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The Ship (2LP+MP3/Gatefold/Art Prints)

Rezension
"Die Menschheit scheint zwischen Überheblichkeit und Paranoia zu schwanken", schreibt Brian Eno im Begleittext. Diese Polarität prägt die beiden Katastrophen des 20. Jahrhunderts, denen er sich mit den zwei langen Stücken auf "The Ship" widmet: der Untergang der Titanic und der Erste Weltkrieg. Und diese Polarität ist auch in der musikalischen Umsetzung zu spüren. Im gut 21 Minuten langen Titelstück erinnern die ozeanischen Klangwellen, die Sonar-Piepser, die Hafengeräusche an Enos Ambient-Schaffen auf Alben wie "On Land" (1982) oder "No Pussyfooting" (mit Robert Fripp, 1973). Doch die anfangs beruhigenden Elektronikflächen nehmen irgendwann einen bedrohlichen Charakter an. Nach sechs Minuten singt Eno mit seiner im Alter gereiften Stimme in tiefsten Tönen, eine Herausforderung für jeden Lautsprecher wie auch Raumklang und Frequenzumfang der elektronischen Komponenten später hört man Stimmen eines Sirenenchors und eine Frauenstimme, die etwas auf Katalanisch murmelt. So verbindet Eno erstmals die beiden Pole seines bisherigen Schaffens: Ambientstrukturen und Stücke mit Gesang, wobei er bei den beiden Werken auf "The Ship" herkömmliche Songstrukturen, wie man sie zuletzt auf "Another Day On Earth" (2005) hören konnte, auflöst. Noch intensiver als beim Titelstück gelingt ihm das im hymnischen Dreiteiler "Fickle Sun", mit dem er die Gräuel des Ersten Weltkriegs thematisiert. Sein melancholischer Gesang hat im gut 18 Minuten langen ersten Teil stellenweise Folk-Tönung oder ist mit Vocoder verfremdet. Dazu gibt es geisterhaftes Stimmengemurmel, Bläsersounds, Orgelklänge und perkussive Elemente, alles sehr eindringlich und ernsthaft inszeniert. Im zweiten Teil, "The Hour Is Thin", rezitiert der Schauspieler Peter Serafinowicz zu elegischer Klavierbegleitung einen Text, der die Kriegsbegeisterung und -ernüchterung thematisiert. Zum Abschluss kommt als dritter Teil die große Überraschung: Eno singt das Stück "I'm Set Free", das Lou Reed 1968 für The Velvet Underground schrieb - mit Streichern, Orgelsound und Gitarre ein emotionaler Höhepunkt, den man vermutlich auch als Gedenken an Enos verstorbene Freunde David Bowie und Lou Reed verstehen kann. "The Ship" ist ein Meilenstein in Enos Schaffen, sein bestes Album seit mindestens 15 Jahren, weil er sich damit auf neues kreatives Terrain begibt. Manfred Gillig-Degrave (Quelle/Copyright: G+J Entertainment Media)
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Beschreibung

Produktdetails


Medium Vinyl + Download
Anzahl 2
Erscheinungsdatum 29.04.2016
EAN 0801061027216
Genre Disco / Dance
Hersteller Rough Trade Distribution GmbH
Musik (Vinyl + Download)
23,79
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