Warenkorb
 

Bewerter

Karin Wenz-Langhans aus Limbach

Gesamte Bewertungen 170 (ansehen)


Meine Bewertungen

Von dem Griff nach den Sternen

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 23.06.2019

In den 1950er Jahren wächst Juni auf dem Flugplatz in New Orleans auf. Sie kann sich nichts tolleres vorstellen, als in einem Flugzeug zu fliegen, etwas, das durch ihren Stiefvater Ben möglich ist. Aber Juni will noch mehr: sie will zu den Sternen fliegen. In den 1960er Jahren ist ihr Traum zum Greifen nah: zusammen mit zwölf anderen Frauen wird sie zu einem Astronauten-Training der NASA zugelassen. Die verantwortlichen Forscher wollen beweisen, dass Frauen im All durchaus Vorteile gegenüber ihren männlichen Kollegen haben. Die Tests sind hart, aber die Frauen halten durch und erzielen hervorragende Ergebnisse.

Egal, ob man damals schon gelebt hat oder nicht, aber jeder weiß von der ersten gelungenen Mondlandung der Amerikaner im Jahr 1969. Und dass die Astronauten damals ausschließlich Männer waren. Was weniger bekannt ist, dass es Jahre zuvor ein Astronauten-Training gab, bei dem auch Frauen zugelassen waren, da einzelne Forscher beweisen wollten, dass Frauen von der Fitness mit den männlichen Astronauten mithalten können und zudem noch erhebliche Vorteile beim Flug in einem engen Raummodul mit sich bringen.

Genau dieses Thema greift Maiken Nielsen auf und verpackt es in einem großartigen Roman. Dabei steht die junge Juni im Mittelpunkt, deren Lebensweg der Leser von ihrer Geburt in Deutschland über die Flucht nach Frankreich und schlussendlich in die USA verfolgt.

Juni ist ein sonniges Kind, das nur so vor Energie sprüht: sie ist ständig am Rennen oder Springen und es ist schnell klar, dass sie über eine außergewöhnliche Konstitution verfügt. Es verwundert daher nicht, dass sie die Fliegerei schnell erlernt und einige Erfolge dabei erlangt. Als sie dann andere bekannte Pilotinnen der USA kennenlernt, fühlt sie sich im siebten Himmel: endlich ist sie unter Frauen, die alle die gleiche Leidenschaft teilen. Und diese Frauen sind auch ziemlich stark: sie leben nicht nur für die Fliegerei, sie bringen nicht selten dabei auch noch Beruf und Familie unter einen Hut – und müssen sich doch immer wieder gegen ihre männlichen Kollegen beweisen.

Dass diese starken Frauen schlussendlich zu dem Astronauten-Training der NASA für Frauen zugelassen werden, muss eine logische Konsequenz sein. Und das Training, welches sie bestreiten, ist wirklich mörderisch. Aber die Frauen sind bereit, für ihren Traum, ins All zu fliegen, alles aufzugeben und in das Training zu stecken. Bis man ihnen dann eröffnet, dass Frauen nicht ins All fliegen werden.

Es geht aber nicht nur um den Traum des Fliegens, sondern auch um Junis Geschichte und Herkunft, die ihre Mutter Martha aus guten Gründen lange vor ihr geheimhält. Als es jedoch an der Zeit wäre, ihr die Wahrheit zu sagen, schafft Martha einfach nicht die Kurve, bis es beinahe zu spät ist.

Unterbrochen wird die Handlung immer wieder durch Absätze, die von der Mondlandung handeln: vom Start von Apollo 11 bis zur Landung auf dem Mond, was mir sehr gut gefallen hat. Die Dialoge entstammen dabei historischen Aufzeichnungen.

Space Girls - Maiken Nielsen
Space Girls
von Maiken Nielsen
(7)
eBook
19,99

Der zweite Fall für Eddie und Zombie

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 23.06.2019

Nachdem Eddie erfährt, dass ihr vermeintlicher Gegner Zombie aus dem ersten Band ausgerechnet ihr Nachbar und Vater der Freundin von Eddies Tochter ist, weiß sie erstmal nicht so recht, was sie davon halten soll, immerhin hat dieser finstere Typ ihre eine ganz schöne Angst eingejagt. Als Jo alias Zombie in Notwehr zwei Angreifer tötet, gerät er wiederum in den Fokus der Polizei und unter Mordverdacht. Während Zombie ausgerechnet in der Suchtklinik untertaucht, vor der es zu dem tödlichen Zwischenfall kam, ist Eddie jedoch davon überzeugt, dass ihr Nachbar die Wahrheit sagt und setzt alles daran, um diese ans Tageslicht zu bringen.

Nach dem tollen ersten Band „Jenseits von Wut“ war ich natürlich sehr gespannt, wie es mit Eddie und Zombie weitergehen wird, zumal sich herausstellt, dass die beiden ausgerechnet Nachbarn sind. Und dass Mütze, Eddies Nachbarin und Freundin, Zombie fast ihr ganzes Leben schon kennt und vertraut, wirkt dann doch auch etwas beruhigend auf Eddie.

Was mir an Eddie neben ihrem Instinkt und gutem Gespür für die polizeilichen Fälle besonders gut gefällt, ist ihr Gerechtigkeitssinn. Obwohl ihr Jo/Zombie nicht ganz geheuer ist, ist es für sie keine Frage, seine Unschuld zu beweisen, als es darum geht, ob Jo in Notwehr zwei Angreifer getötet hat oder nicht. Eddies Kollege Adrian, der Jo seit ihrem ersten Aufeinandertreffen auf dem Kieker hat, ist davon überzeugt, dass Jo vorsätzlich gehandelt hat.
Jo taucht zwischenzeitlich in der Suchtklinik unter, in der es zu den Zwischenfällen kam, und versucht, direkt vor Ort an Informationen zu kommen.

Jo wirkt im Gegensatz zum ersten Band doch recht verändert, der Tod seiner Schwester und die Schuld, die sie zuvor auf sich geladen hat, haben ihn in eine handfeste Depression fallen lassen und er hat Probleme damit, sich aus dieser Finsternis, die ihn zu verschlingen droht, herauszukämpfen. Natürlich flackert seine Wut auch in diesem zweiten Band immer wieder auf, aber er reflektiert diesmal vermehrt sich selbst und sein Handeln.

Es kommt diesmal zu einer Entwicklung, mit der ich, wenn überhaupt, erst im dritten Band gerechnet hatte, daher freue ich mich zwar einerseits auf den dritten und letzten Fall von Eddie und Zombie, aber gleichzeitig habe ich auch ein wenig Furcht vor dem Ende – wer das vorliegende Buch kennt, weiß warum.


Jenseits von schwarz - Lucie Flebbe
Jenseits von schwarz
von Lucie Flebbe
(13)
eBook
9,99

Die Belagerung von Bernstadt

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 23.06.2019

Im vierten Teil der Gerwod-Reihe steht die Belagerung und der Kampf um Bernstadt im Mittelpunkt. Im Norden wird die Stadt von den Küstländern belagert, die den Aussagen des Heilswart Gero glauben, dass der Statthalter von Bernstadt mit dem bösen Zauberer Teramon gemeinsame Sache macht, ohne zu wissen, dass Gero selbst unter dessen Einfluss steht. Zudem glauben die Küstländer, eine gute Chance zu haben, Bernstadt in ihren Machtbereich eingliedern zu können – und haben dabei keine Ahnung, über welche finsteren Verbündeten Teramon verfügt.

Die Leser – und die Bernstädter – wissen, dass die Bernstädter und Küstländer besser ihre Kräfte gegen Teramon und seine Skelettarmee, die im Süden von Bernstadt lauert und abwartet, bündeln sollten, statt sich gegenseitig zu schwächen. Ich habe natürlich die ganze Zeit gehofft, dass Marschall Ruger von den Küstländern auch noch rechtzeitig zu dieser Einsicht gelangt.

In diesem vierten Band wird sehr viel gekämpft, aber der Autor schafft es, diese Szenen spannend und lebendig zu beschreiben. Dazu trägt auch bei, dass er den Fokus immer wieder auf einzelne Soldaten auf beiden Seiten und deren Schicksal lenkt. Dabei betreten einige neue Charaktere die Bühne, von denen ich gehofft habe, dass sie das Ende des Buches überleben und dann hoffentlich in den folgenden Bänden noch eine Rolle spielen werden.

Bei den Kampfszenen kann ich lobend hervorheben, dass es dem Autor gelingt, sie so zu beschreiben, dass ich nicht den Überblick verloren habe – und das, obwohl zwischen den verschiedensten Kampfschauplätzen gewechselt wird.
Wie schon gewohnt, schont der Autor seine Leser nicht bei den Beschreibungen der Kämpfe und deren Folgen und zeigt damit wieder mal das ganze hässliche Gesicht des Krieges.

Es gibt auch wieder einige überraschende Szenen in dem Buch, in denen der eine oder andere Protagonist in der Not Qualitäten entwickelt, mit denen er oder sie nicht nur den Leser verblüfft.

Während Bernstadt und seine Bewohner immer mehr unter Druck geraten, sind der Ritter Feodor, der Nachtalp Olef und der Waldkehr Gerold weiterhin auf der Suche nach der scheinbar einzigen Waffe gegen Teramon, jedoch kommen sie auf ihrer Suche nur langsam voran – der Wettlauf mit der Zeit verschärft sich immer weiter.

Auch im vierten Band bleibt es weiterhin spannend und ich freue mich zu erfahren, wie es im fünften Band weitergehen wird.

Gerwod IV - Salvatore Treccarichi
Gerwod IV
von Salvatore Treccarichi
(4)
eBook
3,99

Ab in die Wüste

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 23.06.2019

Die beiden Kapitäne und Konkurrenten Asleif Phileasson und Beorn der Blender müssen sich zur Erfüllung ihrer siebten Aufgabe nach Fasar begeben, um dort einen Propheten suchen, der die Wahrheit spricht und sie tief in die endlose Wüste führt, wo sie ein uraltes Geheimnis ergründen müssen.

Nach dem trostlosen und unheimlichen Totenmeer führt die Wettfahrt die Protagonisten mit ihren Ottajaskos in die Wüstenstadt Fasar. Ich war gespannt, ob uns eine ähnliche bunte Vielfalt wie in Maraskan erwarten würde, aber weit gefehlt: die Gesellschaft der Stadt ist geteilt in die Hochgeweihten, unter denen Intrigen an der Tagesordnung sind sowie den übrigen Menschen, die vom Stand her weit unter den Hochgeweihten stehen, die sich alles herausnehmen können.
Zudem ist Fasar eine extrem frauenfeindliche, ja sogar frauenverachtende Gesellschaft, was die weiblichen Mitglieder der beiden Ottajasko auch immer wieder zu spüren bekommen.

Vor allem aber sind die vielen Propheten mit ihren düsteren Prophezeiungen ein fester Bestandteil der Stadt – und unter diesen vielen müssen der Foggwulf und der Blender den richtigen Propheten finden, um mit dessen Hilfe tief in die Wüste Khôm zu einem weiteren jahrtausendealten Geheimnis der Elfen geführt zu werden.

Und diese Suche ist gewohnt spannend, die beiden Ottajaskos müssen zudem achtgeben, nicht in die Intrigen der Hochgeweihten zu geraten, denn eines ist klar: alle, die nicht zum Kreis der Hochgeweihten gehören, können schnell mal geopfert werden.

In diesem siebten Abenteuer werden einige wichtige Entscheidungen gefällt, aber hauptsächlich wird mir dieser Band wegen einem schockierenden Ereignis im Gedächtnis bleiben, einem Ereignis, dass mir die Tränen in die Augen getrieben und einem ganz bestimmten Konflikt eine neue Dimension gegeben hat.

Der Prolog befasst sich diesmal mit Galayne, was mich besonders gefreut hat. Der Leser erfährt verblüffende Details aus der Vergangenheit des weiß gekleideten Elfen mit den Hundekopfhelm. Ich habe ihn danach mit ganz anderen Augen gesehen.

Auch das siebte Abenteuer konnte mich voll und ganz überzeugen und sein Ende lässt mich mit Spannung den achten Band erwarten.

Die Phileasson-Saga - Rosentempel - Bernhard Hennen, Robert Corvus
Die Phileasson-Saga - Rosentempel
von Bernhard Hennen
(6)
Buch (Paperback)
16,99

Gelungener Abschluss des spannenden Zweiteilers

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 16.05.2019

Anna und Nick ist die Flucht aus der Wüstenwelt zurück in ihr Zuhause gelungen – der Preis ist jedoch unberechenbar: durch ihre Flucht haben sie auch dem dunklen Herz den Übergang in die ihre Welt ermöglicht. Da sich die ersten Anzeichen einer Veränderung bereits zeigen, reist Nick aus Griechenland nach Berlin, um sich mit Anna zu treffen. Auch der alte Mann aus der Gegenwelt will die beiden dabei unterstützen, das dunkle Herz aufzuhalten und die anderen, denen ebenfalls die Flucht gelungen ist, aufzuspüren.

Der zweite Band schließt nahtlos an das Ende des ersten Buches an, in dem Nick seine Reise zu Anna ankündigt, um mit ihr gemeinsam den Gefahren durch das dunkle Herz entgegenzutreten. Auf ihr Wiedersehen war ich sehr gespannt, denn immerhin treffen sie sich nun in ihrer realen Welt wieder. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden ein gemeinsames Abenteuer erlebt haben, dass so unglaublich ist, dass sie es nicht ihren Eltern erzählen können. Also muss Anna ihren Eltern eine Lügengeschichte erzählen, woher sie Nick überhaupt kennt. Das ist alles eine sehr unbefriedigende und belastende Situation für sie, aber ehrlich gesagt habe ich auch keine andere Chance gesehen, denn auf der anderen Seite drängt die Zeit, dass das dunkle Herz sich allzu sehr in unserer Welt ausbreitet. Und wie soll Anna ihren Eltern beibringen, was mit ihrem Bruder Ben geschehen ist, der seit Jahren spurlos verschwunden ist, ohne dass diese sie für völlig verrückt erklären?

Im ersten Band haben mir besonders die surrealen Beschreibungen der Wüstenwelt gefallen, in der Anna, Nick und die anderen gelandet sind und obwohl mir die Vorstellung, dass das Abenteuer in unserer Welt weitergehen wird, gefallen hat, hatte ich ein wenig befürchtet, dass es im zweiten Band zu „real“ zugehen könnte. Aber die Sorge war völlig unbegründet, denn Lukas Hainer schafft es auch im zweiten Band, unheimliche und surreal wirkende Schauplätze zu erschaffen. Die Atmosphäre wird zunehmend düsterer und bedrohlicher, oft genug hat man das Gefühl, dass unsere jungen Helden wiederum in einen Albtraum geraten sind. Und das nicht nur, wenn Anna und Nick feststellen müssen, dass die Wüstenwelt immer mehr in die Realität drängt.

Der Vorteil des Abenteuers in unserer Welt: der Spielraum der Handlungsorte ist deutlich erweitert, was sich zum Beispiel in dem Hilferuf von Eilif aus der Türkei bemerkbar macht, dem Anna und Nick folgen, während ihnen in der Wüstenwelt deutliche Grenzen gesetzt waren.

Genauso spannend wie die Geschichte um Anna und Nick ist das mehr oder weniger ausführliche Wiedersehen mit den anderen, denen ebenfalls die Flucht aus der Wüstenwelt gelungen ist. Dabei liegt der Fokus eindeutig auf Peter, der in seinem realen Leben in Irland das Opfer mieser Mobbingattacken ist – bis er unerwarteten Besuch mit weitreichenden Folgen erhält.

Sehr gelungen fand ich auch, wie der Autor bekannte politische Geschehen und Katastrophen aus unserem Alltag in die Geschichte um das dunkle Herz einbindet: das wirkte nicht konstruiert, sondern passte perfekt.

Für mich ist der zweite Band eine würdige und gelungene Fortsetzung der Geschichte aus dem ersten Buch, dem Autor gelingt es mühelos, auch diesmal wieder den düsteren und schaurigen Erzählstil aufrechtzuerhalten. Und das Ende ist sowohl spektakulär als auch einfach – und für mich absolut passend und nachvollziehbar.

Das weiße Herz - Lukas Hainer
Das weiße Herz
von Lukas Hainer
(12)
eBook
9,99

Faszinierender Auftakt der neuen Trilogie von Robert Corvus

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 08.05.2019

Magie, die im Granit verborgen liegt – im Granit des Berges Ianapat, in dessen Tiefen die Unsterblichen leben. Unsterblich werden können nur die Adeligen, der Preis dafür ist jedoch die Trennung von Körper und Geist, denn nur ein Geist kann unsterblich sein. Die Geister bestimmen mit ihrem Willen die Schaffung von Bündnissen zwischen den Menschen am Berg und unterstützen damit die höfischen Ränkespiele und Intrigen. Graf Golar von Haus Schneegrund scheint jedoch ein eigenes Ziel zu verfolgen. Und dann gibt es noch die Gravilier, die vor einiger Zeit das Privileg, am Berg zu leben, verloren haben und sich dieses zurückerobern wollen.

Die Vorstellung eines hohen Berges, in dessen Tiefen Unsterbliche leben und mithilfe von Spiegeln das Tageslicht nach unten transportiert wird, fand ich sehr faszinierend. Aber es war auch spannend, das gesellschaftliche und politische Leben der Menschen an und um den Berg kennenzulernen. Ebenso die Verbindung mit Elementen, die man eher in Science-Fiction-Romanen erwarten würde, wie die Imagolems, steinerne Menschen, die an Roboter erinnern, geben dem Roman eine ganz spezielle Note, die mir sehr gut gefallen hat.

Zwischen den Adelsgeschlechtern herrschen Intrigen und Dekadenz und ich hatte immer wieder das Gefühl, dass die Mächtigen am Berg zu sehr von sich überzeugt und mit sich selbst beschäftigt sind. Lediglich Graf Golar sticht positiv aus dieser eitlen Schar heraus – und er scheint eigene und sehr geheime Ziele zu verfolgen.

Golars Tochter Semire hat ebenfalls ihren eigenen Kopf: schon immer haben sie Schwert und Kampf wesentlich mehr interessiert als Sticknadel und Heiraten. Sie hat keine Lust, sich in die sonst übliche Rolle der braven Tochter pressen zu lassen, deren einziger Lebensinhalt darin besteht, sich vorteilhaft zu verheiraten, um so ihrem Ehemann und ihrer Familie zu mehr Macht zu verhelfen. Für so ein fades Leben ist sie auch viel zu intelligent und zu gerissen.

Ein weiterer Charakter, der mir sehr gut gefallen hat, ist der Maler Quilûn, der von Golar als Jugendlicher unter seine Fittiche genommen wurde. Die beiden Männer verbindet mehr als nur berufliche Abhängigkeit, man spürt auf beiden Seiten Respekt und Vertrauen.

Dann gibt es noch die Magier, die den Granit so bearbeiten, dass die ihm innewohnende Magie bestmöglich zur Geltung kommt und mich mit ihrer Arbeit an Bildhauer erinnerten. Kyrin ist eine von ihnen und Vertraute von Graf Golar: sie beide verfolgen eine bestimmte Spur, jedoch müssen sie im Verborgenen agieren, denn Magier, die verbotene Magie anwenden, erwartet eine grausame Strafe.

Eine Gefahr für die derzeit Herrschenden am Berg könnten die Gravilier darstellen, die vor langer Zeit ihre Machtposition am Berg verloren haben und sich diese nun wieder zurückerobern wollen. Und welche Rolle spielen dabei die Gravilioner, deren Sturz von damals einige Fragen aufwirft?

Die Unsterblichen im Berg … sie bleiben im ersten Band noch recht vage, aber das, was der Leser über sie erfährt, man neugierig auf mehr.

Der Leser lernt diese Welt nach und nach kennen, indem er die Protagonisten bei ihren Abenteuer und in ihrem alltäglichen Leben begleitet. Eine ganze Zeit lang war mir nicht klar, in welche Richtung das Buch gehen wird, welche Geheimnisse zwischen den Buchseiten darauf warten, entdeckt zu werden, und das fand ich besonders raffiniert, denn das schaffte Raum für genügend eigenen Spekulationen.

Mich hat jedenfalls das ganze Setting absolut überzeugen können und wenn die Trilogie so weiter geht, hat sie gute Chancen, zu meinen Lieblingsbüchern des Autors zu gehören.

Berg der Macht - Robert Corvus
Berg der Macht
von Robert Corvus
(5)
eBook
9,99

Dritter Teil der Gerwod-Saga

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 18.04.2019

In diesem dritten Teil steht Helmko nicht nur dem Buchtitel nach im Mittelpunkt. Helmko war bzw. ist einer der mächtigsten Magier und wahrscheinlich der Einzige, der dem wiederauferstandenen Teramon überhaupt das Wasser reichen kann. Er wurde vom Schöpfer aus der Zwischenwelt zurückgeschickt, was die Annahme nahelegt, dass auf den Magier noch eine wichtige Aufgabe wartet.

Und doch, bei all seiner Macht ist es beinahe ein Kampf gegen Windmühlen, denn Teramon ist nicht nur stark, sondern besitzt mehrere magische Artefakte der Eberstatue, mit denen er die Geschehnisse immer wieder in seinem Sinn lenken kann. Der böse Magier muss nur die Zeit für sich arbeiten lassen, während Helmkos Fähigkeiten an mehreren Orten dringend gebraucht werden würden. Man möchte als Leser teilweise verzweifeln, wenn Teramon seinem früheren Bruder immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Und doch … es zählen schon die kleinsten Erfolge, auch wenn sie noch so blutig erkämpft werden. Und die Kämpfe und Schlachten sind wirklich blutig: der Autor schont den Leser nicht und beschreibt sehr deutlich die Gräuel und Grausamkeiten der Kämpfe zwischen den Mächten des Bösen und den Kämpfern des Schöpfers. Ich gebe zu, manches Mal hat es mich richtiggehend frustriert, wenn ich wieder miterleben musste, wie das Gute am Ende doch wieder besiegt wird – wie muss es dann erst den Protagonisten ergehen! Es ist daher kein Wunder, dass auch die Kämpfer für das Gute immer wieder von Zweifel geplagt werden, ob ihr Tun überhaupt einen Erfolg haben kann.

Aber durch die Gräueltaten, die in Teramons Namen begangen werden, wird auch klar, dass Resignation keine Option ist, denn niemand möchte in einer Welt leben, in der ein solches Ungeheuer herrscht. Und trotz der Rückschläge gibt es trotzdem auch Hoffnung, denn auch wenn es momentan nur Nadelstiche sind, die Helmko und seine Mitstreiter Teramon versetzen können, zeigt es doch, dass sie nicht ganz wehrlos sind und es auch Verluste auf der Gegenseite gibt. In jedem Fall bin ich froh, dass Helmko von dem sympathischen Ritter Isidor begleitet und tatkräftig unterstützt wird.

Helmkos Lehrling Bermer und der greise Ritter Boralt sind zwischenzeitlich mit der Aufgabe betraut, die übrigen magischen Artefakte der Eberstatue, die sich noch in Helmkos Haus befinden, in Sicherheit zu bringen. Die beiden zusammen gefallen mir inzwischen so gut, dass ich mich schon immer richtig freue, wenn die beiden ihren Auftritt haben.

Währenddessen haben sich Gerold, Olef und Feodor getrennt, um einzeln auf die Suche nach den Alten Völkern und dem reinen Herzen – Gerwod – zu machen, dem Einzigen, das dem Bösen Einhalt gebieten kann. Es birgt Gefahren, sich alleine auf den Weg zu machen, aber die Zeit drängt und der Weg zu den Alten Völkern, von denen teilweise nur Erzählungen existieren, ist weit.

Die Belagerung von Bernstadt dauert in der Zwischenzeit weiterhin an. Der Bernstadter Heilswart Gero ist an den Hof der Küstländer gereist, um dort für Unterstützung gegen seine eigene Stadt zu bitten, denn Gero steht unter dem unheilvollen Einfluss von Teramon, der ihm im Gegenzug Macht und Einfluss verspricht. Wird es Gero gelingen, die Küstländer zu einem Marsch gegen Bernstadt zu überreden und damit die belagerte Stadt in die Zange zu nehmen?

Wir haben noch sieben Bände vor uns und ich muss gestehen, ich habe ein wenig Angst, was noch alles geschehen wird, aber die Hoffnung aufgeben, ist keine Option und daher bin ich gespannt, wie es im nächsten Band weitergehen wird.

Gerwod III: Der Magier - Salvatore Treccarichi
Gerwod III: Der Magier
von Salvatore Treccarichi
(7)
eBook
3,99

Der Gesang der Bienen

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 09.04.2019

Schwarzwald 1152: Der Zeidler Seyfried führt mit seiner Familie ein zufriedenes Leben im Schwarzwald – bis seine Frau zum Tode verurteilt wird. Seyfrieds letzte Hoffnung ist die Fürsprache der berühmten Hildegard von Bingen, daher macht er sich auf den Weg zu ihrem neu gegründeten Kloster auf dem Rupertsberg. Hildegard knüpft ihre Hilfe jedoch an schier unerfüllbare Bedingungen und für Seyfried und seine Frau beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die Arbeit mit Bienen im Mittelalter sowie die Tatsache, dass die berühmte Hildegard von Bingen in dem vorliegenden Buch eine Rolle spielt, haben mich zu meinem ersten Roman von Ralf H. Dorweiler greifen lassen. Und es wird nicht das letzte Buch sein, denn die Mischung aus historischen Fakten und spannender Fiktion konnte mich fesseln und überzeugen.

Ein Zeidler bestritt im Mittelalter seinen Lebensunterhalt mit dem gewerbsmäßigen Sammeln von Honig und Wachs wilder oder halbwilder Bienenvölker. Wachs war zur damaligen Zeit ein wichtiger Rohstoff, denn mit ihm konnte man u.a. wertvolle Kerzen herstellen, die Licht in dunkle Nächte und Räume brachten.

In Seyfrieds Familie fällt sofort ihr liebevoller und zwangloser Umgang miteinander auf, man muss die einzelnen Familienmitglieder einfach in sein Herz schließen. Elsbeth ist eine Heilkundige, was zur damaligen Zeit Fluch und Segen bedeuten konnte. In ihrem Fall wird es ihr zum Verhängnis, als ihre Patientin Fronika. die Tochter des ministerialen Marschalls Gottfried von Staufen, verstirbt und sie daraufhin zum Tode verurteilt wird.

Seyfried selbst trägt ein dunkles Geheimnis mit sich, das sich vor allem durch seinen Zorn auf und seine Abkehr von Gott bemerkbar macht. Auch die Äbtissin Hildegard von Bingen erkennt das und versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

An Hildegard von Bingen muss man sich erst gewöhnen: sie kann stellenweise sehr ruppig und direkt sein und macht sich damit nicht nur Freunde innerhalb und außerhalb der Klostermauern. Aber ich denke, zur damaligen Zeit durfte man als Frau nicht allzu zimperlich sein, wollte man sich in einer männerdominierten Welt behaupten. Und je mehr man von ihr während des Romans kennenlernt, umso faszinierender wird sie, auch wenn man sie anfangs am liebsten schütteln möchte, weil ihr nicht bewusst zu sein scheint, dass Seyfried die Zeit davonläuft.
Erstaunt hat mich vor allem, wie vielseitig Hildegards Forschungen waren, sie hatte keinerlei Berührungsängste oder Vorbehalte, um sich Wissen anzueignen.

Überhaupt gibt es einige starke Frauenfiguren in dem Roman: Anna, die vierzehnjährige Tochter von Seyfried und Elsbeth, zieht mit ihrem kleinen Bruder Jasper während der Abwesenheit ihres Vaters in die Burg von Gottfried. Dabei lässt Anna nichts unversucht, um mit ihrer Mutter im Kerker sprechen zu können. Zudem gerät sie in den Fokus des undurchsichtigen und gefährlichen Ritters Theobald von Molsheim.

In Hildegards Kloster auf dem Rupertsberg lernt der Leser die junge Novizin Adelheyd kennen, die von Hildegard gerne als Schreiberin in Anspruch genommen wird. Adelheyd hat das Herz am rechten Fleck, hütet aber auch ein dunkles Geheimnis.

Starke Charaktere, viele interessante historische Fakten, tolle Beschreibungen und spannende Wendungen – das sind die Zutaten dieses historischen Romans, bei dem die Seiten nur so dahin fliegen. Der Autor hat eine Vorliebe für dramatische Höhepunkte, was die Spannung nochmal steigert, jedoch war es mir zum Ende des Buches hin fast schon zu viel Dramatik. Ansonsten fand ich das Ende des Buches jedoch absolut gelungen und raffiniert.

Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist das Personenverzeichnis und die sehr schön gestaltete Karte am Ende des Buches.

Der Gesang der Bienen - Ralf H. Dorweiler
Der Gesang der Bienen
von Ralf H. Dorweiler
(42)
eBook
8,99

Grandioser Abschluss der Dilogie

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 04.04.2019

Endlich ist der zweite Teil der Dämonenkriege-Dilogie von Michael Hamannt erschienen! Die Erwartungen nach einem überzeugenden ersten Band waren auf meiner Seite hoch – und sie wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil, sie wurden sogar noch übertroffen.

Der Wettlauf in den Schwebenden Reichen um das Grab des wahnsinnigen Dämonengottes Inos, der seine Auferstehung plant, spitzt sich zu, während der Dämonenjäger Ryk mit der Veydra Kela in der Gegenwelt festsitzt. Der Blutlenker Asmaran, erbitterter Gegner von Ryk, versucht alles, um Ryk zu zwingen, ein Portal in die Schwebenden Reiche zu eröffnen. Die beiden Gegner sind gezwungen, ihre jeweiligen Positionen zu überdenken, um beide Welten vor dem Verderben zu retten: nur, wenn Feinde zu Verbündete werden, haben sie überhaupt eine Chance. Dem Autor ist die Beschreibung dieser Annäherung mit all ihren Risiken und Möglichkeiten sehr gut gelungen, zumal er mich immer wieder mit unerwarteten Wendungen überrascht hat.

Aber auch in den Schwebenden Reichen sind die Gegner und Anhänger von Inos nicht untätig: es kommt zu erhofften Wiedersehen und natürlich war ich gespannt auf die Entwicklung von Veitt, bei dem sich im ersten Band abzeichnete, dass allmählich eine starke Magie in ihm erwacht. Außerdem erfährt der Leser mehr über die faszinierenden Hintergründe der Barriere zwischen der Menschen- und der Gegenwelt.

Der Autor schafft es mühelos, die Geschichte mit einer perfekte Balance zwischen Schlachten und großen Gefühlen, unheimlichen Begegnungen und schwarzem Humor und viel Nervenkitzel zu erzählen. Nichts ist vorhersehbar und überall lauern dicke Überraschungen. Man hofft und bangt mit den Protagonisten in dem Wissen, dass man eben nicht weiß, wer am Ende überleben wird. Das Ende dieses phantastischen Zweiteilers ist gelungen, überzeugend und nachvollziehbar.

Ich bin total begeistert von diesen beiden tollen Bänden, die für mich in ihrer Komplexität und spannendem Erzählstil zu meinen Highlights im Bereich der Fantasy zählen. Absolute Buchempfehlung!

Die Dämonenkriege - Dunkelkönig - Michael Hamannt
Die Dämonenkriege - Dunkelkönig
von Michael Hamannt
(14)
eBook
11,99

Von Menschen, Zatarsi und der Liebe zur Musik

Karin Wenz-Langhans aus Limbach , am 13.03.2019

In der Stadt Midea leben Menschen und die stolzen Zatarsi, die musikalisch hochbegabt sind, nebeneinander, seit die Drachen von den Hütern ausgerottet wurden. Inzwischen sorgen diese ehemaligen Drachenjäger für Recht und Ordnung in Midea, wobei der Hüterin Adorata auffällt, dass die Zatarsi oftmals mit Samthandschuhen angefasst werden, wenn ein Rechtsverstoß vorliegt. Die Hüter sorgen auch dafür, dass Menschen mit verfluchtem Blut eingefangen und gekennzeichnet werden. Das gleiche Schicksal droht dem reichen Sprössling Valerian Morena, der seine Wut aufgrund des verfluchten Bluts immer schlechter im Zaum halten kann. Auf seiner Flucht begegnet er der Zatarsi Elezei, die noch eine Rechnung mit den Hütern offen hat.

Man fragt sich als Leser ziemlich schnell, wer sind die Zatarsi genau? Dieses stolze Volk lebte früher mit den Drachen zusammen und seit deren Ausrottung in Midea mit den Menschen. Sie lieben abgöttisch die Musik und rohes Fleisch. Das alles sorgt bei den Menschen in Midea nicht immer für Verständnis, sondern führt vielfach zu Misstrauen und Vorurteilen. Warum also haben die Zatarsi damals beschlossen, überhaupt nach Midea zu ziehen? Was hat es mit ihrer Begabung und Liebe für die Musik auf sich? Und warum gibt es Ausnahmeregelungen, was die Rechtssprechung in Bezug auf die Zatarsi angeht? Wo liegt die Ursache für das verfluchte Blut bei manchen Menschen von Midea, das zu unkontrollierten und zerstörerischen Wutausbrüchen führt.

Das und noch weitere Fragen werden in dem zweiten Buch von Julia Lange beantwortet. Dabei nimmt sie den Leser auf eine spannende Reise nach Midea mit seinen unterschiedlichen Bewohnern.

Valerian Morena ist ein reicher Schnösel, der nichts mit sich und seiner Zeit anzufangen weiß, der aber verfluchtes Blut in den Adern hat. Da er weiß, was ihm bevorsteht, wenn das bekannt werden würde, versucht er verzweifelt, es geheim zu halten. Val war mir anfangs nicht allzu sympathisch mit seinem verwöhnten Gehabe, aber je mehr er in die Ecke gedrängt wird, kann er zeigen, was wirklich in ihm steckt.

Elezei, eine Zatarsi, gerät unter Verdacht, einen Mideaner mit dem Messer angegriffen zu haben. Obwohl sie den Hütern und ihrem Oberhaupt versichert, nichts mit dem Angriff zu tun zu haben, gerät sie anschließend in immer größere Schwierigkeiten. Mit ihr und überhaupt mit den Zatarsi muss man sich erstmal vertraut machen, vieles in ihrer Lebensart mutet fremdartig an.

Die Hüterin Adorata hat mir von Anfang sehr gut gefallen, sie ist neugierig und bereit, über den Tellerrand hinauszusehen. Sie will dem Geheimnis auf den Grund gehen, warum es für die Zatarsi Ausnahmeregelungen gibt und ist bereit, dafür auch nicht ganz legale Wege einzugehen. Jedoch erregt ihre Neugier das Missfallen ihrer Meister. Bewundert habe ich bei Adorata vor allem, dass sie in emotionalen Situationen meist sehr rational entscheiden konnte.
Die Autorin setzt diese unterschiedlichen drei Figuren in den Mittelpunkt ihres Romanes und man ist gespannt darauf, was geschehen wird, wenn sie sich begegnen.

Mir hat auch das zweite Buch von Julia Lange wieder spannende Lesestunden beschert und ich freue mich auf ihr nächstes Werk.

Blutgesang - Julia Lange
Blutgesang
von Julia Lange
(5)
eBook
10,99

 
zurück