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Über den Prozeß der Zivilisation I/II

Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abendlandes; Wandlungen der Gesellschaft, Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation

(1)
Die Soziologie des 20. Jahrhunderts hat die langfristigen Transformationen der Gesellschafts- und Persönlichkeitsstukturen weitgehend aus den Augen ver-loren. Im Werk von Norbert Elias sind gerade diese langfristigen Prozesse das zentrale Thema: Wie ging eigentlich die "Zivilisation" im Abendlande vor sich? Worin bestand sie? Und welches waren ihre Antriebe, ihre Ursachen oder Motoren?
Bei Elias' Arbeit handelt es sich weder um eine Untersuchung über eine "Evolution" im Sinne des 19. Jahrhunderts noch um eine Untersuchung über einen unspezifischen "sozialen Wandel" im Sinne des 20.; seine Arbeit ist grundlegend für eine undogmatische, empirisch fundierte soziologische Theorie sozialer Prozesse.
Die Kassette beinhaltet Band 1 (Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abendlandes) und Band 2 (Wandlungen der Gesellschaft. Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation).
Portrait
Norbert Elias, geboren am 22. Juni 1897 in Breslau als Sohn von Hermann Elias (gest. 1940 in Breslau) und Sophie Elias (gest. 1941 in Auschwitz), verbrachte bis 1915 seine Kindheit in Breslau. Von 1915 - 1917 folgte die Einberufung zum Militär, Einsatz als Funker an der Westfront. 1918 Beginn des Doppelstudiums der Medizin und Philosophie in Breslau, je ein Semester in Freiburg und Heidelberg. Ab 1922 Tätigkeit in einer Breslauer Eisenwarenfabrik. 1923 Abschlussprüfungen in den Hauptfächern Philosophie und Psychologie sowie den Nebenfächern Chemie und Kunstgeschichte.
Seit 1924 Doktor der Philosophie (bei Richard Hönigswald).
1925 - 1930 Umzug nach Heidelberg;
1928 "Gesellenstück"; Teilnahme am Deutschen Soziologentag in Zürich
1930 - 1933
Wechsel zur Soziologie und "inoffizieller Assistent" von Karl Mannheim in Frankfurt. Habilitation: "Die höfische Gesellschaft" wird erst 36 Jahre später veröffentlicht.
1933 Flucht aus Deutschland, nach vergeblichen Bemühungen um eine Universitätsstelle in der Schweiz vorläufiges Exil in Paris. Beginn der Arbeit an "Über den Prozeß der Zivilisation" 1935.
Nach einem nochmaligen Besuch seiner Eltern Übersiedlung nach London
Das "magnum opus" blieb drei Jahrzehnte nahezu unbekannt.
1940/41 Interniert auf der Ilse of Man.
1941 - 1954 Tätigkeit als Lehrer in der Erwachsenenbildung und Mitbegründung der Group Analytic Society.
1954 - 1962 Dozent für Soziologie an der Universität von Leicester.
1962 - 1964 Professur an der Universität von Ghana in Akkra.
Ab 1965 Verschiedene Tätigkeiten, hauptsächlich Gastvorlesungen, in den Niederlanden (Amsterdam, Den Haag) und Deutschland (Münster, Konstanz, Aachen, Frankfurt, Bochum).
1975 Mitarbeit im Zentrum für Interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld.
1977 Empfang des Theodor W. Adorno-Preises der Stadt Frankfurt für sein Gesamtwerk.
1984 Endgültige Niederlassung in Amsterdam.
Norbert Elias starb am 1. August 1990 in Amsterdam.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 1103
Erscheinungsdatum 15.06.1976
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-09934-6
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 157/99/10 mm
Gewicht 653
Auflage 26
Verkaufsrang 77.689
Buch (Taschenbuch)
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Standardwerk für Soziologen
von Daniel am 13.12.2006

Norbert Elias Werk Über den prozeß der Zivilisation sollte in keinem Bücherregal eines Soziologen fehlen. Elias geht auf moderne Systeme (besonders Deutschland und Frankreich) ein, macht jedoch auch einen historischen Abstecher bis in die abländische Kultur zurück. Elias schreibt für einen Theoretiker gut verständlich und dürfte auch für EInsteiger der... Norbert Elias Werk Über den prozeß der Zivilisation sollte in keinem Bücherregal eines Soziologen fehlen. Elias geht auf moderne Systeme (besonders Deutschland und Frankreich) ein, macht jedoch auch einen historischen Abstecher bis in die abländische Kultur zurück. Elias schreibt für einen Theoretiker gut verständlich und dürfte auch für EInsteiger der Fachrichtung durchaus lesbar sein.

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Prozess der Zivilisation 2
von Zitronenblau am 08.11.2010
Bewertetes Format: Buch (Taschenbuch)

Der zweite Band von Elias' Monumentalstudie zum Prozess der abendländischen Zivilisation ist grob in zwei Teile untergliedert. Zuerst erhält der Leser eine Geschichts-"Stunde" und damit Einblicke zur Soziogenese des Staates, d.h. der Entwicklung rational-bürgerlicher Herrschaftsformen nach Absolutismus und Feudalismus: Zentralisierung und Monopolisierung potenzieren Planbarkeit, also bewusste rationale Gestaltkraft. Im... Der zweite Band von Elias' Monumentalstudie zum Prozess der abendländischen Zivilisation ist grob in zwei Teile untergliedert. Zuerst erhält der Leser eine Geschichts-"Stunde" und damit Einblicke zur Soziogenese des Staates, d.h. der Entwicklung rational-bürgerlicher Herrschaftsformen nach Absolutismus und Feudalismus: Zentralisierung und Monopolisierung potenzieren Planbarkeit, also bewusste rationale Gestaltkraft. Im zweiten Abschnitt entwirft er seine Theorie der Zivilisation. Elias identifiziert eine Art Prinzip: "Es ist diese Verflechtungsordnung, die den Gang des geschichtlichen Wandels bestimmt." Der Einzelne ist gezwungen, sein Verhalten darauf abzustimmen. Elias entlarvt schon auch das faktische Nichtvorhandensein bzw. Anwesendsein der "Ratio" im soziogenetischen Figurationsprozess, "es gibt bestenfalls eine 'Rationalisierung'." (Triebregulierung, Affektreduktion, Scham und Peinlichkeit) Doch wieder drängt sich dem Leser die Frage auf: gab es nicht auch vor der Feudalzeit und den mittelalterlichen Herrschaftssystemen hochkultivierte, rationalisierte Gesellschaftstypen? Worin liegt nun also der Unterschied zu den heutigen Gesellschaften? Ist es die Ausdifferenzierung von Wissen und entsprechenden Machtzentren, also die vom Staat unabhängige Genese dezentraler Institutionen mit Verfügungsrechten innerhalb ihres Subsystems, das dem Gesellschaftssystem untergeordnet ist? Das Streben hin nach Monopolisierung im Wettbewerb muss ganz klar auch für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts argumentieren. Aber wieder wird nicht ganz deutlich, was Ursache ist, was Wirkung. Natürlich steht alles irgendwie in Abhängigkeit zueinander. Aber es MUSS einfach Gründe geben, die eine Folgeinterdependenz überhaupt erst verursachen. Elias bezeichnet z.B. die Technik als Folge. Ich bin damit nicht d'accord. Viele Fragen bleiben offen. Elias schließt wieder mit den psychogenetischen Phänomenen und seiner sehr interssanten Theorie von der vom Meschen gemachten Angst. Wie hoffnungsvoll ist doch aber seine letzte formale Evokation von "Glück" und "Freiheit": "ein dauerhaftes Gleichgewicht oder gar den Einklang zwischen seinen gesellschaftlichen Aufgaben, zwischen den gesamten Aufgaben, zwischen den gesamten Anforderungen seiner sozialen Existenz auf der einen Seite und seinen persönlichen Neigungen und Bedürfnissen auf der anderen."

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