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Land der Wunder

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Johannes Schönbach, Geistesmensch und Bonsai-Casanova, trinkt sich durch eine von Alkoholikern, Spaßvögeln und Bonzen bevölkerte Kloake namens DDR. Er versucht zu vergessen, daß die Ostberliner Spitzenschönheit Katja Kommerell anscheinend nur mit SED-Mitgliedern – jedenfalls nicht mit ihm – ins Bett steigt. Als man den Philologie-Studenten wegen unliebsamer Äußerungen zu einer Hilfsarbeiterexistenz in einem Schnapslager verdammt, schwindet ihm der Daseinssinn vollends. Nach dem Novemberwunder 1989 betritt Schönbach ein von Selbstdarstellern, Gesinnungshuren und Endverbrauchern bevölkertes Casino namens Bundesrepublik, vertauscht seine Ost-Berliner Klause mit einem Münchner Penthouse und bringt es auf skurrile Weise zu einem Vermögen. Doch damit enden die Wunder im Leben des notorischen Katja-Kommerell-Wiederfinders noch lange nicht …
Portrait
Michael Klonovsky, Jahrgang 1962, Romanautor, Essayist und Journalist, lebt in München. Er wuchs in Ost-Berlin auf und brachte die DDR mit diversen Hilfsarbeiterjobs hinter sich, etwa als Gabelstaplerfahrer in einem Schnapslager oder Korrekturleser in einer Blockparteizeitung. Er behauptete aber schon Anfang 1985 auf einer Party, in Wirklichkeit Schriftsteller zu sein. Seit 1992 arbeitet er in verschiedenen Funktionen beim Magazin Focus. Er ist verheiratet mit der israelischen Pianistin Elena Gurevich. Jüngste Buchveröffentlichung: Bitte nach Ihnen. Reaktionäres vom Tage. Acta diurna 2012‒2014, Waltrop und Leipzig 2015.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 544
Erscheinungsdatum 25.11.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-944872-26-1
Verlag Manuscriptum Waltrop
Maße (L/B/H) 190/120/38 mm
Gewicht 494
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Hintergründig und tiefsinnig und meist genial formuliert.
von Eberhard Landes am 03.01.2016

Motiviert durch sein hervorragendes Buch „Radfahren“ las ich Michael Klonovskys Roman „Land der Wunder“. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen in Deutschland zur Zeit der Wende, genauer gesagt die Veränderung der Menschen der ehemaligen DDR; noch genauer gesagt, die Karriere – oder sollte man es eher als Metamorphose bezeichnen –... Motiviert durch sein hervorragendes Buch „Radfahren“ las ich Michael Klonovskys Roman „Land der Wunder“. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen in Deutschland zur Zeit der Wende, genauer gesagt die Veränderung der Menschen der ehemaligen DDR; noch genauer gesagt, die Karriere – oder sollte man es eher als Metamorphose bezeichnen – des Johannes Schönbach. Am Anfang des Veränderungsprozesses steht der junge Philologiestudenten Ende der 80er Jahre, der sich mit den politischen Verhältnissen in der zu Ende gehenden DDR nicht arrangieren kann und will. Am Ende steht der Münchner Geschäfts- und Lebemann, dem die Vergangenheit auf ganz außergewöhnliche Weise wieder begegnet. Die Stationen dazwischen reichen vom von der Uni verwiesenen Studenten, über die eines Gabelstaplerfahrers, wo Johannes dem Alkohol verfällt, über die eines Toilettenmannes in einem Schwimmbad und über die eines Korrektors bei einer Tageszeitung, wo er es – noch zu DDR-Zeiten – nicht lassen kann, die Artikel auch inhaltlich zu kritisieren, obwohl er eigentlich doch nur Druckfehler finden soll, über die eines Redaktionsmitgliedes bei eben dieser Zeitung, was ihm mit der Wende und dem Einzug der Wessis in die Chefetage der Zeitung verdankt war, über die eines Chefreporters bei einem Münchner „Peoplemaganzin“, womit einherging, dass er zumindest teil- und zeitweise seine früheren Werte und Normen über Bord warf bis zu der eines Multimillionärs am sog. „Neuen Markt“ zur Zeit des Börsenbooms Ende der 90er Jahre. Statt durch Einträge in die Kaderakte wird sein Leben dann durch Maßanzüge und Essen in Sternerestaurants geprägt. Nur ein Stellenwert bleibt unverändert: Der des anderen Geschlechts, weshalb der Autor den Lebensweg des Johannes Schönbach mit einem gehörigen Schuss Verbalerotik würzt. Parallelen der Biographie Schönbachs mit der des Autors sind absolut unübersehbar: Wie die Romanfigur stammt auch Klonovsky aus der DDR , wie Schönbach war auch er dort – gezwungenermaßen – als Hilfsarbeiter tätig und wie Schönbach kam auch er nach München, wo er u.a.Chef vom Dienst bei Focus war/ist. Und wer trotzdem zweifelt, dem sei gesagt – und damit schließt sich der Kreis zum o.a. Buch „Radfahren“ - dass wie Klonovsky so auch Schönbach zum Amateurrennradfahrer avanciert und sich u.a. nach Alpe d’Huez hinaufquält. Auch dieses gemeinsame Hobby, das von Schönbach, Klonovsky und des Rezensenten, lassen Letzteren zu dem Urteil kommen, dass „Land der Wunder“ ein ganz besonders empfehlenswertes Buch ist! Klonovskys Sätze sind oft lang, hintergründig und tiefsinnig und meist genial formuliert. Ein Beispiel: Klonovsky schreibt nicht "Er zweifelte nicht an seiner sozialistischen Einstellung" ; Klonovsky schreibt: "Des Zweifels Blässe kränkelte seinen Sozialistenschädel nicht an." (Seite 49). Und auch seine Vorliebe für recht ausgefallene Fremdwörter (" seine anagogische Höhle" ; "Mit diesem Kompendium sublimster Torturen ... " ; " Megärisch streckte sie die Hand ... aus " ; " sie arbeitete in subalterner Rolle .. " ; " sie plauderte ... mit ihrer sanguinischen Stimme " ; " ... wandte sich ... an den fülligen Häresiarchen" ; "trübten .. Tränensäcke den chevaleresken Gesamteindruck" usw.) unterscheiden den Roman auffallend von ansonsten vergleichbarer Gegenwartsliteratur leichterer Kost und sollten keinesfalls von der Lektüre abschrecken - ganz im Gegenteil. Daher lautet meine Bewertung "Sehr lesenswert". In Sternen: 4 von 5

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