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Tobias Jones

Tobias Jones ist Autor von sieben früheren Büchern, darunter The Dark Heart of Italy, Blood on the Altar und A Place of Refuge. Er hat Dokumentarfilme für die BBC und den italienischen Staatssender RAI geschrieben und präsentiert und war Kolumnist für den Observer und Internazionale. Er ist Mitbegründer von Windsor Hill Wood und gelegentlicher Mittelfeldspieler für die Fussballmannschaft der England Writers. Er lebt in Parma, Italien.

ULTRA von Tobias Jones

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ULTRA

ULTRA

Buch (Gebundene Ausgabe)

ab 19,90€

Zu den Mythen der Ultrabewegung gehört der Ursprung ihres Namens.
Eine davon erzählt, wie die Fans von Torino nach einer Niederlage den
Schiedsrichter bis zum Flughafen verfolgten. Sie waren nach den Worten
eines Journalisten ultra, also extrem oder jenseits von.
Dieses Jenseits wohnt der Bewegung seitdem inne, sowohl in positiver wie
auch negativer Hinsicht und sorgt bis heute dafür, dass sie polarisiert. In
seinem Werk arbeitet sich Tobias Jones an diesem Widerspruch ab und
legt beide Pole offen.
Zuerst am Beispiel von Cosenza, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz
im italienischen mezzogiorno. Eine Stadt, deren Geschichte nicht nur mit
der Antike verknüpft ist, sondern auch mit der Neuzeit, insbesondere
durch die italienische Ultrabewegung.
In Cosenza geht Ultra um mehr. Um eine Bewegung, die mehr ist als die
Show im Stadion und die Schlagzeilen in der Boulevard-Presse, nämlich
grundlegend solidarisch, in die Gesellschaft hineinreichend. Damit stehen
die Ultras von Cosenza jenseits des verkommenen italienischen Fußballs,
bzw. dem modernen Fußball mit seinen turbo-kapitalistischen Ausprägungen,
der sich gegenüber den Ultras in stetiger Repression zeigt: Hier
noch ein Stadionverbot, da noch eine Auflage, und diese Zaunfahne ist
übrigens auch verboten.
Die Fallstudie der Ultras von Cosenza kontrastiert Tobias Jones mit dem anderen
Extrem der Bewegung, wo sie sich mit dem Jenseits, dem Abgründigen
des modernen Fußballs gemein macht und es sogar verkörpert. Die rechtsextreme
Politik, die mafiösen Verstrickungen, das Ultra-Business.
Das dritte Jenseits handelt von Drogen, der Gewalt und letztlich auch den
zahlreichen Toten der italienischen Ultrabewegung und ihrem Gedenken,
im religiösen Sinne, im Jenseits.
Bei uns als Ultras hat es bereits im zweiten Kapitel „klick“ gemacht, als
es um das Gruppentreffen in der Casa degli Ultrà geht, dem besetzten
Haus, das die Ultras der curva sud zu ihrer Zentrale gemacht haben. Direkt
hinein in die Welt der Ultras von Cosenza, live und in Farbe. Ein
heruntergekommenes Schulgebäude, von den Ultras wiederhergerichtet,
alles rot und blau. Die Diskussionen über die nächste Auswärtsfahrt, die
dann in einer allgemeinen Debatte darüber enden, wie und von wem Entscheidungen
getroffen werden. Die Anarchie einer Ultragruppe, alles ein
Chaos, aber alles voller Energie und für ein gemeinsames Ziel, wobei auch
der Weg das Ziel sein kann.
Eine Gruppe, die unvorhersehbar ist. „Du weißt nie wie viele sie sind, wann
sie abfahren oder ankommen, sie kommen aus dem Nichts und vor allem bezahlen
sie ihre Tickets nicht.“ Aber auch: „Dieses Überraschungselement ist
nicht strategischer Natur. Es ergibt sich deshalb, weil sie selbst nicht wissen,
wann oder wo sie anrollen. Vereinbarungen sind so fest wie Butter in der Sonne“.
Der Spirit einer Stadt, der sich in ihrer Ultrabewegung widerspiegelt.
Dieses Jenseitige war unsere persönliche Motivation, dieses Buch auf
Deutsch zu verlegen, „um das Beispiel der Ultras von Cosenza ins Bewusstsein
der Leute zu bringen, zum Wohle der großartigsten Jugendbewegung, die
Deutschland jemals erlebt hat. Wenigstens in unseren Augen, wobei tausende
Andere vermutlich zustimmen würden“. So der Wortlaut in unserem Austausch
mit Autor Tobias und seiner Verlegerin Claire, denen wir an dieser
Stelle zu großem Dank verpflichtet sind.
Auch nach unzähligen Stunden der Übersetzung, des Lektorats, des Layoutens
hat sich an unserer Aussage nichts geändert. Wir hoffen, mit diesem
Buch allen Leserinnen und Lesern – Ultras oder nicht – einen Teil
der Welt der italienischen Ultrabewegung zugänglich zu machen, neue
Perspektiven zu eröffnen und natürlich auch die eigene Meinung weiter
zu entwickeln.

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