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Hippokrates in der Hölle

Die Verbrechen der KZ-Ärzte

(1)

Nur zum Nutzen und nicht zum Schaden des Kranken soll jeder Arzt handeln, heißt es im Eid des Hippokrates. Doch der NS-Staat kannte eine Medizin ohne Menschlichkeit. Mord, Folter, Zwangssterilisationen, Menschenversuche - das Grauen, das Ärzte über ihre Opfer brachten, ist unvorstellbar.
Wie konnte es dazu kommen? Das fragt der Medizinjournalist Michel Cymes, der selbst Arzt ist und der seine beiden Großväter in Auschwitz verlor. Er folgt den Lebenswegen von bekannten und weniger bekannten NS-Ärzten wie Aribert Heim, Herta Oberheuser oder Josef Mengele.
Cymes berichtet von Motiven und Taten, von Geltungssucht und Habgier, von Skrupellosigkeit und Lügen. Sein Buch, das in Frankreich zum Bestseller wurde, ist mehr als eine persönliche Abrechnung, es enthüllt, wie Ärzte alle Moral über Bord werfen konnten. Und es löste einen Skandal aus. Aufgrund seiner Hinweise wurden im Juli 2015 Leichenteile aus den Experimenten des Rasseforschers Hirt an der Universität Straßburg gefunden.

Rezension
"In seinem Buch zeigt Cymes, wie sich das Selbstverständnis von Ärzten unter dem NS-Regime ab 1933 wandelte. Seine Leistung ist, dass es ihm gelingt, mithilfe eines klaren Urteilsvermögens und einer feinfühligen Sprache falsche Wahrheiten und Klischees zu entlarven." Urologische Nachrichten
"Das Buch des Franzosen Michel Cymes geht nun der Frage nach, wie ganz normale Ärzte zu Monstern mutierten." Focus
"Dieses Buch ist ein Bausteinchen für das brüchige Gebäude der Erinnerung an die Schoah." Michel Cymes
"Wie kann ein Arzt zum Peiniger werden? Bei der Reihe von Porträts - einem regelrechten Horrorkabinett - steht diese Frage immer wieder im Raum. Denn diese Ärzte des Schreckens, die Menschen als Versuchskaninchen für ihre Experimente benutzten, waren nicht etwa wahnsinnig. Sie waren lediglich eifrige Diener des Nationalsozialismus, entmenschlicht und sadistisch. Das Buch entstand aus dem tiefen Bedürfnis heraus, die abwegigen Versuche aus der Sicht des Mediziners zu betrachten. Es entlarvt ihre Rohheit ebenso wie ihre Sinnlosigkeit - und widerspricht damit Stimmen, die hinter vorgehaltener Hand behaupten, sie hätten wissenschaftliche Durchbrüche begünstigt." L'Observateur
"Mit chirurgischer Präzision - nicht umsonst ist er selbst Mediziner - zeichnet Michel Cymes die Porträts von Mengele und anderen Massenmördern wie Sigmund Rascher, Aribert Heim oder Carl Clauberg. Ohne Pathos, mit wenigen Kommentaren, dafür aber umso mehr Fakten macht er ihre 'Versuchskaninchen' sichtbar und zeigt, wie sie sich in Dachau vor Durst verzehren, in Mauthausen nach tödlichen Injektionen aufbäumen oder wie ihre Leichen in Auschwitz ausgekocht werden. In die Köpfe der Massenmörder im weißen Kittel zu gelangen und die Maschinerie des NS-Regimes, die Banalität des Bösen aufzuzeigen, ist keine leichte Aufgabe, und auch Cymes hat darauf wie zu erwarten keine eindeutige Antwort. Doch die klinischen Schilderungen, allen voran die Passagen über die düstere Vergangenheit der Universität Straßburg, wirken wie ein Antidot gegen das Vergessen, das in Zeiten der Barbarei dringend benötigt wird." Le Journal du Dimanche
"Niemand anders als er konnte dieses Buch schreiben: Michel Cymes ist nicht nur Moderator, sondern selbst Arzt und Enkel von NS-Opfern. Die Idee für dieses Buch wuchs deshalb jahrelang in ihm heran, bis er es schließlich schrieb. Bewusst stellt er das Klischee in Frage, die Folterärzte in den Konzentrationslagern seien allesamt 'gescheiterte Existenzen, dumme praktizierende Ärzte gewesen, die unter dem Einfluss von Umfeld und Ideologie' handelten. Er fragt sich: 'Wie kann jemand einen Beruf ergreifen, dessen Anliegen es letztlich ist, Leben zu retten, und dann Wesen töten, die man nicht einmal mehr als Menschen betrachtet?'" L'Express
"In seinem Buch Hippokrates in der Hölle setzt sich der Arzt und TV-Moderator Michel Cymes mit den Ärzten in den NS-Todeslagern auseinander. Sein Buch löste an der Straßburger Universität eine historische Debatte aus. Vor allem aber ist es eine zeitlose Lektion in Wissenschaftsethik. Eine der Besonderheiten des Buchs ist, dass es sich nicht auf die journalistische oder historische Perspektive beschränkt, sondern die Sicht des Mediziners spiegelt - eines Mediziners, der sich bemüht, 'möglichst genau wiederzugeben, was sich im Körper der Versuchspersonen abspielt, damit der Leser ihre Qualen hautnah miterlebt'. Dabei geht es auch um die Beweggründe der 'Ärzte der Hölle'. Man sähe sie gern als Verrückte, zumindest als gescheiterte Akademiker, doch einige von ihnen galten in ihren Fachgebieten als Koryphäen." Charlie Hebdo
Portrait

Michel Cymes ist Arzt in einem Pariser Krankenhaus. Seit über einem Jahrzehnt moderiert er eine der beliebtesten Gesundheitssendungen im französischen Fernsehen. In seinem Buch »Hippokrates in der Hölle« wurde erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, dass die beiden Großväter von Cymes in Auschwitz ums Leben kamen.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Klappenbroschur
Seitenzahl 208
Erscheinungsdatum März 2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8062-3285-1
Verlag Theiss, Konrad
Maße (L/B/H) 216/210/20 mm
Gewicht 310
Originaltitel Hippocrate aux enfers
Abbildungen 21 schwarz-weiße Abbildungen
Buch (Klappenbroschur)
19,95
inkl. gesetzl. MwSt.
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"Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich, den Geboten der Ehre und Redlichkeit treu zu sein."
von Kerstin Stutzke aus Berlin am 22.03.2016

Michel Cymes verlor seine zwei Großväter in Auschwitz. Er selbst ist ein bekannter Arzt in Frankreich, doch jahrelang trieb ihn die Frage um: wie konnten Ärzte in den Konzentrationslagern Menschenversuche machen? Widersprach dies nicht ihren eigenen Grundsätzen, denn sie alle haben den Eid des Hippokrates abgelegt? Tatsächlich ist ... Michel Cymes verlor seine zwei Großväter in Auschwitz. Er selbst ist ein bekannter Arzt in Frankreich, doch jahrelang trieb ihn die Frage um: wie konnten Ärzte in den Konzentrationslagern Menschenversuche machen? Widersprach dies nicht ihren eigenen Grundsätzen, denn sie alle haben den Eid des Hippokrates abgelegt? Tatsächlich ist es so, dass Ende 1946 das Verfahren gegen rund 20 angeklagte Ärzte begann, die während der Kriegszeiten Menschenversuche in KZ-Lagern machten. Tatsächlich sind heute die wenigstens von ihnen bekannt, im Gegensatz zur damaligen NS-Prominenz, die im Rahmen des Nürnberger Prozesses verurteilt wurden. Mit seinem Buch rückt Michel Cymes diese "Ärzte" anhand von Portraits wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit, denn auch wenn dieses Verfahren knapp 70 Jahre her ist, sollte das Leid, welches diese Menschen verursachten, nicht in Vergessenheit geraten. Sigmund Rascher zum Beispiel führte Experimente mit Hypoxie und Hypothermie in Dachau durch, Wilhelm Beiglböck führte Meerwasserversuche an Gefangenen in Dachau durch und Aribert Heim lebte in Kriegszeiten seine sadistische Ader in Mauthausen aus, wo er ohne Betäubung Gefangenen lebenswichtige Organe entnahm, nur um zu sehen, wie lange diese noch lebten. Auch August Hirt findet Erwähnung, der dutzende Menschen mit seinen Versuchen, ein Gegenmittel gegen Senfgas zu entwickeln, grauenvoll zu Tode brachte. Doch nicht nur durch diese Versuche brachte er Unschuldige zu Tode. Auch "half" er, die Straßburger Skelettsammlung zu erweitern, gerade wenn ihm im Lager Auschwitz "besonders schöne Exemplare" begegneten, auch wenn diese zu diesem Zeitpunkt noch am Leben waren. Natürlich "darf" in den vorgestellten Portraits Josef Mengele nicht fehlen, denn dieser ist auch heute noch durch seine menschenverachtenden Versuche im Lager Auschwitz an Zwillingen und Kleinwüchsigen bekannt. Auch Carl Clauberg, der für seine Zwangssterilisationen bekannt wurde und Erwin Ding-Schuler, der seine Fleckfieberexperimente im KZ Buchwald durchführte, finden Erwähnung, ebenso als einzige Frau Herta Oberheuser, die im KZ Ravensbrück Versuche mit Sulfonamiden an Menschen durchführte. Abschließend bleibt zu sagen - es handelt sich hierbei um Portraits der jeweiligen "Ärzte", die versuchen zu ergründen, wie es kam, dass diese Ärzte, die den Eid des Hippokrates geschworen haben, diesen wissentlich und mehrfach auf grausamste Art und Weise gebrochen haben. Eine Erklärung zu finden, war hier sicherlich nicht möglich, denn solche Verhaltensweisen lassen sich nur schwerlich erklären und was ich noch viel schlimmer fand, waren die Informationen, die man so "nebenbei" erfuhr, zum Beispiel, dass sicherlich viel Leid hätte erspart werden können, wenn es Heinrich Himmler nicht gegeben hätte, der eine Affinität zur Medizin besaß und sich als Beschützer der Wissenschaft gesehen hat und so jedwede Experimente an Menschen genehmigte. Oder auch das Wissen, dass eine schwangere Jüdin nur eine Chance hatte, in einem Konzentrationslager zu überleben (wenn sie nicht gleich, auf Grund einer fortgeschrittenen Schwangerschaft selektiert wurde) - sie musste das Kind austragen, wurde zur Geburt von anderen Frauen versteckt, die umgehend nach der Geburt das Kind töteten, denn nur wenn es sich um eine "Totgeburt" handelte, hatte die Mutter eine Chance, zu überleben. Überlebte das Kind die Geburt, wurde es zusammen mit seiner Mutter selektiert. "Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich, den Geboten der Ehre und Redlichkeit treu zu sein. (1. Satz des Eides des Hippokrates / S. 16)! Große Worte, die gerade zu Zeiten des NS-Regimes ohne Ende gebrochen wurden, denn war es nicht so, dass diese Ärzte nicht in erster Linie Soldaten (die Befehle befolgen mussten) und dann erst Ärzte waren? Nein - das ist ein Fazit, dass jeder normal denkende Mensch zieht, gerade wenn er in diesem Buch erfährt, wie viele dieser "Ärzte" unter ohnehin schon menschenunwürdigen Zuständen die grausamsten Experimente durchführten, die Tausende zu Tode brachten. Der Schreibstil ist sehr sachlich und nüchtern gehalten, was mich ehrlich gesagt sehr verwundert hat, denn ich konnte bei der Lektüre des Buches nicht so ruhig bleiben und gerade im Hinblick auf die eigene familiäre Tragödie des Autors muss ich diesen umso mehr bewundern. Dieses Buch bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung, denn mögen die Ereignisse auch schon über 70 Jahre her sein, so sollten sie nie in Vergessenheit geraten und man sich immer der Opfer erinnern, die durch diese sinnlosen Experimente ihr Leben verloren haben.

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