiterempfehlen kann, dem meine Ausführung weiterhilft.

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Ein unberechenbarer Roman über das Schicksal zweier Brüder und der Verlockung des schnellen Ruhms
von louella2209 am 27.10.2016

In seinem dritten Roman „Golden Boy“ erzählt der indische Autor Aravind Adiga die Geschichte zweier Brüder ihre Erfüllung in einem Sport zu finden, dessen Macher und Talentsucher sie gnadenlos ausbeuten. Der Vater von Manju und Radha Kumar ist ein Despot und treibt seine Söhne durch fragwürdige Erziehungsmethoden, Drill und... In seinem dritten Roman „Golden Boy“ erzählt der indische Autor Aravind Adiga die Geschichte zweier Brüder ihre Erfüllung in einem Sport zu finden, dessen Macher und Talentsucher sie gnadenlos ausbeuten. Der Vater von Manju und Radha Kumar ist ein Despot und treibt seine Söhne durch fragwürdige Erziehungsmethoden, Drill und Spott zu Höchstleistungen an.In den Augen des Vaters ist sein ältester Sohn Radhu auf den Weg zum besten Schlagmann in der Geschichte des indischen Crickets zu werden. Doch seine Träume zerplatzen jäh und das Leben übernimmt seine eigene Regie und entzieht dem Vater den Einfluß in die Karriere seiner Söhne, die ihre Jugend für die Mittelmäßigkeit opfern. Cricket bedeutet für die Familie, dem bereits verbotenen, aber immer noch gängigen Kastensystem Indiens und der allgegenwärtigen Armut Mumbais zu entgehen. Das Talent wird gefördert ohne die Begeisterung zum Sport zu hinterfragen. Cricket steht hier als Beispiel für die Maschinerie des Profisports und die Ausbeutung junger Menschen. Man muss die Regeln dieses Sports nicht unbedingt verstehen, um der Handlung folgen zu können. Der geschichtliche Hintergrund und die lange Tradition des Crickets ist informativ und gut in die Handlung verwoben. Die Darstellung von Mumbai und der indischen Lebensart ist visuell prägnant umschrieben. Es beschleicht einen das Gefühl, Indien mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Dennoch wird der Leser nicht von der gängigen Armutsromantik weichgespült. Der Autor zeigt Indien`s wahres Gesicht, fernab vom Bild das Tourismus und Medien suggerieren. Anfangs empfindet man die sperrige Komposition von Aravind Adiga noch mühsam. Diesen Roman muss man sich zunächst erarbeiten. Die Emotionen lassen sich schwer aufnehmen und eine pessimistische Grundstimmung durchläuft die gesamte Handlung, die sicherlich der Zwanghaftig – und Perspektivlosigkeit des Vaters geschuldet ist. Die Mutter verließ früh die Familie, die Hintergründe hierzu werden angeschnitten, aber nicht vollends geklärt. Man spürt deutlich die fehlende Liebe und Wärme für die beiden Jungs. Bis zuletzt gelingt es Manju und Radha nicht, sich aus den Fesseln, die der Vater ihnen anlegt, zu befreien und ihrer auferlegten Bürde zu entkommen. Die Brüder stehen für die rechtlose Mehrheit Indiens, die sich nur mit Müh und Not über Wasser halten können. Die zwischenmenschlichen Konflikte und die unterschiedliche Entwicklung von Manju und Radha bilden das Kernstück dieses Romans. Die beiden Charaktere werden vom Autor mit viel Intensität bedacht und mit Fortlauf der Geschichte wächst auch das Verständnis für die jungen Männer. Sie entdecken ihren Körper, das andere Geschlecht, ihre eigene Sexualität und kämpfen ständig mit den abstrusen Regeln des Vaters, der diese Entwicklung ständig unterdrückt. Man begleitet sie auf der Suche nach sich selbst und hofft bis zuletzt, das sich ihre Träume erfüllen. 4 Sterne für diesen zwar schwermütigen, aber dennoch unterhaltsamen Roman. Eine Empfehlung für alle, die sich das „wahre“ Gesicht Indiens vor Augen führen möchten.

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Das Spiel deines Lebens
von Jenny Vogler am 07.10.2016

„Denn was wir entdecken, wenn wir meinen, wir könnten die Gedanken eines anderen lesen, sind nur unsere eigenen, abgeschwächten Erwartungen an sie.“ Inhalt Die beiden Brüder Radha und Manjuth Kumar haben als angehende Profi-Cricket-Spieler die einmalige Chance, ihrem Leben in den indischen Slums zu entkommen und sich stattdessen ein selbstbestimmtes, finanziell... „Denn was wir entdecken, wenn wir meinen, wir könnten die Gedanken eines anderen lesen, sind nur unsere eigenen, abgeschwächten Erwartungen an sie.“ Inhalt Die beiden Brüder Radha und Manjuth Kumar haben als angehende Profi-Cricket-Spieler die einmalige Chance, ihrem Leben in den indischen Slums zu entkommen und sich stattdessen ein selbstbestimmtes, finanziell unabhängiges Leben aufzubauen. Für diese Möglichkeit gibt ihr ehrgeiziger Vater alles und sorgt mit rigiden Erziehungsmaßnahmen dafür, dass sich die Heranwachsenden seinem Willen unterordnen. Tatsächlich gelingt es dem jüngeren Bruder Manju, sich als „Golden Boy“ in die Herzen der Zuschauer und seiner reichen Mäzene zu spielen, doch während seine Cricket-Karriere auf den Höhepunkt zusteuert, erkennt er, wie unfrei und abhängig er immer bleiben wird, ganz egal wie seine Leistungen sein werden und er beschließt kurzerhand, dem geliebten Sport zu entsagen, um seinem Herzen zu folgen … Meinung Dies war mein erster Roman aus der Feder eines indischen Autors und ich habe auch keinen kulturellen Bezug zu dem Land, so dass ich mich vollkommen offen und ohne besondere Erwartungen an diesen Roman aus dem C.H. Beck Verlag gewagt habe. Leider musste ich bereits im ersten Viertel erkennen, dass meine Unwissenheit bezüglich des gesellschaftlichen Hintergrunds zu einiger Verwirrung führte. Gerade die ständigen Namens- und Ortsbeschreibungen, ergaben für mich kaum einen Sinn und ich habe sie oftmals überlesen, um den Lesefluss aufrecht zu erhalten. Der Schreibstil selbst ist auch nicht ohne, denn Herr Adiga vollzieht ungewöhnliche Zeitsprünge und wechselt die Erzählperspektiven sehr häufig und ohne erkennbares Muster. Erst nach gut der Hälfte des Romans entwickelt sich die eigentliche Erzählung, eine Geschichte, die den Leser in ein fremdes Land entführt, in dem der Sport eine derart wichtige Rolle einnimmt, dass er sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht und das Leben vieler junger Inder beeinflusst. Aravind Adiga schildert nicht nur eine besondere Konkurrenzsituation zwischen Brüdern, sondern auch ein gestörtes Vater-Sohn-Verhältnis. Er prangert die Korruption einer Gesellschaftsschicht an, beschreibt aber auch die Aussichtslosigkeit einer Rebellion und er vermag es, die Hoffnungslosigkeit und Querelen, die man als Beteiligter unmittelbar und tagtäglich erlebt sehr intensiv und nachhaltig zu beschreiben. Für die aufstrebenden Sternchen am berühmten Sportlerhimmel steht immer alles auf dem Spiel und sobald man einen Rekord gebrochen hat, wird der nächste prompt erwartet. Die individuelle Prägung, die persönliche Motivation bleibt auf der Strecke und ein Scheitern auf dem Parcour ist gleichbedeutend mit einem Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit. Und ebenso dramatisch und traurig gestaltet sich auch der Weg der Kumar-Brüder, die ihre erlangte Position nicht erfüllen und auf der Suche sind, nach einer anderen Freiheit, einer Freiheit jenseits ihres begrenzten Umfeldes. Fazit Ich vergebe wohlwollend 3 Lesesterne für diesen Roman, der sich für mich nur schwer erschließen ließ, weil ich immer das Gefühl hatte, die Grundaussage nicht recht zu verstehen und irgendeinen wichtigen Punkt nicht zu fassen bekam. Zahlreiche angerissene Themen und willkürliche Handlungssprünge haben das Lesen ebenfalls negativ beeinflusst. So dass ich nicht zuordnen konnte, ob es nun um das Erwachsenwerden, die eigene sexuelle Orientierung, den Umgang mit öffentlichen Anschuldigungen oder ein schwieriges persönliches Familienleben ging. Es ist ein bisschen von allem und doch nichts Ganzes. Hin und wieder blitzte dann doch ein Gedankengang auf, der mich kurzzeitig interessierte und die Hoffnung auf eine tiefere Wahrheit hat mich bis zum Schluss nicht ganz verlassen. Vielleicht ist dies kein Buch, welches man als Einsteigerlektüre in die indische Schreibkultur nehmen sollte, dafür ist es zu komplex.

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