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Jahrhundertzeugen

Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler. 18 Begegnungen

(7)
Ob Widerstandskämpfer oder Holocaust-Überlebende – die Lebenswege dieser besonderen Menschen beeindrucken gerade in unserer so unruhigen heutigen Zeit. Denn sich gegen Hitler zu stellen, seine Schreckensherrschaft zu überleben und trotzdem nicht mit dem Schicksal zu hadern, sondern immer wieder aufzustehen, dem Leben positiv und mit einem großen Ja zu begegnen, macht Mut für den Umgang mit Terror und Krieg, Flucht und Vertreibung – Themen, die heute wieder von bedrückender Aktualität sind. Tim Pröse hat einige dieser letzten Zeugen über viele Jahre begleitet und erzählt in 18 eindrucksvollen Porträts von ihrem Leben und ihrer Botschaft: ein Plädoyer der Unangepassten für mehr Toleranz und gegen das Vergessen!


Rezension
»Ein Buch, das noch lange nachhallt.«
Portrait
Tim Pröse, geboren 1970 in Essen, ist Autor und Journalist in München. Er war Chefreporter der Münchner Abendzeitung und vierzehn Jahre Redakteur des Focus in den Ressorts »Menschen« und »Reportage«. Seine einfühlsamen zeitgeschichtlichen Porträts wurden mit dem »Katholischen Medienpreis« ausgezeichnet.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz kopiergeschützt i
Seitenzahl 320, (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 31.10.2016
Sprache Deutsch
EAN 9783641201425
Verlag Heyne
Verkaufsrang 4.431
eBook
15,99
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Ein wertvolles Buch für alle Freunde der Freiheit
von Herbert Mackert aus München am 19.01.2017

Einer der von Pröse befragten Jahrhundertzeugen ist der Neffe Georg Elsers, dessen am 8. November 1939 gescheitertes Attentat auf Hitler den Zweiten Weltkrieg mit seinen 50 Millionen Toten gestoppt hätte. Weil Hitler wegen Nebels nicht mit seiner Führermaschine zurück nach Berlin fliegen konnte, sondern den Zug zurück nehmen musste,... Einer der von Pröse befragten Jahrhundertzeugen ist der Neffe Georg Elsers, dessen am 8. November 1939 gescheitertes Attentat auf Hitler den Zweiten Weltkrieg mit seinen 50 Millionen Toten gestoppt hätte. Weil Hitler wegen Nebels nicht mit seiner Führermaschine zurück nach Berlin fliegen konnte, sondern den Zug zurück nehmen musste, verließ er eine Viertelstunde früher den Saal des Münchner Bürgerbräukellers, ehe die von Elser in einem Pfeiler deponierte Bombe explodierte. Sechs Jahre lang kerkerte ihn die Gestapo ein, ehe sie ihn hinrichtete, weil sie nicht wahrhaben konnte, dass ein einfacher schwäbischer Schreiner so eine Tat ohne Hintermänner ausführen konnte. Der Mut Elsers erhält durch die Schilderungen seines Neffen Franz Hirth eine geradezu greifbare Nähe. Ähnlich wie Sophie Scholl, die aufrecht und voller Gottvertrauen zu ihrer Hinrichtung mit dem Fallbeil schritt, riskierte auch Elser klaren Verstandes und festen Willens sein Leben für das höhere Ziel. Der einstige Essener Krupp-Generalbevollmächtigte Berthold Beitz begründet in dem Buch die Rettung Hunderter seiner dem Tod geweihten jüdischen Arbeiter damit, dass ihm seine eigene Freiheit immer wichtig gewesen sei und ihm deshalb auch an der Freiheit der anderen gelegen gewesen sei. Pröse hat das Verdienst, noch rechtzeitig diese Zeugen aus der aussterbenden Generation der Helden und Überlebenden des Holocaust aufgesucht und ihr Handeln dokumentiert zu haben. Ein wertvolles Buch für alle Freunde der Freiheit, das gerade in dieser politisch so aufgewühlten Zeit Orientierung gibt, um standhaft zu bleiben, Haltung zu zeigen, die Würde des Menschen zu verteidigen, das Leben.

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Ein bewegendes Buch gegen das Vergessen
von einer Kundin/einem Kunden aus München am 23.11.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

Tim Pröses Buch Jahrhundertzeugen berührt den Leser gerade deswegen so stark, weil es bewusst die Vogelperspektive vermeidet und sich nicht scheut, tiefes Mitgefühl für die Opfer, tiefe Verehrung für die Widerstandshelden und einen ebenso tiefen Abscheu vor dem Horror zu bezeugen, den die Untaten des Nazi-Regimes in dem Autor... Tim Pröses Buch Jahrhundertzeugen berührt den Leser gerade deswegen so stark, weil es bewusst die Vogelperspektive vermeidet und sich nicht scheut, tiefes Mitgefühl für die Opfer, tiefe Verehrung für die Widerstandshelden und einen ebenso tiefen Abscheu vor dem Horror zu bezeugen, den die Untaten des Nazi-Regimes in dem Autor ausgelöst haben. Da ist einer, der sich mitreißen lässt von den Geschichten der Menschen, die er mit ungemein sensiblem Einfühlungsvermögen porträtiert. Und trotzdem sind seine Lebensbeschreibungen keine Hagiographien. Oskar Schindler zum Beispiel war allem Anschein nach kein Heiliger. Dennoch war er ein Held, der 1200 Juden das Leben rettete. Dass er obendrein ein Säufer, ein Spieler und auch ein Frauenverehrer war, der es mit der Treue nicht so genau nahm, fällt für Pröse zwar ins Gewicht, mindert für ihn aber die Lebensleistung dieses Gerechten unter den Völkern nicht. Jahrhundertzeugen ist aber nicht nur ein Buch der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart. Angesichts neuer Nationalismen, populistischer Volksverhetzer, einer Ausgrenzungsrhetorik sowie einer Sprachverflachung, die glaubt, klar zwischen gut und böse unterscheiden zu können, versteht Pröse seine Lebensgeschichten auch als Mahnung an uns Heutige, uns nicht noch einmal verführen zu lassen, sondern aufzustehen und nein zu sagen, ehe es zu spät ist. Dazu gehört freilich Mut - und manchmal sogar übermenschlicher Mut, wie uns die von Pröse porträtierten Helden eindrucksvoll vor Augen geführt haben.

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Ein wertvolles Zeitdokument
von Yvonnes Lesewelt aus Dithmarschen am 19.01.2017
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

Jahrhundertzeugen ist ein Buch, das ich nicht einfach so mal schnell runterlesen konnte. Man muss die 18 Geschichten langsam lesen, sie auf sich wirken lassen. Das verflixte dabei ist, dass sie dann noch mehr ihr Grauen entfalten. Ich muss gestehen, dass ich an einigen Geschichten schwer zu knabbern hatte.... Jahrhundertzeugen ist ein Buch, das ich nicht einfach so mal schnell runterlesen konnte. Man muss die 18 Geschichten langsam lesen, sie auf sich wirken lassen. Das verflixte dabei ist, dass sie dann noch mehr ihr Grauen entfalten. Ich muss gestehen, dass ich an einigen Geschichten schwer zu knabbern hatte. Dennoch: Dieses Buch muss von vielen Menschen gelesen werden! Tim Pröse schreibt unheimlich sensibel über die Geschichten von Anne Frank, Kurt K. Keller, Hand Rosenthal, Sophie Scholl und vielen anderen. Ich habe den größten Respekt vor den Menschen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Einige sind inzwischen verstorben. Sie waren wirkliche Helden, aber das interessante ist, dass sie alle, sich selbst nicht als Helden sehen und auch nicht so bezeichnet werden wollen. Berthold Beitz sagte z. B. „Die Leute wollen mich zum Helden machen. Aber ich war keiner. Ich bin ein Mensch gewesen.“ (S. 45). Also, ganz ehrlich. Wer sich mutig an den Bahnsteig stellt und der SS die jüdischen Menschen quasi entreißt, um diese bei sich in der Fabrik zu beschäftigen und ggfls. zu verstecken. Der darf durchaus als Held bezeichnet werden. Nicht viele hatten und hätten den Mut dazu. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diesen Mut nicht aufbringen würde. Was aber auch immer wieder durchdringt ist, dass einige von ihnen Angst hatten. Angst zu versagen, Angst vor Repressalien, Angst vor dem Tod. Und genau das macht sie in meinen Augen noch mutiger. Denn, die Angst um das eigene Leben für das Leben von Tausenden zu überwinden… wenn das nicht Mut ist, dann weiß ich auch nicht. Tim Pröse schafft es immer wieder, den Bogen von einem zum nächsten Interview zu schlagen. Es kommen die Widerstandskämpfer und die Holocoust-Überlebenden selbst zu Wort, oft berichten aber auch Freunde oder Verwandte, der bereits verstorbenen Widerstandskämpfer. Sei es die Schwester von Sophie Scholl oder der Sohn und die Enkelin von Wilm Hosenfeld. Ich muss gestehen, dass mir viele der Namen bis zu diesem Buch nichts sagten, aber, jede der hier interviewten oder porträtierten Personen hat seine ganz eigene, sehr spannende Geschichte. Ich kann gar nicht so viel über dieses Buch sagen, außer, dass ihr es unbedingt lesen müsst. Hier geht es wirklich um Menschen, die sich mutig für andere Menschen eingesetzt haben, die in Zeiten absoluter Unmenschlichkeit ihre eigene Menschlichkeit nicht nur nicht vergessen, sondern ausgelebt haben. Dabei fand ich sehr spannend, dass bei Weitem nicht alle von Anfang an Widerstandskämpfer waren, sondern teilweise sogar jubelnd mit in den Krieg gezogen sind. Ihnen allen ist aber wieder gemeinsam, dass ihnen nach und nach die Augen geöffnet wurden und sie den Drehpunkt gefunden haben. Ewald-Heinricht von Kleist sagte gegenüber Tim Pröse: „Man muss immer das Richtige tun. Mehr kann man ja nicht.“ (S.142) Ich denke, dass wir alle genau wissen, wie schwierig es ist, immer das Richtige zu tun. Diesen Satz sollten wir alle uns also ganz groß einrahmen. So einfach gesagt, so schwer umzusetzen und doch so essentiell wichtig. Mich persönlich hat am meisten die Geschichte von Georg Elser beeindruckt. Ein einfacher Handwerker, der den Mut aufgebracht hat, eine Bombe zu bauen und diese in Bürgerbräukeller zu platzieren. Er zeigt, dass auch der Einzelne, der kleine Mann, den Mut aufbringen kann, die Welt zu verändern. Auch, wenn es ihm knapp nicht gelungen ist, so verdient er größten Respekt. Ich war erstaunt darüber, wie oft versucht wurde Hitler zu töten und wie oft es nur um wenige Augenblicke nicht geklappt hat und muss gestehen, dass mir das bisher gar nicht so bewusst war. Ich kann euch dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Gerade in der heutigen Zeit wird es wieder enorm wichtig genau diese Geschichte nicht vergessen zu lassen. Wir steuern im Moment auf Zeiten zu, die mich besorgt machen, die mir Angst machen und ich denke, dass es extrem wichtig ist, dass wir uns alle vor Augen führen, dass so etwas nie wieder passieren darf. Wir alle müssen uns ein Beispiel an diesen Menschen nehmen. Nicht wegschauen, den Mund aufmachen, dafür sorgen, dass wir auch weiter in einem demokratischen Land leben dürfen. Eine schwere Aufgabe! Von mir gibt es verdiente 5 Sterne für ein Zeitdokument, das sehr einfühlsam, aber mit genügend professionellem Abstand von Tim Pröse verfasst wurde.

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Ein Buch mit Sprachkraft und voller Hoffnung!
von einer Kundin/einem Kunden aus Kiel am 06.12.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

Ich bin mit wenig Erwartung an dieses Buch herangegangen, aber von Kapitel zu Kapitel war ich mehr beeindruckt - nicht nur von der Sprachkraft des Autors, sondern auch von seinem Einfühlungsvermögen in seine Gesprächspartner. Lesenswert auch für diejenigen, die meinen, schon "alles" über das Thema zu wissen. Ein Buch... Ich bin mit wenig Erwartung an dieses Buch herangegangen, aber von Kapitel zu Kapitel war ich mehr beeindruckt - nicht nur von der Sprachkraft des Autors, sondern auch von seinem Einfühlungsvermögen in seine Gesprächspartner. Lesenswert auch für diejenigen, die meinen, schon "alles" über das Thema zu wissen. Ein Buch voller Hoffnung, aber auch ungeschminktem Grauen, das umso lebendiger wird, weil es von denen erzählt wird, die selbst dabei waren oder nächste Freunde verloren haben. Es sollte in jeder Bibliothek stehen und weite Verbreitung finden!

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"Liebevoll, fast scheu, dann mächtig!"
von einer Kundin/einem Kunden aus München am 13.11.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

„Ihm stehen Tränen in den Augen. Er sagt, das sei der Wind. Er hat seine Schirmmütze ins Gesicht gezogen, gegen die Böen, doch viel mehr noch gegen die Wehmut. Er blinzelt in den Wind, der von Westen kommt. „Er weht so stark wie damals“, sagt der alte Mann zu... „Ihm stehen Tränen in den Augen. Er sagt, das sei der Wind. Er hat seine Schirmmütze ins Gesicht gezogen, gegen die Böen, doch viel mehr noch gegen die Wehmut. Er blinzelt in den Wind, der von Westen kommt. „Er weht so stark wie damals“, sagt der alte Mann zu mir. „Damals“, das ist für ihn der 6. Juni 1944...“ Es hat Brillanz wie es Tim Pröse – wie in diesem Auszug über eine Begegnung mit dem Wehrmachtssoldaten Kurt Keller – gelingt, den Schrecken der Vergangenheit in unserer Gegenwart begreifbar zu machen. Liebevoll, fast scheu, dann aber doch mächtig im Ausdruck nähert er sich seinen 18 Protagonisten. Den Widerstandskämpfern, Holocaust-Opfern und Menschenrettern, diesen verletzten und verletzlichen, aber doch innerlich so starken und robusten Charakteren des Buches „Jahrhundertzeugen“. Es ist ein wichtiges Buch, eines gegen das Vergessen, eines mitten hinein in eine Zeit, in der rechtes Gedankengut wieder salonfähig wird, in der sich in ganz Europa rechtsgerichtete Partei immer erfolgreicher auf Stimmenfang begeben. Die Botschaft der „letzten Helden gegen Hitler“, dieser Einzelnen hinter der Geschichte, findet sich mitunter zwischen den Zeilen, ist manchmal mehr noch zu spüren als zu lesen. Sie ist auch ein Aufruf zum Mut, zur Würde und zur Freiheit. Werte, die es zu schützen gilt. Damit der Schrecken der Vergangenheit nicht eines Tages wieder Gegenwart ist. „Für den Mann aus Deutschland, der über den weiten Strand blickt, ist die Geschichte Gegenwart“, heißt es im Kapitel über Kurt Keller. „Er spürt das schon sein Leben lang und heute ganz besonders, wenn er den Wellen zuschaut, wie sie an den Strand branden, damals, am D-Day, waren sie rot gefärbt von Blut der Soldaten.“

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JAHRHUNDERTZEUGEN - Ein aufrüttelndes Buch mit bewegenden Dokumenten über das "bessere Deutschland" und wider das Vergessen
von j.h. aus Berlin am 05.11.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

Nur wenige sind als Held geboren oder schwingen sich in einer außergewöhnlichen Situation plötzlich zu ungeahntem Mut auf. Über manchen davon ist dann - wenigstens als Fußnote - im Geschichtsbuch zu lesen, vor allem wenn es um die Überwindung von Diktaturen geht. Und es gibt die vielen stillen Helden,... Nur wenige sind als Held geboren oder schwingen sich in einer außergewöhnlichen Situation plötzlich zu ungeahntem Mut auf. Über manchen davon ist dann - wenigstens als Fußnote - im Geschichtsbuch zu lesen, vor allem wenn es um die Überwindung von Diktaturen geht. Und es gibt die vielen stillen Helden, von denen man im allgemeinen nichts erfährt - obgleich sie mit ihrem Mut viel bewegt haben. Der Journalist Tim Pröse (*1970), einst Chefreporter der "Münchner Abendzeitung" und ab 2002 Redakteur beim "Focus", hat sich über Jahre mit den bekannten und den weniger bekannten Helden gegen Hitler beschäftigt. Und wenn es auch schon sehr spät war, die unersetzbaren Erinnerungen zu sichern - es war wenigstens nicht zu spät: Viele der Zeitzeugen sind inzwischen verstorben und der Zeitpunkt, an dem es keine mehr gibt, rückt zwangsläufig näher. Lange Zeit hat sich insbesondere die Bundesrepublik Deutschland sehr schwer damit getan, dem deutschen Widerstand angemessen zu gedenken - ganz im Gegenteil: "Gedankt hat ihm Deutschland seine Opferbereitschaft nicht. All seine Versuche nach dem Krieg, in die Bundeswehr aufgenommen zu werden, scheiterten. In seiner Autobiographie macht er dafür Adenauers Staatssekretär und Kanzleramtschef Hans Globke verantwortlich, den überzeugten Nazi und Schreibtischtäter, der als Kommentator der Nürnberger Rassengesetze hervorgetreten war. Gersdorff fühlte sich von jenen Kreisen ehemaliger Offiziere ausgegrenzt, die keinen 'Verräter' in der neuen Armee sehen wollten. Keinen, der auf ihre eigene, oft zweifelhafte Vergangenheit hätte hinweisen können." (S. 152f.) Das durchaus zeittypische Schicksal des bereits 1980 verstorbenen Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff wird von dem ebenso an der Verschwörung zum 20. Juli beteiligten Baron von Boeselager mit thematsiert, der vor seinem Tod 2008 noch interviewt werden konnte. Insgesamt 18 Kapitel mit sehr einfühlsamen Porträts hat Tim Pröse in dem Buch JAHRHUNDERTZEUGEN zusammengeführt, wobei teilweise mehrere in direktem Zusammenhang stehende Personen porträtiert und damit dem Vergessen entrissen werden. Zu den bewegendsten Begegnungen zählen Berthold Beitz und der (als einer von vielen) durch ihn gerettete Jude Jurek Rotenberg. Kurz vor dem Tod des großen Managers, der über seinen Mut zur Zeit des Dritten Reiches kaum gesprochen hat, konnte Rotenberg sich noch bei "seinem Direktor" bedanken. Von ebenso großer emotionaler Kraft sind die Erinnerungen von Inge Aicher-Scholl an ihre Schwester Sophie Scholl, die nach dem Münchner Schauprozess gegen die Mitglieder der "Weißen Rose" hingerichtet wurde. Nahezu hautnah ist das Sterben am Tag des "D-Day" bei dem Besuch von Kurt K. Keller am Omaha Beach zu erleben. Das Durchleiden dieses Tages brachte ihn bei nächster Gelegenheit dazu, zu desertieren und ein lebenslanger Kriegsgegner zu werden: "Es kommt mir alles wie gestern vor. Und deswegen finde ich es schlimm, dass die armen Bundeswehrsoldaten heute überall auf der Welt im Einsatz sind. Wir Deutschen sollten uns da zurückhalten. ... Wenn mir heute einer sagt, dass jemand auf dem Feld der Ehre gefallen sei, dann ist das eine Lüge. Heute wie damals. Ich weiß, was Diktatur und blinder Gehorsam unter Ausschaltung eigenen Denkens für ein grausames, weltweites Verbrechen nach sich ziehen können." (S. 99) Noch weitere Porträts beschäftigen sich mit dem 20. Juli, wobei auch an den erst sehr spät bekannt gewordenen Hitler-Einzelattentäter Georg Elser erinnert wird. Der letzte deutsche Überlebende von "Schindlers Liste" erinnert sich ebenso differenziert an seinen Retter und dessen Motive wie Schindlers Frau Emilie. Anne Franks Cousin Buddy Elias erinnerte sich an deren gebrochenen Lebenswillen, einem Willen der Hans Rosenthal mit 18 das Überleben versteckt in einem Berliner Schrebergarten ermöglichte ... Das im HEYNE-Verlag erschienene Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte - ein Buch wider das Vergessen!

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