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Leviathans Rätsel

Lucas-Preis 2013

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Das Wesen der abendländischen Politik besteht in der Trennung zwischen dem nackten Leben, das heißt dem natürlichen Dasein des Menschen, und seiner rechtlich-politischen Existenz. Denn um sich zu konstituieren, muss das rechtlich-politische Leben das nackte Leben produzieren und als Ausnahme von sich selbst ausschließen. Diese zentrale These seiner politischen Philosophie erläutert Giorgio Agamben in seiner Dankesrede bei der Verleihung des Leopold Lucas Preises 2013 durch eine eindringliche Auslegung des emblematischen Titelbildes, das sich auf der ersten Ausgabe von Thomas Hobbes´ Leviathan, dem vielleicht wichtigsten philosophischen Werk über die Ursprünge und Grundlagen des Staates, findet. Dabei wird zugleich deutlich, dass Hobbes eine eschatologische Überwindung der Widersprüche erwartet, die mit der Konstituierung von politischer Herrschaft untrennbar einhergehen.
Portrait
Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken.
Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.

Dr. phil. Friedrich Hermanni, Pfarrer, ist Dozent für Systematische Theologiean der Kirchlichen Hochschule Bethel und für praktische Philosophie an der Fachhochschule Südwestfalen.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Herausgeber Friedrich Hermanni
Seitenzahl 106
Erscheinungsdatum Juni 2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-16-153195-8
Verlag Mohr Siebeck GmbH & Co. K
Maße (L/B/H) 231/155/15 mm
Gewicht 174
Auflage 1
Buch (gebundene Ausgabe)
24,00
inkl. gesetzl. MwSt.
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Das Volk und die Menge
von einer Kundin/einem Kunden am 27.06.2014

Giorgio Agamben war der letztjährige Preisträger des Dr.-Leopold-Lucas-Preises. Der Preis wird von der Evangelisch-theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität in Tübingen verliehen. Zu den früheren PreisträgerInnen gehörten u.a. Poper, Bettelheim, Jonas, Ricoeur, Theunissen, Walzer, Benhabib und Yerushalmi. Die nun in dieser kleinen Publikation vorliegende Dankesrede von Agamben zur Preisverleihung behandelt... Giorgio Agamben war der letztjährige Preisträger des Dr.-Leopold-Lucas-Preises. Der Preis wird von der Evangelisch-theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität in Tübingen verliehen. Zu den früheren PreisträgerInnen gehörten u.a. Poper, Bettelheim, Jonas, Ricoeur, Theunissen, Walzer, Benhabib und Yerushalmi. Die nun in dieser kleinen Publikation vorliegende Dankesrede von Agamben zur Preisverleihung behandelt im Wesentlichen ein kleines Motiv im Titelbild der Leviathan-Ausgabe von Thomas Hobbes. "Gewohnte" LeserInnen von Agamben-Schriften werden auch von dieser kurzen Ausführung zu Hobbes keinesfalls enttäuscht werden. Agamben holt im engsten Textraum weit in die Rezeption aus. Obwohl schon viel über das Emblem der Leviathan-Publikation geschrieben wurde, gibt Agamben derart neue Seiten des Buches preis, sodass eine abermalige Lektüre von Hobbes notwendig ist. In der Hauptsache geht es in der Agamben-Auslegung um die Differenz von Volk und Menge, die für die Konstitution des Souveräns bedeutsam ist, und sich im Emblem zu wiederholen scheint. Das, was Agamben an Hobbes herausarbeitet, ist das Verschwinden des Volkes im Souverän, der die politisch unbedeutende Menge zurücklässt. Mit dieser Darlegung entschlägt Agamben Hobbes nicht nur aus der antisemitischen Auslegung eines Carl Schmitts und andere konservativen Interpretationen der Politischen Philosophie, sondern rückt ihn in die Nähe von Walter Benjamin. Agamben betont: "Hobbes Eschatologie bietet eine eigentümliche Affinität zu der Eschatologie, die Benjamin in seinem 'Theologisch-politischen Fragment' artikuliert." Ob die LeserIn nun der Auslegung von Agamben folgt oder nicht, sei dahingestellt. Relevant scheint jedoch zu sein, welche Schlüsse aus der Differenz von Volk und Menge auch für das Politische der Demokratie zu ziehen sind, und was es mit der Eschatologie und der Säkularisierung einer politischen Theologie im politisch-demokratischen Raum auf sich hat.

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