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Schamland

Die Armut mitten unter uns

(1)

In einer einzigartigen Mischung aus Sozialreportage und messerscharfer Gesellschaftsanalyse nimmt Stefan Selke uns mit in die unbekannte Welt der Armen. Er zeichnet das Leben jener Menschen, die einst in der Mitte der Gesellschaft lebten und sich verzweifelt bemühen, ein Stück Normalität zu bewahren.

Rezension
"Selkes Porträt der Armut geht unter die Haut". , Psychologie heute, Tilmann Moser, 01.10.2013 20151112
Portrait
Stefan Selke, 1967, ist Professor an der Hochschule Furtwangen mit dem Lehrgebiet "Gesellschaftlicher Wandel". Im Rahmen seiner Feldforschungen beschäftigt er sich seit 2006 mit der modernen Armenspeisung in Suppenküchen und Tafeln. Er ist Initiator des Aktionsbündnisses "Armgespeist. 20 Jahre Tafeln sind genug!" und ist als kritischer Tafelforscher und öffentlicher Soziologe ein begehrter Gesprächspartner in den Medien.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 288
Erscheinungsdatum 06.03.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-548-37550-2
Verlag Ullstein Verlag
Maße (L/B/H) 190/120/27 mm
Gewicht 278
Buch (Taschenbuch)
9,99
inkl. gesetzl. MwSt.
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Ein tiefer Blick, hinter die Kulissen
von YviWa am 17.12.2014

Stefan Selke- Schamland- Die Armut mitten unter uns- Econ Verlag Klappentext: "Wir leben im Schamland. Wir werden nun sprechen, alle zusammen. Wir sind die, die seit Jahren Almosen in Empfang nehmen. Wir sind die stimmen und das schlechte gewissen der neuen sozialen frage in Deutschland. Wir sind viele." In einer einzigartigen... Stefan Selke- Schamland- Die Armut mitten unter uns- Econ Verlag Klappentext: "Wir leben im Schamland. Wir werden nun sprechen, alle zusammen. Wir sind die, die seit Jahren Almosen in Empfang nehmen. Wir sind die stimmen und das schlechte gewissen der neuen sozialen frage in Deutschland. Wir sind viele." In einer einzigartigen Mischung aus Sozialreportage und messerschärfer Gesellschaftsanalyse nimmt der Soziologe Stefan Selke uns mit in die unbekannte Welt der Armen. Er zeichnet das Leben jener Menschen, die einst in der Mitte der Gesellschaft lebten und sich verzweifelt bemühen, ein Stück Normalität zu bewahren. Stefan Selke versucht in seinem Buch Schamland, den Alltag der Betroffenen mit den soziologischen und politischen Hintergründen zu vereinen. Zu Beginn beschreibt er auf 50 Seiten (Armut mitten unter uns) die soziologischen und politischen Hintergründe. Es werden Grunddaten aufgezeigt wie beispielsweise das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen und die relative Armutsgrenze. Weiterhin betrachtet er die subjektiv "gefühlte" Armut. Im zweiten und dritten Abschnitt des Buches, "Trostbrot" und "Der Chor der Tafelnutzer", gibt Stefan Selke den Betroffenen eine Stimme. Der Autor reiste für die Recherche des Buches durch ganz Deutschland um Gespräche mit den Nutzern der Tafeln zu führen. Diese fasst er in diesem Teil des Buches gefühlvoll und realistisch zusammen. Es wird auf viele Missstände hingewiesen, so beispielsweise auch auf die Berichterstattungen der Presse. Diese sind häufig wenig einfühlsam, wie die Überschrift eines Artikels "Abgespeist" darstellt. Der Wunsch sich selber etwas in einem normalen Supermarkt zu kaufen, ist bei vielen Betroffenen sehr hoch. Weiterhin herrscht eine immer wieder auftauchende verdeckte Gewalt bei den Ausgaben der Tafeln. Wer zuerst kommt malt zuerst... Häufig sind es auch auferlegte Meldepflichten die Tafelnutzer noch weitere an den Rand der Gesellschaft rücken, denn wer diesen nicht nachkommt, wird auch von der Tafel ausgeschlossen. In den zwei abschließenden Kapiteln des Buches widmet sich Stefan Selke erneut der soziologischen Betrachtung der Tafel und berichtet unter anderem, dass besonders die Tafel zu einer Verfestigung der Armutslage beiträgt. Insgesamt betrachtet Stefan Selke, die Tafeln sehr kritisch und weis deutlich auf Missstände hin. Persönliche Bewertung: Bei diesem Buch von Stefan Selke handelt es sich mehr um ein kritisches Fachbuch der Soziologie als um ein Buch, welches auch von Betroffenen gelesen werden wird. Wie er in seiner Danksagung bereits schrieb, unterstützte ihn eine Lektorin die soziologische Sprache ins Deutsche zu übersetzten, dies ist jedoch meines Erachtens weniger gelungen. Das Buch ist sehr fachlich und wissenschaftlich. Störend fand ich die vielen Fußnoten, bereits nach 5 mal bis ans Ende des Buches blättern, überlass ich die Fußnoten im Folgenden. Nicht nur die Schriftform und Sprache wird Betroffene davon abhalten das Buch zu kaufen, sondern auch der Preis. Ich empfehle daher eher das Buch für Praktiker, Studenten und weitere mit dem Thema vertraute, sowie vor allem den Entscheidern, die durch dieses Buch einen kritischen Einblick erhalten sollten. Da ich jedoch selbst aus dieser Praxis komme, sind mir solche Schriften wohl bekannt und ich kann mich der Kritik und dem Buch Schamland vollständig anschließen. Für mich ist diese Reportage jedoch nicht vollständig, es fehlt der pädagogische Blickwinkel. Nicht erwähnt bleiben Hilfsmaßnahmen im Rahmen der Tafel, sozialpädagogische Beratung, psychologische Beratung usw. Wo sind die Menschen, die versuchen die Tafelnutzer zu unterstützen ihre Notlage zu überwinden? Warum schaffen es so wenige Nutzer aus diesem Bereich hinaus zu kommen? Warum werden die Folgeerscheinungen (Alkohol- Drogengebrauch, psychische Erkrankungen) nicht benannt. So wie Stefan Selke am Ende seines Buches schrieb, die Tafeln sind häufig "Aktionismus ohne Weitblick- keine Arbeit an den Ursachen". Insgesamt 3 Jahre habe ich mit Langzeitarbeitslosen (über 5 Jahren) im Rahmen von 1 Euro Maßnahmen gearbeitet. Diese 1 Euro Maßnahmen dienten der Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt, jedoch wurden sie von vielen Anbietern als "billige Arbeitskräfte" falsch verstanden. Schaut man im Rahmen dieser Maßnahmen auf die Hintergründe der Langzeitarbeitslosigkeit der Betroffenen und fängt bei den verdeckten Ursachen anzuarbeiten, werden diese erfolgreich und für viele Menschen unerwartet doch wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert. Insgesamt erhält das Buch Schamland von Stefan Selke von mir 4 Sterne. Einen Stern ziehe ich ab, da mir die pädagogische Sichtweise fehlt und ich durch die Ankündigung des Buches ein praxisnäheres Buch ohne hochwissenschaftliche Schriftform erwartet habe.

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Schamland
von einer Kundin/einem Kunden am 16.10.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Dieses Buch hat mich sehr positiv überrascht. Selke zeigt die Welt der Armen sehr klar, detaillreich und verständlich für den Leser. Und seine Kritik ist dabei so, wie man es bisher eben nicht durchdacht hatte. Zumindest hatte ich die vieles nie in Frage gestellt, was jetzt auf mich anders... Dieses Buch hat mich sehr positiv überrascht. Selke zeigt die Welt der Armen sehr klar, detaillreich und verständlich für den Leser. Und seine Kritik ist dabei so, wie man es bisher eben nicht durchdacht hatte. Zumindest hatte ich die vieles nie in Frage gestellt, was jetzt auf mich anders wirkt. Mein Horizont hat sich eindeutig erweitert. Selke schreibt sehr überzeugend. Anstatt pausenlos zu meckern, bietet er in der Tat Alternativen an, über die es nachzudenken lohnt. Seine Schreibart ist sehr flüssig und so kann er die Ansichten der Armen realistisch rüberbringen. Er fungiert als Sprachrohr und was ich zu hören bekommen habe, hat mich erschrocken und überrascht. Ich empfinde dieses Buch als wichtig. Es ändert Ansichten und aktiviert ein Verständnis, dass nötig ist.

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Im Fahrstuhl nach unten
von einer Kundin/einem Kunden aus Aachen am 18.09.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Stefan Selke ist Soziologe und lehrt als Professor an der Hochschule Furtwangen. Er arbeitet dort im Bereich „ Gesellschaftlicher Wandel“. Selke hat zahlreiche Bücher zu soziologischen Fragen veröffentlicht. Schamland ist sein neuestes Buch. In ihm kritisiert er unseren modernen Sozialstaat, der immer mehr Leistungen abbaut und sich darauf verlässt,... Stefan Selke ist Soziologe und lehrt als Professor an der Hochschule Furtwangen. Er arbeitet dort im Bereich „ Gesellschaftlicher Wandel“. Selke hat zahlreiche Bücher zu soziologischen Fragen veröffentlicht. Schamland ist sein neuestes Buch. In ihm kritisiert er unseren modernen Sozialstaat, der immer mehr Leistungen abbaut und sich darauf verlässt, dass private Hilfsorganisationen seine Stelle übernehmen. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Trotzdem muss hier jeder Siebte mit dem absoluten Existenzminimum auskommen. Seit 2006 beschäftigt sich der Soziologe Stefan Selke im Rahmen einer Feldforschung mit Suppenküchen, Tafeln und ähnlichen Angeboten. Dazu reiste er jahrelang durchs Land und besuchte diese Einrichtungen. Er kritisiert diese Art der modernen Armenspeisung. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem Gespräch mit den Betroffenen. Er meint man müsste mehr mit den Hilfeempfängern reden, statt über sie. „Schamland“ richtet sich ausdrücklich auch an Nicht-Soziologen. Das erste, was an diesem Buch auffällt, ist die Sprache. Es ist erfreulich allgemeinverständlich geschrieben, Soziologen-Deutsch ist auf das absolute Minimum reduziert. „Schamland“ besteht aus einer Mischung von Selkes Beobachtungen, Gesprächen mit Betroffenen, Fallschilderungen und den Thesen, die Selke daraus entwickelt. Selkes Hauptthese ist, dass sich in Deutschland mittlerweile eine Armutsökonomie herausgebildet hat, in der die Helfer sich selber feiern und die Hilfsbedürftigen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Dies wird dadurch ermöglicht, dass der Staat immer weniger Hilfen anbietet und viele daher von Angeboten wie Tafeln, Kleiderkammern und Suppenküchen abhängig werden. Er untermauert seine These mit beeindruckenden und beängstigenden Fallbeispielen, die zeigen, wie schnell aus einem normalen Bürger ein Hartz IV-Empfängern wird, der sich von ehrenamtlichen Mitarbeitern gängeln lassen muss. Ehemalige Selbständige, Witwen, ältere Arbeitnehmer, Kranke: sie alle hatten nie erwartet jemals hilfsbedürftig zu werden und stellen sich heute verschämt im Nachbarort bei den Tafeln an, damit sie niemand erkennt. Beeindruckend sind auch die gesammelten Gespräche mit den Betroffenen, die zum größten Teil irgendwann aufgegeben haben und sich mit der Situation so gut es geht arrangieren. Insgesamt ein ebenso lesbares wie lesenswertes Buch. Es gibt Einblicke in Lebenswelten, die den meisten verschlossen sind, die aber ganz schnell zu den eigenen werden können.

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Ein wertvolles Buch - ein wichtiges Buch.
von kvel am 08.09.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Inhalt: In dem Sachbuch setzt sich der Autor mit dem Thema der Armutsökonomie auseinander. Er schildert das Thema konsequent aus der Sicht der Armen. Also derjenigen in unserem Land, die auf die Tafeln, Armenküchen und Kleiderkammern angewiesen sind. Er berichtet, was es für die Betroffenen bedeutet zu den Tafeln zu gehen: Wie... Inhalt: In dem Sachbuch setzt sich der Autor mit dem Thema der Armutsökonomie auseinander. Er schildert das Thema konsequent aus der Sicht der Armen. Also derjenigen in unserem Land, die auf die Tafeln, Armenküchen und Kleiderkammern angewiesen sind. Er berichtet, was es für die Betroffenen bedeutet zu den Tafeln zu gehen: Wie beschämend dies ist. Und wie sich diese Scham anfühlt. Hier spricht der Autor Tacheles. Gut, dass diese Diskussion nun angestoßen wurde (sie war längst überfällig) und dieses Thema in die Öffentlichkeit getragen wird! Kritikpunkte am Buch: Der Autor bietet keine direkten Lösungsvorschläge an. Der Autor fühlt sich sehr den Armen verpflichtet; d.h. er stellt das Thema konsequent aus ihrer Sicht dar (was natürlich legitim ist); was aber dafür andere Gesichtspunkte (wie die der ehrenamtlichen Helfer) außen vor lässt. Fazit: Aber ein wertvolles und wichtiges Buch.

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Ein wertvolles Buch - ein wichtiges Buch.
von kvel am 08.09.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Inhalt: In dem Sachbuch setzt sich der Autor mit dem Thema der Armutsökonomie auseinander. Er schildert das Thema konsequent aus der Sicht der Armen. Also derjenigen in unserem Land, die auf die Tafeln, Armenküchen und Kleiderkammern angewiesen sind. Er berichtet, was es für die Betroffenen bedeutet zu den Tafeln zu gehen: Wie... Inhalt: In dem Sachbuch setzt sich der Autor mit dem Thema der Armutsökonomie auseinander. Er schildert das Thema konsequent aus der Sicht der Armen. Also derjenigen in unserem Land, die auf die Tafeln, Armenküchen und Kleiderkammern angewiesen sind. Er berichtet, was es für die Betroffenen bedeutet zu den Tafeln zu gehen: Wie beschämend dies ist. Und wie sich diese Scham anfühlt. Hier spricht der Autor Tacheles. Gut, dass diese Diskussion nun angestoßen wurde (sie war längst überfällig) und dieses Thema in die Öffentlichkeit getragen wird! Kritikpunkte am Buch: Der Autor bietet keine direkten Lösungsvorschläge an. Der Autor fühlt sich sehr den Armen verpflichtet; d.h. er stellt das Thema konsequent aus ihrer Sicht dar (was natürlich legitim ist); was aber dafür andere Gesichtspunkte (wie die der ehrenamtlichen Helfer) außen vor lässt. Fazit: Aber ein wertvolles und wichtiges Buch.

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Armut in Deutschland
von einer Kundin/einem Kunden aus Stolberg (Rhld.) am 26.08.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Der Soziologe und Professor Stefan Selke beleuchtet in seinem Buch Schamland sowohl die ausgegrenzte Bürgerschaft unseres "Sozialstaates" als auch die Almosengesellschaft, die sich um sie herum zu bilden droht bzw. bereits gebildet hat. Sein Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Tafelkultur, pünktlich zum 20jährigen Jubiläum der Tafeln in Deutschland. Dass... Der Soziologe und Professor Stefan Selke beleuchtet in seinem Buch Schamland sowohl die ausgegrenzte Bürgerschaft unseres "Sozialstaates" als auch die Almosengesellschaft, die sich um sie herum zu bilden droht bzw. bereits gebildet hat. Sein Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Tafelkultur, pünktlich zum 20jährigen Jubiläum der Tafeln in Deutschland. Dass dies eigentlich gar kein Grund zum Feiern ist, wird einem bei der Lektüre dieses Buches sehr schnell klar. Genau betrachtet ist es eher ein Grund sich zu schämen, dass solche Einrichtungen wie die Tafel überhaupt nötig sind in einem so wohlhabenden Land wie der BRD. Dass die Leute, die diese Tafeln in Anspruch nehmen, dies nicht freiwillig tun sondern aus Verzweiflung, wird ebenfalls hervorragend dargestellt. Unmittelbar packt einen das ungute Gefühl, ganz schnell selbst in dieses Armutsloch abstürzen zu können. Bei den Fallstudien wird deutlich, dass nicht das oft beschriehene arbeitsscheue Gesindel oder die so gern titulierten Sozialschmarotzer in Not geraten können, sondern gerade auch alleinerziehende Mütter/Väter, Selbstständige, die wegen schwerer Krankheit den Betrieb schließen mussten, Normalverdiener, die sich plötzlich um schwer erkrankte Familienmitglieder kümmern mussten, Frauen, die ihren selbstständigen Ehemann durch ein Unglück verloren haben etc. Hervorragend ist die excellente Betrachtung aus dem Blickwinkel der Betroffenen. Keine Lobhudeleien auf die Tafel, Suppenküche oder sonstige Almosen-Geber, sondern die Sicht von der anderen Seite der Theke. Deutlich herausgehoben wird auch der Unterschied zwischen Sozial- und Almosenstaat. Es ist ein Unterschied, ob ich Anrecht auf eine Sozialleistung habe oder ob ich betteln muss um eine milde Gabe. Je mehr die Bürgerschaft sich zusammen findet, Armen mit mildtätigen Spenden ein wenn auch schlechtes Auskommen zu ermöglichen, desto weniger sieht sich der Staat in der Pflicht einen Mindeststandard für seine Bürger zu garantieren. Ein sehr wichtiges Buch, das vor allem von jenen gelesen werden sollte, die wie die Made im Speck leben und noch laut in sämtlichen Medien darüber stöhnen, dass sie bei oberen Besoldungsstufen 2 Jahre auf die fällige Gehaltserhöhung verzichten sollen. Die Einkommensschere klafft immer weiter auseinander und die Besserverdienenden sonnen sich darin, großzügig Almosen zu verteilen. Ich finde das Buch ausgesprochen interessant und hoffe, es wird sehr gut verkauft! Endlich einmal jemand, der die Menschen in den Vordergrund stellt, die sich wegen ihres Lebens schämen und so gar keine Lobby haben, da mit ihnen kaum Geschäfte zu machen sind. Lediglich für Werbezwecke taugen sie und diese Aufgabe erfüllen die Reportagen über sämtliche Tafelspenden und Almosenaktionen zur genüge. Die Fallstudien hätte ich mir durchaus umfangreicher gewünscht. Ab dem mittleren Teil wiederholen sich etliche Standpunkte immer wieder - da hätte man dichter schreiben können. Der letzte Teil des Buches, sozusagen die Quintessenz des Buches, hat mir sehr gut gefallen, da hier alles noch einmal deutlich auf die Kernpunkte zusammengefasst wurde. Der Epilog war m. E. sogar ausgesprochen gut und hat mich wirklich sehr erschüttert. Dass in diesem Buch keine Lösungsansätze zu finden sind, stört mich überhaupt nicht! Das war nicht Sinn und Zweck des Buches. Obwohl es ein Sachbuch ist, ist es wirklich gut zu lesen und kommt dankenswerter Weise mit erträglichem Fachjargon aus.

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Ein wertvolles Buch - ein wichtiges Buch
von kvel am 22.05.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Inhalt: In dem Sachbuch setzt sich der Autor mit dem Thema der Armutsökonomie auseinander. Er schildert das Thema konsequent aus der Sicht der Armen. Also derjenigen in unserem Land, die auf die Tafeln, Armenküchen und Kleiderkammern angewiesen sind. Er berichtet, was es für die Betroffenen bedeutet zu den Tafeln zu gehen: Wie... Inhalt: In dem Sachbuch setzt sich der Autor mit dem Thema der Armutsökonomie auseinander. Er schildert das Thema konsequent aus der Sicht der Armen. Also derjenigen in unserem Land, die auf die Tafeln, Armenküchen und Kleiderkammern angewiesen sind. Er berichtet, was es für die Betroffenen bedeutet zu den Tafeln zu gehen: Wie beschämend dies ist. Und wie sich diese Scham anfühlt. Hier spricht der Autor Tacheles. Gut, dass diese Diskussion nun angestoßen wurde (sie war längst überfällig) und dieses Thema in die Öffentlichkeit getragen wird! Kritikpunkte am Buch: Der Autor bietet keine direkten Lösungsvorschläge an. Der Autor fühlt sich sehr den Armen verpflichtet; d.h. er stellt das Thema konsequent aus ihrer Sicht dar (was natürlich legitim ist); was aber dafür andere Gesichtspunkte (wie die der ehrenamtlichen Helfer) außen vor lässt. Fazit: Aber ein wertvolles und wichtiges Buch.

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Gutes Sachbuch
von Karlheinz aus Frankfurt am 04.05.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Stefan Beilke kritisiert hier anhand von Beispielen, vor allem aber am Beispiel der Tafeln (aufgrund dessen 20 jährigen Jubiläums), den Umgang unserer sozialen Marktwirtschaft mit Armut. In fünf große Kapitel aufgeteilt nähert sich der Autor seiner Meinung immer mehr an, aber bereits im Vorwort wird die Richtung in die... Stefan Beilke kritisiert hier anhand von Beispielen, vor allem aber am Beispiel der Tafeln (aufgrund dessen 20 jährigen Jubiläums), den Umgang unserer sozialen Marktwirtschaft mit Armut. In fünf große Kapitel aufgeteilt nähert sich der Autor seiner Meinung immer mehr an, aber bereits im Vorwort wird die Richtung in die er geht klar. Sachlich und wissenschaftlich geschrieben, ohne dabei den Leser aus dem Auge zu verlieren, schafft es der Autor einen nicht einfachen Stoff, der auch nicht leicht verdaulich ist, gut zu verpacken. Dabei bringt er seine Auffassung detailliert und gut verständlich an den Leser. Vieles davon hat man schon gewusst, aber hier werden einem nochmal alle Gesichtspunkte und deren Auswirkungen vor Augen geführt. In den Anmerkungen sind die Quellenangaben erfasst, so dass die Grundlagen nachgewiesen sind, auch wenn natürlich die Schlüsse die hieraus gezogen werden durchaus diskutabel sind. Aber hier werden auch immer beide Seiten des „Problems“ betrachtet, was ich sehr angenehme finde, so wird keine Meinung aufgedrängt, auch wenn der Autor seine Meinung zu diesem Thema hat. Heraus zu heben ist das Kapitel „Der Chor der Tafelnutzer“, wo Stefan Beilke die Stellungsnahmen von vielen verschiedenen Tafelnutzern zusammenfasst, eine wirklich bedrückende Stimmung entsteht und man kann die Tafelnutzer richtig verstehen und lernt die Denkweise zu begreifen. Ebenfalls ist das Kapitel „Trostbrot“ sehr anschaulich, weil hier einige Fälle beschrieben werden, wie Menschen in diese Armut gelangen und wie sie selbst die Chancen ansehen diese wieder zu verlassen. Hier steigt man tief in die Praxis der Hilfe gegen die Armut ein. Fazit: Ein Buch das sehr nachdenklich stimmt. Manchmal auch unter die Haut geht und dennoch immer dem wissenschaftlichen Ansatz treu bleibt.

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Sie sind arm, obwohl sie arbeiten !!
von majuli aus Peine am 30.04.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der reichsten Industrie-Nationen der Welt. Für uns ist (war) es selbstverständlich, jederzeit Nahrung und Wasser zur Verfügung zu haben und wir empfi(a)nden dies durchaus nicht als Luxus, sondern eben als diese Selbstverständlicheit. Und eben diese Selbstverständlickeit ist (war) eigentlich ein Bürgerrecht in unserem Sozialstaat,... Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der reichsten Industrie-Nationen der Welt. Für uns ist (war) es selbstverständlich, jederzeit Nahrung und Wasser zur Verfügung zu haben und wir empfi(a)nden dies durchaus nicht als Luxus, sondern eben als diese Selbstverständlicheit. Und eben diese Selbstverständlickeit ist (war) eigentlich ein Bürgerrecht in unserem Sozialstaat, eigentlich.....denn immer mehr Menschen befinden sich in diesem Sozialstaat in finanzieller und sozialer Not, ja in Armut. Autor Stefan Selke schreibt in seinem Buch "Schamland" über seine Forschungen über die allgegenwärtigen Tafeln, bei denen er Tafelnutzer in ganz Deutschland interviewte, über das Versagen einer Politik und von Politikern, die immer weniger Verantwortung übernehmen. Man möchte meinen, dieses Thema käme trocken oder kopflastig daher. Nein, der Soziologe Selke berichtet mit spitzer Feder, spannend und gut lesbar. Das die Tafeln zu einer "Armutsökonomie" gehören, war mir auch schon klar und wer vor zehn Jahren lachte, wenn einer von der Amerikanisierung unserer Verhältnisse sprach (siehe Gesundheitssystem), dem dürfte heute das Lachen vergangen sein. Dann unsere Kinderarmut, Kinder, die schon so aufwachsen, dass sie daran gewöhnt werden, wohlwollende Almosen als selbstverständlich zu nehmen und nicht eine menschenwürdige Grundversorgung des ehemaligen Sozialstaates. Aber das ist politisch so gewollt und wir können es nur ändern, indem wir das Ruder herumreissen und diesem unmenschlichen Super-Kapitalismus die Stirn bieten....!! Tolles Buch.....bitte lesen !!

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Sie sind arm, obwohl sie arbeiten !!
von majuli am 29.04.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der reichsten Industrie-Nationen der Welt. Für uns ist (war) es selbstverständlich, jederzeit Nahrung und Wasser zur Verfügung zu haben und wir empfi(a)nden dies durchaus nicht als Luxus, sondern eben als diese Selbstverständlicheit. Und eben diese Selbstverständlickeit ist (war) eigentlich ein Bürgerrecht in unserem Sozialstaat,... Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der reichsten Industrie-Nationen der Welt. Für uns ist (war) es selbstverständlich, jederzeit Nahrung und Wasser zur Verfügung zu haben und wir empfi(a)nden dies durchaus nicht als Luxus, sondern eben als diese Selbstverständlicheit. Und eben diese Selbstverständlickeit ist (war) eigentlich ein Bürgerrecht in unserem Sozialstaat, eigentlich.....denn immer mehr Menschen befinden sich in diesem Sozialstaat in finanzieller und sozialer Not, ja in Armut. Autor Stefan Selke schreibt in seinem Buch "Schamland" über seine Forschungen über die allgegenwärtigen Tafeln, bei denen er Tafelnutzer in ganz Deutschland interviewte, über das Versagen einer Politik und von Politikern, die immer weniger Verantwortung übernehmen. Man möchte meinen, dieses Thema käme trocken oder kopflastig daher. Nein, der Soziologe Selke berichtet mit spitzer Feder, spannend und gut lesbar. Das die Tafeln zu einer "Armutsökonomie" gehören, war mir auch schon klar und wer vor zehn Jahren lachte, wenn einer von der Amerikanisierung unserer Verhältnisse sprach (siehe Gesundheitssystem), dem dürfte heute das Lachen vergangen sein. Dann unsere Kinderarmut, Kinder, die schon so aufwachsen, dass sie daran gewöhnt werden, wohlwollende Almosen als selbstverständlich zu nehmen und nicht eine menschenwürdige Grundversorgung des ehemaligen Sozialstaates. Aber das ist politisch so gewollt und wir können es nur ändern, indem wir das Ruder herumreissen und diesem unmenschlichen Super-Kapitalismus die Stirn bieten....!! Tolles Buch.....bitte lesen !!

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Schamland Deutschland
von Xirxe aus Hannover am 16.04.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Wer an die 'Tafeln' denkt, dem fällt zumeist eines ein: Gemeinnützig! Ehrenamtliche verteilen stark verbilligt Lebensmittel an Arme, die der Tafel zuvor gespendet wurden. Eine gute und sinnvolle Idee - wer würde etwas Schlechtes dagegen sagen oder schreiben wollen? Stefan Selke zum Beispiel, Soziologieprofessor und Autor dieses Buches, der... Wer an die 'Tafeln' denkt, dem fällt zumeist eines ein: Gemeinnützig! Ehrenamtliche verteilen stark verbilligt Lebensmittel an Arme, die der Tafel zuvor gespendet wurden. Eine gute und sinnvolle Idee - wer würde etwas Schlechtes dagegen sagen oder schreiben wollen? Stefan Selke zum Beispiel, Soziologieprofessor und Autor dieses Buches, der schon früher die These aufstellte, dass Angebote wie die Tafeln Armut nicht versuchen zu beseitigen, sondern statt dessen festschreiben. Auch in seinem neuen Werk ist dies das Hauptthema. Er besucht Nutzerinnen und Nutzer dieser Wohlfahrtsangebote, fragt nach, wie es dazu kam und wie es ihnen dabei geht. Es sind ganz unterschiedliche Personen, die er da trifft: eine studentische Kleinfamilie, eine chronisch kranke Frau die noch nicht aufgegeben hat aus diesem System auszubrechen, ein chronisch krankes Rentnerehepaar, die sich in diesem Dasein jetzt mehr schlecht als recht eingerichtet haben. Alle eint sie, dass sie diese Angebote eigentlich nicht wollen, aber aufgrund ihrer Verhältnisse müssen, weil es keinen anderen Weg gibt. Selke beschreibt nicht nur Zustände, er schildert auch detailliert wie sich der Umgang mit Armen im Laufe der Geschichte verändert hat: von der Entwicklung der reinen Almosenempfänger im alten Griechenland wie auch im Mittelalter, die sich glücklich schätzen durften zu den 'guten' Bedürftigen gezählt zu werden und somit die Gnade von Zuwendungen zu erfahren bis hin zu gleich- UND anspruchsberechtigten Bürgerinnen und Bürgern in der Gegenwart durch das im Grundgesetz verankerte Sozialstaatsprinzip (Art. 20, Abs. 1). Doch diese Entwicklung scheint sich wieder in ihr Gegenteil umzukehren: Ansprüche werden auf ein solches Mindestmaß reduziert, dass Berechtigte gezwungen sind, Angebote von Almosen (und nichts anderes sind Tafeln und weitere Institutionen der Armutsökonomie ja) anzunehmen. Statt Betroffenen zu helfen aus diesen Problemsituationen wieder herauszukommen, wird selbst vom Staat Armut als akzeptabler Dauerzustand dargestellt, der ja durch die vielfältigen (und immer wieder lobend erwähnten wie auch kräftig unterstützten) Freiwilligenangebote durchaus erträglich ist. Was jedoch passiert, wenn (aus welchen Motiven auch immer) sich die Anbieter solcher freiwilligen Dienstleistungen irgendwann zurückziehen, wird aus naheliegenden Gründen nicht thematisiert. Für die Empfangenden, die sich dieser Problematik durchaus bewusst sind, ist dies ein schrecklicher Zustand: nicht nur die Verhältnisse an sich sondern auch die Tatsache, abhängig zu sein vom Wohlwollen einiger Weniger. Selke vergisst auch nicht aufzuzeigen, dass Armut neben den direkten Kosten (die konkrete finanzielle Unterstützung) auch eine Reihe weiterer Kosten entstehen lässt, die sich nicht nur in Zahlen darstellen lassen. Berufliche Kompetenzen gehen verloren, größere Aufwendungen durch Krankheit, Demokratiedefizite entstehen... Selkes Verdienst ist es, einer großen Gruppe der Gesellschaft eine Stimme gegeben zu haben, die bisher aus Scham lieber schwieg und sich versteckte. Und trotz seines Status als Soziologieprofessor ist sein Buch gut lesbar und ebenso verständlich - und ganz und gar nicht 'sehr fachlich und wissenschaftlich' wie in einer Rezension vermerkt. Es bleibt zu hoffen, dass viele viele Menschen dieses Buch lesen - und sich etwas bewegt!

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Schamland. Die Armut mitten unter uns.
von Gisela Busemann aus Leer (Ostfriesland) am 10.04.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Inzwischen ist es ein Unding, dass viele Menschen in Deutschland nicht von ihrem erarbeiteten Lohn leben können. Nicht zu vergessen, das sehr viele der Generation, die eigentlich nach einem langen Arbeitsleben es verdient hätten, einen sorgenfreien Lebensabend zu erleben, oftmals nur soviel Rente bekommen, das es zum Leben zu... Inzwischen ist es ein Unding, dass viele Menschen in Deutschland nicht von ihrem erarbeiteten Lohn leben können. Nicht zu vergessen, das sehr viele der Generation, die eigentlich nach einem langen Arbeitsleben es verdient hätten, einen sorgenfreien Lebensabend zu erleben, oftmals nur soviel Rente bekommen, das es zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel ist. Laufend wird die soziale Gerechtigkeit proklamiert. Doch scheinbar entfernen wir uns immer mehr davon. Der Soziologe Professor Stefan Selke hat sich eingehend mit dieser Thematik befasst und in seinem Buch „Schamland“ eine Sozialreportage und Gesellschaftsanalyse erstellt. Er hat sich die Aufgabe nicht leicht gemacht und lange, sehr ausführlich recherchiert. Mit sehr vielen Betroffenen, verschiedener Altersklassen hat er gesprochen und ich muss sagen, es zeichnet sich für mich ein trauriges Bild unseres sogenannten Sozialstaates ab. Die Reichen werden immer reicher und die Armut nimmt immer mehr zu. Politiker und andere Verantwortliche sind oftmals auf beiden Augen blind. Es werden im Grundsatz verankerte Aufgaben auf ehrenamtliche und private Organisationen umdeligiert. Tafeln, die es übrigens bereits seid zwanzig Jahren gibt, was eine sehr traurige Bilanz darstellt, Suppenküchen, Kleiderkammern, soziale Kaufhäuser usw. Wer diese Einrichtungen benötigt und auf Almosen angewiesen ist, steht an der untersten Stufe in unserer Gesellschaft und sie sind Menschen zweiter Klasse. Dabei wünschen sie sich lediglich ein Stückchen Normalität. Meines Erachtens birgt diese ungesunde Entwicklung auch eine gewisse Gefahr für unseren inneren nationalen Frieden. Es wird für extreme Gruppierungen von rechts ein Nährboden bereitet. Wenn man nicht nur mit offenen Augen durch den Tag geht, sondern vor allem auch die Ohren auf Empfang gestellt hat, so wird man die Stimmen nicht überhören können, wer für diese Misere verantwortlich gemacht wird. Das sind unter anderem unsere Politiker, aber auch unsere ausländischen Mitbürger werden angeprangert. Dies würde die Probleme, die wir bereits mit unserer Ausländerpolitik haben nur noch verschärfen.

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Schamland
von raschke64 aus Dresden am 14.10.2014
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Schamland“ ist ein Buch, bei dem es um die derzeitigen Zustände in der Gesellschaft bei der Behandlung von Armen und sozial Schwachen und um die Situation der Tafeln im besonderen geht. Dabei sieht der Autor die Situation einseitig mit den Augen der Betroffenen und macht sich zu deren Sprachrohr.... Schamland“ ist ein Buch, bei dem es um die derzeitigen Zustände in der Gesellschaft bei der Behandlung von Armen und sozial Schwachen und um die Situation der Tafeln im besonderen geht. Dabei sieht der Autor die Situation einseitig mit den Augen der Betroffenen und macht sich zu deren Sprachrohr. Dies war so beabsichtigt und ist in meinen Augen auch völlig in Ordnung, denn diese Menschen haben kaum bis keine Lobby und damit auch keine Stimme, die gehört wird. Der Autor hat mit vielen Betroffenen gesprochen und man merkt ihm an, wie ihn das Ganze aufgerührt hat. Es ist ein sehr persönliches Buch und es ist auch eine Kritik am System der Tafeln und an deren Marktmechanismen. Dem kann ich in großen Teilen zustimmen. Es hat sich mittlerweile eine regelrechte Industrie in diesem Bereich entwickelt wie eine Parallelgesellschaft. Man kann dem Buch nur wünschen, dass es die richtigen Leute vor allem in der Politik lesen. Aber selbst, wenn das passiert, mache ich mir wenig Hoffnung auf eine Änderung. Das System funktioniert für die Verantwortlichen so gut, dass sie keine Änderungen wünschen werden. In einem kann ich mit dem Autor nicht übereinstimmen. Für ihn sind pauschal alle in Not geratenen Menschen an der Situation schuldlos. Das trifft sicher für viele, aber in meinen Augen nicht für alle zu – selbst die von ihm gewählten Beispiele drücken das für mich aus. Wer sich vor Jahren seine Rente hat auszahlen lassen für diversen Konsum ist in meinen Augen nicht schuldlos daran, dass er jetzt in Not gerät. Unabhängig davon steht ihm natürlich aber Hilfe zu. Nur jegliche Eigenverantwortung oder –initiative außen vor zu lassen, ist für mich nicht richtig. Aber dies ist sicher einer der Punkte, bei dem der Autor eine Diskussion erwartet und auch wünscht. Generell jedenfalls ist es für mich ein gutes Buch – ein Buch, das wichtig ist und vielleicht schon fast zu spät geschrieben wurde. Positiv ist außerdem, dass es direkt und allgemein verständlich geschrieben wurde. Man kann es gut lesen, ohne mit einem Fremdwörterbuch arbeiten zu müssen. Dadurch ist es auch gut verständlich, was bei einem Sachbuch nicht immer selbstverständlich ist. Leider werden es die direkt Betroffenen kaum lesen – sie können es sich nicht leisten. Dabei wäre es gerade auch für sie wichtig zu wissen, dass jemand da ist, der sie gut versteht und der für sie Verbesserungen erreichen will.

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Was uns fehlt ist die Gerechtigkeit!
von Moep am 23.06.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Stefan Selke setzt sich in diesem Sachbuch „Schamland – Die Armut mitten unter uns“ kritisch mit dem Sozialsystem in Deutschland und vor allem dem pseudo-wohltätigen Tafelsystem auseinander. So geht er in den ersten Kapiteln nunmehr darauf ein, welche seine Beweggründe zum Schreiben dieses Buches sind und was ihn antreibt, um... Stefan Selke setzt sich in diesem Sachbuch „Schamland – Die Armut mitten unter uns“ kritisch mit dem Sozialsystem in Deutschland und vor allem dem pseudo-wohltätigen Tafelsystem auseinander. So geht er in den ersten Kapiteln nunmehr darauf ein, welche seine Beweggründe zum Schreiben dieses Buches sind und was ihn antreibt, um dann im Folgenden sehr authentisch und vielseitig Gespräche mit einigen Betroffenen zu schildern. Ferner bildet er auch einen von ihm so genannten „Chor der Tafelnutzer“, in dem er ausschließlich Zitate zu einem zusammenhängendem Text zusammenfügt, sodass man auch aus der „Wir“ - Perspektive noch einmal einen Eindruck von der Situation in der Tafel oder der Armut im Alltag bekommt. In diesem Teil des Buches wird vor allem erkenntlich, wie sehr die Empfänger von Sozialleistungen mit sich im Zwiespalt stehen, denn zu Einen erkennen sie zwar an, dass sie sich ohne den Gang zur Tafel so manches „Extra“ vielleicht nicht leisten könnten, machen aber zum Anderen auch sehr deutlich, dass sie sich von der Herablassung der „Helfer“ und der allgemeinen Abhängigkeit sehr gedemütigt fühlen. Auch haben mich diese Kapitel eine Menge über das System Tafel gelehrt, von dem ich zwar zuvor schon eine grobe Vorstellung hatte, es mir aber dennoch nicht klar war, wie sehr Menschen dort zu – ich möchte sagen Untermenschen – degradiert werden: Dass einem Menschen ein derart großes Misstrauen entgegengebracht wird, man alles offenlegen und auf generelle Bedürftigkeit geprüft werden muss. Insgesamt ein wirklich sehr informatives Kapitel. Abschließend wertet er noch das System Tafel aus, und fasst noch einmal zusammen, warum es denn eigentlich in einem Staat wie Deutschland überflüssig sein sollte. Alles in allem finde ich hat Stefan Selke hier schon ein sehr gutes Buch geschrieben, über das ich mich ganz wunderbar aufregen konnte (über unsere Politik, nicht den Autor), aber das mich auch zum Teil ein wenig enttäuscht hat, da ich bereits sehr hohe Erwartungen hatte. Also zum ersten bin ich natürlich schon sehr glücklich, dass sich dem Thema überhaupt mal einer öffentlich so kritisch zuwendet, denn gerade die sozial schwachen Menschen fühlen sich mit ihren Problemen oft allein gelassen. Ich bin sehr froh, dass Stefan Selke ihnen eine Stimme gegeben hat. Auch habe ich vieles aus diesen Ausführungen gelernt, was mir vorher nicht so bewusst war. Denn obwohl ich vorher schon eine ähnliche Meinung vertrat wie der Autor, hat dieser mich nur in meinen Gedanken bestärkt, sodass ich jetzt noch stärker das Gefühl habe, hier läuft etwas so gewaltig falsch, das müssen wir ändern. Enttäuscht war ich vor allem davon, wie wenig Lösungsvorschläge Stefan Selke angeführt hat. Denn man kann nicht einfach immer nur rum meckern und die Politiker kritisieren, dass sie alles falschen machen, wenn man selbst keine Lösungsvorschläge vorbringen kann. Das hätte mir als ein abschließendes Kapitel das Buch noch wertvoller gemacht. Insgesamt gab es auch viele Wiederholungen, sodass sich das Lesen zeitweilig wirklich hinzog und man es hätte deutlich kürzer machen können. Insgesamt trotzdem ein sehr bewegendes Werk, das mich definitiv weitergebracht und sehr bereichert hat.

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Schamland
von Michelangelo aus Schleswig-Holstein am 08.06.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

In den Industrieländern galt Armut eigentlich als überwunden, aber die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Armut bedeutet den Verlust gesellschaftlichen Ansehens, gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe, ungesünderes Leben und sogar eine erhebliche Verkürzung der Lebenszeit. Mittlerweile betrifft die Armut aber nicht mehr nur die Randschichten der Gesellschaft,... In den Industrieländern galt Armut eigentlich als überwunden, aber die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Armut bedeutet den Verlust gesellschaftlichen Ansehens, gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe, ungesünderes Leben und sogar eine erhebliche Verkürzung der Lebenszeit. Mittlerweile betrifft die Armut aber nicht mehr nur die Randschichten der Gesellschaft, sondern hält auch Vormarsch in die sogen. Mittelschicht. Es geht wahnsinnig schnell abzustürzen und es wird sehr schwer bis unmöglich aus diesem Loch wieder herauszukommen. Die Agenda 2010 hat dies noch mehr verschärft. Der Sozialstaat hat sich gewandelt. Der Staat hält die die Bedürftigen auf unterstem Niveau und überlässt es anderen, diesen Leuten noch etwas mehr zum Lebensnotwendigen beizusteuern, diese Aufgaben haben die Tafel, Suppenküchen und andere Hilfseinrichtungen übernommen. Der Autor schrieb das Buch aus Protest, als ihm bewusst wurde, dass die Tafeln inzwischen ihr 20 jähriges Jubiläum „feiern“. Er beschreibt uns darin das Phänomen Armut, seine Auswirkungen und auch Prognosen für die Zukunft. Es wird aber im Großen und Ganzen nichts Neues berichtet, es ist nur hilfreich sämtliche Informationen und Äußerungen diverser Politiker mal auf einem Griff parat zu haben. Herr Selke lässt uns an seinen Gesprächen mit Betroffenen teilhaben und fasst in einem 2. großen Kapitel das Fazit aus diesen Gesprächen zusammen. Diese sind sehr interessant und aufschlussreich, inwiefern einige der Betroffenen in diese Situation gerieten, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Ich finde es nur schade, dass der Autor, den Tafeln gegenüber relativ negativ eingestellt ist, denn solange sich an unserer Sozialpolitik nichts ändert, werden wir sie brauchen . Für das Buch ist ausgiebig recherchiert worden und es bietet so sehr viele Informationen, ist aber nicht gerade leicht und einfach zu lesen. Eigene Ideen bzw. Vorschläge , für Verbesserungen und Lösungen fehlen leider, die hätte ich eigentlich so zum Schluss erwartet, so als Abrundung des ihm anliegenden Themas. Es ist insgesamt ein aufklärendes und zum Nachdenken anregendes Buch, für mein Empfinden hätte es ein wenig kürzer und straffer geschrieben sein können. Das Problem wird nur sein, dass diejenigen, die durch ihre Politik unser Land quasi in ein Schamland verwandelt haben, dieses Buch nicht lesen werden .

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Soviel Armut mitten unter uns?
von Tina Bauer aus Essingen am 17.05.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Ein Sachbuch oder eher ein Roman? Definitiv ein Sachbuch über unglaubliche Szenen, die sich doch mitten uns wohlsituierten Deutschen abspielt. Armut kennt keine Grenzen und es bedarf sich schon viel Mut, dass auch kund zu tun. Wo ist unsere Politik, wenn sie gebraucht wird? Warum erhalten Politiker so viel... Ein Sachbuch oder eher ein Roman? Definitiv ein Sachbuch über unglaubliche Szenen, die sich doch mitten uns wohlsituierten Deutschen abspielt. Armut kennt keine Grenzen und es bedarf sich schon viel Mut, dass auch kund zu tun. Wo ist unsere Politik, wenn sie gebraucht wird? Warum erhalten Politiker so viel Gehalt und warum ist es so erniedrigend, zum Amt oder zur Tafel zu gehen? Gibt es überhaupt noch Glück und Freunde in den Leben derer, die tagtäglich jeden einzelnen Cent umdrehen müssen? Das alles und noch viel mehr über die Armut und das Wegsehen berichtet uns Stefan Selke ohne viel drum herum zu reden! Klassisch direkt und man sollte es nicht zu leicht nehmen!

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messerscharfe Analyse
von Kayla am 17.04.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Die Publikation von"Schamland" überschneidet sich interessanterweise mit dem Tod Maggie Thatchers. Die Politikerin war in England als"Milchräuberin" Gewerkschaftsschreck bekannt. Ihre rigorose Politik gründete auf der Prämisse, dass es so etwas wie "die Gesellschaft" nicht gebe & dass quasi jeder für sein Heil selbst verantwortlich sei..Thatcher stand in Grossbritannien für... Die Publikation von"Schamland" überschneidet sich interessanterweise mit dem Tod Maggie Thatchers. Die Politikerin war in England als"Milchräuberin" Gewerkschaftsschreck bekannt. Ihre rigorose Politik gründete auf der Prämisse, dass es so etwas wie "die Gesellschaft" nicht gebe & dass quasi jeder für sein Heil selbst verantwortlich sei..Thatcher stand in Grossbritannien für den sozialen Kahlschlag. Auf jeden Fall aber gilt sie vielen Analysten als die Person, die "merry old England" zu Grabe trug. Jahre später sollte sich auch still & leise das Konzept der "sozialen Marktwirtschaft" und "Sozialhilfe" zugunsten von Raubtierkapitalismus und Hartz IV mehr oder weniger aus Deutschland verabschieden. Von der Bonner Republik & katholischer Soziallehre à la Adenauer sollte wenig übrig bleiben. Zu "Schamland". Diese Publikation hat mich wirklich positiv überrascht. Sie genügt wissenschaftlichen Standards&verfügt über Endnoten. Kein "Blabla" ins Blaue hinein, sondern harte Fakten, für jeden nachvollziehbar! Der Soziologe lässt seine Forschungen in "Schamland" miteinfliessen. Die Gliederung kann mit geistreichen Kapitelüberschriften ("Trostbrot")überzeugen. Für eine fast wissenschaftliche Publikation ist "Schamland" extrem gut lesbar! Manchmal quält man sich durch Sachbücher ob des knochentrockenen Stils nur so durch. Nicht so hier! Der Autor schreibt pointiert, scharfsinnig und anschaulich. Ich muss gestehen, dass ich über die "Tafeln" vor der Lektüre ein unkritisches, von Hochglanzmedien und "Charity Ladies" geprägtes Bild hatte. Selke jedoch stellt den Nutzen der "Tafeln" infrage und zeigt auf, dass diese zum System der "Armutsökonomie " gehören. Anhand von Fallbeispielen aus der Feldforschung zeigt er auf, dass in der reichen Industrienation Deutschland mitnichten nur der "Pöbel" arm ist & zur "Tafel" geht: Da gibt es das Studentenpärchen, die Dialysepatientin und auch das ehemalige Unternehmerpärchen, das zum Skilaufen in die Schweiz fuhr, um im Alter mangels Einzahlungen quasi am Hungertuch zu nagen. Selkes Kernthese besagt, dass das System der "Tafeln" primär sich selbst dient - eine These, die mir einleuchtend erscheint. Schleichend ist dabei der Prozess, der Aufwendungen der öffentlichen Hand zunehmend privatisiert. Eine Amerikanisierung der Verhältnisse ? Der Autor behält jedoch durchaus einen scharfen Blick und verfällt nie in Schwarzweissmalerei. Er zeigt auf, mit welchen Mechanismen Armut eher verschlimmert als gemildert wird. Und er redet Tacheles : Armut betrifft mittlerweile alle Gesellschaftsschichten, Armut generiert Scham. Selkes Interviewpartner berichten mehr oder weniger einhellig davon, wieviel Überwindung sie der Gang zur "Tafel" kostete und dass sie mit "denen da" eigentlich nicht sprechen wollten. Arm, das seien die "Anderen". Nur mittels dieser Selbsttäuschung lasse sich ein positives Selbstbild und ein letzter Rest Würde aufrecht erhalten. Ich muss sagen, dass ich während der Lektüre teils recht überrascht war, da mir viele Sachverhalte unbekannt waren. Vor dem "Umbau" der Republik kann jedoch niemand die Augen verschliessen. Der Wissenschaftler Selke stellt seine Erkenntnisse löblicherweise in Buchform der ganzen deutschen Gesellschaft zur Verfügung. Akademischer Elfenbeinturm? Nicht bei Selke! Ich hoffe nur, dass seine Ausführungen Gehör - sprich Leser - finden werden. Ein wenig schade finde ich, dass ein vergleichsweise "enges" Themengebiet behandelt wird, denn der Autor hat die seltene Gabe, komplexe Phänomene auch dem Laien verständlich zu erklären. .

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Mitten im Schamland- Deutschland
von Yvonne Wassmann am 14.04.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Stefan Selke versucht in seinem Buch Schamland, den Alltag der Betroffenen mit den soziologischen und politischen Hintergründen zu vereinen. Zu Beginn beschreibt er auf 50 Seiten (Armut mitten unter uns) die soziologischen und politischen Hintergründe. Es werden Grunddaten aufgezeigt wie beispielsweise das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen und die relative Armutsgrenze. Weiterhin betrachtet... Stefan Selke versucht in seinem Buch Schamland, den Alltag der Betroffenen mit den soziologischen und politischen Hintergründen zu vereinen. Zu Beginn beschreibt er auf 50 Seiten (Armut mitten unter uns) die soziologischen und politischen Hintergründe. Es werden Grunddaten aufgezeigt wie beispielsweise das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen und die relative Armutsgrenze. Weiterhin betrachtet er die subjektiv "gefühlte" Armut. Im zweiten und dritten Abschnitt des Buches, "Trostbrot" und "Der Chor der Tafelnutzer", gibt Stefan Selke den Betroffenen eine Stimme. Der Autor reiste für die Recherche des Buches durch ganz Deutschland um Gespräche mit den Nutzern der Tafeln zu führen. Diese fasst er in diesem Teil des Buches gefühlvoll und realistisch zusammen. Es wird auf viele Missstände hingewiesen, so beispielsweise auch auf die Berichterstattungen der Presse. Diese sind häufig wenig einfühlsam, wie die Überschrift eines Artikels "Abgespeist" darstellt. Der Wunsch sich selber etwas in einem normalen Supermarkt zu kaufen, ist bei vielen Betroffenen sehr hoch. Weiterhin herrscht eine immer wieder auftauchende verdeckte Gewalt bei den Ausgaben der Tafeln. Wer zuerst kommt malt zuerst... Häufig sind es auch auferlegte Meldepflichten die Tafelnutzer noch weitere an den Rand der Gesellschaft rücken, denn wer diesen nicht nachkommt, wird auch von der Tafel ausgeschlossen. In den zwei abschließenden Kapiteln des Buches widmet sich Stefan Selke erneut der soziologischen Betrachtung der Tafel und berichtet unter anderem, dass besonders die Tafel zu einer Verfestigung der Armutslage beiträgt. Insgesamt betrachtet Stefan Selke, die Tafeln sehr kritisch und weis deutlich auf Missstände hin. Persönliche Bewertung: Bei diesem Buch von Stefan Selke handelt es sich mehr um ein kritisches Fachbuch der Soziologie als um ein Buch, welches auch von Betroffenen gelesen werden wird. Wie er in seiner Danksagung bereits schrieb, unterstützte ihn eine Lektorin die soziologische Sprache ins Deutsche zu übersetzten, dies ist jedoch meines Erachtens weniger gelungen. Das Buch ist sehr fachlich und wissenschaftlich. Störend fand ich die vielen Fußnoten, bereits nach 5 mal bis ans Ende des Buches blättern, überlass ich die Fußnoten im Folgenden. Ich empfehle daher eher das Buch für Praktiker, Studenten und weitere mit dem Thema vertraute, sowie vor allem den Entscheidern, die durch dieses Buch einen kritischen Einblick erhalten sollten. Da ich jedoch selbst aus dieser Praxis komme, sind mir solche Schriften wohl bekannt und ich kann mich der Kritik und dem Buch Schamland vollständig anschließen. Für mich ist diese Reportage jedoch nicht vollständig, es fehlt der pädagogische Blickwinkel. Nicht erwähnt bleiben Hilfsmaßnahmen im Rahmen der Tafel, sozialpädagogische Beratung, psychologische Beratung usw. Wo sind die Menschen, die versuchen die Tafelnutzer zu unterstützen ihre Notlage zu überwinden? Warum schaffen es so wenige Nutzer aus diesem Bereich hinaus zu kommen? Warum werden die Folgeerscheinungen (Alkohol- Drogengebrauch, psychische Erkrankungen) nicht benannt. So wie Stefan Selke am Ende seines Buches schrieb, die Tafeln sind häufig "Aktionismus ohne Weitblick- keine Arbeit an den Ursachen".

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Ein heißes Thema
von vöglein am 12.06.2013
Bewertetes Format: Buch (gebunden)

Es handelt sich hier um ein sehr heißes Thema, das man aber auch nicht so pauschal betrachten kann. Bestimmt gibt es genügend Bedürftige, aber auch viele, die das System einfach nur ausnutzen (auch solche Beispiel kenne ich persönlich). Mich hat die Einseitigkeit des Themas sehr gestört, auch Lösungsansätze haben mir gefehlt. Insgesamt... Es handelt sich hier um ein sehr heißes Thema, das man aber auch nicht so pauschal betrachten kann. Bestimmt gibt es genügend Bedürftige, aber auch viele, die das System einfach nur ausnutzen (auch solche Beispiel kenne ich persönlich). Mich hat die Einseitigkeit des Themas sehr gestört, auch Lösungsansätze haben mir gefehlt. Insgesamt aber ein Buch, das mich (leider) nicht nachhaltig beschäftigt. Armut besteht aber auch nicht nur aus der Tafel................. Außerdem gibt es auch einen Unterschied zwischen Armut und Armut.....................wo fängt es an, wo hört es auf??? Für mich wirft das Buch mehr Fragen auf als es beantwortet. Schade!

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