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Lutherbibel revidiert 2017 - Die Standardausgabe (schwarz)

Mit Apokryphen

(1)
Die neu revidierte Lutherbibel 2017 ist verständlicher geworden und näher an Martin Luthers kraftvoller Sprache als zuvor. Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland empfohlene Fassung.
• vollständig überprüft
• auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand
• Bibeltext abschnittsweise zweispaltig gesetzt
• Psalmen einspaltig in Gedichtsatz angeordnet
• Biblische Vergleichsstellen und Anmerkungen am Fuß der rechten Spalte
• Inhaltsübersichten
• Sach- und Worterklärungen
• Überblick über besondere Schreibweise von Namen
• Stichwortverzeichnis
• Zeittafeln
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 1536
Erscheinungsdatum 19.10.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-438-03310-9
Verlag Deutsche Bibelgesellschaft
Maße (L/B/H) 221/148/38 mm
Gewicht 955
Verkaufsrang 1.919
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Mehr oder weniger Luther
von einer Kundin/einem Kunden aus Roux (Charleroi) am 12.11.2016

Pünktlich zur Buchmesse, zum Reformationstag und  zum Jubiläumsjahr erschien die vierte kirchlich revidierte Lutherbibelausgabe. Die Deutsche Bibelgesellschaft hat sich in gewohnter Weise um die ästhetisch angemessene Edition bemüht: Ob Schul-, Altar-, Standart- oder Schmuckausgabe, jede Bibel der „Lutherübersetzung revidiert 2017“ ist ein bibliophiles Kleinod. Nimmt man die schöne neue Ausgabe zur Hand, liest man im... Pünktlich zur Buchmesse, zum Reformationstag und  zum Jubiläumsjahr erschien die vierte kirchlich revidierte Lutherbibelausgabe. Die Deutsche Bibelgesellschaft hat sich in gewohnter Weise um die ästhetisch angemessene Edition bemüht: Ob Schul-, Altar-, Standart- oder Schmuckausgabe, jede Bibel der „Lutherübersetzung revidiert 2017“ ist ein bibliophiles Kleinod. Nimmt man die schöne neue Ausgabe zur Hand, liest man im Vorwort des Ratsvorsitzenden der EKD, dass „die Lutherbibel 2017 [gegenüber früheren Revisionen] wieder ‚mehr Luther‘ enthält“, weil – wie im Anhang dann ausgeführt wird – die Revision 2017 an „etlichen [...] Stellen [...] zum Wortlaut der Übersetzung Martin Luthers“ zurückgekehrt sei. Zu dem als Beispiel angeführten Vers „Wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt wird selig“ (Röm 10, 10), heißt es schließlich: „Die vorhergehende Revision hatte –  sachlich durchaus richtig – hier [für ‚selig‘] den Begriff ‚gerettet‘ eingesetzt, damit aber einen zentralen theologischen Begriff preisgegeben, der einen festen Bestandteil der evangelisch-lutherischen Tradition darstellt.“ Auch der Psalmvers lautet wieder: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,/ so schreit meine Seele, Gott, zu dir“ (Ps 42, 2). In der Berufung Hesekiels ist es wieder der „Wind“, der den Propheten emporhebt (Ez 3, 12). Die „Schlangenbrut“ der vorgängigen Revision ist nun wieder Luthers „Otterngezücht“ (Mt 12, 34).   Im Vaterunser ist weiterhin (wie in Luthers Katechismen) von „Schuld“ und nicht  (wie in den Lutherbibeln bis 1912) von „Schulden“ (Mt 6, 12) die Rede. Die ambivalente Teilübersetzung  „Synagoge des Satans“ der  dritten Revision ist jetzt vollständig übersetzt: „Versammlung des Satans“ (Offb 2, 9; 3, 9); Luthers „Satansschule“ findet sich nicht einmal mehr in der Schulbibel. Endet das „Ehre sei Gott in der Höhe“ schon seit der letzten Revision mit „den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lk 2, 14), so wird in der neuen Lutherübersetzung erstmals korrekt übersetzt: „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren“ (Phil 4, 7). In den Episteln werden aus den „Brüdern“ nun – sachlich angemessen – „Brüder und Schwestern“. Von Leas „blödem Gesicht“ ist nicht mehr die Rede; in der neuen Lutherübersetzung steht: „Leas Augen waren sanft“ (Gen 29, 17). Die Revision 2017 hat den Ausdruck „Wehmutter“ als veraltet angesehen und stets durch „Hebamme“ ersetzt (z. B. Gen 35, 17). Schon die zweite Revision (1912) präzisierte „Welschland“ durch „Italien“ (Apg 27, 1),  nachdem in der ersten (1892) bereits „Kolk“ und „Gnatz“  der „Grube“ (Lev 11, 36)  und dem „Ausschlag“ (Lev 14, 56) gewichen waren. Wer mehr Luther haben will, findet häufig weniger: Da werden „unrevidierte“ Lutherbibeln feilgeboten, welche den Text der 1912er Revision mit dem der Genfer Bibel von 1562 abgeglichen haben (Probe: johanneisches Komma). Und doch hätte es sich gelohnt, eine Jubiläumsausgabe mit noch mehr Luther zu drucken. Die sog. Probebibel von 1883 hätte einer solchen Sonderausgabe Patin stehen können.   Leider verweisen die beiden letzten Revisionen in ihren Anmerkungen nur auf den Text ihrer jeweils vorgängigen Ausgabe, nicht aber auf die Lutherbibel von 1545. So zitiert beispielsweise die 1984er Revision in der Anmerkung die Lutherübersetzung, die sich noch 1912 behauptete: „Denn allein die Anfechtung lehrt aufs Wort merken“ (Jes 28, 19). Luther und sein Expertenteam wussten ganz genau, dass die deutsche Übersetzung nicht dem hebräischen Urtext entsprach, dennoch insistierte Luther bewusst auf Hieronymus’ lateinischer Übersetzung (sola vexatio intellectum dabit auditui). In der 2017er Revision wird Luthers Übersetzung nicht mehr angemerkt. Ähnlich erging  es  bereits Luthers Übersetzung einer vertrauten Stelle, die  1912 noch in den Anmerkungen, in der dritten Revision schon nicht mehr auftauchte: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen“ (Hiob 19, 25 f.). Diese Stelle übersetzte Luther offensichtlich aus dem Requiem (Credo quod). Auch der lateinische Psalter, den er in- und auswendig kannte, stand seinen Wortschöpfungen Pate: „Lobsinget klüglich!“ (Ps 47, 8: psallite sapienter). Mein frommer Wunsch an die Stuttgarter Bibelanstalt: eine Sonderausgabe der neu revidierten Lutherbibel 2017. Sie müsste diese und „etliche andere Stellen“ der Lutherübersetzung als Fußnoten den interessierten Leserinnen und Lesern zugänglich machen – das Jubiläumsjahr ist ja noch jung, und Textverarbeitungsprogramme (LB 1545/1912/1984/2017) schnell. Ein Register zur Luthersprache sollte nicht fehlen: 1912 findet sich das Adjektiv „freudig“, wo in Luthers Bibelübersetzung „freidig“ stand, was allerdings  nicht etwa „freudig“, sondern soviel wie „kühn“ oder „entschlossen“ bedeutete (vgl. Jos 1, 9). In Luthers Sprache ist das Adverb „fest“ im Sinne von „sehr“ noch nicht umgelautet („fast“). „Bescheidenheit“ meint in Luthers Bibelübersetzung nicht etwa die Modestie, sondern ganz wörtlich das „Bescheid wissen“, also  „Erkenntnis“. Natürlich müsste ein solches Projekt fachkundig von Germanistinnen und Germanisten betreut werden ... Das schon sprichwörtlich und werbewirksame württembergische Selbstbewusstsein würde einem solchen Projekt zugute kommen.   Mehr oder weniger Luther, das ist die Frage.

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