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Mogador

Roman

(2)
Nicht immer wird ein Sprung aus dem Fenster zum Sprung in eine andere Welt. Aber als der junge, auf der Karriereleiter seiner Bank schon ziemlich hoch hinaufgelangte Patrick Elff nach einem Gespräch im Polizeipräsidium aus dem Fenster springt, ist das der Beginn einer gefährlichen Reise. Er hat betrogen, die Entdeckung steht bevor. Nun sucht er Hilfe bei einem mächtigen marokkanischen Finanzmann, der ihm noch einen Gefallen schuldet, und flieht nach Mogador.
Doch auch in der Stadt an der marokkanischen Atlantikküste erweist sich das Untertauchen als schwierig. Um der Aufmerksamkeit der Polizei zu entgehen, mietet er sich nicht in einem Hotel, sondern im Haus der Patronin Khadija ein, einem Universum im kleinen, einer verborgenen Welt mit eigenen, weit jenseits des Normalen liegenden Gesetzen: Khadija ist Hure und Kupplerin, Geldverleiherin, Zauberin und Prophetin. Patrick, der sich selbst als einen erlebt, der mehr oder weniger unfreiwillig in seine Tat hineingeschliddert ist, stößt hier auf eine Frau, die mit ihrem Willen einen Kult bis zur Selbstvergötzung treibt. Zum zweiten Mal in kürzester Zeit übertritt er die eben noch unverrückbar scheinenden Grenzen seines Lebens, sieht die Geisterwelt, lernt Schrecken kennen, die irdische Strafen übersteigen.
Mogador ist beides zugleich, Kriminalfall und Seelenreise, genaueste Wirklichkeitsbeobachtung und ins Dämonische ausschweifende Phantastik. Wie immer stehen Menschenschilderungen in der Mitte von Martin Mosebachs Erzählen: die unheimliche Khadija und ihr illoyales Faktotum Karim, der mächtige Monsieur Pereira und Patricks kühl ironische Ehefrau Pilar. Die Reise nach Mogador wird zum Traum, der Patrick Elff auf den Boden der Realität zurückführt.
Rezension
Man liest dieses außerordentliche Buch derart gebannt, dass man fast enttäuscht ist, sich nach rund 370 Seiten im eigenen Alltag wiederzufinden. Was natürlich daran liegt, dass Mosebach ein begnadeter Erzähler ist. Seine Leser wissen das längst, doch "Mogador" bildet einen neuen Höhepunkt seiner Kunst. Ulrich Greiner, DIE ZEIT
Portrait
Martin Mosebach, geboren 1951 in Frankfurt am Main, hat sich nach dem II. juristischen Staatsexamen 1979 in seiner Geburtsstadt als Schriftsteller niedergelassen und lebt dort noch heute. Sein erster Roman, Das Bett, kam 1983 heraus; seitdem sind zehn weitere Romane entstanden, dazu Erzählungen, Gedichte, Libretti und Essays über Kunst und Literatur, über Reisen, über religiöse, historische und politische Themen. Dafür hat er zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, etwa den Heinrich-von-Kleist-Preis, den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, den Georg-Büchner-Preis und die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt. Er ist Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung, der Deutschen Akademie der Künste in
Berlin-Brandenburg sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 368
Erscheinungsdatum 19.08.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-498-04290-5
Verlag Rowohlt Verlag
Maße (L/B/H) 212/137/32 mm
Gewicht 451
Auflage 3. Auflage
Verkaufsrang 24.845
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Buchhändler-Empfehlungen

„Ein Sprachschatz!“

Claudia Tross, Thalia-Buchhandlung Offenbach am Main

"Mogador" ist für mich der bisher beste Roman von Martin Mosebach. Sprachmächtig und -gewaltig, so völlig unangestrengt formuliert, dass der gebildete Leser in diesen Sätzen schwelgen kann. Eintauchen und die Vielfalt der deutschen Sprache genießen! "Mogador" ist für mich der bisher beste Roman von Martin Mosebach. Sprachmächtig und -gewaltig, so völlig unangestrengt formuliert, dass der gebildete Leser in diesen Sätzen schwelgen kann. Eintauchen und die Vielfalt der deutschen Sprache genießen!

Kundenbewertungen


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Eine faszinierende Erzählung, die sich nicht in eine Schablone pressen lassen möchte
von Dodo am 20.09.2016

Patrick Elff hat sich trotz seiner jungen Jahre die Karriereleiter in der Bank hoch hinauf gearbeitet. Im Zuge seiner Arbeit hat er es zu seinem eigenen Vorteil nicht immer ganz genau mit dem Gesetz genommen, was ihm nun auf den Kopf zu fallen droht. Ein mächtiger Kunde könnte ihm... Patrick Elff hat sich trotz seiner jungen Jahre die Karriereleiter in der Bank hoch hinauf gearbeitet. Im Zuge seiner Arbeit hat er es zu seinem eigenen Vorteil nicht immer ganz genau mit dem Gesetz genommen, was ihm nun auf den Kopf zu fallen droht. Ein mächtiger Kunde könnte ihm aus der Misere helfen. Basierend auf einem vagen Versprechen lässt Elff alles hinter sich und flüchtet nach Marokko. Dort taucht er bei der willenstarken Khadija unter, in einer Welt, in der andere Regeln gelten, als er sie im durchtstrukturierten Deutschland gewohnt ist. Martin Mosebach vermischt in seinem wortstarken Roman eine kleine Krimigeschichte mit der Seelenreise eines Getriebenen vor der exotischen Kulisse Marokkos. Er gibt seinem charakterschwachen Helden Elff einen starken weiblichen Gegenpart zur Seite. Anders als Elff, der sich durchgehend als Opfer der Umstände betrachtet und kaum zu einer minimalen Einsicht gekommen in die nächste Opferrolle verfällt, hat Khadija ein Rückgrat aus Stahl. Ihr widerfährt nichts, sie widerfährt anderen. Hure und Kupplerin, Zauberin und Mutter, Witwe und Liebende, Khadija trifft ihre eigenen Entscheidungen und lebt mit den Konsequenzen ohne Bedauern. Mosebachs Protagonisten sind realistisch beschrieben. Man hat sofort eine gute Vorstellung von den einzelnen Personen. Einzig Pilar, Elffs Ehefrau bleibt blass und seltsam verschwommen. Wahrscheinlich beabsichtigt, denn bis fast zum Ende des Romans erlebt man sie nur aus seiner Sicht. Schnell erkennt man, dass dieser schwache und doch sympathische Antiheld seine Frau nicht kennt. So überrascht sie letztendlich ihn und den Leser. Sprachlich erinnert der Roman an eine orientalische Erzählung. Sehr lebhaft und wortreich, mit einprägsamen Bildern und Vergleichen: "Die Sonne stand schon tief, in warmen Goldgelb, herrlich anzuschauen; sie geradewegs anzublicken, das war inzwischen möglich - die Farbigkeit hat ihre das Stechende und Verwundende genommen. In Khadijas Welt alles zerbrochen, verschimmelt und vom Schwamm befallen, aber darüber erhob sich jeden Tag dieses Bild der ungetrübten Vollkommenheit, der reine Kreis, von dem die Mathematiker behaupten, er könne nur gedacht werden, kein Mensch könne ihn fehlerlos zeichnen" - Martin Mosebach - Mogador, Zweiter Teil, Kapitel 3, Seite 119 Derartige stilistische Höhenflüge ziehen sich durch die gesamten 370 Seiten des Buches. Sie machen das Lesen zur Freude, verlangen aber auch die Bereitschaft zur Konzentration. Zwischen Traum und Wirklichkeit schwankend, muss jeder für sich selbst entscheiden, was real und was Illusion ist. Popcornunterhaltung darf man sich nicht erwarten, dafür wird man mit einer komplexen Geschichte mit lebendig gezeichneten Charakteren belohnt.

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