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BuchhändlerInnen im Portrait

Monika Fuchs
aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg
Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Empfehlungen 705 (ansehen)


Über mich:
bin eine Buchhändlerin, die mit Herzblut dabei ist. Ich liebe gut gemachte Unterhaltungsliteratur, bei denen ich auch noch etwas über das Leben und die Geschichte lernen kann.
Alter:
55 Jahre
Abteilung:
Belletristik (Romane, Krimis, Historische)
Funktion:
Buchhändlerin
Lieblingsautoren:
Nina George, Nicole Walter, Julia Fischer, Charlotte Roth, Carmen Lobato, Lydia Conradi, Heidi Rehn, Micaela Jary
An meinem Beruf gefällt mir:
dass ich Menschen mit meinen Lieblingsbücher glücklich machen kann.
Im Beruf seit:
1982
Das beste Buch aller Zeiten:
Nina George, Das Lavendelzimmer

Meine Empfehlungen

Dieses Buch ist einfach knorke, famos und einzig!

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 14.12.2018

Ende 2017 habe ich für mich die Autorin Ulrike Renk entdeckt. Bei meinem ersten Buch von ihr war ich noch etwas vorsichtig, aber mit den beiden folgenden Bänden der Ostpreußen Saga hat sie mich dann für sich gewonnen. Dementsprechend war die Freude groß, als ich entdeckte, dass peu á peu ein neuer Dreiteiler von ihr in Arbeit ist. Der erste Band der großen Seidenstadt Saga ist jetzt gerade erschienen. Band 2 wird voraussichtlich im Juni 2019 folgen und Band 3 im Februar 2020. (Wie soll ich es nur so lange aushalten?)

Am Anfang, als ich das Buch in der Vorschau des Aufbau Verlags entdeckte, war ich erst etwas skeptisch. Mich hatte der Reihentitel „Die große Seidenstadt Saga“ irritiert. Bis dato wusste ich noch nicht, dass Krefeld aufgrund der Seidenstoffproduktion des 18. und 19. Jahrhunderts auch als „Samt- und Seidenstadt“ bezeichnet wird. Aber Krefeld ist halt der Ort des Geschehens und somit passt der Reihentitel also optimal. Zur Abwechslung bin ich einmal mit der Inhaltsangabe hier zufrieden. Ich füge nur noch wenige Informationen hinzu.
Ulrike Renk erzählt die Geschichte der jüdischen Familie Meyer. Karl Meyer ist Handlungsreisender für Schuhe und hat sich damit einen gewissen Wohlstand erarbeitet. Irgendwann im Laufe der Handlung baut er ein Haus für sich und seine Familie. Dieses Haus liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Seidenfabrikanten Richard Merländer. Und dort lebt die Familie, die aus Karl und Martha Meyer, sowie ihren beiden Töchtern Ruth und Ilse besteht glücklich bis langsam aber sicher die Schatten des 3. Reichs heraufziehen. Der erste Band geht bis zum 11. November 1938 und lässt einen atemlos mit einem offenen Ende sehnsüchtig und angstvoll auf den 2. Band warten.

Es gibt vieles, was mich an diesem Buch begeistert. Zum einen ist es, dass es sowohl die Familie Meyer, als auch den Seidenfabrikanten Richard Merländer wirklich gegeben hat. Die Villa von Richard Merländer ist heute die NS-Dokumentationsstelle in Krefeld. Dort ist die Autoren eigentlich eher per Zufall auf die Geschichte der Familie Meyer gestoßen. Und sie hatte Glück, sie lernte einen Nachfahren der Familie kennen und konnte sich dort die Erlaubnis, die Geschichte der Familie als Roman aufzuarbeiten, holen. Dafür standen ihr u.a. auch die Tagebücher von Ruth Meyer zur Verfügung. Und falls Sie sich bereits über die Begriffe „knorke“, „famos“ und „einzig“ gewundert haben, so sind dies Begriffe, die die junge Ruth sehr gerne verwendet hat. In ihrem Nachwort zu diesem Roman erzählt Ulrike Renk viel zu den Hintergründen für diese Geschichte und klärt auch auf, was Fiktion und was Wahrheit ist.

Die Geschichte beginnt im Oktober 1926. Da ist Ruth, die die eigentliche Hauptperson ist, knapp sechs Jahre alt. Für mich war es in diesem Buch so schön zu entdecken, wie assimilierte Juden in Deutschland wohl gelebt haben, denn die Familie Meyer feiert zwar die jüdischen Feiertage und auch den Sabbat, aber sie sind keine extrem gläubigen Juden. Sie leben nicht koscher und sehen sich zu allererst als Deutsche. Für sie ist das Judentum eine Glaubensrichtung wie das Christentum. Und so ist es für sie schwer zu fassen, als die Nationalsozialisten immer mehr an Macht gewinnen und der Antisemitismus in Deutschland immer stärker wird. Doch trotzdem sprechen die Meyers bereits früh mit ihren anderen jüdischen Freunden darüber, ob sie Deutschland verlassen sollten oder ob der braune Spuk schnell vorübergehen wird. In dem Buch wird sehr deutlich, wie schwierig es von Anfang an für die jüdischen Familien war, auszureisen. Palästina war erst im Aufbau und die Engländer vergaben nur eine stark begrenzte Anzahl an Visen an Interessenten. In Amerika musste man Verwandte haben, die für einen bürgten. Und auch in Südamerika waren die politischen Verhältnisse nicht so, dass es ohne weiteres Sinn machte dorthin auszuwandern.

Und dann hat mich noch begeistert, wie die Autorin die Geschichte erzählt hat. Die Familie Meyer ist in diesem Buch eine ausgesprochen liebenswerte und liebevolle Familie. Und Ruth ist ein ausgesprochen intelligentes und wissbegieriges Mädchen, was viele Fragen stellt. Irgendwie erinnerte sie mich an Nesthäkchen – die Kinderbuch-Reihe von Else Ury. Ruth ist wie Annemie ein lebendiges und aufgeschlossenes Mädchen. Sie ist neugierig und sucht ihren Weg. Und sie ist modern und möchte später gerne studieren. Nesthäkchen spielt zwar in einer anderen Zeit und ist wohl auch Christin gewesen, wenn auch die Autorin selbst Jüdin war, aber irgendwie fühlte ich mich an diese Geschichte, die ich in meiner Kindheit geliebt habe, erinnert. Es ist einfach ein Durchschnittsleben in Deutschland.

Das einzige, was mich an diesem Buch wirklich gestört hat – aber das ist wirklich eine unwesentliche Kleinigkeit – ist das zwar sehr hübsche Cover, was aber überhaupt nicht zu der Geschichte passt. Die Dame auf dem Cover ist 1. Erwachsen und trägt 2. ein Kleid, wie es nach dem 1. Weltkrieg mit Sicherheit nicht mehr getragen wurde. Ich hätte ein Cover mit der vierköpfigen Familie vor ihrem Haus im Bauhausstil viel stimmiger gefunden.

Ein großartiger Roman über eine Zeit, die nie vergessen werden darf. Es ist eine Geschichte, die gleichzeitig sehr traurig ist, aber auch Mut macht. Wir haben heute eine Demokratie, für die es sich zu kämpfen lohnt. Wir dürfen sie niemals selbstverständlich hinnehmen, denn wie schnell es sich ändern kann, hat unsere Geschichte in den 30er Jahren gezeigt.

Jahre aus Seide - Ulrike Renk
Jahre aus Seide
von Ulrike Renk
(11)
Buch (Taschenbuch)
12,99

Was geschah am 30.Juni 1900 in Hoboken?

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 09.12.2018

Linda Belago schreibt Romane, die gerne vor exotischer Kulisse spielen. Und Familiengeheimnisse scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Ich gebe zu, ich hatte bisher noch nichts von ihr gelesen. Dieser Roman hat mich einfach nur deshalb verlockt, da er in Hamburg zu spielen scheint. Und ich arbeite ja bekanntermaßen in einer Filiale in Hamburg. Da ist das Interesse der Kunden immer groß an Romanen, die in ihrer Stadt spielen.

Die Inhaltsangabe hier bei thalia.de hörte sich spannend an. Und das Buch ging auch gleich entsprechend los. Im Juni 1900 geht die Familie van der Haard an Bord des Dampfschiffs Kaiser Wilhelm der Große. Dort soll die Verlobung der 17jährigen Tochter Helena mit dem Reedereierben Gustav Clausen bekanntgegeben werden. Ihre 12jährige Schwester Anni blickt voll Bewunderung und auch ein wenig Neid zu ihrer großen Schwester auf. Soweit der Prolog. Doch dann springt das 1. Kapitel in das Jahr 2017. Dort muss Jonas Clausen die Reederei übernehmen, nachdem sein Vater überraschend gestorben ist. Und im 2. Kapitel finden wir uns plötzlich in New York im Jahr 2017 wieder. Dort ist die junge Amely die Hauptperson, die gerade entdecken muss, dass in ihr Apartment eingebrochen wurde. Was haben diese beiden Geschichten mit der Inhaltsangabe zu tun? Ich erkläre es Ihnen:

Die Geschichte des Romans „Die Villa an der Elbe“ springt im Prinzip zwischen 4 Geschichten hin und her. Da ist zum einen die Geschichte um Anni und Clara in der Vergangenheit. Die Geschichte von Anni ist in Hamburg angesiedelt. Das ist die Geschichte, die in der Inhaltsangabe wiedergegeben wurde. Die Geschichte von Clara Hauser spielt in New York. Sie ist die Frau, die Anni 1910 auf einem Foto entdeckt. Wer ist sie? Warum sieht sie aus wie ihre todgeglaubte Schwester? Und dann sind da die beiden Geschichten in der Gegenwart. Jonas, der Reedereierbe, der feststellen muss, dass die Reederei kurz vor der Insolvenz steht. Doch einen Strohhalm, an den er sich festhalten kann, gibt es noch. Im Schreibtisch seines Vaters hat er einen Brief von 1914 entdeckt, worin es um ein Golddepot in New York geht, das zugunsten einer Clara Hauser eingerichtet wurde. Wer ist diese Frau und gibt es das Depot noch? Und Amy ist eine junge Frau, die sich gerne mit einem Catering-Service selbstständig machen möchte und dazu Geld braucht. Da trifft es sich natürlich sehr gut, dass ihre Mutter alte Unterlagen auf dem Dachboden entdeckt hat, in denen es u.a. – na nun raten Sie mal – um ein Golddepot geht. Wie gehören diese vier Geschichten zusammen? Und wer wird das Geld am Ende bekommen?

Ich muss sagen, dass mich das Buch von der Geschichte her etwas enttäuscht hat. Es war einfach zu vorhersehbar. Und die Geschichte, die in der Vergangenheit in New York spielt, kommt mir einfach zu unrealistisch vor. Wenn man allerdings keine großen Erwartungen an ein Buch hat, sondern einfach nur nett unterhalten werden möchte, dann hat es durchaus was für sich. Ich habe es innerhalb von 2 Tage durchgelesen. Schließlich war ich nun neugierig, wie die Autorin die Fäden am Ende zusammenbekommt. Das Ende hat mich dann allerdings doch etwas ratlos zurückgelassen. Es gibt zwar eine Auflösung, aber die finde ich persönlich unbefriedigend. Eigentlich ist es fast ein offenes Ende. Aber es wirkt nicht so, als ob es noch einen weiteren Teil geben wird.

Ich weiß nicht, ob mir das Buch besser gefallen hätte, wenn die Inhaltsangabe anders gewesen wäre. Wahrscheinlich hätte ich es dann gar nicht erst gelesen. Denn dann wäre von vorneherein klar gewesen, dass es kein wirklicher Hamburg-Roman ist. Das Einzige, was mir an dem Roman wirklich gut gefallen hat, ist die Geschichte, die am 30. Juni 1900 in Hoboken spielt. Das ist nämlich tatsächlich eine wahre Begebenheit, die mir noch nicht bekannt war.

Die Villa an der Elbe - Linda Belago
Die Villa an der Elbe
von Linda Belago
(4)
eBook
8,99

Eine tolle Mischung

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 08.12.2018

Ich glaube, Hanni Münzer ist meine Autoren-Entdeckung für dieses Jahr. Dies ist jetzt der zweite Roman, den ich begeistert von ihr gelesen habe. Beide Romane sind sehr unterschiedlich. „Solange es Schmetterlinge gibt“ ist warmherzig, humorvoll mit einem sehr überraschenden Ende. Das Buch spielte in München. Das neue Buch spielt nun sehr zu meiner Überraschung in Kalifornien. Beide Bücher gehören in keine Reihe, aber es bevölkern sie durchaus Personen aus dem Hanni-Münzer-Universum. Doch dazu komme ich später noch-

Der Inhalt wird hier bei thalia.de für meinen Geschmack etwas verfälscht wiedergegeben. Für mich ist die eigentliche Hauptperson des Romans die junge Emily. Sie ist die kleine Schwester von Stephen, einem Meeresbiologen. Sie ist eine junge Frau, die idealistisch für das Meer und seine Bewohner kämpft. Dafür gibt sie alles und reagiert durchaus auch einmal zu impulsiv. Das hat ihr schon mehr als einmal ernsthafte Probleme verschafft. Inzwischen ist sie ein aktives Mitglied der Umweltorganisation Greenwar, die immer wieder mit spektakulären Aktionen mit dem Gesetzt in Konflikt gerät. Sie ist mit dem Gründer Citizen Kane liiert, aber irgendwann erkennt sie, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Citizen Kanes Vater ist ein Prediger einer Sekte, die der Weltuntergang durch eine Sintflut voraussagt. Ihr Bruder Stephen ist gerade an seiner ausgesprochen interessanten Forschung dran, die vielleicht die Probleme mit dem Plastikmüll im Meer lösen könnte. Er steht kurz vor seiner Hochzeit. Und dann passieren zwei Dinge auf einmal. Sowohl Emily und Stephen sind plötzlich verschwunden als der beste Freund von Stephen, Jason, extra zur Hochzeit kommt. Jason ist Profiler aus München. Und wer „Solange es Schmetterlinge gibt“ gelesen hat, kennt ihn bereits und freut sich über ein Wiedersehen. Jason versucht nun zu ergründen, was passiert ist. Ihm zur Seite stehen die Journalisten Rabea Rosenthal und die beiden Kinder Fritz und Maddie, die mit im Haus Emilys und Stephens Mutter wohnen.

„Unter Wasser kann man nicht weinen“ ist eine tolle Mischung aus ein Roman über das Erwachsenwerden, ein Krimi und ein Roman, der sich mit den Umweltproblemen, speziell mit den Problemen des Meeres beschäftigt. Die Liebe spielt zwar auch eine Rolle, aber nicht so, wie es die Inhaltsangabe vermuten lässt.

Mir gefällt diese Vielschichtigkeit der Romane von Hanni Münzer. Sie schafft starke Charaktere bis in die Nebenrollen. Dies auch sicherlich deshalb, weil dieses Personal vielleicht bereits im nächsten Roman bereits eine Hauptrolle erhält. So hat Hanni Münzer in ihrem Nachwort bereits erwähnt, dass Katja Filipowna die Hauptperson ihres Romans ist, der im Laufe des Jahres 2019 erscheinen wird. So in Nebensätzen werden wieder Personen aus den beiden Romanen „Honigtot“ und „Marlene“ erwähnt. Und ich hoffe sehr, dass ich sowohl die beiden unglaublich sympathischen Kinder Fritz und Maddie , er hochbegabt und sie autistisch, als auch die Journalistin Rabea Rosenthal in anderen Romanen noch einmal erneut als Hauptpersonen treffen werde. Wobei Rabea Rosenthal wohl durchaus schon eine wichtige Rolle in den Krimis „Die Akte Rosenthal“ gespielt hat. Ich habe ja noch einige Romane der Autorin vor mir. Und dies ist das von mir erwähnte Hanni-Münzer-Universum. Man hat einfach die Chance und trifft die Menschen immer wieder. Ich finde so etwas immer großartig, denn diese Personen werden einfach Freunde. Außerdem ist es aber auch sehr geschickt, denn das macht Lust, auch die anderen Bücher der Autorin zu lesen.

Die Geschichte selbst geht zu Herzen. Die Umweltverschmutzung der Meere ist wirklich erschreckend weit vorangeschritten. Am Ende des Romans gibt die Autorin noch Literaturhinweise, wenn man sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte. Emily ist eine bewundernswerte, junge Frau, die aber mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Sie ist mit Sicherheit hochsensibel, und hat große Schwierigkeiten mit dem Leben. Ihre Todessehnsucht nimmt manchmal schon erschreckende Tendenzen an. Aber ihr Kampf für das Meer und seine Bewohner geben ihr die Berechtigung für das Leben. Umso schlimmer ist es dann, wenn man merkt, wie leicht sie dadurch in eine Gruppe sehr undurchsichtiger Menschen hineingerät.

Mir haben dieses Buch und diese bunte Mischung ausgesprochen gut gefallen, auch wenn ich am Anfang etwas Schwierigkeiten hatte, in das Buch hineinzukommen. Es beginnt in der Vergangenheit, d.h., 1999, wo Emily als vierjähriges Mädchen eine erste traumatische Begegnung mit dem Meer hatte. Und dann wechseln immer einmal die Erzählperspektiven. Es dauert einige Zeit, bis man all dieses zusammenbekommt und versteht, was alles miteinander zu tun hat. Aber dann lässt einen das Buch nicht mehr los!


Unter Wasser kann man nicht weinen - Hanni Münzer
Unter Wasser kann man nicht weinen
von Hanni Münzer
(5)
Buch (Taschenbuch)
12,00

Ich liebe diese Stimme!

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 07.12.2018

Wahrscheinlich kennen Sie alle entweder schon das Buch von Elizabeth Gilbert oder den Film mit Julia Roberts. Aber kennen Sie auch schon das Hörbuch, gesprochen von der wunderbaren Julia Fischer? Wenn nicht, dann haben Sie etwas verpasst!

Hörbücher habe ich ja gerade erst für mich entdeckt. Sie sind einfach eine wunderbare Möglichkeit, sich u.a. Sport oder Haushalt zu versüßen. Aber dann muss die Stimme schon stimmen. Und für mich ist Julia Fischer einfach eine großartige Hörbuch-Sprecherin. Sie kann ihre Stimme so wunderbar für unterschiedliche Charaktere verändern. Und gerade in diesem Buch hat es mich fasziniert, wie sie auch die Art zu lesen geändert hat, wenn die Personen keine Muttersprachler sind.

Sicher kennen Sie die Geschichte, um die es geht!? Elizabeth Gilbert steigt nach einer traumatischen Scheidung und einer weiteren gescheiterten Liebesgeschichte auf Zeit aus. Erst reist sie für einige Zeit nach Italien, wo sie ihr frisch gelerntes Italienisch vervollkommnen, das Essen genießen und das Leben lieben lernen möchte Unvergessen und einfach herrlich ist für mich die Szene, wo sie mit Lucas Spaghetti ins Fußballstadion geht und von einem Fan verschiedenste Schimpfwörter lernt. Julia Fischer bringt sowohl die italienische als auch die übersetzte Variante so wunderbar temperamentvoll rüber, dass man wirklich meint, bei diesem Fußballspiel dabei zu sein. Dann reist sie weiter nach Indien, wo sie in einem Ashram absteigt. Dort liebe ich die Szenen, wo sie sich mit ihrem amerikanischen Kumpel, der sie Groceries nennt, unterhält. Dort kommt sie zur Ruhe und lernt ihre spirituelle Seite kennen. Der letzte Reiseabschnitt ist Bali, wo sie bei einer vorherigen, beruflichen Reise den Heiler Ketut kennengelernt hat. Diesen besucht sie, bringt ihm Englisch bei und lernt von ihm viel über fernöstliches Denken. Zusätzlich lernt sie auch noch die Heilerin Wayan kennen, die eine gute Freundin für sie wird. Und sie findet eine neue Liebe! Es ist einfach herrlich zu hören, wie Julia Fischer die Passagen von Ketut und Wayan spricht.

Die Geschichte von Elizabeth Gilbert, die auf wahren Begebenheiten beruht, ist an sich schon toll. Die Geschichte einer Frau, die nach einer schwierigen Phase endlich zu sich selbst findet. Für mich war das Buch eine Offenbarung, denn es zeigt eine Frau, die zerrissen und depressiv war, aber ihr Leben in den Griff bekommen hat. Es ist spannend, humorvoll und doch auch eine Art Wegweiser für Frauen, die auf der Suche sind. Die schöne und emotionale Art, wie Julia Fischer es liest, garantieren 714 Minuten wunderbares Glück. Und das Buch, bzw. das Hörbuch sind viel besser als der Film!

Eat, Pray, Love - Elizabeth Gilbert
Eat, Pray, Love
von Elizabeth Gilbert
(21)
Hörbuch (MP3-CD)
4,89 bisher 5,99

Hat mir die Augen geöffnet

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 06.12.2018

Vor einigen Wochen habe ich in meiner Tagepresse einen kleinen Artikel zum Thema „Hochsensibilität“ gelesen. Der Inhalt dieses Artikels hat mich so neugierig gemacht, dass ich erst einmal im Internet nach einem Test geschaut habe, um festzustellen, ob ich vielleicht auch zu den 20 % Menschen gehöre, die hochsensibel sind. Nachdem dieser Test es mir bestätigt hat, habe ich nach entsprechender Lektüre gesucht. Um festzustellen, ob mir die Art, wie die Autoren schreiben, überhaupt gefällt, habe ich mir erst einmal zwei Leseproben von den beiden Büchern heruntergeladen, die mich direkt angesprochen haben. Und gleich die erste Leseprobe hat mich so fasziniert, dass ich mir das Buch von Ulrike Hensel kaufen musste.

Vorab erst einmal – Hochsensibilität ist keine Krankheit! Man kann Hochsensibilität nicht wegtherapieren, aber man kann lernen sie positiv anzunehmen und darauf zu achten, dass es einem gut geht!

Ulrike Hensel hat irgendwann einmal selbst festgestellt, dass sie hochsensibel ist. Daraufhin hat sie peu á peu ihr Leben umgestellt. Inzwischen hat sie eine Coaching-Ausbildung absolviert und gilt durch ihre umfangreiche Beschäftigung mit dem Thema als Expertin auf diesem Gebiet.

Wenn Sie sich selbst immer wieder einmal fragen, warum sie so empfindlich, so dünnhäutig sind, oder Ihnen immer einmal wieder gesagt wurde, dass Sie sich einfach ein dickeres Fell zulegen sollten, dann könnten auch Sie zu den hochsensiblen Menschen gehören. Oder vielleicht kennen Sie Menschen, bei denen sie gedacht haben, dass sie sich nicht immer so anstellen sollen. Falls Sie also dieses Thema interessiert, kann ich Ihnen das Buch von Ulrike Hensel nur wärmstens ans Herz legen. Sie erklärt das Thema ausgesprochen gut verständlich, zitiert immer wieder auch aus anderen Werken oder Untersuchungen und gibt viele Tipps für alle Lebenslagen, wie man mit Hochsensibilität gut leben kann. Zum einen erzählt sie aus ihrem eigenen Leben und wie sie es geändert hat, zum anderen kommen immer wieder Menschen zu Wort, die auch hochsensibel sind.

Das Buch gliedert sich in folgende Kapitel:

1. Hochsensibel (Sind Sie oder Ihr Gegenüber hochsensibel?)
2. Was bedeutet Hochsensibilität
3. Hochsensibel als Kind in der Familie
4. Hochsensibel im Freundeskreis
5. Hochsensibel in der Partnerschaft
6. Hochsensibel im Beruf
7. Fragenkatalog „Bin ich hochsensibel?“
8. Literaturhinweise

Das Buch wendet sich sowohl an Hochsensible selbst und an Menschen, die Hochsensible verstehen möchten. Es gibt Tipps und Ratschläge für beide Seiten. Wenn Sie das Thema noch weiter vertiefen möchten, gibt es noch folgende Bücher:

„Hochsensible Mitmenschen besser verstehen“
„Hochsensible Menschen im Coaching“

Mir hat dieses Buch in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Ich verstehe mich selbst und auch einige andere Menschen in meinem Umkreis jetzt besser. Und ich lerne gerade, wie ich in Zukunft mein Leben besser gestalten kann, damit ich nicht mehr so oft an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit komme.

Hochsensibilität verstehen und wertschätzen - Ulrike Hensel
Hochsensibilität verstehen und wertschätzen
von Ulrike Hensel
(2)
Buch (Taschenbuch)
23,00

Turbulente Liebeskomödie

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 04.12.2018

2017 ist Monika Maifelds Erstling beim Knaur Verlag als Paperback erschienen. Obwohl es eine Paperback-Ausgabe war, hat es bei den Leserinnen schon sehr viel Resonanz gefunden. Nun ist es als Taschenbuch erschienen.

Ich gebe es zu. Wenn ich dieses Buch nicht als Empfehlung vom Verlag bekommen hätte, hätte ich den Klappentext gar nicht gelesen und das Buch nicht in Betracht gezogen. So habe ich aber den Klappentext gelesen, und das Buch hat mich angesprochen. Besonders die erwähnte Lebensklugheit hat mich verlockt.

Monika Maifeld hat eine turbulente Liebeskomödie mit vielen Irrungen und Wirrungen geschrieben. So hätte ich mir die Geschichte auf Grund des Klappentextes allerdings nicht vorgestellt. Die Geschichte geht eben nicht nur um die junge Ärztin Alexandra, die verunglückt, und den Retter Martin, der sich eigentlich das Leben nehmen wollte. Es gibt noch einige Personen mehr, die dieses Buch bevölkern. Da ist Alexandras Mutter, Martha, noch relativ frisch verwitwet, die sich auf eine schöne Weihnacht mit ihrer Tochter freut. Eine warme und großherzige Frau, die immer zuerst an das Gute im Menschen glaubt. Es gibt den mürrischen Polizisten Jean-Claude, der kurz vor seiner Pensionierung steht. Er kann einfach nicht glauben, dass Alexandra alleine im Auto unterwegs war. Er wittert dahinter eine Geschichte. Und darüber tauscht er sich auch mit seinem Freund Jochen Marx, einem Journalisten aus, der daraus eine packende Reportage machen will. Die Wahrheit ist für ihn dabei nicht so wichtig. Und dann gibt es noch den arbeitslosen, ehemaligen Banker Simon Ehnen, der grad in einer tiefen Krise steckt. Und zu guter Letzt taucht auch noch der Ex-Freund, Gerd, von Alexandra auf, der sie vor 2 Jahren Knall auf Fall verlassen hat, da sich ihm ein Forschungsplatz in den USA geboten hat. Ihm war die Karriere wichtiger als die Liebe. Aber vielleicht bekommt e ja noch einmal eine 2. Chance? Und mittendrin wuselt Mr. Spock, ein Hund als charmante Nebenfigur, durch die Handlung.

Das Ende des Buches war für mich von Anfang an klar. Das verspricht ja auch schon der Titel. Aber damit wir etwas Unterhaltsames zu lesen haben, hat die Autoren einige Nebenhandlungen eingebaut, eben die Irrungen und Wirrungen. Mir war es zwischendrin schon etwas zu viel, aber dann musste ich doch unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. Außerdem interessierte mich natürlich brennend, warum Martin sich überhaupt das Leben nehmen wollte. Und dann habe ich das Buch tatsächlich an zwei Abenden ausgelesen. Es ist ein humorvolles Buch. Es ist ein romantisches Buch. Und es ist für mich ein typischer Weihnachts-Roman. Einzig die im Klappentext erwähnte Lebensklugheit habe ich jetzt nicht so wirklich entdecken können.

Eine nette Unterhaltung für Leserinnen, die gerne romantische Liebeskomödien mit vielen Verwicklungen mögen. Würde sich sicherlich auch gut als Film für RTL oder SAT1 eignen.

Morgen ist es Liebe - Monika Maifeld
Morgen ist es Liebe
von Monika Maifeld
(86)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Hach, kann das Leben einfach sein ;-)

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 28.11.2018

Bücher von Tanja Janz sind St.-Peter-Ording, sind Küstenfeeling pur und machen einfach glücklich. Diese Bücher sind also so richtig schöne Kuscheldeckenbücher, bei denen man der Wirklichkeit entfliehen und sich einfach geborgen fühlen kann.

Alida, die Protagonistin dieses Romans, ist Ende dreißig. Irgendwann einmal hat sie Glück gehabt und hat von ihrem langweiligen Bürojob umgesattelt auf Einrichtungsberatung. Dazu hat sie eine Fernsehsendung und einen Blog. Doch dann wird die Sendung ausgerechnet kurz vor Weihnachten eingestellt. Dabei ist Weihnachten die absolut liebste Zeit von Alida. Als dann auch noch ihre geliebte Großmutter unerwartet stirbt und einen Brief an eine große Liebe von früher hinterlässt, möchte Alida den Postboten spielen. Sie reist nur mit dem Wissen, dass der Mann Hans mit Vornamen heißt und 1949 Bernsteinsammler in St.-Peter-Ording war nach St.-Peter-Ording. Sie findet ein Zimmer bei Femke und Simon, die ein wunderschönes altes Haubarg (ein typisches Bauernhaus der Halbinsel Eiderstedt) besitzen, in dem sich auch ein Antiquitätengeschäft befindet. Alida freundet sich schnell mit Femke an. Allerdings Femkes Bruder Thomas ist ihr ausgesprochen suspekt. Er ist einfach immer so unfreundlich zu ihr, und sie weiß gar nicht, womit sie das verdient hat. Während der Suche nach Hans lernt Alida interessante Menschen kennen. Und so fügt sich am Ende alles so, wie es bei solch einem Roman einfach sein muss.

Manchmal brauche ich einfach solche leichten Bücher. Sie sind wie Schokolade. Wir wissen, dass sie vielleicht gar nicht gut für uns sind. Und zu viel darf man davon auch nicht auf einmal konsumieren, sonst wird es zu süß. Aber immer mal wieder so zwischendurch? Einfach herrlich! Ich liebe diese Beschreibungen von St-Peter-Ording, dem Strand und dem Meer. Ich möchte dann sofort wieder dorthin und ein paar ruhige Tage dort verbringen.

Wer öfter Bücher von Tanja Janz liest, wird in Nebenrollen immer auch wieder Menschen aus früheren Romanen treffen. Alte Bekannte eben. Und ihre Personen sind einfach liebenswert. Diese zauberhafte Familie um Femke und Simon, mit ihren Zwillingen und der etwas dementen Oma Inge. Solch eine Familie muss man einfach lieben. Man möchte sie sofort auch als Freunde haben. Schade nur, dass das Leben in Wirklichkeit nicht so einfach ist. Oder ist es das vielleicht doch, nur sehen wir die Möglichkeiten gar nicht mehr?

Dünenwinter und Lichterglanz - Tanja Janz
Dünenwinter und Lichterglanz
von Tanja Janz
(22)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Lassen Sie sich von dieser Geschichte verzaubern!

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 26.11.2018

Die Adventszeit ist eine Zeit, in der man sich doch gerne verzaubern lässt. In der man gerne auch selbst einmal wieder Kind wird. Und genau hierzu passt der Roman von Robert Dinsdale, der im Englischen „The Toymaker“ heißt. Es ist ein wunderbares Märchen, mit vielen phantastischen Ideen. Wenn man sich auf diese Fantasiereise einlässt, wird man belohnt.

Robert Dinsdale erzählt eine ganz eigenwillige Geschichte. Der Ort der Handlung ist das „Papa Jacks Emporium“, ein ganz besonderer Spielzeugladen in London. Jeweils am ersten Tag des Frosts öffnet er seine Türen und schließt pünktlich sobald das erste Schneeglöckchen auf der Terrasse erblüht ist. Das Emporium wird von Papa Jack geführt, einem Koloss von einem Mann, bei dem man nie wirklich weiß, wie alt er eigentlich ist. Wahrscheinlich ist er sogar jünger als man beim Lesen vermutet. Er hat seine beiden Söhne Kaspar und Emil alleine aufgezogen. Und beiden wirken in dem Emporium mit. Der Spielzeugladen verkauft nicht einfaches Spielzeug, sondern dieses Spielzeug ist irgendwie magisch. Die meisten Spielsachen können über einen Mechanismus aufgezogen werden. Und dann erwachen sie zum Leben. Aber nicht einfach so wie diese Hunde mit Batterien u.ä., was wir heute in den Geschäften kaufen können. Diese Spielsachen haben eine gewisse künstliche Intelligenz und lernen irgendwie dazu. In der Zeit, wo das Geschäft geschlossen ist, basteln Papa Jack und seine beiden Söhne an neuen, aufregenden Spielsachen. Die meiste Magie enthalten die Dinge, die Papa Jack herstellt, aber auch Kaspar ist auf einem sehr guten Weg. Sein jüngerer Bruder ist eher der handwerklich begabtere von beiden. Es herrscht eine gewisse Rivalität zwischen den Brüdern, die sie in dem sogenannten „langen Krieg“ mit ihren Spielzeugsoldaten ausleben, damit sie nicht an anderer Stelle explodiert.

Das Leben im Emporium wird das erste Mal so richtig durcheinandergewirbelt, als die knapp 16jährige Cathy die Anzeige in einer Zeitung entdeckt, in der Mitarbeiter gesucht werden. Irgendwer hat diese Anzeige eingekreist. Der Text der Anzeige „Fühlen Sie sich verloren? Ängstlich? Sind Sie im Herzen ein Kind geblieben? Willkommen in Papa Jacks Emporium“ spricht sie an, denn all dies triff in ihrer aktuellen Lebenssituation auf sie zu. Sie ist ungewollt schwanger geworden. Der Vater des Kindes wird sie nicht heiraten. Ihre Eltern wollen, dass sie das Kind heimlich zur Welt bringt und es dann zu Adoption freigibt. Aber dies möchte Cathy nicht. Und so macht sie sich auf zu Papa Jack. Allerdings verrät sie dort nicht, in was für einer prekären Situation sie steckt. Es kommt, wie es kommen muss. Beide Jungs verlieben sich in Cathy, aber sie kann natürlich nur einen erhören. Und dies wird Kaspar sein. Dann bricht der 1. Weltkrieg aus. Und damit zieht so ganz langsam auch das echte Leben ins Emporium ein. Einer der Brüder muss in den Krieg, der andere ist untauglich. Wie wird diese Geschichte ausgehen? Wird derjenige, der in den Krieg ziehen muss, überleben? Wie wird es dem Emporium ergehen?

Robert Dinsdale erzählt diese Geschichte von 1906 bis 1953. Es ist eine Geschichte, die mich an ganz viele andere Geschichten erinnert hat. So hat für den Autor sowie für seine Hauptpersonen Cathy und ihre Tochter immer das Buch „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift offensichtlich eine große Rolle gespielt. Im Laufe der Handlung musste ich an ein anderes modernes Märchen denken, was mich ebenso beeindruckt hatte: „Die Mechanik des Herzens“ von Mathias Malzieu. Und dann fielen mir im Laufe der Handlung der Film „Tron“ aus den Disney Studios von 1982, „Mary Poppins“ von P. L. Travers, „Der Rattenfänger von Hameln“ und „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers ein. Es ist eine spannende Geschichte mit ganz viel Fantasie. Man kann in diese Welt eintauchen, aus der Wirklichkeit verschwinden. Aber die Wirklichkeit ist leider nie weit weg. Und so sorgen die Rivalität der Geschwister, der 1. Weltkrieg und die wirtschaftliche Situation immer wieder für Spannungen zwischen den Protagonisten.

Zwischendrin hatte ich ein wenig Angst, ob das Buch ein gutes Ende nehmen kann. Ich konnte einfach nicht erahnen, wohin die Geschichte führt. Und das hat mich ein wenig verunsichert. Außerdem gibt es zwischendrin einige Längen. Aber irgendwie konnte ich einfach nicht von diesem Buch lassen. Und das Ende hat mich dann vollkommen überrascht. Und damit ist dieses Buch so ein für mich durchaus typisches Buch geworden – das Ende hat mich für alle Zweifel zwischendrin belohnt. Nun ist es ein Buch, was mich richtig glücklich gemacht hat! Und wenn wir auch nicht in so einen magischen Spielzeugladen verschwinden können, wir die Wirklichkeit nicht ausblenden können, so entführt uns dieses Buch doch wenigstens zeitweise in eine ganz andere Welt.

Ich hoffe ich habe Sie auf dieses Buch neugierig gemacht, denn wie heißt es in dem Roman so schön: „Es waren Geschichten, die ihnen halfen, denken zu lernen …“ (Seite 248 e-book). Und so bringt uns dieses Märchen vielleicht auch ein wenig zum Nachdenken.


Die kleinen Wunder von Mayfair - Robert Dinsdale
Die kleinen Wunder von Mayfair
von Robert Dinsdale
(48)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Doch ganz anders als gedacht

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 24.11.2018

Anscheinend sind gerade Geschichten bei den Verlagen in, die kurz vor oder während des 1. Weltkriegs spielen. Ich habe Ihnen ja bereits vor kurzem „Die Schokoladenvilla“ von Maria Nikolai vorgestellt, die 1903 beginnt und 1904 endet. Zwei weitere Bände werden folgen. Ebenso auf drei Bände ausgelegt ist die Geschichte um „Das Gut Greifenau“ von Hanna Caspian, wovon ich Ihnen ebenfalls den ersten Teil vorgestellt habe. Das Buch spielte von 1913 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs. Und nun „Die Villa am Elbstrand“ von Charlotte Jacobi, die 1912 beginnt und 1920 endet. Ebenfalls gerade angesagt scheinen Bücher zu sein, die in Hamburg spielen. Wahrscheinlich werde ich Ihnen nämlich im Dezember noch das Buch „Die Villa an der Elbe“ von Linda Belago vorstellen. Das Buch beginnt 1910. Doch nun zu dem Buch, was ich Ihnen dieses Mal vorstellen möchte.

Charlotte Jacobi (ein Pseudonym der Autoren Eva-Maria Bast und Jörn Precht) haben einen sehr interessanten Roman geschrieben, der sich ganz anders entwickelt hat, als ich es erwartet habe. Es ist eine sehr interessante und gewagte Mischung herausgekommen. Die Inhaltsangabe hier bei thalia.de liest sich ja wie ein modernes Märchen. Fast zu gut um wahr zu sein! Sofie, Tochter eines Melkers aus dem Norden Schleswig-Holsteins rettet die fast gleichaltrige Hamburger Reederstochter Anna Nieland aus dem Feuer eines Strandhotels. Anna bedankt sich am nächsten Tag persönlich bei ihr. Und von da an schreiben sich die beiden sehr ungleichen Mädchen regelmäßig Briefe. Zwei Jahre später erhält Sofie die Möglichkeit als Gesellschafterin zu Anne in den Reedereihaushalt zu ziehen. Dieses Angebot nimmt sie natürlich an. Dort angekommen ist ihre Rolle eigentlich viel mehr als eine Gesellschafterin. Sie ist eigentlich die beste Freundin von Anna und begleitet sie überall hin. Anfangs bereitet ihr die neue Situation Schwierigkeiten, denn sie darf die Mahlzeiten zusammen mit den Herrschaften einnehmen, wohnt aber mit dem Dienstmädchen Ursel zusammen in einer Stube untern Dach. So muss sie gegen die Vorbehalte von Annas Großmutter Gudrun, die sehr hanseatisch-konservativ ist, und deren Kammerzofe ankämpfen. Doch Sofie ist eine plietsche Deern, die schnell im ganzen Haushalt beliebt ist. Doch dann bricht der 1. Weltkrieg aus und Annas Vater Christian, Annas Bruder Burkhard und Annas große Liebe Gideon Meseritz ziehen in den Krieg. Sie werden alle drei auf demselben Schlachtschiff „Nassau“ eingesetzt. Ebenfalls in den Krieg zieht Sofies Bruder Willy. Er wird Heizer auf dem kleinen Kreuzer „Wiesbaden“. Auch Annas Schwester, die eine für ihre Zeit sehr moderne Frau und Kriegsgegnerin ist, verpflichtet sich. Sie wird Krankenschwester auf dem Lazarettschiff „Sierra Ventana“. Später stößt Sofie zu ihr auf ebendieses Schiff. Anna und ihr Cousin Hinnerk versuchen derweil den Geschäftsbetrieb der Reederei aufrecht zu erhalten.

Ich hatte mir bei dem Klappentext jetzt so einen richtigen Schmöker über eine doch eher unrealistische Frauenfreundschaft vorgestellt, bei dem der 1. Weltkrieg nur am Rande gestreift wird. Und eigentlich hatte ich mir das Buch nur vorgenommen, da es in Hamburg spielt und ich dachte, dass ich für unsere Kundinnen etwas darüber wissen sollte. Doch dann hat mich das Buch sehr positiv überrascht. Gut, Sofies und Willys Aufstieg in der Geschichte kommen mir immer noch ein wenig unrealistisch vor. Sie sind Kinder eines Melkers, die nie lange zur Schule gehen durften. Doch beide sind sehr klug und haben offensichtlich viel Zeit gefunden, um sich über Bücher weiterzubilden. Ob das so geklappt haben könnte, bin ich mir unsicher. Spannend fand ich, dass das Autorengespann nicht beim dem klassischen Genre des historischen Frauenromans bleibt. Das hätte bedeutet, dass die Geschichte weiterhin in Hamburg gespielt hätte. Wir hätten einfach das Schicksal derjenigen weiterverfolgt, die in Hamburg die Stellung gehalten hätten. Der 1. Weltkrieg wäre nur am Rande gestreift worden. Allerdings gehen die Autoren einen anderen Weg. Sie nehmen uns mit auf die Kriegsschiffe des 1. Weltkriegs. So erleben wir die Schlacht am Skagerrak gleich auf zwei Kriegsschiffen hautnah mit. Wir erfahren wie grausam diese Schlacht war. Und wir lernen kennen, wie unterschiedlich die Besatzungsmitglieder werden des Krieges behandelt wurden. Die Offiziere haben die ganze Zeit nicht darben müssen, während die einfachen Dienstgrade einen unglaublichen Fraß vorgesetzt bekamen, und zusätzlich wurden sie von den Offizieren auch noch schikaniert. Eine kleine Nebenrolle spielt der Hamburger Dichter aus Finkenwerder – Rudolf Kinau, der unter dem Namen Gorch Fock bekannter ist. Die Schikane an den Mannschaftsgraden hat schon früh zu Unruhe auf den Schiffen geführt, die letztendlich zum Matrosenaufstand in Kiel geführt haben. Auch dort sind wir kurzzeitig unmittelbar dabei. Danach geht es zurück nach Hamburg, wo die Reederei Nieland direkt von dem Versailler Vertrag betroffen ist. Sie müssen all ihre Schiffe abgeben. Auch die, die während des Krieges im Ausland festgesetzt wurden. Doch ein Zusammenschluss Hamburger Reeder hatte eine sehr gute Idee, die einigen sicherlich ihre Zukunft gerettet hat. Sie durften mit dem Passagier- und Frachtschiff „Lucie Woermann“ Mannschaften für die Segelschiffe nach Chile bringen. Die dort festsitzenden Salpetersegler durften noch ein letztes Mal mit Fracht zurück nach Hamburg reisen. Und diese Fracht gehörte den Reedern, während sie ihre Schiffe nach dieser Reise abgeben mussten. All dies sind wirklich wahre Begebenheiten, die gut recherchiert wurden. Wer möchte, findet im Anhang dazu viele weiterführende Literaturhinweise.

Mir hat das Buch dann insgesamt doch sehr gut gefallen. Ich kann allerdings auch durchaus den Einwand einer Leserin verstehen, der es zu viel 1. Weltkrieg war. Damit hatte ich auch nicht gerechnet. Für mich war es zwar eine positive Überraschung. Aber wenn ich einen richtigen Schmöker erwartet hätte, wäre ich auch enttäuscht gewesen. Leider konnte ich bisher nicht herausfinden, ob es eine Fortsetzung geben wird. Ich hoffe allerdings sehr darauf. Es sind nämlich bereits einige gute Zutaten vorhanden, um die Geschichte auch spannend während der Weimarer Republik weitererzählen zu können. Gerade Annas Mann und Annas Bruder könnten hierbei sehr wichtige Rolle spielen.

Eine spannende Lektüre für die Leserinnen, die gerne die beiden Bücher „Das Haus am Alsterufer“ und „Sterne über der Alster“ von Micaela Jary gelesen haben.


Die Villa am Elbstrand - Charlotte Jacobi
Die Villa am Elbstrand
von Charlotte Jacobi
(8)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Toll erzählt

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 22.11.2018

Und wieder so ein Universalgenie! Ich bin immer wieder erstaunt, wie ungleichmäßig manchmal Talente verteilt sind. Ich werde dann ein wenig neidisch, wenn ich entdecke, dass Schauspieler auch noch wirklich tolle Romane schreiben, singen oder schöne Bilder malen können. Der Schauspieler Christian Berkel ist auch wieder so ein Glückskind.

„Der Apfelbaum“ gilt als Roman. Aber so, wie Christian Berkel die Geschichte erzählt, kommt sie mir tatsächlich wie eine Biografie seiner Familie (Großeltern und Eltern) vor. Da er allerdings mit Sicherheit nicht mehr alles exakt recherchieren konnte, hat er wohl einiges hinzugedichtet und es deshalb als Roman bezeichnet.

Eigentlich muss ich Ihnen zum Inhalt des Buches gar nicht viel sagen. Hier bei thalia.de steht schon viel zu viel dazu. Aber gerade durch die Art und Weise, wie Christian Berkel die Geschichte erzählt, wird sie so außergewöhnlich. Er beginnt mit einem Besuch bei seiner alten Mutter in Berlin. Dieser Teil der Geschichte, der immer einmal wieder in die eigentliche Handlung eingestreut wird, liest sich wie ein Werkstattbericht. So kann man sich vorstellen, dass er seine Familiengeschichte wirklich zusammengetragen hat. Doch dann ist man mit einem neuen Kapitel plötzlich mitten in der Geschichte drin. Der Autor erzählt von seinem Vater, der als armes Arbeiterkind 1915 in der Parterrewohnung eines dritten Kreuzberger Hinterhofs zur Welt gekommen ist. 1932 lernt er durch Zufall seine große Liebe Sala kennen. Sala ist zu dem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt. Sie ist die Tochter einer polnischen Jüdin und eines protestantischen Vaters. Die Eltern leben allerdings nicht mehr zusammen. Sala wächst beim Vater auf. Dann springt die Geschichte noch ein wenig weiter zurück. Wir reisen in die Schweiz zu einem Berg in Ascona, oberhalb des Lago Maggiore. Dort am Monte Verità lernen sich nämlich Salas Eltern kennen und lieben. Und so springt die Geschichte immer wieder zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her. Hauptsächlich wird die Geschichte von Christian Berkels Mutter erzählt. Sala sieht sich selbst nicht als Jüdin. Sie ist nie in dem Glauben erzogen worden, da beide Elternteile Freigeister und Atheisten waren. Doch leider haben die Nationalsozialisten dies anders gesehen, und Sala muss Deutschland verlassen. Sie reist nach Paris zu ihrer Tante, muss nach dem Einmarsch der Deutschen erneut fliehen, wird aber trotzdem in ein Lager der Franzosen gesteckt. Dann hat sie Glück im Unglück. Das Kriegsende erlebt sie in Leipzig. Lange weiß sie nicht, was aus der Liebe ihres Lebens geworden ist. Und sie muss bis 1955 warten, bis sie Otto endlich widersieht. In einigen wenigen Kapiteln erfährt man auch, wie es Otto während des Krieges ergangen ist. Allerdings wird ihm deutlich weniger Zeit gewidmet als Sala.

Christian Berkel kann wunderbar schreiben. Er erzählt die Geschichte seiner Großeltern und Eltern in knappen Kapiteln mit wenigen Worten. Aber er reflektiert des Öfteren darüber, was diese Geschichte auch für ihn und seine Entwicklung bedeutet. Er setzt sich mit dem Thema Schuld auseinander und damit, dass er als Sohn einer Jüdin geboren wurde, als Katholik aufzuwachsen ist und inzwischen der Kirche den Rücken gekehrt hat. Es ist eine spannende und faszinierende Geschichte. Es ist eine Geschichte, die sich nicht mit Deutschland im Großen auseinandersetzt, sondern wirklich eigentlich nur mit der Geschichte der Familie. Otto und Sala waren keine politischen Menschen. Einzig Iza hatte wirklich eine starke politische Meinung, und die stellte sie über alles andere. Man merkt der Geschichte und den Reflektionen Christian Berkels schon an, dass seine Großeltern mütterlicherseits und sein Vater medizinisch und psychologisch sehr gebildet waren. Dies hat auch auf den Enkel bzw. Sohn abgefärbt.

Ein ungewöhnlich erzählter Roman über einer deutschen Familie, die Glück in einer schwierigen Zeit hatte. So kann es gewesen sein. Nach diesem Roman werde ich den Schauspieler noch einmal mit anderen Augen sehen. Das dazugehörige Hörbuch ist übrigens ungekürzt und vom Autor selbst eingelesen worden.


Der Apfelbaum - Christian Berkel
Der Apfelbaum
von Christian Berkel
(62)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

 
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