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Meine Farm in Afrika

Das Leben der Frieda von Bülow

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Bin ich ein Sekundärtalent, eine zweitrangige Begabung? Die spätere Schöpferin des »deutschen Kolonialromans« Frieda von Bülow neigt dazu, diese Frage zu bejahen. Doch dann tritt ein Mann in ihr Leben, der ihr mit Nietzsche sagt: Werde, der du bist!
»Meine Farm in Afrika« berichtet von einer Frau, die im fremden Land nicht als Eroberin auftritt, sondern gemeinsam mit den Einheimischen ein neues Leben beginnen will. Das Buch taucht tief ein in ein fast vergessenes, äußerst widersprüchliches Kapitel deutscher Geschichte. Es entsteht das Tableau einer Gesellschaft, getragen von Menschen Anfang dreißig, vornehmlich Adligen, die sich gleichsam auf exterritorialem Gebiet neu erfinden wollten: Wir sind zwar Deutsche, aber wir haben es satt, der Poet unter den Völkern zu sein! Aktion statt Traum!
Kerstin Decker erzählt mit viel Gespür für die Charaktere und die skurrilen Züge einer Zeit, in der es möglich war, die höchste Erhebung Afrikas auf den Namen Kaiser-Wilhelm-Spitze zu taufen.
Rezension
"1887 sprengt die junge Baronin alle Rollen und folgt ihrem Traum von Afrik. Die spätere Schöpferin des 'deutschen Kolonialromans' tritt im fremden Land nicht als Eroberin auf, sondern will gemeinsam mit den Einheimischen ein neues Leben beginnen.", Der Tagesspiegel, 07.01.2016
Portrait

Kerstin Decker, geboren 1962 in Leipzig, promovierte Philosophin, ist Autorin des »Tagesspiegels«. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, zuletzt erschienen »Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich«, »Nietzsche und Wagner. Geschichte einer Hassliebe« und »Richard Wagner. Mit den Augen seiner Hunde betrachtet«. Sie lebt in Berlin.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 480
Erscheinungsdatum 09.03.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8270-1237-1
Verlag Berlin Verlag
Maße (L/B/H) 215/135/43 mm
Gewicht 721
Abbildungen schwarz-weiss Illustrationen
Verkaufsrang 99.949
Buch (gebundene Ausgabe)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Ein grandioses Werk: Informativ, unterhaltsam, weise. Absolut lesenswert
von Zmei am 03.07.2015

Es ist kein Roman im belletristischen Sinne, denn für die Geschehnisse zwischen 1882 und 1905 gibt es einen umfangreichen Quellennachweis am Ende des Buches. Und doch ist es kein Werk, das im Stil einer Dokufilmsendung rein informativ und trocken den Stoff vor den Augen der Leser ausbreitet. Ganz... Es ist kein Roman im belletristischen Sinne, denn für die Geschehnisse zwischen 1882 und 1905 gibt es einen umfangreichen Quellennachweis am Ende des Buches. Und doch ist es kein Werk, das im Stil einer Dokufilmsendung rein informativ und trocken den Stoff vor den Augen der Leser ausbreitet. Ganz im Gegenteil. Es gibt genug Raum für Eigeninterpretationen, philosophischen Überlegungen, Ironie und Humor, der gekonnt wie gewitzt genutzt wird. Fakten bilden eine solide Basis dieses opulenten, im Sinne gehaltvoll an wertvollen Gedanken, Werkes. Eigene Nachempfindungen von der Autorin Kerstin Decker hauchen erst das Leben in jene historische Ereignisse und Figuren ein des XIX Jh., die ihr Buch uns bietet. Ein Vielfalt an Themen taucht in dem Buch: Freundschaft, Liebe, Familie, Suche nach persönlichem Gluck, der Mensch und sein Platz in dieser Welt, aber auch Eroberung der Deutschen von Ostafrika, politische Geschehnisse der damaligen Zeit, Attitüde der deutschen Regierung zu der Entstehung der Kolonien, Umgang der Afrikaner mit den Eroberern, die Lebensumstände der deutschen Eroberer in Ostafrika, uvm. Eines der Themen, das wie ein roter Faden durch Schicksale der Figuren durchzieht, ist das Thema der eigenen Identität/des eigentlichen Ich-Werdens. Es wird gezeigt und kommentiert, wie einige der Helden dieses Werkes das Problem für sich gelöst haben: Zu Anfang musste Carl Peters, der Pfarrersohn aus Neuhaus an der Elbe, aufhören, ein Deutscher zu sein, um in London weiterzukommen. „Leben ist Hochstapelei; man muss die Person behaupten, die man erst zu werden gedenkt.“ S. 103 Oder auf S. 152: „Er hat sich selbst erschaffen. Ein Unternehmer im Wortsinn, ein Selbsterfinder. Es ist also möglich. Da gründet einer sein Dasein auf nichts als sich selbst, und plötzlich wird eine Welt daraus. Er hatte keine Chance. Aber er hat sie genutzt. Ich bin ich!“ Emin Bay, ein Ornithologe aus Oberschlesien, musste sich einen neuen Namen wie andere Identität leihen: Er gab sich für einen Türken aus, um den Job des Gouverneurs in Äquatoria zu bekommen. Frieda von Bülow war das Thema ebenfalls nicht fremd: „Sie misstraut nun einmal Menschen, deren Ideal die Selbstverleugnung ist. Dabei müsste etwas ihr sagen, wie gefährlich gerade diese sind.“S. 310. Ebenso Deutschland als junger Staat unter Bismark und das deutsche Volk waren um die Zeit auf der Suche nach eigener Identität. Auch andere Fragestellungen und spannende philosophische Gedanken, wie poetische Beschreibungen erwarten die Leser in diesem Buch. „Jetzt strömen immer mehr Menschen auf den großen Platz, mit nur in Venedig möglicher Geräuschlosigkeit. Kurz versinkt die junge Frau im Anblick der hellen Sterne auf tiefblauem Grund am Portal der Markuskirche. Es könnte ein Bild der Verlorenheit sein, der Verlorenheit in der unendlichen Nacht des Raums, und ist doch, seltsam genug, eines der Geborgenheit. Als sei die Erde ein heimatlicher Stern. Als könne man auf ihm nicht verlorengehen.“ S.145 oder: „Es ruht ein Hauch süßer Poesie über der Landschaft und ladet den Geist zum träumerischen Sich-Versenken in sich selbst ein.“S. 358 Als Teil der westlich orientierten Mentalität haben einige Fragen auch heute an Aktualität nicht verloren. Schön, bereichernd, dass sie im Kontrast zur Weltanschauung der Afrikaner so deutlich uns vor Augen geführt wurden: „Der Stärkere nimmt dem Schwächeren nicht das Seine? Sollte das Zivilisation sein? Oder ist Zivilisation, wenn der Stärkere dem Schwächeren das Seine so nimmt, dass es sich nicht mehr nachweisen lässt?“S. 79 oder „Es kann nicht schön sein dort, sonst würden sie nicht alle fortlaufen. … doch hätte er das große Wasser kennenlernen sollen, wäre er gewiss an seinem Strand geboren.“ Und weiter S. 160-161: „Trotzdem sah ihn Mandara wohl mit einem Gefühl an, das er Rührung nennen müsste, wenn er dafür einen Namen wüsste. Denn er erinnerte ihn an das, woran alle älteren Leute am liebsten denken: an seine Jugend.“ Es gibt noch mehr gelungene Gegenüberstellungen der europäischen und der afrikanischen Mentalität in dem Werk. Auch höchstinteressante Details zur europäischen Gesichte, u. a. was Deutschland, Niederlande oder Belgien mit all ihren Kolonien angeht. Man erfährt auch, wie Belgien zu ihrem ersten König kam. Oder wie stark die Rivalität zw. Briten und Deutschen in Ostafrika z.T. auch ausfiel. Es wird schon oft zwischen den Orten, Zeiten, Figuren und Perspektiven geschaltet, um einen bestimmten Gedankengang, ein Bild fertig zu malen, eine Geschichte zu Ende zu erzählen, manchmal auch ohne einen sichtbaren Grund, aber es erweist sich stets als eine Ergänzung und letztendlich Bereicherung. Zum schnellen Weglesen ist es nichts. Ich musste öfters mal das Buch weglegen, um genug Raum dem ganzen Gedankenreichtum und der Vielfalt an Figuren, Situationen, etc. zu geben. So ein Buch braucht eben so viel Zeit und Ruhe. Auch dieser mal ernst philosophische, mal humorig-ironischer Erzählstil sagte mir sehr zu und machte das Fortkommen um einiges leichter. Fazit: Ein Buch in hoher Qualität, innerlich wie äußerlich, auf jeder Seite. Es ist zwar schon ein Werk, das Zeit und Aufmerksamkeit fordert, man wird aber auch dafür mit schönen wie erfüllten Stunden voller Witz und Weisheit belohnt. Zu lesen lohnt es sich auf jeden Fall. Daher 5 wohl verdiente Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Fulminanter Roman über die Kolonialisierung Afrikas
von mabuerele am 19.06.2015

„...Oder ist es Zivilisation, wenn der Stärkere dem Schwächeren das Seine so nimmt, dass es sich nicht mehr nachweisen lässt?..." Carl Peters, ein junger Philosoph, der gerade sein erstes Buch veröffentlicht hat, steht in London am Bett seines toten Onkels. Wenige Jahre später wird er Geschichte schreiben. Frieda von Bülow... „...Oder ist es Zivilisation, wenn der Stärkere dem Schwächeren das Seine so nimmt, dass es sich nicht mehr nachweisen lässt?..." Carl Peters, ein junger Philosoph, der gerade sein erstes Buch veröffentlicht hat, steht in London am Bett seines toten Onkels. Wenige Jahre später wird er Geschichte schreiben. Frieda von Bülow stammt aus einer verarmten Adelsfamilie. Zusammen mit ihren Schwestern lebt sie in Berlin. Es ist ungewöhnlich für eine junge Dame, dass sie mit Mitte 20 noch nicht verheiratet ist. In der südlichsten Provinz Ägyptens arbeitet ein Mann als Gouverneur, der sich Emin Bey nennt. Eigentlich aber stammt er aus Oberschlesien. Sein Interesse gilt nicht der Politik, sondern der Biologie und der Landwirtschaft. Auf dem Buch steht als Untertitel „Das Leben der Frieda von Bülow“. Das macht aber nur einen Teil der Handlung aus. Die Autorin hat einen fulminanten Roman über die Kolonialisierung Afrikas durch Carl Peters und seine Begleiter geschrieben. Carl Peters war es auch, der Frieda zu ihrer ersten Afrikareise inspiriert hat. Das Buch zeichnet sich durch exakt charakterisierte Protagonisten, philosophische Tiefe und detailgenaue Beschreibung der Eroberung des schwarzen Kontinents aus. Frieda von Bülow will selbstbestimmt leben, stößt aber immer wieder an Grenzen. Zum einen sind das die Grenzen ihres Standes und der daraus folgende Erziehung. Von diesen Denkstrukturen, die Menschen in Herren und Diener einteilt, kann sie sich kaum lösen. Zum zweiten muss sie stets erneut erkennen, dass eine allein lebende Frau oft nicht akzeptiert wird. Carl Peters ist von dem Wunsch besessen, für Deutschland Land in Afrika in Besitz zu nehmen. Die einheimische Bevölkerung wird geschickt ausgetrickst. Oft können sie die Verträge, die sie unterschreiben, nicht lesen. Deutlich wird, dass die Eroberer die Schwierigkeiten Afrikas unterschätzt haben. Krankheit und ungewohnte Temperaturen fordern ihre Opfer. Der gehobene Schriftstil des Buches lässt sich gut lesen, fordert aber Aufmerksamkeit, damit viele der kleinen Feinheiten nicht untergehen. Höhepunkte sind die Dialoge, wo auch philosophische und ethische Fragen angesprochen werden. Die Spannung des Buches ergibt sich aus den ungewöhnlichen Verhältnissen in Afrika. Es ist Neuland, dass sie meist unzureichend vorbereitet betreten. Auszüge aus Originaldokumenten sind geschickt in die Handlung integriert. Mehrmals werden dem tatsächlichen Erleben die entsprechenden Ausschnitte aus Friedas Büchern gegenüber gestellt. Während die Durchquerung von Afrika und die Verhältnisse, die die Reisenden bei verschiedenen Stämmen antreffen, sehr ausführlich und genau beschrieben werden, bleiben in Friedas Lebensbeschreibung Fragen offen. Nicht alle ihre Entscheidungen sind logisch nachvollziehbar. Das Buch wird ergänzt durch Karten in der ersten und letzten Umschlagseite, durch ein informativ dichtes Nachwort, ein ausführliches Quellenverzeichnis, ein Suaheli-Glossar und ein Personenverzeichnis. Eine Vielzahl von Originalfotografien veranschaulicht die Handlung. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es hat mir einen ausführlichen Einblick in eine selten thematisierte historische Epoche ermöglicht. Geschichtlich Interessierte finden im Buch eine Fülle von Informationen über die ersten deutschen Kolonien. Allerdings sollte man nicht in erster Linie eine Lebensbeschreibung von Friedas von Bülow erwarten. Wie oben schon erwähnt, ist das Buch wesentlich mehr.

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