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Ruhige Straße in guter Wohnlage

Die Geschichte meiner Nachbarn

Eine ruhige Straße in guter Wohngegend, wie es Hunderte gibt in Deutschland. 1904 für die Ewigkeit gebaut. Relikte einer großbürgerlichen Vergangenheit neben seelenlosen Wohnkästen, die in Eile nach dem letzten Krieg aus dem Boden gestampft wurden.
Die Französin Pascale Hugues entdeckt, was sich hinter den glatten Fassaden ihrer Straße verbirgt. Sie tauch ein in vergessene Archive, sammelt das Kiezgeflüster und die Legenden ihrer Straße, lässt sich von ihren ehemaligen und jetzigen Nachbarn deren Geschichten erzählen. Und plötzlich zieht ein ganzes Jahrhundert vor ihren Augen vorbei: die protzigen Bauherren der Kaiserzeit, die sorglose Hautevolee der Zwanziger, die jüdischen Anwälte und Ärzte, die in alle Welt emigrieren mussten, die Ausgebombten, die Kriegswaisen und -witwen, die hektischen Helden des Wirtschaftswunders, die 68er-Rebellen, die konservativen Kleinbürger, die Kultmusiker Tangerine Dream und David Bowie und die Gentrifizierungsbekämpfer von heute.
Eine kleine Straße als Miniatur der großen Geschichte.
Rezension
Pascale Hugues spart nicht mit Fakten; sie zitiert Gesetze, Erlasse, Zeitungen, dokumentiert Daten und Zahlen. Trotzdem hat sie kein historisches Bilderbuch geschaffen, sondern eine höchst lebendige Erzählung. Die Welt
Portrait
Pascale Hugues, geboren 1959 in Straßburg, war von 1986 bis 1989 Korrespondentin der Tageszeitung «Libération» in Großbritannien, danach bis 1995 in Deutschland in Bonn und Berlin. Seit 1995 schreibt sie regelmäßig für das Wochenmagazin «Point» und verschiedene deutsche Zeitungen, u.a. «die tageszeitung» und den «Tagesspiegel». Daneben hat sie Filme für den deutsch-französischen TV-Sender ARTE gedreht. Für den Film «L'est c'est fini» über ostdeutsche Jugendliche und den Text «In den Vorgärten blüht Voltaire» in ihrer Tagesspiegel-Kolumne «Mon Berlin» wurde sie jeweils mit dem Prix du journalisme franco-allemand in den Sparten Fernsehen und Presse ausgezeichnet.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 320
Erscheinungsdatum 30.10.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-499-63006-4
Verlag Rowohlt Taschenbuch
Maße (L/B/H) 190/125/27 mm
Gewicht 305
Originaltitel Rue tranquille dans beau quartier: L'histoire des mes voisins
Auflage 2. Auflage
Verkaufsrang 64.783
Buch (Taschenbuch)
9,99
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Buchhändler-Empfehlungen

„Biografie einer Straße“

Monika Fuchs, Thalia-Buchhandlung Hamburg

2008 ist die Französin Pascale Hugues, die in Berlin wohnt, bei dem deutschen Publikum bekannt geworden. Denn in diesem Jahr ist ihr Buch über ihre beiden Großmütter Marthe und Mathilde erschienen. Jetzt gibt es ein neues Buch von ihr.

Pascale Hugues beschreibt in ihrem neuen Buch die Biografie ihrer Straße in Berlin. Es ist eine
2008 ist die Französin Pascale Hugues, die in Berlin wohnt, bei dem deutschen Publikum bekannt geworden. Denn in diesem Jahr ist ihr Buch über ihre beiden Großmütter Marthe und Mathilde erschienen. Jetzt gibt es ein neues Buch von ihr.

Pascale Hugues beschreibt in ihrem neuen Buch die Biografie ihrer Straße in Berlin. Es ist eine x-beliebige Straße, in die sie per Zufall gezogen ist. Es sind dort keine historisch interessanten Gebäude zu finden und auch die richtig großen bekannten Persönlichkeiten, denen man eine Plakette an der Hauswand widmet, sucht man vergebens. Sie erzählt uns nicht, wie ihre Straße heißt, nur dass sie in Berlin Schöneberg liegt. Sie beginnt damit, zu beschreiben, wie sie diese Straße gefunden hat und wie ihre Straße heute aussieht. Und dann erzählt sie, was sie recherchiert hat. Anfang des 20. Jahrhunderts war Schöneberg noch nicht Berlin, sondern ein Dorf, das strategisch günstig an der Reichsstraße 1 liegt. Nach der Gründung des Deutschen Reichs und der Wahl Berlins als Reichshauptstadt erlebte Berlin einen ungeahnten Aufschwung. Neue Wohnungen mussten her und so entstand ein Immobilienboom. In Schöneberg wurde ein neues Viertel für Menschen der höheren Einkommensklassen geschaffen. Es entstanden die typischen repräsentativen, überladenen Häuser der Gründerzeit. Doch die beiden Kriege haben diese Straße nachhaltig verändert. Natürlich beschreibt die Autorin nicht nur die Architektur der Straße, sondern sie schildert auch die Geschichten einiger Bewohner dieser Straße. Sie erzählt, welches die ersten Familien waren. Da dies häufig jüdische Familien waren, änderten sich die Bewohner zwangsläufig während des 3. Reichs. Und so sind einige sehr interessante Biografien von Menschen entstanden, die einmal für eine gewisse Zeit in dieser Straße gelebt haben. Sie folgt den Spuren dieser Menschen und besucht sie teilweise sogar im Ausland. Es gibt Geschichten von Menschen, die es geschafft haben, rechtzeitig ins Ausland zu fliehen und Geschichten von Menschen, die geblieben sind. Sie erzählt von der Kaiserzeit, von den Goldenen Zwanziger Jahren, der schweren Zeit während des 3. Reichs, dem 2. Weltkrieg und dem Wiederaufbau danach. Und sie beschreibt wie ihre Straße heute aussieht und welcher neuerliche Wandel ihr wieder bevorsteht.

Herausgekommen ist eine interessante Geschichte über ganz normale Menschen in einer ganz normalen Straße in Deutschland. Gerade diese kleinen Geschichten, die jeder in uns trägt und die wir leider von unseren Vorfahren oder Nachbarn gar nicht wirklich kennen, machen dieses Buch sehr lesenswert. Außerdem schafft sie damit natürlich auch eine sehr eigene Art der Geschichtsschreibung, denn es ist sehr interessant zu sehen, wie sich diese Straße entwickelt hat. Früher war es das vornehme Großbürgertum. Zwischenzeitlich gab es sogar einmal zeitweise ein Bordell in der Straße und jetzt wird sie ein Opfer der Gentrifizierung, wogegen sich einige Bewohner der Straße zur Wehr setzen.

Dieses Buch hat von mir deshalb nur 3 Sterne bekommen, da es etwas viel Thema für ein relativ dünnes Buch ist. Die Autorin hat vieles angeschnitten, aber ich hätte mir die einzelnen Biografien ausführlicher gewünscht. Sehr interessant, aber ich hatte mir mehr davon versprochen.


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