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Heinrich von Ofterdingen

Ein Roman. Textrevis. u. Nachw. v. Wolfgang Frühwald

(2)
Die im Hochmittelalter angesiedelte Handlung stellt den Prozess dar, in
dem sich der etwa 20-jährige Heinrich zum Dichter entwickelt. Der erste
Teil - Die Erwartung - beginnt mit dem berühmten Traum von der blauen Blume,
in deren Kelch Heinrich ein weibliches Gesicht erblickt. Als Ahnung nimmt
der Traum die Begegnung mit einer zunächst noch fremden Welt vorweg. In
Begleitung von Kaufleuten wird er mit praktischen Lebensverhältnissen sowie
mit Märchen und Erzählungen bekannt. Unterwegs begegnet er einem Bergmann,
der ihn ins Erdinnere und damit auch ins Innere bzw. in die >>fabelhafte
Urzeit>die Welt wird Traum, der Traum wird Welt<< kündigt
sich der Übergang des Geschehens ins Märchenhafte an.
Portrait
Die blaue Blume aus Novalis Roman Heinrich von Ofterdingen ist zum Inbegriff romantischer Sehnsucht und Träumerei geworden. Novalis selbst verkörpert für viele das romantisch-sensible Junggenie schlechthin. Darüber hinaus aber war Novalis als Bergbauingenieur und Philosoph vor allem ein hoch professioneller Forscher, Theoretiker und Intellektueller, dem die Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften noch völlig fremd war und der sich mit Gesteinskunde oder Kants Kritik der reinen Vernunft genauso gut auskannte wie mit den Nachtseiten des Lebens.
Wolfgang Frühwald, geboren 1935, ist Professor emeritus für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der LMU München. Von 1999 bis 2007 war er als erster Geisteswissenschaftler Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Wolfgang Mit Einf. v. Frühwald
Seitenzahl 255
Erscheinungsdatum 1987
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-008939-2
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 147/95/12 mm
Gewicht 117
Verkaufsrang 73.773
Buch (Taschenbuch)
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Ein epochales Meisterwerk
von Zitronenblau am 25.09.2009

Novalis' "H. v. Ofterdingen" ist bekanntlich in die Epoche der Frühromantik einzuordnen u. steht für eine Universalpoesie mit philosophischem Anspruch. Ofterdingen, legendärer Minnesänger, durchläuft als passiver Held auf der sehnsuchtsvollen Suche nach der Welterkenntnis eine Geschichte, die ihrerseits in mannigfache Subtexte (Märchen, Erzählungen, Lieder, Träume etc.) streut, obgleich Streuung... Novalis' "H. v. Ofterdingen" ist bekanntlich in die Epoche der Frühromantik einzuordnen u. steht für eine Universalpoesie mit philosophischem Anspruch. Ofterdingen, legendärer Minnesänger, durchläuft als passiver Held auf der sehnsuchtsvollen Suche nach der Welterkenntnis eine Geschichte, die ihrerseits in mannigfache Subtexte (Märchen, Erzählungen, Lieder, Träume etc.) streut, obgleich Streuung hier die Bedingung für das Ganze postuliert. Hierin finden sich zahlreiche romantische Motive wie Mittelalter, Christentum, blaue Blume, Liebe, Natur etc. Alles führt zum goldenen Zeitalter des All-Eins. Hierfür allegorisiert Novalis (insbes. im Klingsor-Märchen) das Geschehen zum Verweisenden, zum Ästhtetsich-Ethischen und will den Leser, sofern er sich darauf einlässt, hinführen zur: Apotheose der Poesie. Darin liegt das Kunststück; statt einer dramaturgisch kohärenten Abfolge fließt ein melodisches Bildermeer in den Leser hinein. Damit wird das Wunderbare, das Zauberhafte, das Magisch-Romantische evoziert. Mit sublimer Raffinesse setzt Novalis ungewöhnliche Wortkombinationen aneinander, vorliebnehmend im adverbialen und adjektivischen Bereich, weicht von einer schlichten Stilnorm ab, poetisiert seine Prosa. So ist es ein großer, ein größter Jammer für die Weltliteratur, dass der Roman Fragment ist, "Die Erwartung" (1. Teil) kann der Leser im Ganzen aufnehmen inkl. dem Kernstück: das Klingsor-Märchen, eine Art märchenhafter Mikroroman, der die Apotheose vorwegnimmt. "Die Erfüllung" (2. Teil) ist leider nach dem 1. Kapitel am Ende. Tiecks Bericht über die Fortsetzung lässt jedoch auf die Größe dieses Meisterwerks schließen. Es an dieser Stelle in den historischen (auch philosophischen) Kontext einzubetten, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Nur eines noch, etwas in eigener Sache: ich habe das Gefühl, dass zwischen Hermann Hesse (Neoromantiker) und Novalis ein überhistorisches, ein geistiges Band besteht. Aber das ist nur eine oberflächliche Vermutung. Äußerst empfehlenswerte Literatur (nicht nur relativ als Kontrapunkt zu Goethes Wilhelm Meister, sondern im Absoluten des romantischen Geistes).

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Achtung: Epoche der Romantik!
von Isolani aus Linz am 13.03.2008

Bevor man dieses Buch zu lesen beginnt, sollte man sich bewusst sein, daß es sich hier um ein Werk der Romantiker handelt. Hilfreich ist vielleicht, es einfach als einen phantastischen Roman zu sehen und mit dieser Grundeinstellung auch an das Werk heranzugehen. Mit einer falschen Erwartungshaltung kommt man in... Bevor man dieses Buch zu lesen beginnt, sollte man sich bewusst sein, daß es sich hier um ein Werk der Romantiker handelt. Hilfreich ist vielleicht, es einfach als einen phantastischen Roman zu sehen und mit dieser Grundeinstellung auch an das Werk heranzugehen. Mit einer falschen Erwartungshaltung kommt man in diesem Buch nicht weit... Aber Ausdauer zahlt sich bekanntlich aus.

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