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Wie Ihr wollt

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015 (Shortlist)

(5)
»Wie Ihr wollt« – in dieser bitterbösen wie hochkomischen Geschichte geht es um Gunst und Anerkennung und darum, wie sehr wir davon abhängig sind. Eine Frau will sich Gehör und Aufmerksamkeit verschaffen, begehrt auf gegen die Flüchtigkeit von Macht in den sozialen Netzwerken ihrer Zeit: September 1571: Elisabeth I. herrscht in England, und Mary Grey ist wütend. Sie ist sechsundzwanzig, kleinwüchsig, hat einen Thronanspruch und keine Geduld mehr. Seit einigen Jahren steht sie unter Hausarrest, da sie ohne die Erlaubnis ihrer königlichen Cousine geheiratet hat. Ihr Ehemann stirbt und auch sonst sind sie alle tot: ihre Schwestern Jane und Katherine und ihre Eltern, einige von ihnen hingerichtet. Mary Grey will die Kontrolle über ihr Leben zurück, einen eigenen Haushalt und das Sorgerecht für ihre Stiefkinder. Doch nichts passiert, und anstatt das still hinzunehmen und sich anzupassen, begehrt sie auf gegen das System Königshof, seine Zufälligkeiten, seine Willkür und Unfreiheit, seine mühsamen Rituale und ökonomischen Zwänge. Sie beginnt, sich Notizen zu machen, die Vergangenheit aufzureihen, sie so zu erzählen, dass es recht ist. Nur um zu dem Schluss zu kommen, dass ihr und ihrer Familie Handeln ebenso amoralisch war, wie das aller anderen. Dass sie die Rituale mochte. Dass Gunst wie eine warme Perle ist, die im Magen aufbricht und in alle Glieder strömt. Und dann ist da auch noch Ellen ...
Meisterhaft zeichnet Inger-Maria Mahlke am Beispiel des historischen Versuchs einer Selbstbehauptung einmal mehr ein beeindruckendes Porträt der Gegenwart.
»Inger-Maria Mahlke erzählt ebenso unbarmherzig wie liebevoll.« Thomas Hettche
Rezension
Marion Hirsch, Literatur-Expertin Thalia
Das sagt die Literatur-Expertin:
"Ich brauchte ein wenig Anlauf, um hineinzukommen in die Welt, die dieses Buch eröffnet. Alle Figuren, die hier vorkommen - bis auf eine, die Dienerin Ellen - haben wirklich gelebt. Und doch ist dieses Buch keiner der 'üblichen' historischen Romane. Denn hier schreibt Mary Grey, kleinwüchsig und bucklig, ein 'Wesen' oder 'Monster' für ihre Umwelt, über all die Intrigen und wenig zimperlichen Vorgänge im England des 16. Jahrhunderts. Mary ist belesen und stand mit ihren Schwestern in der Thronfolge. Doch durch ihre äußere Gestalt kam sie nicht wirklich für den Thron infrage und brachte sich durch eine unerlaubte Heirat ins gesellschaftliche 'Off' plus Hausarrest. Inger-Maria Mahlke präsentiert uns hier zum einen ein Kammerspiel zwischen Mary Grey und ihrer Dienerin Ellen und zum anderen eine scharfsichtige Beschreibung der Spielregeln der Gesellschaft ... damals wie heute aktuell. Ein sehr besonderer Roman, anfangs für mich sperrig, doch dann war ich begeistert."
Portrait
Inger-Maria Mahlke, geboren 1977 in Hamburg, wuchs in Lübeck auf, studierte Rechtswissenschaften an der FU Berlin und arbeitete am Lehrstuhl für Kriminologie. Preisträgerin des 17. Open Mike 2009 sowie des ersten Debütpreises des HarbourFront-Literaturfestivals 2010 für ihren Roman »Silberfischchen«. 2012 Ernst-Willner-Preis bei den »Tagen der deutschsprachigen Literatur« in Klagenfurt für einen Auszug aus ihrem zweiten Roman »Rechnung offen«, der im Frühjahr 2013 im Berlin Verlag erschien, von Kritik und Lesern gefeiert und 2014 mit dem Karl-Arnold-Preis der Akademie der Künste und Wissenschaften von NRW ausgezeichnet wurde. Ihr neuer Roman »Wie ihr wollt« wurde für die Longlist des deutschen Buchpreises 2015 nominiert. Sie lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 272
Erscheinungsdatum 09.03.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8270-1213-5
Verlag Berlin Verlag
Maße (L/B/H) 187/138/30 mm
Gewicht 415
Abbildungen schwarz-weiss Illustrationen
Auflage 3. Auflage
Buch (gebundene Ausgabe)
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Inger-Maria Mahlke gibt einer jungen Frau eine - manchmal trotzige, manchmal humorvolle - Stimme, die in ihrem Leben nie gehört wurde. Ein Roman, der seinem Leser einiges abverlangt, jedoch tiefsinnig vor Augen führt wie eng Politik und Intrige, Macht und Unglück miteinander verstrickt sind!

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Anspruchsvoll, aber einmal etwas anderes
von vielleser18 aus Hessen am 24.03.2015

Heinrich VIII, wer kennt ihn nicht ? Als er stirbt beerbt ihn sein Sohn Eduard. Doch dieser ist erst noch jung und dann ziemlich kränklich. Sollte er keine Erben hinterlassen, wer folgt ihm dann auf den Thron ? Die katholische Mary Tudor, Tochter Heinrichs VIII mit seiner ersten... Heinrich VIII, wer kennt ihn nicht ? Als er stirbt beerbt ihn sein Sohn Eduard. Doch dieser ist erst noch jung und dann ziemlich kränklich. Sollte er keine Erben hinterlassen, wer folgt ihm dann auf den Thron ? Die katholische Mary Tudor, Tochter Heinrichs VIII mit seiner ersten Frau, oder Elizabeht, Tochter von Anna Boleyn ? Aber es gibt ja Zweifel, ob diese Frauen nicht doch Bastarde sind, dann erben Nebenlinien. Eine davon ist die Familie Grey, die drei Töchter hat. Jane, die Älteste, Kathrine und die kleinwüchsige Mary. Inger-Maria Mahlke hat eine (mir bis dahin unbekannte) Person eine Sprache gegeben, die es in ihrem Leben nie einfach hatte. Materiell war sie zwar in Kindheit und Jugend gut ausgestattet, lebte am Hof, dennoch wird sie nie als vollwertig angesehen, misstrauisch beäugt, als Monster verschrieen. 1871, Elizabeth ist mittlerweile Königin von England, ist sie, weil sie dennoch eine "Wahrscheinlichkeit", eine mögliche Thronanwärterin, ist, bei der Familie Gresham "in Gewahrsam" gegeben, was nichts anderes heißt, als dass sie dort unter Hausarrest steht. Ihr bleiben zwei Zimmer und Ellen, ihre Dienerin ..... und ihr Journal, in dem sie ihre Erinnerungen festhält. Inger-Maria Mahlke skizziert eindrücklich die Leere, die bedrückende Situation von Mary, die manchmal wütend, manchmal kindisch, aber meist machtlos reagiert. Mary sinnt über ihre Möglichkeiten nach, was bleibt ihr? Wozu ist sie fähig ? Und ohne Geld und ohne Hilfe ist sie hilflos, das wird ihr schnell klar. Immer wieder werden die Passagen Marys unterbrochen von den Rückblenden, vom Aufstieg und vom tiefen Fall der Familie Grey. Mary wurde mitgerissen - mitgehangen und mitgefangen, obwohl sie das wenigste dazu beigetragen hat. Im besten Fällen wurde sie am Hof nicht beachtet, von ihren Menschen begafft, wurde sie ausgegrenzt von den Aktivitäten ihrer Schwestern, oder von anderen als Monster angesehen. Gerade diese Rückblenden sind so ganz anders, als "normale" Rückblenden. Die Autorin skizziert Alltagssituationen, politische Schachzüge, gekrönte und geköpfte Herrscher und legt dabei nicht nur tragische Situationen dar, sondern arbeitet an vielen Stellen auch mit viel Wortwitz . Man sollte auf jeden Fall erst am Ende das Personenregister nachlesen, sich den Stammbaum auf den Innenseiten anschauen, das hilft, denn viele Personen spielen hier mit. Man muss aufmerksam lesen, man kann nicht über den Roman fliegen. Es ist keine Biographie von Mary, sondern ein anspruchsvoller historischer Roman, aus der Sicht von Mary Grey. Einmal eine andere Sicht und eine andere Erzählweise, die mir gefallen hat !

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Mary – spitzzüngig und trotzig?
von Sikal am 09.04.2015

1571 – Mary Grey steht unter Hausarrest, weil sie ohne Erlaubnis ihrer Cousine Königin Elisabeth I. geheiratet hat. Sozialen Kontakt hat sie nur mit ihrer Bediensteten Ellen und den Eigentümern des Hauses, der Familie Gresham. Während John versucht, ihr einige Wünsche zu erfüllen, kommt es mit der „Alten“ laufend... 1571 – Mary Grey steht unter Hausarrest, weil sie ohne Erlaubnis ihrer Cousine Königin Elisabeth I. geheiratet hat. Sozialen Kontakt hat sie nur mit ihrer Bediensteten Ellen und den Eigentümern des Hauses, der Familie Gresham. Während John versucht, ihr einige Wünsche zu erfüllen, kommt es mit der „Alten“ laufend zu Konflikten. Auch Ellen hat es nicht leicht mit Mary, die ihre Wut an der Hilflosigkeit ihres Daseins an ihr auslässt und auch mal mit Gegenständen um sich wirft. Nach dieser langen Zeit im Hausarrest beginnt Mary zu schreiben, einerseits ein Journal über ihre täglichen Erlebnisse, Streitereien mit Ellen oder auch dem Küchentratsch. Andererseits schreibt sie einen Rückblick über ihre Tudor-Verwandtschaft, den Höhen und Tiefen ihrer sehr speziellen Familie und den Grausamkeiten ihrer eigenen Schwestern, die Mary Grey als Aussätzige oder Monster sahen. Durch ihren Kleinwuchs und ihren Buckel war sie Zeit ihres Lebens unsichtbar, nicht wahrgenommen von ihrer Familie, nicht von ihrem Mann und schon gar nicht von IHR, der Königin. Seit dem Tod ihres Mannes wartet sie auf Nachricht, auf ein Ende des Hausarrests und auf ein eigenständiges Leben. Doch SIE lässt sich alle Zeit der Welt… Die Autorin, Inger Maria Mahlke hat durch dieses Buch Mary eine (fiktive) Stimme gegeben, ein sichtbares Zeichen durch ihren Tagebuchstil in jedes einzelne Kapitel gelegt. Inger Maria Mahlke ist keine Historikerin und hat somit auch keinen historischen Roman geschrieben, sondern eine persönliche Geschichte der Mary Grey, die zeitlebens mit einem „Wie IHR Wollt“ konfrontiert war und nie mit einem „Wie ICH Will“. Der Schreibstil ist außergewöhnlich anders, benötigt vollste Konzentration des Lesers – kein zwischendurch mal schnell ein Paar Seiten lesen. Einige Zeit hat es gedauert bis ich mich eingelesen hatte, doch letztendlich hat mir das Buch gut gefallen. Von Vorteil ist es natürlich, wenn man sich im Vorfeld mit den Tudors, sämtlichen Nebenzweigen und Thronfolgen ein wenig befasst. Ansonsten hilft auch der Stammbaum zu Beginn bzw. die Namenfolge gegen Ende des Buchs. Ein Buch über den Wunsch nach Selbstständigkeit, Anerkennung und diversen Machtspielchen sowie vielen Ängsten. Einige Episoden könnten auch in der heutigen Zeit passieren. Fazit: Ein anspruchsvoller Roman über eine außergewöhnliche Frau.

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Das Leben einer Frau
von solveig am 24.03.2015

Im Nebel vergangener Zeiten und historischer Ereignisse geriet sie fast in Vergessenheit: Mary Grey, jüngste von drei Töchtern des Herzogs von Suffolk und eine mögliche Thronfolgerin des kranken englischen Königs Edward. Kleinwüchsig und bucklig wird sie von ihren Zeitgenossen als Monstrosität gesehen; ihr Verstand aber ist hellwach und gewitzt.... Im Nebel vergangener Zeiten und historischer Ereignisse geriet sie fast in Vergessenheit: Mary Grey, jüngste von drei Töchtern des Herzogs von Suffolk und eine mögliche Thronfolgerin des kranken englischen Königs Edward. Kleinwüchsig und bucklig wird sie von ihren Zeitgenossen als Monstrosität gesehen; ihr Verstand aber ist hellwach und gewitzt. Die Autorin übergibt Mary gewissermaßen die Feder und lässt sie in Tagebuchform drei Monate ihrer Zeit in Bishopsgate aufzeichnen, wo sie im Jahre 1571 auf Befehl Elizabeths I. unter strengem Hausarrest steht. Wie sehr die zu der Zeit 26jährige darunter leidet, ihr Leben nicht selbst bestimmen zu können, sondern stets von den Entscheidungen anderer abhängig ist, macht sie in teils resignierenden, teils sarkastischen Bemerkungen deutlich. Beschreibungen ihrer aktuellen Situation wechseln mit Marys geheimen Aufzeichnungen über ihre eigene Vergangenheit, stets verflochten mit der Geschichte und den Thronstreitigkeiten des englischen Königshauses seit dem Tod ihre „großen Onkels“, Heinrichs VIII. Tudor. Mit einem klaren Blick für politische Realitäten und viel Menschenkenntnis zeigt sie Intrigen und Machtspiele am Hof auf. Intelligent und einfallsreich erzählt die Autorin aus Marys sehr persönlicher Sicht von den politischen und religiösen Gegebenheiten und ihrer eigenen damit verbundenen Situation. Die Form des Tagebuchs hebt dabei den sehr privaten, intimen Charakter hervor. Mahlke bedient sich einer „modernen“ Sprache, die sehr direkt ist und keinesfalls dem höfischen Ton entspricht. Auch das trägt zur Intimität bei und schlägt zudem einen Bogen vom 16. Jahrhundert zur Moderne. Denn die Themen Macht, das Verstricktsein in Intrigen und die politischen Opfer sind noch genauso aktuell wie zu Zeiten Elizabeths I. Dass sich der Titel des Romans an Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ anlehnt, legt deren Hauptmotiv, die Suche nach Identität, auch als ein wichtiges Thema des Romans nahe, ebenso wie Marys verzweifelte Suche nach Bewahrung ihrer Individualität. Inger-Maria Mahlke gibt mit diesem Roman Mary Grey eine Stimme, stellvertretend für viele Frauen, die über den „wichtigen Dingen“ der Weltgeschichte vergessen wurden. Ein anspruchsvoller Roman, der ein wenig Kenntnis der englischen Renaissance voraussetzt.

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Historischer Roman mal anders
von Xirxe aus Hannover am 16.07.2016

Mary Grey, englische Adlige und mit dem Makel der Kleinwüchsigkeit gezeichnet, hat sich das Missfallen der Königin Elisabeth I. zugezogen und lebt seit Jahren in Haft. Während ihr zu Beginn die Familien, bei denen sie unter Hausarrest gestellt wurde, wohlgesinnt waren, sind die Greshams (ihre aktuellen 'Aufpasser') alles andere... Mary Grey, englische Adlige und mit dem Makel der Kleinwüchsigkeit gezeichnet, hat sich das Missfallen der Königin Elisabeth I. zugezogen und lebt seit Jahren in Haft. Während ihr zu Beginn die Familien, bei denen sie unter Hausarrest gestellt wurde, wohlgesinnt waren, sind die Greshams (ihre aktuellen 'Aufpasser') alles andere als glücklich über ihre Anwesenheit und lassen sie es deutlich spüren, königliche Abstammung hin oder her. Inmitten dieser unschönen Verhältnisse beginnt das Buch und während sich die Tage der Gefangenschaft nahezu ereignislos aneinanderreihen, berichtet Mary Grey, wie sie sie erlebt. Langeweile umgibt sie und als sie erfährt, dass ihr Ehemann gestorben ist und damit nahezu der Letzte ihrer Familie, beschließt sie, ihr Leben selbst in Worte zu fassen, damit etwas von ihr bleibt. Denn sonst ist da niemand mehr, der es tun könnte. So wechseln sich ihre bisherige Lebensgeschichte, besser: die ihrer Familie, in der sie aufgrund ihrer Behinderung nur so am Rande 'mitlief' mit der Beschreibung ihrer Tage in Gefangenschaft ab. Es ist ein sehr eigentümlicher Ton, in dem erzählt wird. Oft werden Sätze nur angerissen und nicht beendet; es gibt Momentaufnahmen, bei denen (mir) unklar ist, wo und/oder mit wem sie sich ereignen. Und obwohl Marys Gegenwart in der Ich-Perspektive erzählt wird, blieb sie mir merkwürdig fremd. Zu unverständlich ist mir ihr Verhalten, das durch nichts erklärt wird. Einerseits eine verheiratete, nunmehr verwitwete Frau, andererseits ein Verhalten wie eine Fünfjährige: wirft ihrer Dienerin Sachen an den Kopf, bockt und will ihre Schuhe nicht anziehen (Schuhkrieg!). Dass sie aufgrund ihrer Vergangenheit (keine Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung...) mit Sicherheit jede Menge psychische Schäden davon getragen hat, mag manches erklären, und dennoch bin ich ihr kaum nahe gekommen. Vielleicht ist es der Mangel an Emotionen in dem Erzählten, weder mit Anderen noch mit sich selbst. Ebenfalls schwer tat ich mich mit dem weiteren 'Personal' der Geschichte. Die Verwandschaftsverhältnisse empfand ich recht verwirrend und da viel nur in kurzen Ausschnitten erzählt wurde, war ich immer wieder am Rumrätseln, wer nun gemeint sei. Der Stammbaum auf den inneren Umschlagseiten war teilweise hilfreich ebenso wie der Anhang, aber es blieben immer noch eine ganze Menge Fragen übrig. Und wie aus Katholiken und Protestanten Anglikaner geworden sind, ist mir jetzt vollständig unklar. Aber das wäre dann ein Thema für das nächste Buch, das ich lesen sollte ;-) Alles in allem eine ungewohnte Lektüre, die nicht schlecht war, mich aber aufgrund der verwirrenden Politik-, Religions-, Verwandtschafts- und sonstigen Verhältnisse sowie der unzugänglichen Protagonistin nicht völlig begeistern konnte.

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