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Ludwig Wittgenstein

Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten

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In der Geschichte der Philosophie gibt es nur wenige Namen, mit denen sich so viel Ungewöhnliches, aber auch Ungereimtes, ja Paradoxes verbindet wie mit dem Namen Wittgenstein. Für den Mann auf der Straße meist ein gänzlich Unbekannter, ist Wittgenstein für viele Fachleute der Philosoph schlechthin. Er zählt zu den meistzitierten Denkern des 20. Jahrhunderts, obwohl er in seinem Leben nur einige Dutzend Seiten veröffentlicht hat: er wurde seit seinem Tode zum Star einer neuen philosophischen Tradition, wo gerade er uns doch von der traditionellen Philosophie befreien wollte. Eine vollständige Bibliographie der Wittgenstein-Literatur würde mehrere tausend Titel umfassen, und ständig werden neue Abhandlungen über Wittgenstein und seine Philosophie veröffentlicht.
Portrait
Professor (i. R.) Dr. Kurt Wuchterl lehrte Philosophie an der Universität Stuttgart und ist Autor zahlreicher Bücher auch einführenden Charakters.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 11.05.1979
Serie rororo Monographien
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-499-50275-0
Verlag Rowohlt Taschenbuch
Maße (L/B/H) 190/115/6 mm
Gewicht 153
Abbildungen 1979. mit zahlreichen Abbildungen 19 cm
Auflage 13. Auflage
Verkaufsrang 67.841
Buch (Taschenbuch)
7,50
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Ausgewogene Blicke auf eine unausgewogene Persönlichkeit
von Christian Rother aus Bonn am 13.04.2009

Rowohlts Bildmonographien zu den Philosophen fallen, was das Verhältnis zwischen Darstellung von Leben und Einführung ins Denken angeht, unterschiedlich aus. Wer sich von Wiedmanns Monographie zu Hegel Einblicke in dessen Gedankenwelt verspricht, wird enttäuscht sein. Biemels Buch zu Heidegger hingegen legt den Schwerpunkt auf die Vermittlung von dessen... Rowohlts Bildmonographien zu den Philosophen fallen, was das Verhältnis zwischen Darstellung von Leben und Einführung ins Denken angeht, unterschiedlich aus. Wer sich von Wiedmanns Monographie zu Hegel Einblicke in dessen Gedankenwelt verspricht, wird enttäuscht sein. Biemels Buch zu Heidegger hingegen legt den Schwerpunkt auf die Vermittlung von dessen Philosophie. Die von Wuchterl und Hübner verfasste Monographie zu Wittgenstein ist eher biographisch angelegt. Hierfür gibt es Grund genug, kann man doch Wittgensteins Leben als äußerst abwechslungsreich und seine Persönlichkeit als schillernd bezeichnen: Als Sohn eines der reichsten Männer der Donaumonarchie wächst er in einem Milieu auf, das von kulturellen Impulsen geprägt ist. Im Hause Wittgenstein verkehren bedeutende Komponisten wie Gustav Mahler und Johannes Brahms. Das geerbte Vermögen verschenkt er. Drei seiner Brüder begehen Selbstmord. Von der philosophischen Lehrtätigkeit abgesehen, nimmt er die unterschiedlichsten Stellen an, vom Volksschullehrer über den Job eines Klostergärtners zum Krankenpfleger. Als Soldat im ersten Weltkrieg schreibt er den in die Philosophiegeschichte eingehenden "Tractatus logico-philosophicus", dessen Inhalte er später teilweise als Irrtum bezeichnen wird, um seine neue Auffassung von der Sprache in den "Philosophische Untersuchungen" niederzulegen, die zu den bedeutendsten sprachphilosophischen Werken des zwanzigsten Jahrhunderts gehören werden. Hinzu kommt Wittgensteins Persönlichkeit, in der Wuchterl und Hübner nicht zu Unrecht "widerspruchsvolle[n] Charakterzüge", "Ungereimtes, ja Paradoxes" entdecken (7). Stoff genug also für jeden Biographen. Gefahr allerdings auch zur Legendenbildung, zu Übertreibungen und Verklärungen. Obwohl sie von Wittgenstein als einer Existenz "erregender Faszination" (132) sprechen, verfallen die Autoren dieser Verführung nicht; sondern widmen sich ihrem "Gegenstand" aus sachlicher Distanz. Dabei wird Wittgensteins Bedeutung nicht durch die Feststellung geschmälert, dass "Erkenntnisse, die man zunächst Wittgenstein zugeschrieben hat [...] als Weiterentwicklungen oder als Parallelismen von Gedanken anderer erkannt" wurden (80). Aus seinem Verzicht auf das Millionenerbe auf eine sozialistische Gesinnung zu schließen, sei abwegig, zumal er das Vermögen "nicht für karitative Zwecke" verwendete (85), was sicher nicht dadurch erschüttert wird, dass Wittgenstein Teile seines Vermögens an Künstler gab (52f). Zu den Voraussetzungen des Versuchs, ein objektives Bild Wittgensteins zu entwerfen, gehört das Quellenmaterial. Hier erfuhren die Autoren Unterstützung durch Thomas Stonborough-Wittgenstein, der neben seinem Wissen über Familienverhältnisse Familienchroniken, Briefe und sonstige Dokumente zur Verfügung stellte (8). Von Wittgensteins Philosophie erhält der Leser eine eher skizzenhafte Vorstellung. Die Bedeutung des Tractatus bestehe darin, dass hier "die Philosophie ganz im Medium der Sprache erscheint" (74). Dabei handele es sich um eine "Grenzziehung zwischen klar Sagbarem und Unsinn" (75). Auch in der Spätphilosophie gehe es um "die Aufklärung von sprachlichen Mißverständnissen in allen möglichen philosophischen Fragestellungen" (83). Für Wittgenstein entstehen diese Scheinprobleme vor allem durch Hypostasierungen und falsche Analogien (117f und 124). Bei einem Buch dieses Formats kann bei der Wiedergabe der Philosophie vieles nur gestreift werden. Manko ist vielleicht, dass das Problem des Regelbefolgens völlig ausgelassen wird - vielleicht ist das damit zu erklären, dass die Bedeutung dieses Theorems erst später durch Kripke erkannt wurde. Jedem, der sich einen kompetenten Überblick über Leben und Persönlichkeit von Wittgenstein verschaffen möchte, kann das exzellent recherchierte und mit Augenmaß geschriebene Buch auch nach dreißig Jahren empfohlen werden.

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