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»Ich will hier nicht das letzte Wort«

Heinz Rudolf Kunze und Egon Krenz im Gespräch

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Krenz und Kunze – der Funktionär und der Künstler, ein brisantes Duett. Der Liedermacher Kunze stellt dem ehemaligen Staatschef der DDR Fragen eines Querdenkers, hart und solidarisch. Ihm geht es nicht um oberflächliche Schuldzuweisungen, sondern um persönliche und historische Erkenntnis. Was hat Krenz’ Generation falsch gemacht im Sozialismus? Hätte einer wie Kunze in der DDR Musik machen können – oder wäre es ihm wie Biermann ergangen? Sie streiten, debattieren über das, was sie bewegt: die deutsch-deutsche Geschichte, Kunst, Kinder, Krisen und die gegenwärtige Lage im Land. Zwei wache Geister nehmen sich die deutsche Mentalität zur Brust und liefern Zündstoff für aktuelle Debatten.
Portrait
Egon Krenz, geboren 1937, ist gelernter Schlosser und Lehrer. Als FDJ-Chef war er von 1974 bis 1983 für alle Belange der Jugend zuständig. Im Herbst 1989 wurde er Nachfolger Erich Honeckers als Generalsekretär des ZK der SED und Staatsratsvorsitzender. Noch im selben Jahr legte er alle politischen Ämter nieder. Heute tritt er vorwiegend als Publizist in Erscheinung.
Heinz Rudolf Kunze, geboren 1956 in Espelkamp-Mittwald, ist Schriftsteller und Musiker. Er gilt als intellektueller Rockpoet, dem aber auch große kommerzielle Erfolge wie »Dein ist mein ganzes Herz« gelangen. Daneben veröffentlichte er seit Beginn der 80er Jahre mehrere Bücher und journalistische Essays. Er ist u. a. Träger des Niedersächsischen Staatspreises für sein Lebenswerk und der Goldenen Stimmgabel.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Diether Dehm
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 12.09.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-355-01845-6
Verlag Neues Leben, Verlag
Maße (L/B/H) 208/123/27 mm
Gewicht 186
Abbildungen mit Abbildungen
Auflage 1. Auflage
Verkaufsrang 4.471
Buch (Taschenbuch)
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ICH WILL HIER NICHT DAS LETZTE WORT - Ein Gespräch von Egon Krenz und Heinz Rudolf Kunze zur Zeitgeschichte
von j.h. aus Berlin am 29.10.2016

26 Jahre nach dem Ende des zweiten deutschen Staates ist in der von einer regelrechten Aufarbeitungs-Maschinerie orchestrierten "offiziellen" Geschichtsschreibung nahezu nur noch Dämonisierung vorhanden, die von objektiver Forschung weit entfernt ist. Nun heißt es nicht, einer falsch verstandenen DDR-Nostalgie das Wort zu reden, wenn Ereignisse vor dem damals realen... 26 Jahre nach dem Ende des zweiten deutschen Staates ist in der von einer regelrechten Aufarbeitungs-Maschinerie orchestrierten "offiziellen" Geschichtsschreibung nahezu nur noch Dämonisierung vorhanden, die von objektiver Forschung weit entfernt ist. Nun heißt es nicht, einer falsch verstandenen DDR-Nostalgie das Wort zu reden, wenn Ereignisse vor dem damals realen Hintergrund des Kalten Krieges nicht nur aus der Perspektive des Siegers betrachtet werden sollten. "Seit 1990 wird der Eindruck vermittelt, die DDR-Bürger waren ein unglückliches Häuflein gegängelter Kreaturen, eingesperrt hinter einer Mauer mit einer schrottreifen Wirtschaft, lebend in Mief und Muff, umgeben von Spitzeln der 'Stasi'. Wie die DDR wirklich war, können vor allem jene beurteilen, die hier zu Hause waren. Die meisten lieben es ohnehin nicht, sich von Fremden erzählen zu lassen, wie sie in der DDR gelebt haben oder hätten leben müssen. Auch mein Rückblick auf die DDR ist nur einer unter vielen. Daher trete ich stets auch jenen Institutionen und Medien entgegen, die so tun, als sei ihr DDR-Bild das einzig wahre und damit zulässige. Niemand hat das Recht, sich allein die Deutungshoheit über die DDR anzumaßen, auch nicht ein Bundespräsident." (S. 45f.) Das vom Linken-Bundestagsabgeordneten Dr. Dieter Dehm (ehemals SPD) initiierte ebenso engagierte wie vorurteilsfreie Gespräch zwischen Egon Krenz (*1937) und Heinz Rudolf Kunze (*1956) bietet hier einen interessanten Ansatz. Krenz und Kunze waren sich bereits im Juni 1988 am Rande des großen Rockkonzertes an der Radrennbahn in Berlin-Weißensee zur "FDJ-Friedenswoche" erstmals begegnet. Das Gespräch fand im Frühsommer 2016 in Halle/Saale statt, wo Heinz Rudolf Kunze ein Konzert gab. Kunze beschränkt sich im wesentlichen auf die Rolle des Interviewers, der auch hartnäckig nachfragt. Im ersten Teil des Gespräches geht es vorrangig um das in der zweiten Hälfte der 1980-er Jahre schwieriger gewordene Verhältnis der DDR zur Sowjetunion. Hier werden einige Hintergründe deutlich, die Michail Gorbatschow deutlich weniger als jene große Lichtgestalt erscheinen lassen, in der ihn die offizielle Geschichtsschreibung darstellt. Ebenso werden Abhängigkeiten (Teil des Warschauer Vertrages), Künstler in der DDR (Hacks, Kant, Christa Wolf, Biermann), Volksbildung und die Legenden von den massenhaften Zwangsadoptionen thematisiert. "Die 40 Jahre Geschichte der DDR waren und sind Teil der deutschen Geschichte. Keine Fußnote, keine Sackgasse, kein Betriebsunfall, sondern eine Entwicklung, die sich organisch aus dem Geschichtsfluss ergeben hat. Ich kämpfe, wenn man so will, um die Integration der DDR-Geschichte in die deutsche Geschichte." (S. 112) Auch zur aktuellen deutschen Politik (insbesondere Rolle der AfD) und der Nibelungentreue gegenüber den USA in Hinblick auf Ukraine, Baltikum und Russland-Sanktionen hat Krenz eine eindeutige Meinung: "Man zahlt zu, wenn man dazu von den USA aufgefordert wird, und handelt gegen die eigenen Interessen." (S. 99) Die DDR verfügte gegenüber der UdSSR wohl über einen ähnlichen Handlungsspielraum ... Man mag zu Egon Krenz und seiner Rolle in der DDR (ab 1983 Mitglied des Politbüros der SED und Sekretär des ZK für Sicherheitsfragen, ab 1984 Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates) stehen wie man will - seine Haltung verdient in jedem Falle Respekt: "Lieber ein Betonkopf als ein Weichei. ... Ich bin doch kein Chamäleon, das die Farbe der Umgebung annimmt. Und geradezu grotesk finde ich es, wenn Leute, die keine Weltanschauung besitzen, keine Ideale haben, ohne Orientierung durchs Leben zu kommen versuchen, dies anderen als einzig zulässige, erfolgreiche Methode verkaufen, der man nachfolgen sollte." (S. 148) Das im VERLAG NEUES LEBEN erschienene Buch bietet einen spannenden Diskurs zur Zeitgeschichte und einige bisher unbekannte Hintergründe insbesondere zum Verhältnis der DDR zur Sowjetunion.

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