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Nackter Mann, der brennt

Roman

(2)
Im Alter von vierzehn Jahren flieht ein Junge aus dem süddeutschen Dorf Heiligsheim. Vierzig Jahre später kehrt er als Ludwig, »Luggi« Dragomir zurück: Alkohol, Drogen und alle gegen sich und die anderen ausgefochtenen Kriege in Berlin verhinderten nicht das ständige Wiederleben des Missbrauchs seiner Spielkameraden und seiner selbst durch die Honoratioren von Heiligsheim. Die Schuldgefühle, diese Jungen nicht beschützt zu haben, treiben ihn an: »Je mehr Zeit ich im Dorf verbrachte, desto mehr Kinder kamen zurück und scharten sich in meinem Kopf ums schwarze Brot der Erinnerung.«
Seit seiner Anwesenheit  verschwinden gleich mehrere ältere Herren, einige werden tot aufgefunden – ob durch Unfall oder Mord, das versucht Kommissarin Anna Darko herauszufinden. Dabei gerät auch Ludwig ins Visier, da er ein Verhältnis hat mit der Ehefrau eines der Vermissten, den er als Gefangenen im eigenen Haus malträtiert. Denn in Ludwig Dragomir hatte Wut die Oberhand erlangt, und nun »durfte sie brennen«: »Da stand ich, am Rand der Nacht, zum Morden geboren, zum Sterben bereit und starb nicht und mordete noch lang nicht genug.«
Wie aus Opfern Täter werden, in welcher Weise dieser unaufhaltsame, alle Grenzen der Grausamkeit sprengende Prozess abläuft – dies erzählt Friedrich Ani, der Meister des Noir, einfühlsam, überraschend und bis ins kleinste Detail und auf eine Weise, die ihresgleichen nicht hat.
Rezension
Moritz Revermann, Literatur-Experte Thalia:
"Friedrich Ani gehört seit Jahren zu den Größen der deutschen Kriminalliteratur, wobei die Betonung eindeutig auf Literatur liegt. Rachegeschichten gibt es viele, allerdings wenige, die die Tiefen und Abgründe der menschlichen Psyche so fein herausarbeiten wie Friedrich Ani. Vielleicht sollte man bei ihm daher auch besser von "Ziselieren" sprechen. So abgeklärt, nuanciert schreiben wenige, und die Wucht der Geschichte wird dadurch noch größer! "Nackter Mann, der brennt" ist wahrscheinlich der härteste Roman Anis. Die brennende Sucht nach Rache und Sühne für all das Schreckliche, das in des Protagonisten Kindheit passierte, soll Erlösung bringen. Doch kann es das? Anis Fragen sind immer tiefgehende Fragen. Dostojewskis Wucht gewoben in einen Kriminalroman... und ich lehne mich damit nicht zu weit aus dem Fenster. Verbrannte Kinderseele brennt. Wo liegen Recht und Unrecht? Kann es Erlösung geben? Friedrich Ani?! Mal wieder eine tiefe, tiefe Verbeugung für dieses nicht nur großartige, sondern auch wichtige Buch!"
Portrait

Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Jugendbücher, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und vielfach prämiert, u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Seine Romane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden machten ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Friedrich Ani ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs. Sein Roman Der namenlose Tag (2015), ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi Preis und dem Stuttgarter Krimipreis, markierte Anis Wechsel zu Suhrkamp. Sein zweiter Roman, Nackter Mann, der brennt, erschien im Sommer 2016. Seit 2015 ist Friedrich Ani auch mit seinen Theaterstücken im Suhrkamp Theater Verlag vertreten.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 223
Erscheinungsdatum 08.08.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42542-8
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 213/130/23 mm
Gewicht 380
Auflage 1
Verkaufsrang 11.816
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Harte Kost, interessantes Thema. Nicht für jedermann ein geeigneter Roman und anfangs sehr schwer. Doch er hat eine sehr starke Überzeugungskraft, den Leser doch noch abzuholen. Harte Kost, interessantes Thema. Nicht für jedermann ein geeigneter Roman und anfangs sehr schwer. Doch er hat eine sehr starke Überzeugungskraft, den Leser doch noch abzuholen.

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Ein später Rachefeldzug in einem kleinen Dorf, beklemmend und fast unerträglich erzählt. Man hat kaum Mitleid mit den Opfern, die Täter waren. Ein später Rachefeldzug in einem kleinen Dorf, beklemmend und fast unerträglich erzählt. Man hat kaum Mitleid mit den Opfern, die Täter waren.

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Kundenbewertungen


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Übersicht
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Zu späte glücklose Befreiung
von Uli Geißler aus Fürth am 09.08.2016

Es war vermutlich nicht leicht, die unerträglichen Erfahrungen des Protagonisten zu dessen Kinderzeit ausgerechnet noch in Heiligsheim erträglich zu formulieren. Daher braucht sogar die fiktive Hauptperson Coelestin ("der Himmlische") ein Pseudonym. Als Ludwig Dragomir kehrt der ehemals missbrauchte Bub vierzig Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen im Gemeindewald in sein... Es war vermutlich nicht leicht, die unerträglichen Erfahrungen des Protagonisten zu dessen Kinderzeit ausgerechnet noch in Heiligsheim erträglich zu formulieren. Daher braucht sogar die fiktive Hauptperson Coelestin ("der Himmlische") ein Pseudonym. Als Ludwig Dragomir kehrt der ehemals missbrauchte Bub vierzig Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen im Gemeindewald in sein Heimatdorf zurück und lässt seiner Wut geplant, gezielt und doch unnachgiebig ihren Lauf. Menschen verschwinden, sterben, so wie der kleine Hans damals, der nach dessen Androhung, von dem ungezügelten und menschliche Werte außer Acht lassenden Treiben zu berichten, auf freier Strecke aus einem Auto ausgesetzt und dann mehrmals überrollt wurde. Getrieben von eigenen Schuldgefühlen, seinen Altersgenossen damals nicht geholfen zu haben einerseits, seiner brennenden und nicht mehr zurück zu haltenden Wut andererseits setzt „Luggi“ wie er noch heute von den Widerlingen genannt wird, seinen unaufhaltsamen Genugtuungs- und Rachefeldzug um. Täter von damals sterben offiziell als Unfälle wahrgenommen unerwartet und nicht mal die nach dem ersten Fall ermittelnde Kommissarin Anna kann dem Geheimnis wirklich auf die Spur kommen. Der Roman fesselt thematisch, berührt schnell und tief. Fast unreflektiert und in gewisser Weise Gedankenlos folgt man den unweigerlichen Geschehnissen, bleibt ohne Emotion für die Getöteten, aber auch anfängliches Verständnis für den Akteur wandelt sich schnell. Unbefriedigt über den sinnlosen und tragischen Versuch Dragomirs, sich genugtuend von Schuld aber auch Erniedrigung zu befreien, entwickelt sich mehr und mehr das ungute Gefühl, dass nichts mehr geheilt werden kann. Es bleibt nur übrig, was grausam war und grausam ist. Die trotz aller Tragik gegebene Spannung stören eingestreute frei assoziative Aufzählungen von Ludwigs Gedanken den Lesefluss. Es sind einfach Gedanken, die ungefasst erscheinen und somit das „Eintauchen“ in die Geschichte mühsam machen. Irgendwie bleibt man draußen, liest weitestgehend distanziert fast wie einen Wochenmagazinartikel über die Geschehnisse. Zu weit weg und zu wenig nachvollziehbar entwickelt sich der Roman dann doch ohne ausreichend empathische Anknüpfungspunkte.

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Eine Reise durch die Unterwelt
von einer Kundin/einem Kunden am 25.11.2016

"Sie tauften mich Coelestin, den Himmlischen, und schickten mich auf eine Reise durch die Unterwelt. Hier bin ich, Herr, rief ich, vergib mir nicht, so wie wir dir nicht vergeben, in Ewigkeit, Amen." Ein Mann kehrt nach 40 Jahren wieder in sein Heimatdorf zurück und nimmt wütend Rache für... "Sie tauften mich Coelestin, den Himmlischen, und schickten mich auf eine Reise durch die Unterwelt. Hier bin ich, Herr, rief ich, vergib mir nicht, so wie wir dir nicht vergeben, in Ewigkeit, Amen." Ein Mann kehrt nach 40 Jahren wieder in sein Heimatdorf zurück und nimmt wütend Rache für den zerstörerischen Mißbrauch, den - nicht nur er - als Kind erleiden musste. Schwieriges Thema. Tolles Buch.

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