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Wem nützt die »Aufarbeitung«?

Die institutionalisierte Abrechnung

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Krauß untersucht historisch-analytisch den Umgang mit der DDR-Vergangenheit im Rahmen der »Aufarbeitung«. Ausgehend von diesem Begriff entstand ein Netzwerk staatlich wie privat geförderter Akteure und Institutionen, das eine unübersehbare Fülle bedruckten Papiers produziert, sich in aktuelle Debatten einmischt und tiefgreifenden Einfluss nimmt. In Presse, Bildung und Wissenschaft hat sich ein zunehmend kritikloser Umgang mit seinen Repräsentanten und Ergebnissen eingebürgert. So scheinen mehr Fragen als Antworten zu entstehen - Fragen nach Funktionen, ideologischem Gehalt und Wirkweisen des Aufarbeitungsvorgangs. Der Autor geht dem nach und legt eine Arbeit an konkreten Fallbeispielen mit theoretischem Anspruch vor.
Portrait
Matthias Krauß, geboren 1960, aufgewaschen im heutigen Kreis Oberhavel, ist Journalist. Nach dem Studium in Leipzig war er von 1986 bis 1998 Redakteur der »Märkischen Volksstimme« im Bereich Jugendpolitik. Seit 1990 befasst er sich als freier Journalist vornehmlich mit der brandenburgischen Landespolitik und publiziert u.a. für »Junge Welt« und »Neues Deutschland«. Buchpublikationen u.a.: »Das Mädchen für alles Angela Merkel. Ein Annäherungsversuch« (2005), »Völkermord statt Holocaust« (2007). Daneben verfasste er mehrere Lateinamerika-Reportagen. Krauß lebt in Potsdam.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 208
Erscheinungsdatum 11.04.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-360-01877-9
Verlag Das Neue Berlin
Maße (L/B/H) 208/123/22 mm
Gewicht 236
Abbildungen mit Abbildungen
Auflage 1. Auflage
Buch (Taschenbuch)
12,99
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Aufarbeitung oder institutionalisierte Abrechnung? Eine lesenswerte Streitschrift zum Umgang mit der DDR-Geschichte
von j.h. aus Berlin am 27.04.2016

Seit über 25 Jahren ist die DDR Geschichte - der nach eigener Definition erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden, welcher in Anerkennung der Folgen des 2. Weltkrieges aus der sowjetischen Besatzungszone auf einem Viertel der Fläche Nachkriegs-Deutschlands entstand. Ihrer Gründung war jene eines westdeutschen Separatstaates innerhalb der drei... Seit über 25 Jahren ist die DDR Geschichte - der nach eigener Definition erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden, welcher in Anerkennung der Folgen des 2. Weltkrieges aus der sowjetischen Besatzungszone auf einem Viertel der Fläche Nachkriegs-Deutschlands entstand. Ihrer Gründung war jene eines westdeutschen Separatstaates innerhalb der drei westlichen Besatzungszonen vorausgegangen, die bereits mit der Währungsspaltung 1948 vorbereitet wurde. Die DDR war damit letztlich auch ein von den westlichen Besatzungsmächten erzeugtes Konstrukt und kein direktes Produkt Stalins. Diese Fakten werden stets vernachlässigt, wenn es darum geht, dem Staat DDR quasi rückwirkend jegliche Existenzberechtigung abzusprechen und die souveränen Aktivitäten seiner Institutionen zu Unrecht zu erklären. Es war eben die Justiz des Siegers, die ab 1990 in entsprechenden Fragen zu Gericht saß und jene verurteilte, die nach Recht und Gesetz eines international anerkannten Staates gearbeitet und entschieden haben. Eines Staates darüber hinaus, der an der Nahtstelle des Kalten Krieges besonders vielfältigen Agentenangriffen ausgesetzt war und dessen Existenz bis zu seinem Ende für die Erhaltung des Friedens in Europa von wesentlicher Bedeutung war. Der Journalist Matthias Krauß (*1960) stellt in seiner Streitschrift nicht in Abrede, dass in der DDR Unrecht geschah, sondern wirft einen entlarvenden Blick hinter die Kulissen der Aufarbeitung und deren Mechanismen, die die DDR allein auf jenes Unrecht zu reduzieren versucht. "Bei der heutigen Aufarbeitung in Deutschland geht es nicht um eine ausgewogene Darstellung der DDR-Geschichte. Es kommt vielmehr darauf an, ihre negativen Seiten ins Scheinwerferlicht zu zerren und wieder und wieder vorzuführen. Dabei ist es völlig gleichgültig, welchen Zwängen dieser Staat ausgesetzt war, was im Einzelfall auch für seinen Standpunkt gesprochen hat. Es ist für sie nicht von Belang, dass viele Gegner dieses Staates lange Zeit zu seinen eifrigen Befürwortern gehört haben." (S. 43) Und der Einfachheit halber wird der Westen als Vergleichsobjekt allein auf seine positiven Seiten reduziert. Es entsteht ein Geschichtsbild, das in seiner Objektivität der Prüfung jedes SED-Agitators Stand halten dürfte - nur eben um 180 Grad gedreht. An einigen Beispielen erläutert Krauß, wie wenig die Aufarbeitung in der betriebenen Art mit Wissenschaft gemein hat und kommt zu einem treffenden Vergleich: "Beide, der Historiker wie der Aufarbeiter, messen sich zu, die Arbeit des Historikers zu leisten. Und auch dies stimmt: Der Aufarbeiter nutzt Mittel, derer sich auch die historische Wissenschaft bedient. Der Aufarbeiter möchte sich als Historiker herausputzen, sein schönster Lohn wäre es, wollte die historische Wissenschaft ihn als einen der ihren betrachten und adeln. Das kann aber ebensowenig gelingen, wie es dem Agitator gelingen kann, als Wissenschaftler anerkannt zu werden. Mag er so viel mit "Wissenschaft" um sich werfen, wie er will." (S. 90) Dass Konvertierte in ihrer neuen Religion die Orthodoxen sind, ist eine nicht eben neue Weisheit. Zur Illustration veröffentlicht Matthias Krauß seinen 2006 entstandenen Offenen Brief an einen ehemals überdurchschnittlich engagierten DDR-Bürger, der mit entsprechender Kehrtwende in den letzten Jahren als Feuilleton-Journalist und Autor überaus erfolgreich war. Da die Aussagen durchaus allgemeingültig sind, sei der prominente Name hier nicht genannt. Der Untertitel "Streitschrift" des in der edition ost erschienenen Buches sagt schon aus, dass es dem Autor nicht um eine rein objektive Auseinandersetzung mit der von Seiten des Siegers praktizierten "Aufarbeitung" der Geschichte des Unterlegenen geht. Vielmehr wirft WEM NÜTZT DIE AUFARBEITUNG? engagiert, polemisch und gelegentlich durchaus übertreibend ein Schlaglicht auf ein Thema, dessen Debatte längst überfällig ist.

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