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Bilbo Calvez

Bilbo Calvez über ihren Werdegang und den Weg zu ihrem Roman

Aufgewachsen bin ich in einem Pariser Vorort. Mit 22 und einem Master in Genetik (Maitrise de Biologie des organismes et des populations) in der Tasche zog ich 1985 nach Berlin, da ich von meinem Pantomimenpartner gehört hatte, dass man dort kein Geld zum Überleben braucht. Zwischen meinen Jobs in Paris als Briefträgerin, Mathelehrerin und Pantomime in Montmartre – plus Studium und ehrenamtlicher Arbeit in einem Radiosender – hatte ich schlichtweg kaum noch Zeit zum Schlafen. In Berlin brauchte ich tatsächlich wenig Geld, um zu überleben und schaffte es sogar, ohne einen Cent einen 16mm-Kurzfilm zu realisieren. Es folgten mehrere Filme, darunter ›Schön, dass wir nicht, wie die anderen sind‹, der beim Wettbewerb der Grünen ›und fremd bist du‹ den 4.Platz erhielt und ›Rhythm Control‹, der bei den Oberhausener Kurzfilmtagen den ersten Platz bekam. Dann hörte ich, dass RiasTV Mitarbeiter suchte und wurde dort als Cutterin eingestellt. Nach einem Jahr kündigte ich, und arbeitete zukünftig als freiberufliche Cutterin.

Mehr als 25 Jahre lang fuhr ich dann mit 80 kmh auf der Autobahn des Lebens. Nur darauf achtend, dass ich rechtzeitig an Treibstoff kam: Geld. Ich starrte gerade aus und sah keine Ausfahrt, suchte allerdings auch nicht danach. Es war nicht besonders aufregend, aber auch nicht besonders schrecklich und es hätte noch Jahre lang genauso weiter gehen können. Nun, 2012 geschah doch etwas: Ich wurde von einer Produktionsfirma so unverschämt behandelt, dass ich entschied, den Beruf der Filmschnittmeisterin an den Nagel zu hängen. Kurz: die Autobahn zu verlassen. Ohne GPS und ohne Orientierungssinn. Zum Teufel mit dem Geld, irgendwie werde ich schon überleben.

Nachdem ich zwei Kunstprojekte abgeschlossen hatte „Publik-Privat“ über Gesichts- und Gehirnasymmetrie und “Faces of Love” über Langzeitliebesbeziehungen, begann ich, mich immer mehr mit dem Thema Geld auseinanderzusetzen. Es wurde deutlich, wie sehr Geld unsere Umwelt beeinflusst und das Leben aller Menschen, aller Lebewesen. Stress und Konkurrenz sind nur zwei der negativen Resultate.

Bald kam mir die Überlegung „Wie wäre es, wenn es gar kein Geld gäbe?“. Ich meine damit nicht, dass wir alle zurück in die Wildnis gehen und nur vom Austausch leben sollen. Austausch wäre eigentlich auch Geld, nur wäre das unpraktischer und komplizierter. Gegen die natürliche Neugier des Menschen zu kämpfen, also gegen Entwicklung, Fortschritt und Technik, wäre meiner Meinung nach auch absurd und würde nicht von Dauer sein. Nun, als ich zu dieser Zeit die Idee erläuterte, reagierten die meisten hochallergisch, um nicht zu sagen: panisch. Eine klare Vision fehlte. 2014 hielt ich deshalb als Zeitreisende eine Rede vor dem Brandenburger Tor in Berlin, in der ich eine Zukunft beschrieb, die in einer Gesellschaft ganz ohne Geld, Kriege, Grenzen und Regierungen funktioniert.

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