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Ohrfeige

(10)
Ein Flüchtling betritt die Ausländerbehörde, um ein letztes Mal seine zuständige Sachbearbeiterin aufzusuchen. Er ist wütend und hat nur einen Wunsch: dass ihm endlich jemand zuhört. Als Karim drei Jahre zuvor von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine Flucht aus dem Irak bezahlt. In Wahrheit ist er mitten in der bayerischen Provinz gelandet. – Er kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte bis er plötzlich seinen Widerruf erhält und abgeschoben werden soll. Jetzt steht er wieder ganz am Anfang. Dieser ebenso abgründige wie warmherzige Roman wirft eine der zentralen Fragen unserer Gegenwart auf: Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?
Rezension
Volker Scheufens, Literatur-Experte Thalia:
Er heißt Karim Mensy, ist in Bagdad geboren und landete bei seiner Flucht mit Schleppern in Deutschland. Hier fühlt er sich, "wie eine unerwünschte Reklame, die immer wieder in Briefkästen geworfen wird, obwohl überall ganz deutlich Aufkleber angebracht sind. STOPP! KEINE WERBUNG BITTE! WIR VERMEIDEN MÜLL!". Abbas Khider erzählt in dem Roman "Die Ohrfeige" eindringlich und handfest vom Fremdsein, von dem Kampf mit den deutschen Behörden, dem Alltag im Flüchtlingsheim. Der Roman spielt vor und nach dem 11. September 2001, und nach dem Anschlag ist für Karim als Iraker gar nicht mehr daran zu denken, auch nur einen Job in einer Fastfoodküche zu bekommen. Dann kommt der Widerruf, Karim kann also abgeschoben werden. Doch bevor er sich von hier nach Finnland aufmacht - mithilfe eines Schleppers -, will er Frau Schulz, seiner Fallbetreuerin, endlich seine Geschichte erzählen. Dafür muss er sie allerdings an einen Stuhl fesseln... Packend und vielschichtig. Für mich das Buch der Stunde.
Portrait
Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Mit 19 Jahren wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach der Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als »illegaler« Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland und studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. 2008 erschien sein Debütroman Der falsche Inder, es folgten die Romane Die Orangen des Präsidenten (2011) und Brief in die Auberginenrepublik (2013). Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, zuletzt wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis sowie dem Hilde-Domin-Preis geehrt. Außerdem ist er zum Mainzer Stadtschreiber für das Jahr 2017 gewählt worden. Abbas Khider lebt zurzeit in Berlin. Im Hanser Verlag erschien sein Roman Ohrfeige (2016).
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz kein Kopierschutz (enthält ein Wasserzeichen) i
Erscheinungsdatum 01.02.2016
Sprache Deutsch
EAN 9783446251908
Verlag Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Verkaufsrang 9.850
eBook
15,99
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Buchhändler-Empfehlungen

„Auf der Suche nach einem besseren Leben und vielem mehr...“

Juliana Grassel, Thalia-Buchhandlung Heidelberg

Karim ist vor über drei Jahren nach Deutschland geflohen. Die wahren Gründe für seine Flucht bleiben zunächst im Hintergrund, haben mich später aber sehr betroffen gemacht. Abbas Khider zeigt, was für persönliche Geschichten Menschen in ein neues Land führen und dass diesen meist viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Ein Buch, das Karim ist vor über drei Jahren nach Deutschland geflohen. Die wahren Gründe für seine Flucht bleiben zunächst im Hintergrund, haben mich später aber sehr betroffen gemacht. Abbas Khider zeigt, was für persönliche Geschichten Menschen in ein neues Land führen und dass diesen meist viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Ein Buch, das gerade in Hinblick auf die derzeitige Situation gelesen werden sollte!

„Ein hochaktuelles Thema mal aus einer anderen Perspektive“

Anette Dingeldein, Thalia-Buchhandlung Varel

Viel wird über Flüchtlinge gesprochen, hier kommt einer von ihnen selbst zu Wort. Kurz vor dem Anschlag auf das World Trade Center ist Karim aus Bagdad geflohen. Eigentlich wollte er nach Paris, landet aber stattdessen in der bayrischen Provinz. Mit aller Kraft und allen Mitteln versucht er sich ein Leben in Deutschland aufzubauen, Viel wird über Flüchtlinge gesprochen, hier kommt einer von ihnen selbst zu Wort. Kurz vor dem Anschlag auf das World Trade Center ist Karim aus Bagdad geflohen. Eigentlich wollte er nach Paris, landet aber stattdessen in der bayrischen Provinz. Mit aller Kraft und allen Mitteln versucht er sich ein Leben in Deutschland aufzubauen, scheitert aber an den Tücken der deutschen Bürokratie. Mit großer Offenheit und nicht ohne Humor verarbeitet der Autor mit Sicherheit auch seine eigenen Erfahrungen in diesem wichtigen Roman.

„Ich muss hier raus!“

Sabrina Küpper, Thalia-Buchhandlung Neu-Ulm

Enttäuscht und frustriert ist Karim nach 3 1/2 Jahren Deutschland, die erträumte Zukunft dahin. Er hat sich so bemüht, aber nach dem 11.September war schnell alles vorbei. Jetzt möchte er in Finnland sein Glück versuchen. Doch vorher soll ihm Frau Schulz endlich zuhören. Sie soll seine Lebensgeschichte hören, wie das alles für ihn war, Enttäuscht und frustriert ist Karim nach 3 1/2 Jahren Deutschland, die erträumte Zukunft dahin. Er hat sich so bemüht, aber nach dem 11.September war schnell alles vorbei. Jetzt möchte er in Finnland sein Glück versuchen. Doch vorher soll ihm Frau Schulz endlich zuhören. Sie soll seine Lebensgeschichte hören, wie das alles für ihn war, bevor sie ihm seinen Widerruf der Aufenthaltsgenehmigung zugeschickt hatte.
Ein sehr bewegendes Buch über ein ganz aktuelles Thema das es trotz allem nicht an Humor fehlend lässt. Großartig!

„Ich muss hier weg“

Karin Harmel, Thalia-Buchhandlung Bielefeld

Karim muss weg aus Deutschland. Der Irak gilt jetzt als sicher und so gibt es für ihn nur noch einen Ausweg: Finnland. Doch vorher wird abgerechnet, vielleicht auch mittels einer Ohrfeige. Humorvoll, tragisch, aussichtslos und doch mit einem nie erlöschenden Funken Hoffnung erzählt Karim von seiner Suche nach einem besseren Leben- gern Karim muss weg aus Deutschland. Der Irak gilt jetzt als sicher und so gibt es für ihn nur noch einen Ausweg: Finnland. Doch vorher wird abgerechnet, vielleicht auch mittels einer Ohrfeige. Humorvoll, tragisch, aussichtslos und doch mit einem nie erlöschenden Funken Hoffnung erzählt Karim von seiner Suche nach einem besseren Leben- gern auch als Deutscher.

Kundenbewertungen


Durchschnitt
10 Bewertungen
Übersicht
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Betrachtungen eines Asylbewerbers
von maleur aus Berlin am 09.01.2017

Karim Mansey flieht aus dem Irak und landet statt in Paris in Deutschland. In Dachau beginnt die Aufnahme als Asylbewerber. Erst danach bemerkt der Protagonist dass er gar nicht in Frankreich ist und durch das Abkommen der europäischen Länder eine weitere Flucht nach Paris zu seinem Onkel unmöglich wird. Der... Karim Mansey flieht aus dem Irak und landet statt in Paris in Deutschland. In Dachau beginnt die Aufnahme als Asylbewerber. Erst danach bemerkt der Protagonist dass er gar nicht in Frankreich ist und durch das Abkommen der europäischen Länder eine weitere Flucht nach Paris zu seinem Onkel unmöglich wird. Der Schreibstil ist flüssig. Die Ohrfeige die der Ich-Erzähler Karim Mansey der Behördenperson gibt, ist nur ein Aufhänger um die Probleme und Erlebnisse in Deutschland und im Irak reflektieren zu können. Das Aufnahmeverfahren findet in der Zeit von 2000 bis 2003 statt. Geschildert werden die Probleme eines Asylbewerbers mit der Bürokratie, mit den Behörden, der Sprache, den anderen Asylbewerbern anderer Religionen und Länder. Es wird aber auch die menschenverachtende Behandlung der behinderten und weiblichen Iraker betrachtet. Dies Alles wird nüchtern und sachlich und ohne Kontroverse aus Karims Perspektive erzählt, und hat mich insofern nicht sehr berührt. An einigen Stellen regte sich bei mir dann auch noch Widerspruch. Was erwartet denn ein Flüchtling bei der Kontaktaufnahme mit Einheimischen an Unterhaltung? Da will man von dem Fremden natürlich wissen wo er herkommt und warum. Welche Unterhaltung soll entstehen, wenn der Flüchtling nicht die Sprache beherrscht? Warum hat er nicht mit seinem Freund, der für ihn alles übersetzt hat, deutsch gelernt? Zeit genug war ja. Die Bewohner einer Stadt oder Region werden von Behörden auch oft nur als Aktenvorgang behandelt. Zusammenfassend kann ich sagen, ganz interessant aber ohne Emotion-

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Wichtige Leselektüre
von einer Kundin/einem Kunden am 05.02.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

Karim Mensy ist auf der Flucht. Mit dem Geld, das sein Vater ihm zugesteckt hat, soll es gelingen, der steten Lebensgefahr zu entkommen. Bei seinem Onkel ist alles bereit für eine, vielleicht freundlichere Zukunft. Sein Ziel ist Frankreich. Bis dorthin hat er den Schleppern für seine illegale Reise bezahlt.... Karim Mensy ist auf der Flucht. Mit dem Geld, das sein Vater ihm zugesteckt hat, soll es gelingen, der steten Lebensgefahr zu entkommen. Bei seinem Onkel ist alles bereit für eine, vielleicht freundlichere Zukunft. Sein Ziel ist Frankreich. Bis dorthin hat er den Schleppern für seine illegale Reise bezahlt. Als die Türen des Transporters aufgehen, glaubt er sich am Ziel und springt raus. Zu spät. Nicht Frankreich ist das Ende seiner Reise. Karim ist mitten in der bayerischen Provinz gelandet. Und dort wird er in der nächsten Zeit auch nicht mehr wegkommen. Aus dem Klappentext - Abbas Khider hat einen ebenso abgründigen wie warmherzigen Roman geschrieben, der eine der zentralen Fragen unserer Gegenwart aufwirft : Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?

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1 0
Aus der Sicht des Flüchtlings
von einer Kundin/einem Kunden am 30.03.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

"Um zu überleben ... brauchen wir die Vermittler, die Mafiosi, die Geldgeilen, die Schmuggler, die bestechlichen Polizisten und Beamten, wir benötigen all die Blutegel, die von unserer Situation profitieren wollen. Wir brauchen sie viel mehr als alle Mitarbeiter von AMNESTY INTERNATIONAL zusammen" - die Flüchtlingstragödie aus der Sicht eines... "Um zu überleben ... brauchen wir die Vermittler, die Mafiosi, die Geldgeilen, die Schmuggler, die bestechlichen Polizisten und Beamten, wir benötigen all die Blutegel, die von unserer Situation profitieren wollen. Wir brauchen sie viel mehr als alle Mitarbeiter von AMNESTY INTERNATIONAL zusammen" - die Flüchtlingstragödie aus der Sicht eines Flüchtlings. Besonders lesenswert!

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Ganz anders als erwartet
von einer Kundin/einem Kunden am 10.08.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

Karim verlässt seine Heimat den Irak (aus einem ziemlich schrägen Grund) und landet mitten in der Bayrischen Provinz. Als er seinen Abschiebungsbescheid bekommt entscheidet er sich Frau Schulz von der Behörde mal alles zu erzählen. Er fesselt Sie an Ihren Bürostuhl und beginnt mit einem Joint in der Hand.... Karim verlässt seine Heimat den Irak (aus einem ziemlich schrägen Grund) und landet mitten in der Bayrischen Provinz. Als er seinen Abschiebungsbescheid bekommt entscheidet er sich Frau Schulz von der Behörde mal alles zu erzählen. Er fesselt Sie an Ihren Bürostuhl und beginnt mit einem Joint in der Hand. Natürlich alles auf Arabisch. Ich finde es ist ein tolles Buch zu diesem schwierigen Thema. In diesem Monolog bringt Abbas Khider auf leichte und unterhaltsame Weise die Probleme von Asylanten auf den Punkt. Die Langeweile, die Geldsorgen und die ganz eigenen Probleme und Sorgen von jedem Einzelnen. Ein kurzweiliger Text der uns aber hilft diese Menschen besser zu verstehen.

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Hautnah
von solveig am 23.04.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

„Ich habe keine Wahl, obwohl dieser Planet riesig ist. In Bagdad konnte ich nicht bleiben, in Deutschland darf ich nicht bleiben.“ So lautet das Fazit, das der junge irakische Flüchtling Karim Mensy nach seinem drei Jahre und vier Monate währenden Aufenthalt in Deutschland zieht. Für Flüchtlinge scheint es keinen Platz... „Ich habe keine Wahl, obwohl dieser Planet riesig ist. In Bagdad konnte ich nicht bleiben, in Deutschland darf ich nicht bleiben.“ So lautet das Fazit, das der junge irakische Flüchtling Karim Mensy nach seinem drei Jahre und vier Monate währenden Aufenthalt in Deutschland zieht. Für Flüchtlinge scheint es keinen Platz für ein zufrieden stellendes, selbstbestimmtes Leben zu geben. Sachlich, in deutlichen Worten lässt der Autor seinen Protagonisten persönlich von seinem Schicksal erzählen. Sein unkomplizierter, ungekünstelter Stil hilft dabei, leicht in die Geschichte hinein zu finden und flüssig zu verfolgen. Sehr bildhaft schildert Karim, wie er in Bayern strandet, obwohl sein eigentliches Ziel Paris war. Er erzählt seiner Sachbearbeiterin von der Ausländerbehörde Frau Schulz, die sozusagen stellvertretend den Platz des Lesers einnimmt, von den vielen Ortswechseln in immer wieder andere Lager und den Problemen, denen er als Flüchtling gegenübersteht. Hautnah erlebt der Leser mit, welcher Art die Schwierigkeiten sind, die Karim im Alltag bewältigen muss: Geldmangel, starre Gesetze, die Bürokratie, den Papierkrieg, der nur mit einem Dolmetscher zu bewältigen ist. Der Flüchtling selbst wird selten als Mitmensch angesehen, sondern als ein Problem, das gelöst werden muss. Und immer wieder Warten. Denn die Probleme drehen sich im Kreis: Mit dem Geld, das er vom Sozialamt erhält, kann er keinen Deutschkurs bezahlen; Ohne Deutschkenntnisse gibt es für den Abiturienten, der gern studieren möchte, keine vernünftige Arbeit; Einen bezahlten Deutschkurs bekommt er aber erst bewilligt, wenn er ein Jahr im Land gelebt hat - vorausgesetzt, sein Asylgesuch ist anerkannt. Als es nach drei Jahren schließlich so scheint, als könne er endlich beginnen, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen, wird Iraks Diktator Saddam gestürzt und Karims Fluchtursache nichtig, er soll zurück in den Irak… Abbas Khider greift das immer wieder aktuelle Problem der Flüchtlingspolitik auf - diesmal aus der Sicht eines Betroffenen.

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Schade, der Biss fehlt bei diesem wichtigen Thema
von Vera Pestel am 29.05.2016
Bewertetes Format: gebundene Ausgabe

Er hat diese Frau Schulz geohrfeigt und an ihren Stuhl gefesselt mit Klebeband. Sie soll endlich einmal zuhören und die wahre Geschichte von Karim Mensey hören, der aus dem Irak flüchtete mithilfe von Schleppern, nach Paris zu seinem Onkel wollte und in Dachau aus einem Lieferwagen geworfen wurde. Auf... Er hat diese Frau Schulz geohrfeigt und an ihren Stuhl gefesselt mit Klebeband. Sie soll endlich einmal zuhören und die wahre Geschichte von Karim Mensey hören, der aus dem Irak flüchtete mithilfe von Schleppern, nach Paris zu seinem Onkel wollte und in Dachau aus einem Lieferwagen geworfen wurde. Auf diese Art und Weise hören auch wir ihm zu. Dass seine Sachbearbeiterin bei der Ausländerbehörde, die Frau Schulz, kein Wort Arabisch versteht, interessiert ihn nicht. Zu lange hat er die Bürokratie in Deutschland ertragen, war nur eine Nummer, musste warten, durfte erst nach einem Jahr Arbeit einen Sprachkurs belegen, lernte einen Lebenslauf auswendig, um als Flüchtling anerkannt zu werden und schämte sich wegen des eigentlichen Grunds, nämlich Brüste. Irgendwann wuchsen ihm Brüste. Er hoffte, in Deutschland schnell Arbeit zu finden und Geld für eine Operation sparen zu können. Dann kam der 11. September und alles änderte sich. Aufgrund der Flüchtlingsthematik habe ich zu diesem Buch gegriffen. Ich hatte viele Fragen. Kenne die schrecklichen Bilder aus den Medien. Doch diese Flüchtlingsgeschichte ist schon älter. Sie beginnt im Jahre 2000. Die Heime waren noch nicht derart überfüllt und über Quoten wurde noch nicht gesprochen. Mit der heutigen Situation kann ich den Roman also nicht vergleichen. Recht spannungslos plätschert die Erzählung dahin. Mir fehlt die Tiefe. So ein Schicksal ist doch schrecklich! Fern des Heimatlandes, abgestellt in einem Heim mit anderen, die geflohen sind, einer ewigen Warterei auf Anerkennung ausgesetzt, was macht man da? Karim kifft. Der Text wird von kursivierten Passagen unterbrochen, die sich als das reale Geschehen entpuppen. Der Rest ist Fantasie. Eine Abrechnung und Rache. Was mache ich nun mit dem Roman? Was ich gesucht habe, erfinde ich dazu oder baue die Ansätze aus. Das Heimweh, zerschlagene Hoffnungen auf ein besseres Leben kommen nur in Ansätzen, ich baue mir die Zimmer und Häuser selbst, in denen Karim lebt, stelle mir vor, wie er in der bayerischen Provinz angestarrt wird. Seine Reaktion auf die Anschläge in Amerika kommt langsam. So warte ich auf den Ausbruch des Autors, auf Emotionalität, doch es kommt nichts. Schade. Das Thema trägt viel, all die Facetten und Nuancen lässt er aus. Autobiografisch sei der Roman nicht, erklärt Khider in einem Interview. Er lässt seine Erfahrungen einfließen und verfremdet ein wenig. Denn er teilt das Schicksal seines Protagonisten Karim. Er ist aus dem Irak geflohen, allerdings weil er politisch aktiv war, im Gefängnis gefoltert wurde, und das mit 19 Jahren. Durch mehrere Länder führte ihn seine Flucht, er hielt sich als Illegaler auf und gelangte nach Deutschland, wo er eine neue Heimat fand. Bei solch einem Schicksal erwarte ich mehr Biss, schließlich weiß er, wovon er spricht. Er soll nah an mich heranrücken und mich fertigmachen, sodass ich mich auf dem heimischen Sofa und mit dem gut gefüllten Kühlschrank wie eine verwöhnte Wohlstandsgöre fühle. Aber nichts. In einem Interview mit Denis Scheck erklärte er, dass er zeigen wolle, dass man als Flüchtling nur eine Nummer ist, kein Mensch, kein Schicksal. Das ist leider oft so, wenn man in die Bürokratie gerät. Sein Thema ist jedoch viel größer. Wie las ich in DIE ZEIT: Man liest dieses Buch und wundert sich regelrecht, wie aus diesem Stoff ein so langweiliger Roman werden konnte. Ein netter Schlusssatz.

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