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Strukturwandel der Öffentlichkeit

Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Mit e. Vorw. zur Neuaufl. 1990

(1)
»Aufgabe der vorliegenden Untersuchung ist die Analyse des Typus ›bürgerliche Öffentlichkeit‹.« Um dieser komplexen Aufgabe gerecht zu werden, integriert Habermas Aspekte aus soziologischen, ökonomischen, staatsrechtlichen, politologischen sowie sozial- und ideengeschichtlichen Untersuchungen. ›Bürgerliche Öffentlichkeit‹ begreift er als eine epochaltypische Kategorie, die sich nicht aus der spezifischen Entwicklungsgeschichte der im europäischen Hochmittelalter entspringenden ›bürgerlichen Gesellschaft‹ herauslösen läßt. ›Öffentlichkeit‹ faßt er als eine historische Kategorie und zeigt beispielsweise, daß in einem präzisen Sinn etwa von ›öffentlicher Meinung‹ erst im England des späten 17. und im Frankreich des 18. Jahrhunderts die Rede sein kann.
Portrait
Jürgen Habermas, 1929 in Düsseldorf geboren, Philosoph und Soziologe, studierte Philosophie, Geschichte und Psychologie in Göttingen, Zürich und Bonn, wo er 1954 promovierte. Von 1956 bis 1959 war er Assistent am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main und nahm dort wesentliche Impulse der Frankfurter Schule auf. Aus ihrer Tradition hat er die seine weiteren Arbeiten strukturierende Fragestellung entwickelt, wie eine kritische Theorie der Gesellschaft beschaffen zu sein habe, die eine dem erreichten Stand sozialwissenschaftlicher Erkenntnis wie historischer Erfahrung angemessene Theorie der Demokratie darstelle. 1961 habilitierte er in Marburg und wurde auf ein Extraordinariat für Sozialphilosophie nach Heidelberg berufen. 1964 erhielt er eine Professur für Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. 1971 wurde er, gemeinsam mit Carl-Friedrich von Weizsäcker, Direktor des "Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt" in Starnberg. 1982 folgte Habermas dem Ruf nach Frankfurt am Main auf eine Professur für Soziologie und Philosophie. Jürgen Habermas erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und Preise, darunter den "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" (2001), den "Kyoto-Preis" (2004) und den "Heine-Preis" (2012) "... für sein Lebenswerk, das durch freiheitliche Ideen der Aufklärung, seinen unermüdlichen Einsatz für ein demokratisch verfasstes Deutschland sowie seine streitbaren Beiträge zu den gesellschaftspolitischen Debatten Europas geprägt ist", so die Begründung der Jury. 2013 wurde Jürgen Habermas mit dem "Kulturellen Ehrenpreis" der Landeshauptstadt München ausgezeichnet. Außerdem wurde Jürgen Habermas mit dem Erasmus-Preis 2013 ausgezeichnet.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 391
Erscheinungsdatum 06.11.1990
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-28491-9
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 177/108/20 mm
Gewicht 234
Auflage 14
Verkaufsrang 10.141
Buch (Taschenbuch)
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Öffentlichkeit - eine Analyse einer bürgerlich-gesellschaftlichen Kategorie
von Zitronenblau am 14.06.2011

Habermas' Habilitationsschrift hat den reizvollen Charakter einer (in nuce) sozio-historischen Begriffsanalyse der so g. (bürgerlichen) Öffentlichkeit, die sich "vorerst als die Sphäre der zum Publikum versammelten Privatleute begreifen" lässt. Waren Staat und Gesellschaft in der Antike (mehr oder weniger) identisch, kam es im 18. Jahrhundert zu einer prozessualen Polarisierung... Habermas' Habilitationsschrift hat den reizvollen Charakter einer (in nuce) sozio-historischen Begriffsanalyse der so g. (bürgerlichen) Öffentlichkeit, die sich "vorerst als die Sphäre der zum Publikum versammelten Privatleute begreifen" lässt. Waren Staat und Gesellschaft in der Antike (mehr oder weniger) identisch, kam es im 18. Jahrhundert zu einer prozessualen Polarisierung von Privatbereich (bürgerliche Gesellschaft, Privatautonomie) und Staat, gleichwohl sich inmitten dieses "Spannungsfeldes" eine politische sowie anfangs literarische Öffentlichkeit (Räsonnements) abzeichnete. Publikum und das Prinzip der Publizität werden analysiert. Gerade die sich formierende Öffentlichkeit des privaten Publikums räsonnierte durch publizistische Medien der Zeit (Literatur etc.) zum einen, fungierte zunehmend politisch, "erhält den normativen Status eines Organs der Selbstvermittlung der bürgerlichen Gesellschaft mit einer ihren Bedürfnissen entsprechenden Staatsgewalt." Die Idee: politisch funktionierende Öffentlichkeit "soll voluntas in eine ratio überführen, die sich in der öffentlichen Konkurrenz der privaten Argumente als der Konsensus über das im allgemeinen Interesse praktisch Notwendige herstellt." Denn dass sich ein Publikum selbst aufkläre, sei eher möglich (öffentliche Meinungsbildung). Die Geschichte zeigt aber mit Hegel und Marx eine begriffliche Denunziation der öffentlichen Meinung als Ideologie in der Phase der Industrialisierung. "Öffentlichkeit dient bloß der Integration des subjektiven Meinens in die Objektivität..." Im 19. Jahrhundert wird durch die Wahlrechtsreform (bürgerlicher Wandel) die Erweiterung des Publikums erreicht. Doch im liberalen Kapitalismus scheint Öffentlichkeit "in dem Maße die Kraft ihres Prinzips [...] zu verlieren, in dem sie sich als Sphäre ausdehnt und noch den privaten Bereich aushöhlt." Die Dialektik fortschreitender Verstaatlichung der Gesellschaft und sich durchsetzender Vergesellschaftlichung des Staates zerstört die Basis (Trennung Staat - Gesellschaft) bürgerlicher Öffentlichkeit. Mit dem auflebenden Konsumismus desavouiert Räsonnement zum "Geschmacks- und Neigungsaustausch". Mit dem Entzug der Kriterien des Räsonablen kommt es zu einer Refeudalisierung der Öffentlichkeit. Politisch heißt das, aus einem Prinzip der Kritik sei Publizität zu einem Prinzip der gesteuerten Integration umfunktioniert worden (Verkümmerung zur Demonstration und Manipulation). "Die in der sozialstaatlichen Massendemokratie [institutionalisierte] Idee der Öffentlichkeit [Rationalisierung der Herrschaft im Medium des öffentlichen Räsonnements der Privatleute] ist jetzt nur mehr zu verwirklichen als eine [...] Rationalisierung der sozialen und politischen Machtausübung unter der wechselseitigen Kontrolle rivalisierender [...] Organisationen." Der Publizitätsschwund und die Publizitätsflucht resultieren "aus dem unaufgehobenen Pluralismus der konkurrierenden Interessen". Habermas schlägt vor, dass "sich unter Bedingungen sozialstaatlicher Massendemokratie der Kommunikationszusammenhang eines Publikums nur in der Weise herstellen, dass der förmlich kurzgeschlossene Kreislauf der 'quasi-öffentlichen' Meinung mit dem informellen Bereich der bisher nicht-öffentlichen Meinungen durch eine in organisationsinternen Öffentlichkeiten entfachte kritische Publizität vermittelt wird." - Aber wie? Darüber schweigt sich Habermas aus. Dennoch zeigt sich die Analyse der Kategorie und vor allem ihr Wandel in der gesellschaftlichen Entwicklung als erstaunlich vielschichtig und überzeugend. Ein Klassiker!

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