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BuchhändlerInnen im Portrait

Monika Fuchs
aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg
Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Empfehlungen 761 (ansehen)


Über mich:
bin eine Buchhändlerin, die mit Herzblut dabei ist. Ich liebe gut gemachte Unterhaltungsliteratur, bei denen ich auch noch etwas über das Leben und die Geschichte lernen kann.
Alter:
56 Jahre
Abteilung:
Belletristik (Romane, Krimis, Historische)
Funktion:
Buchhändlerin
Lieblingsautoren:
Nina George, Nicole Walter, Julia Fischer, Charlotte Roth, Carmen Lobato, Lydia Conradi, Heidi Rehn, Micaela Jary
An meinem Beruf gefällt mir:
dass ich Menschen mit meinen Lieblingsbücher glücklich machen kann.
Im Beruf seit:
1982
Das beste Buch aller Zeiten:
Nina George, Das Lavendelzimmer

Meine Empfehlungen

Wie geht es mit Frieda und ihren Schokoladenkreationen weiter?

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 10.12.2019

Vor ungefähr einer Woche habe ich Ihnen den zweiten Band der „Elbstrand-Saga“ von Charlotte Jacobi vorgestellt. Und jetzt folgt der zweite Band der „Großen Hamburg-Saga“ von Lena Johannson. Ebenso wie die ersten Bände parallel erschienen sind, ist es mit dem zweiten jetzt auch so. Der erste Band von Lena Johannson hatte mir ja sehr gut gefallen. Nun war ich gespannt, ob es mit dem zweiten so weitergeht.

Der erste Band endete 1924. Nach der gescheiterten Liebe zu dem Engländer Jason hat sich Frieda nun endlich mit dem Dänen Per verlobt. Alle warten sehnsüchtig auf die große Hochzeit. Doch irgendwie ist Frieda ihre Arbeit immer wichtiger. Noch zu, wo sie endlich in der Firma ihres Vaters das machen darf, was sie schon lange wollte. Wie sie dem Klappentext bereits entnehmen konnten, ist, dass auch das Thema „Jason“ noch nicht wirklich abgeschlossen ist. Wie wird Frieda sich letztendlich entscheiden?

Der zweite Band spielt in der Zeit von 1925 bis kurz vor den Kriegsbeginn 1939. Neben den Liebesgeschichten von Frieda, geht es in diesem Band aber natürlich auch wieder um Friedas besten Freund Ernst, der in der Firma einen großen Aufstieg geschafft hat. Es bleibt spannend, wie sich Hans, der am Anfang noch in Hamburg im Gefängnis sitzt, entwickelt und wie es mit seiner ehemaligen Freundin Selma und dem gemeinsamen unehelichen Kind Sarah weitergeht. Clara, die jüdische Freundin Friedas hat ihren Weg im Leben gefunden, aber da sie ebenfalls wie Selma Jüdin ist, wird sie den wohl nicht so fortsetzen können, wie geplant.

Die Familiengeschichte geht also spannend weiter. Für meinen Geschmack geht es am Anfang viel zu viel um die Schwierigkeiten, die Frieda hat, bis sie sich endlich für einen Mann entscheidet. Die gesellschaftlichen Änderungen Ende der 20. Jahre kommen nur am Rande in der Geschichte vor. Und auch die Entwicklungen während des 3. Reichs hätte ich mir präsenter vorgestellt. Das ändert sich allerdings zum Ende des Buches. Was die Autorin allerdings sehr gut herausgearbeitet hat, ist die Schwierigkeit, wie man Widerstand leisten kann. Gerade wenn man Familie hat, muss man dabei eben auch an die Folgen denken, die es für die Angehörigen haben könnte, wenn man Widerstand leistet.

Wir erfahren wieder sehr viel zum Thema Schokoladenherstellung. Dabei fand ich es besonders faszinierend, wie sich sogar hier das 3. Reich eingemischt hat, da nicht alle Rohstoffe so verschwenderisch verwendet werden durften, wie früher.

Wenn man diesen Roman als eine spannende Familiengeschichte in einer schwierigen Zeit lesen möchte, macht er viel Spaß. Wenn man allerdings mehr über die geschichtlichen Zusammenhänge erfahren möchte, dann wird einem dieser Roman zu leicht sein, obwohl ich am Ende sehr erstaunt über die Entwicklung eines Familienmitglieds war. Und man bekommt durch Friedas Freundin Clara trotzdem einiges zum Thema Antisemitismus mit.

Ich bin gespannt, wie es im dritten Band, der im Juni 2020 erscheint, weitergehen wird. Wenn man dem kurzen Klappentext trauen darf, der jetzt schon zu lesen ist, spart die Autorin den 2. Weltkrieg aus und beginnt den dritten Teil nach dem Ende des Krieges. Wer wird von Friedas Familienmitgliedern und Freunden dann noch am Leben sein?

Auch wenn es um Schokolade geht, ist diese Reihe von Lena Johannson doch etwas ganz anderes als die „Schokoladen-Saga“ von Maria Nicolai.

Jahre an der Elbchaussee - Lena Johannson
Jahre an der Elbchaussee
von Lena Johannson
(5)
Buch (Klappenbroschur)
12,99

Ein besonderes Weihnachtsfest

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 06.12.2019

Vor ein paar Tagen hatte ich Ihnen hier das aktuelle Weihnachtsbuch der Autorin Linda Winterberg vorgestellt. Aber es gibt noch ein weiteres von ihr, welches schon vor zwei Jahren erschienen ist. Das möchte ich Ihnen nun auch noch vorstellen, weil es ganz anders ist als alle Weihnachtbücher, die ich bisher kennen. Und ich finde es besonders berührend.

Der Klappentext gefällt mir dieses Mal tatsächlich gut. Für mich ist das Besondere an dieser Geschichte, dass sie 1951 spielt. Der 2. Weltkrieg ist jetzt gut 6 Jahre her, aber die Folgen des Krieges sind noch überall zu spüren, auch wenn es seit der Währungsreform 1948 aufwärts geht und die Geschäfte wieder gefüllt sind. Viele Menschen haben noch mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Manche Menschen sind gefallen, viele haben Fehler gemacht oder sogar den Tod von anderen Menschen verschuldet. Wie gehen die Menschen damit um?

Die Hauptpersonen in dieser kleinen Geschichte sind Eva und Lotte, Paul, August ein Leierkastenmann und Hermann, der Zwergesel. Eva ist eine Kriegswitwe, die für ihre achtjährige Tochter Lotte versucht, ein schönes Familienleben aufzubauen. Da nimmt sie auch private Einschränkungen hin. Sie will den älteren Paul heiraten. Doch plötzlich passiert etwas, dass sie, ihre Tochter und der kleine Zwergesel Hermann einen Tag vor Heiligabend auf der Straße stehen. Wohin sollen sie gehen? Doch zum Glück gibt es den Nachbarn August, der ihnen eine Herberge anbietet. Wird es für Eva, Lotte, Hermann und August doch noch ein schönes Weihnachten? Und was wird mit Paul? Und wer ist der Leierkastenmann, den ich als eine der Hauptpersonen erwähnt habe?

Linda Winterberg hat eine schöne, besinnliche Geschichte über ein ungewöhnliches Weihnachtsfest geschrieben. Gibt es tatsächlich Weihnachtswunder? Sie beschreibt diese Zeit von 1951 sehr gut. Optisch wird alles wieder besser. Es gibt Geschäfte, in denen man viele schöne Dinge einkaufen kann. Leider sind sie natürlich nicht immer preisgünstig und für jeden Geldbeutel zu haben. Aber wie sieht es in den Menschen drinnen aus? Und wie gehen sie mit ihren Traumata um? Paul und August sind zwei Männer, die beide das Gefühl haben, dass sie schuldig an dem Tod eines geliebten Menschen sind. Aber sie gehen unterschiedlich damit um. August entdeckt, dass er trotz seines Schuldgefühls anderen Menschen noch viel zu geben hat. Und dadurch findet er auch wieder Freude am Leben. Doch wird Paul dies auch noch für sich entdecken?

Eine Geschichte, die mich in zweierlei Hinsicht zum Nachdenken gebracht hat. Zum einen, wie wichtig es ist, dass man sich mit seinen Traumata auseinandersetzt und versucht, eine Lösung für sich selbst zu finden, damit sie nicht das ganze weitere Leben vergiften. Und zum Zweiten, wie gut es den meisten von uns heute hier in Deutschland doch eigentlich geht. Wir haben warme Wohnungen, haben genug zu Essen und die Kinder bekommen meist mehr Geschenke als ihnen eigentlich guttut. Aber auch heute gibt es noch viele Menschen, die Weihnachten einsam sind. Vielleicht erreicht diese kleine Geschichte, dass wir an Weihnachten auch einmal an die Menschen denken, denen es nicht so gut geht. Vielleicht können auch wir fremde Menschen einladen und mit ihnen zusammen essen und feiern und damit die Welt zu einem etwas besseren Ort machen?

Für immer Weihnachten - Linda Winterberg
Für immer Weihnachten
von Linda Winterberg
(15)
Buch (gebundene Ausgabe)
12,00

Die Jahre der Ungewissheit

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 05.12.2019

Vor ungefähr einem Jahr habe ich Ihnen den ersten Band „Die Villa am Elbstrand“ aus der Elbstrand-Saga von Charlotte Jacobi vorgestellt. Ein Roman, den ich in der Kombination – eher unrealistische Liebes- und Freundinnengeschichte gepaart mit sehr realistischer Darstellung des Seekrieges während des 1. Weltkriegs – doch sehr gewagt fand. Deshalb habe ich auch etwas mit mir gehadert, ob ich wirklich einen Folgeband der Geschichte lesen wollte. Aber die Neugier siegte. Noch zu, wo es in dem zweiten Band genau um die Zeitspanne 1933 bis 1945 geht, eine Epoche, die mich ja bekanntermaßen immer wieder interessiert. Und ich kann Ihnen schon jetzt sagen, dass ich es definitiv nicht bereut habe, den zweiten Band zu lesen. Ich bin von dem zweiten Band sogar richtig begeistert gewesen und habe ihn innerhalb von zwei Tagen durchgelesen.

Der Klappentext fasst den Inhalt des Buches ein wenig fragwürdig zusammen. Es spielt nicht nur Hilde Timmlein, die Tochter von Sofie und Max eine große Rolle in dem Roman, sondern wieder die ganze Familie Nieland und die Familie Timmlein. Und damit können die Autoren ein weites Feld der Themen des Nationalsozialismus in ihrem Buch verarbeiten.

Die wichtigsten Hauptpersonen sind:
- Sofie Timmlein, die beste Freundin und frühere Gesellschafterin von Anna Nieland. Jetzt verheiratet mit Max Timmlein, dem Majordomus der Nielands
- Max Timmlein
- Hilde Timmlein, die uneheliche Tochter von Burkhard Nieland, der im Gegensatz zu Max nichts von ihrer Herkunft weiß. Hilde interessiert sich sehr für Mode.
- Anna Nieland, die ihre große Liebe Gideon Mazerats, einen Juden, geheiratet hat
- Gideon Meseritz
- Leni, ihre Tochter, eine patente junge Frau, die gerne studiert hätte
- Hinnerk Nieland, der Cousin von Anna und Burkhard, der mit Willi Heger liiert ist
- Willi Heger, eigentlich Willy Brix, der Bruder von Sofie
- Burkhard Nieland, das schwarze Schaf der Familie, bei dem schon Ende des ersten Bands angedeutet wurde, dass er ein überzeugter Nationalsozialist wird. Ehemaliger Verlobter von Sofie.
- José Torres, der Sohn von Edith Torres, der Schwester von Anna und Burkhard Nieland.
- Gudrun Nieland, die große Matriarchin der Familie, die 1933 80 Jahre alt wird

„Die Villa am Elbstrand“ endete 1920, „Die Sehnsucht nach der Villa am Elbstrand“ beginnt im Winter 1932/33. Uns fehlen also ungefähr 12 Jahre, wobei uns allerdings die für die Geschichte relevanten Daten an der jeweils passenden Stelle erzählt werden. Während der Weimarer Republik hat die Familie ihre Villa verkaufen müssen. Aber ein Erbfall machte es möglich, dass die Villa jetzt zurückgekauft werden konnte. Und so zieht ein Teil der Familien wieder zurück. Einzig Edith bleibt mit ihrem chilenischen Ehemann in Portugal. Selbst Burkhard kehrt für einige Zeit zurück in die Villa, allerdings gegen den Protest der Familie. Wir verfolgen in diesem Roman die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder während der Zeit des Dritten Reichs und des 2. Weltkriegs. Anders als im ersten Teil sind wir aber in diesem nicht mitten im Kriegsgeschehen dabei.

Ein hohes Tier bei den Nationalsozialisten, ein homosexuelles Paar, ein jüdischer Ehemann und eine halbjüdische Tochter, sowie ein ungeklärtes Familienverhältnis sorgen natürlich für den genau richtigen Stoff für so einen Roman. Die beide Autoren Eva-Maria Bast und Jörn Precht, die zusammen Charlotte Jacobi sind, haben daraus einen packenden Roman gemacht, in den sie ähnlich wie Peter Prange auch viele wahre Persönlichkeiten und Begebenheiten mit eingearbeitet haben. So lernen wir die chilenische Nachtigall Rosita Serrano kennen, die neben Zarah Leander und Marika Rökk zu den beliebtesten Sängerinnen der Führungsriege der Nationalsozialisten gehörte. Hilde wird in diesem Buch zu ihrer Garderobendame und Freundin. Wir erfahren etwas über den Gutshof Jägerslust kurz vor der dänischen Grenze, wo Alexander Wolff mit seiner Familie junge Juden ausbildete, damit sie in Palästina einen Kibbuz aufbauen können. Wir sind auf der Reise der St. Louis unmittelbar dabei und wir erfahren etwas über das KZ Buchenwald. Und außerdem bekommen wir auch den Hamburger Feuersturm hautnah mit.

Während ich den ersten Band noch sehr unrund empfand, so als ob zwei völlig unterschiedliche Geschichten von zwei Autoren erzählt werden, war der zweite Band komplett aus einem Guss. Jetzt könnte ich nicht mehr sagen, wer welchen Teil geschrieben hat. Die Geschichte wechselt stetig zwischen den einzelnen Familienmitgliedern hin- und her. Damit wird die Spannung natürlich noch deutlich erhöht, da es immer wieder zu Cliffhangern kommt. Meine Lieblingsfigur ist eigentlich nur eine Nebenfigur. Es ist nämlich die Matriarchin Gudrun Nieland. Irgendwie gefällt mir die große, selbstbewusste und eigenwillige Dame, die ihren ganz eigenen Charme und trockenen Humor hat. Ich habe bei ihr immer Maggie Smith als Lady Violet aus Downtown Abbey vor Augen gehabt.

Während ich beim ersten Band noch hin- und hergerissen war, hat mich der zweite vollkommen überzeugt. Es ist eine spannende Familiengeschichte, bei der man in deren kleinen Welt ganz viel über die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus erfährt. Einige Szenen haben mich tatsächlich überrascht. Die Lektüre ist nicht immer leichte Kost, man muss schon einige Male durchaus schlucken. Was mir auch gut gefallen hat, ist, dass es auch dieses Mal nicht für jeden der Mitglieder der Familie gut ausgeht. Alles andere wäre ansonsten unrealistisch. Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen dieses Mal schon sagen kann, dass es einen dritten Band geben wird – „Sturm über der Villa am Elbstrand“ erscheint am 02. Februar 2020. Und dieser Band wird offensichtlich auch die große Sturmflut von 1962 beinhalten. Ich bin schon sehr gespannt darauf.

Sehnsucht nach der Villa am Elbstrand - Charlotte Jacobi
Sehnsucht nach der Villa am Elbstrand
von Charlotte Jacobi
(2)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Ach könnte das Leben doch manchmal schön sein

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 03.12.2019

Linda Winterberg hat beim Aufbau Verlag ja schon einige Romane herausgebracht.
Gelesen habe ich bisher aber nur den Auftaktband „Aufbruch in ein neues Leben ihrer Hebammen-Trilogie. Und da er mir so gut gefallen hat, war ich sehr gespannt, wie sich ihr neuer Roman liest. Die Inhaltsangabe hörte sich für mich sehr vielversprechend an, wie auch die Inhaltsangaben all ihrer anderen Bücher.
Rein optisch ähneln ihre Romane den Romanen von Charlotte Roth. Und das ist sicherlich Absicht, denn auch inhaltlich wenden sie sich an den gleichen Leserkreis.

Doch leider hat mich die Inhaltsangabe getäuscht, wobei dies nicht heißt, dass der Roman mich grundsätzlich enttäuscht hat. Ich hatte nur etwas ganz anderes erwartet. In diesem Roman geht es nämlich viel weniger um die Suche nach den deutschen Wurzeln von Maries norwegischer Freundin Elin, sondern um die Zukunft der beiden Frauen in Wiesbaden.

„Die Kinder des Nordlichts“ ist eine kleine Nebengeschichte zu dem Roman „Das Haus der verlorenen Kinder“. Man muss diesen Roman aber nicht gelesen haben, um das aktuelle Buch zu verstehen. Ich habe es nämlich auch noch nicht gelesen, jetzt aber sehr viel Lust darauf. In dem Roman „Das Haus der verlorenen Kinder“ geht es nämlich um die Geschichte der Norwegerin Betty, die sich während des 2. Weltkriegs in einen deutschen Soldaten verliebt und ein Kind von ihm bekommen hat. Eine Geschichte, die damals offensichtlich sehr häufig passiert ist. Und diese Betty ist die Großmutter von Marie. Am Anfang des Buches ist Betty allerdings gerade gestorben, und Marie überlegt zurück nach Deutschland zu gehen. Ihre Freundin Elin hat fast das gleiche Schicksal. Sie hat ebenfalls gerade ihre Großmutter verloren, und ihre Großmutter hat gleichfalls ein Kind von einem deutschen Soldaten bekommen. Und so lädt Marie Elin ein, mit ihr nach Wiesbaden zu kommen. Gemeinsam mit Maries mütterlichen Freundin Gertrud wollen sie versuchen Elins Großvater zu finden. Doch das ist nicht die Haupthandlung des Buches. Eigentlich geht es nämlich darum, dass Marie und Elin ein kleines Café eröffnen wollen analog zu dem, welches Elins Großmutter in Norwegen hatte. Doch wie sie auf diese Idee kommen und wie sie sich das leisten können, das ist die eigentlich märchenhafte Geschichte dieses Romans.

Dies war mein erster und wahrscheinlich auch einziger Weihnachtsroman in diesem Jahr. Und auch wenn er ganz anders aussieht und sich auch anders liest als die Romane, die sich bei uns im Laden auf dem „Winter Romance“-Tisch tummeln, so ist es doch ein Weihnachtsroman. Denn es ist ein modernes Märchen, bei dem sich am Ende einfach alles gut fügt. In der trüben und kalten Jahreszeit braucht man so etwas einfach mal.

Mir hat an diesem Roman besonders gut gefallen, wie die einzelnen Menschen einander geholfen haben. Es gibt in diesem Roman viele verschiedene Menschen unterschiedlichen Alters, die alle allein leben. Aber in diesem Roman finden sie zusammen und helfen einander. Und das fand ich wunderschön. Wenn wir dazu alle öfters bereit wären, dann wäre die Welt definitiv ein schönerer Ort!

Die Kinder des Nordlichts - Linda Winterberg
Die Kinder des Nordlichts
von Linda Winterberg
(24)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Die Frau hinter Bibi Fellner

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 02.12.2019

Ich habe mir merkwürdigerweise nie Gedanken darüber gemacht, dass ich die Wiener Tatort-Kommissarin Bibi Fellner – bis vor kurzem kannte ich nicht einmal ihren richtigen Namen – so selten im Fernsehen gesehen habe. Und wenn ich nicht im Oktober zufällig ein Interview mit der Schauspielerin im Radio gehört hätte, bei dem sie ihre Biografie vorgestellt hat, wäre es wohl auch dabei geblieben. Doch dieses Interview mit Bettina Tietjen war so interessant, dass ich mehr über die Schauspielerin Adele Neuhauser und den Menschen dahinter wissen wollte.

Adele Neuhauser ist eine ausgesprochen interessante Frau, die wirklich einiges zu erzählen hat. So hat sie einen ausgesprochen spannenden familiären Hintergrund. Und sie kann gut erzählen. Ihre Biografie liest sich, als ob sie uns gerade ihre Geschichte erzählt. Und dementsprechend ungewöhnlich hat sie auch ihre Biografie aufgebaut. Sie erzählt ihre Geschichte nicht in zeitlicher Abfolge, sondern sie greift sich einzelne Themen heraus und arbeitet diese dann ab. So erfahren wir etwas über ihren familiären Hintergrund, wo sie mit den Großeltern anfängt, über ihre Zeit, die sie am Theater war, wie auch über ihre Ehe und einiges anderes. Diese Abschnitte lesen sich ausgesprochen interessant und gut weg. Allerdings habe ich bei dieser Biografie das Gefühl, dass sie doch sehr viel zurückgehalten hat. So wirklich habe ich den Menschen Adele Neuhauser nach der Lektüre nicht kennengelernt. Ich hätte gerne noch mehr über ihre Meinung zu aktuellen Themen erfahren. Wie findet sich diese kluge und empfindsame Frau in dem neuen Österreich wieder? Und wie sind ihre weiteren beruflichen Pläne?

Nach der Lektüre dieser Biografie werde ich die neuen Tatort-Folgen aus Wien mit Sicherheit noch viel interessierter angucken und auch nach anderen Filmen mit dieser beeindruckenden Frau Ausschau halten.

Ich war mein größter Feind - Adele Neuhauser
Ich war mein größter Feind
von Adele Neuhauser
(10)
Buch (Taschenbuch)
11,00

Wo findet man Stille?

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 29.11.2019

Sind der Titel und dieses wunderschöne Cover an sich nicht schon ein Traum? Mich hat beides sofort angesprochen, denn ich mag keinen Lärm um mich herum. Deshalb schleppe ich regelmäßig einen Gehörschutz mit mir herum, welchen ich aufsetze, wenn es mir z.B. im öffentlichen Nahverkehr zu laut ist. Bei diesem Titel und dem Klappentext musste ich das Buch einfach kaufen.

An der Inhaltsangabe gibt es dieses Mal wirklich nichts auszusetzen. Vielleicht erzählt sie vielleicht sogar ein wenig zu viel von dem Inhalt.

Für mich war dieses Buch eine wunderbare kleine Lektüre, von der ich jeden Tag ein Kapitel genossen habe, um meine innere Ruhe zu finden. Ich konnte so richtig mit Herrn Fliegenbein mitfiebern und war jedes Mal enttäuscht, wenn er auch wieder enttäuscht wurde. Gibt es denn wirklich nicht die perfekte Stille, wo hochsensible und andere geräuschempfindliche Menschen ihre Ruhe finden? Oder ist es tatsächlich eine Frage der Einstellung? Im Laufe der Geschichte lernt Herr Fliegenbein natürlich so einiges über das Leben und ändert ein wenig seine Einstellung dazu. Doch das Ende des Buches hat mich dann doch überrascht.

Die Autorin erzählt ihre Geschichte mit einem feinen Humor, aber auch so zart und still, dass man schon beim Lesen entschleunigen kann. Ein wunderbares Buch für Leser und Leserinnen, die gerne Francois Lelord, Sergio Bambaren u.ä. Autoren lesen.

Herr Fliegenbein und die Suche nach der Stille - Astrid Göpfrich
Herr Fliegenbein und die Suche nach der Stille
von Astrid Göpfrich
(6)
Buch (gebundene Ausgabe)
16,00

Mütter und Töchter

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 29.11.2019

Manchmal müssen auch Buchhändlerinnen zu ihrem Glück gezwungen werden. So ging es mir mit dem aktuellen Roman von Astrid Ruppert. Als wir das Buch in unsere Filiale bekommen haben, hat mich das Cover zwar angesprochen – 50er Jahre! Aber als ich dann den Klappentext gelesen hatte, kam die Geschichte mir irgendwie so vor, als ob ich sie schon tausendmal gelesen hätte. Und sie erschien mir ein wenig seicht und kitschig. Aber dann hat eine befreundete Journalistin das Buch besprochen und war voll lobender Worte dafür. Auf meine Rückfrage hat sie mir dann noch einmal bestätigt, dass das Buch alles andere als seicht und kitschig sei. Damit hat sie mich überzeugt und ich habe das Buch gelesen und muss ihr Recht geben. Danke Susanne Edelmann!

„Leuchtende Tage“ ist der Auftakt einer neuen Trilogie, d.h. wir können uns noch auf zwei weitere Teile freuen, für die ich allerdings leider noch keine Erscheinungstermine finden konnte. Astrid Ruppert erzählt darin die Geschichte der Winter-Frauen, wobei Winter der Familienname von Lisette, Charlotte, Paula und Maya ist. Lisette kam 1888 zur Welt. Ihre Eltern waren wohlhabend, der Vater ein erfolgreicher Bauunternehmer in Wiesbaden. Ihre Mutter Dora wollte unbedingt zur feinen Gesellschaft dazugehören und hat alles dafür getan. Wichtig war für sie die Wirkung nach außen. Lisette hat noch zwei ältere Bruder, die sich genau so entwickeln, wie ihre Mutter es gerne hätte. Nur Lisette schlägt aus der Art, wie wir ja bereits dem Klappentext entnehmen können. Charlotte ist ihre Tochter, die im Kriegswinter 1916/1917 geboren wird. Paula ist die Tochter von Charlotte und Maya die uneheliche Tochter von Paula. Alle Frauen der Familie eint, dass sie Einzelgängerinnen sind. Aber ansonsten unterscheiden sie sich immens. Im ersten Band erfahren wir die Geschichte von Lisette. Wie sie aufwächst, was für Interessen sie schon früh hat und wie ihre Mutter an ihr verzweifelt. Als Lisette sich dann auch noch unstandesgemäß in den Schneider Emile verliebt, sieht sie nur einen Ausweg. Sie brennt mit ihm durch und fängt ein neues Leben an.

Anfangs habe ich mich gefragt, was die Rahmenhandlung mit Maya in der Hauptrolle soll. Maya ist so eine verhuschte Person um die dreißig. Sie ist Übersetzerin, würde gerne Geschichten neu erzählen, schafft es aber nur, Firmenkorrespondenzen und Betriebsanleitungen zu übersetzen. Sie ist mit ihrem Freund, einem Fotografen, zusammen. Aber auch in dieser Beziehung fehlt etwas. Irgendwie ist Maya mutlos. Aber dies ändert sich ganz langsam, als sie beginnt, dem Leben ihrer Urgrußmutter nachzuspüren. Und so ist Maya die Klammer, die die drei Bände der Trilogie zusammenhält. Denn nachdem sie die Geschichte der Urgroßmutter kennt, will sie auch die Geschichten ihrer Großmutter und Mutter verstehen. Wer waren diese Frauen, bevor sie Mütter wurden? Und was kann sie selbst aus diesen ganz verschiedenen Lebenswegen für ihr eigenes Leben lernen?

Vordergründig kommt es einem erst einmal so vor, als ob es ein Roman über Mode sei. Aber Lisette geht es um etwas ganz anderes. Es geht ihr um die Befreiung und Selbstfindung der Frau. Sie entwirft Reform- oder Eigenkleider, die Frauen von dem strengen und sehr ungesunden Korsett als auch der ganzen Unterkleider befreien. Sie möchte, dass die Frauen den Männern gleichgestellt sind und ebenfalls Schulbildung erhalten. Frauen sollen mehr als reine Zierde und Mütter sein. Dafür setzt sie alles aufs Spiel. Doch der 1. Weltkrieg und die Zeit danach bringen ihr positives Selbstbild durcheinander.

Der erste Band endet 1935 als Charlotte von Zuhause auszieht um eine Ausbildung zu beginnen.

Mich hat diese Geschichte um Lisette und ihre große Liebe Emile fasziniert, aber ganz besonders die Geschichte ihrer Kindheit. Der ganze Roman zeigt, wie stark wir nicht nur von unseren Müttern geprägt werden. Auch die Geschichten der Großmütter und Urgroßmütter spielen dabei eine ganz große Rolle, die uns heute so gar nicht unbedingt bewusst ist. Mir ist bei diesem Roman aufgefallen, wie viel der „guten preußischen“ Erziehung ich heute noch verinnerlicht habe. Z.B.: „Kinder mit nem Willen kriegen was auf die Brillen“ verwende ich heute noch ganz häufig in Gedanken, wenn Kinder zu ihren Eltern sagen „Ich will das aber haben!“. Sehr präsent ist mir heute noch „Kinder soll man sehen, aber nicht hören.“, denn so bin ich erzogen worden. Dies sind Dinge, die Lisette von ihrer Mutter lernen soll. Aber sie sucht sich einen anderen Weg, um später bei ihrer Tochter dann ähnliche Fehler zu machen. Wir haben ganz unbewusst viel von unseren Vorfahren und ihrer Herkunft und Erziehung übernommen und dazu kommen dann noch die Traumata, die unsere Vorfahren während der zwei großen Kriege erlitten haben.

Alle, die nicht wieder einen Kriegsroman lesen möchten, kann ich beruhigen. Astrid Ruppert schildert nichts von dem, was auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs passiert ist. Und sie deutet auch die schreckliche Hungerszeit während des Krieges und danach nur an.

Die beiden unterschiedlichen Erzählperspektiven sind optisch gut zu unterscheiden, da sie in unterschiedlichen Schrifttypen gesetzt sind. Es steht allerdings auch vor jedem Kapitel die Jahreszahl, in der die Handlung gerade spielt. Manchen Kapiteln sind Zitate aus damals gängigen Frauen-Zeitschriften wie z.B. „Der Gute Ton“, oder „Deutsches-Damen-Journal vorangestellt.

Ein Roman, der sich wohltuend von den normalen Familienromanen mit dunklem Geheimnis in der Vergangenheit abhebt. Eine ausgesprochen interessante Darstellung der Rolle der Frau Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts. Und eine große Liebesgeschichte, die wirklich nicht seicht und kitschig, sondern Mut machend und sehr berührend ist.

Leuchtende Tage - Astrid Ruppert
Leuchtende Tage
von Astrid Ruppert
(5)
Buch (Paperback)
15,90

Der schwierige Kampf um die Frauenrechte

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 22.11.2019

Bei diesem Buch haben mich vorrangig erst einmal tatsächlich das schöne Cover und der Klappentext überzeugt und ich habe mir dementsprechend das e-book heruntergeladen. Die Autorin Marie Sanders sagte mir gar nichts. Erst als ich anfing das Buch zu lesen, sah ich in der Autorenbeschreibung, dass es sich durchaus um eine bereits sehr erfolgreiche Autorin handelt. Allerdings hat sie viele Jahre in einem ganz anderen Romansegment geschrieben – total verrückte und lustige Frauenromane. Und deshalb bin ich in diesem Fall sogar froh, dass sie für diese Roman-Trilogie ein Pseudonym gewählt hat. Ich bin nämlich nicht sicher, ob ich diesem Roman sonst eine Chance gegeben hätte. Damit wir uns nicht falsch verstehen – ich mochte die Romane der Autorin sehr, aber dieses Thema hätte ich ihr nicht zugetraut! Sie ist übrigens eine der wenigen Autoren, von denen sich mir tatsächlich ein Satz eingeprägt hat: „Ruhe sanft auf beiden Seiten und wenn noch Platz ist, auf Wiedersehen.“ Wer die Autorin ist, verrate ich Ihnen jetzt nicht. Aber wahrscheinlich haben Sie es ja bereits hier bei thalia.de entdeckt.

„Die Frauen vom Nordstrand 01 – Ein neuer Anfang“ ist ein Roman in der Art von Carmen Korns Jahrhundert-Trilogie. Es ist eine Geschichte, bei der man eine Frauenfreundschaft über mehrere Jahre verfolgt und dabei sehr viel über die entsprechende Zeit entdecken kann. Wobei es in diesem Fall nicht um so eine große Zeitspanne geht. Der erste Band spielt nur in dem Jahr 1953, der zweite, der leider erst im Juli 2020 erscheint, beginnt im Jahr 1956. Wir lernen vier sehr unterschiedliche Frauen kennen, die Anfang der Geschichte zwischen Mitte Zwanzig und Dreißig sind. Diese Frauen, die das dritte Reich und den zweiten Weltkrieg bereits als junge Erwachsene erlebt haben, wollen einen kompletten Neubeginn. Und sie wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Aber das ist in den 50er Jahren bei weitem nicht so einfach, wie wir es uns heute vorstellen.

Die vier Freundinnen sind:
- Anni, das einzige Kind der Besitzer des Strandhotels „Seeperle“. Sie möchte das in die Jahre gekommene Hotel renovieren, scheitert aber an dem Widerstand des Vaters. Dabei ist Annis Mutter eigentlich die Erbin des Hotels, das bereits seit 200 Jahren im Familienbesitz ist.
- Rena, Annis beste Freundin schon aus Kinderzeiten. Rena will den deutlich älteren Wiener Gerhard heiraten, muss aber schon vor der Eheschließung eine schreckliche Erfahrung machen.
- Edith, eine junge Lehrerin aus Essen, betreut Kinder in St. Peter, die dorthin zur Kur geschickt werden. Edith macht sich stark für Frauenrechte, hat aber selbst ein trauriges Schicksal erlebt, von dem die Freundinnen erst im Laufe der Geschichte erfahren.
- Helena, eine Ärztin, die den langjährigen Landarzt ersetzt. Auch sie birgt ein schreckliches Geheimnis, was erst spät zu Tage tritt. Sie setzt sich ebenfalls sehr für Frauen ein, aber auf einer ganz anderen Ebene.

Um diese vier Frauen geht es in diesem Roman. Wobei Rena tatsächlich heiratet und schon früh St. Peter verlassen muss. Ich hoffe aber, dass sie uns im zweiten Band wieder mehr begegnet.

Natürlich gibt es in diesem Band auch Männer, wobei diese zumeist sehr schlecht wegkommen. Der einzig wirklich sympathische Mann in diesem Roman ist Hans. Zu Kriegszeiten war die „Seeperle“ ein Lazarett. Und Hans war einer der Patienten. Anni hat sich sehr liebevoll um ihn gekümmert. Daraus ist eine tiefe Freundschaft entstanden, und Hans besucht sie immer wieder in St. Peter. Dann gibt es Ole, Annis Vater und seine beiden Kumpels Gerd und Knut, die häufig bei einem Bier über ihr Leben jammern. Und nicht zuletzt Hinnerk, Annis Verlobter.

In diesem Roman geht es sehr viel um die Rechte der Frauen. Und es ist erschreckend, wie wenig Rechte die Frauen in den 50er Jahren hatten. Sie durften fast nichts ohne das Einverständnis ihrer Väter oder später ihrer Ehemänner. Nicht einmal ein eigenes Bankkonto durften sie haben! Ich will jetzt gar nicht alles aufzählen, um was für Frauenrechte es in diesem Roman geht, denn sonst können Sie eins und eins zusammenzählen und kennen bereits den Inhalt. Aber ich muss sagen, dass es mich extrem erschreckt hat. Mir war es natürlich teilweise bereits bekannt, aber ich habe es bisher nie so hervorgehoben gelesen. Irgendwie sind die Frauen in Romanen dieser Zeit sonst immer besonders stark und durchsetzungsfähig, oder sie haben einfach ganz andere Männer kennengelernt als solche, wie die, die in diesem Roman eine Rolle spielen. Wir können gar nicht dankbar genug sein, dass die Frauen sich in den 50er, 60er und 70er Jahren so für unsere Rechte eingesetzt haben. Heute ist es einfach unvorstellbar, dass es sich für unsere Eltern und Großeltern noch ganz anders darstellte.

Was mich an diesem Roman ebenfalls sehr erschreckt hat, ist die damalige Moralvorstellung und Scheinheiligkeit der Gesellschaft. Die Hauptsache das Bild nach außen stimmt. Ob der Mensch dabei zerbricht ist zweitrangig.

Ich bin von diesem Roman begeistert gewesen und kann es gar nicht abwarten, dass die Geschichte weitergeht. Leider müssen wir bis zum Juli 2020 warten. Und das ist richtig gemein, denn die Geschichte endet mit einem Cliffhanger!

Die Frauen vom Nordstrand. Eine neue Zeit - Marie Sanders
Die Frauen vom Nordstrand. Eine neue Zeit
von Marie Sanders
(10)
Buch (Klappenbroschur)
12,99

Liebe und Krimi in einem Buch

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 20.11.2019

Heute habe ich einmal mehr eine Hörbuchbesprechung für Sie. „Rückkehr nach Sunset Cove“ von Ella Thompson ist der erste Band der Lighthouse-Saga, die insgesamt drei Bände/Hörbücher umfasst. Die Hörbücher werden alle von Götz Otto gesprochen.

In der Lighthouse-Saga geht es um drei junge Amerikaner – zwei Brüder und ihr Freund. Jeder der drei Männer bekommt seinen eigenen Roman. Erinnert ein wenig an Nora Roberts.

In dem ersten Band geht es um den Staatsanwalt Niclas Hunter, der gerade eine schreckliche Niederlage vor Gericht hinnehmen musste. Er wurde durch eine Intrige seiner Kollegin und Konkurrentin zu Fall gebracht. Und seitdem läuft ein skrupelloser Serienkiller frei herum. Niclas zieht sich zurück in die Strandvilla der Hunters nach Cape Cod. Doch dort muss er feststellen, dass er in dem Haus nicht allein ist. Eine wildfremde Frau steht dort unter der Dusche. Wer ist sie? Und wie ist sie in das Haus gekommen.

Die zweite Hauptperson ist Marie mit ihrem brauen Labrador Sam. Marie wurde unschuldig verurteilt, nachdem ihr Halbbruder Geld von Mandanten veruntreut hatte. Seit sie aus dem Gefängnis entlassen wurde, arbeitet sie als Gärtnerin auf Cape Cod. Als sie ihre Wohnung verloren hat, sucht sie Unterschlupf in den Häusern ihrer Kunden.

Niclas und Marie freunden sich an. Marie erzählt ihm ihre Geschichte und Niclas sieht darin seine Chance, sich und Marie zu rehabilitieren. Doch die Liebe und der freigelassene Serientäter kommen den beiden dabei in die Quere.

Mir hat das Hörbuch, was gekürzt ist, sehr viel Spaß gemacht. So eine richtig schöne, typisch amerikanische Liebesgeschichte mit Krimi. Natürlich ist Niclas Familie unverschämt reich, aber nicht glücklich. Und Marie passt natürlich überhaupt nicht in Niclas übliches Beuteschema. Aber auch, wenn man diese Zutaten eines solchen Romans gut kennt, macht es hin und wieder doch Spaß, so etwas zu hören oder zu lesen. Diese Art Romane erinnern mich an die Geschichten von Nora Roberts und Mary Kay Andrews. Man weiß, wie die Geschichten ausgehen, aber zwischendrin hat man viel Spaß. So richtig schöne Unterhaltung.

Nachdem ich eine ganze Zeit nur Hörbücher mit weiblichen Sprechern gehört habe, musste ich mich erst einmal an einen männlichen Sprecher gewöhnen. Aber Götz Otto macht das richtig gut! Ich werde mir sicherlich auch noch die beiden anderen Hörbücher dieser Saga anhören. Im zweiten Band geht es um Niclas Bruder Andrew, einem Arzt, und dessen früherer Liebe Holly, die beide auch im ersten Band bereits Nebenrollen spielten. Und der dritte Band geht dann um den gemeinsamen Freund Jake Foster, der eine eigene Brauerei auf Cape Cod gekauft hat. Ich bin schon sehr gespannt!

Rückkehr nach Sunset Cove - Ella Thompson
Rückkehr nach Sunset Cove
von Ella Thompson
(26)
Hörbuch (CD)
12,79 bisher 14,99

Engel oder Teufel?

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 20.11.2019

2018 kam das erste Buch von Marie Brunntaler auf den Markt – „Das einfache Leben“. Ein Roman, der mir gut gefallen hatte. Das Thema des Romans, bzw. was sich alles dahinter verbarg, fand ich sehr faszinierend. Und mit en sowohl der ruhige Ton, indem die Autorin ihre Geschichte erzählte, als auch der hintergründige Humor. Schon beim Lesen des Klappentextes von “Wolf“ war mir klar, dass der neue Roman ganz anders sein wird. Einzig das Thema „Schwarzwald“ eint die beiden Romane.

Die Inhaltsangabe ist dieses Mal überraschend gut. Zwei Aspekte fehlen mir hierbei aber. Der gefundene verwilderte Knabe wurde im nahegelegenen Kloster von den Mönchen gefunden. Sie haben ihm auch den Namen Gabriel gegeben, weil er so unglaublich schön und rein wirkt. Er lebt einige Zeit im Kloster und bezaubert u.a. auch den dortigen Abt. Doch als es zu einem Vorfall mit seinen Mitschülern kommt, die im Kloster erzogen werden, wird er zu seiner eigenen Sicherheit zu der Bauernfamilie Steinhauer gegeben, wo er als Holzknecht arbeitet.

Einige Zeit, nachdem Gabriel in dem Dorf Schrötten aufgetaucht ist, stirbt die alte Lehrerin. Und kurz danach kommt ein neuer Lehrer ins Dorf – Aglef Zwinger. Ein Mann, dem das Schicksal anscheinend schon schwer mitgespielt hat. Er hat einen angeborenen Wolfsrachen und eine schwere Gehbehinderung. Anfangs akzeptieren ihn die Dorfbewohner überhaupt nicht. Doch ausgerechnet Maria, die Tochter der Familie Steinhauer sorgt dafür, dass die Kinder bei ihm zur Schule gehen.

Kurz nachdem die beiden Fremden im Ort eingetroffen sind, kommt es sowohl im Kloster als auch im Dorf zu Unregelmäßigkeiten und sogar einem weiteren Toten. Doch wer hat das Böse in die Region gebracht? Gabriel, der so rein erscheint und alle bezaubert mit seinem Charisma oder Aglef Zwinger, dessen Erscheinung schon Schrecken auslöst?

Mich hat dieser Roman sehr positiv überrascht. Auch hier wieder besticht Marie Brunntaler durch ihre Sprache und ihre ruhige Erzählweise. Der Roman hat mich ein wenig an die Novellen von Gottfried Keller „Kleider machen Leute“ und „Romeo und Julia“ auf dem Dorfe erinnert. Man spürt beim Lesen schon die ganze Zeit, dass etwas Furchtbares passieren wird. Die Spannung steigert sich allmählich, bis es zum großen und für mich völlig überraschenden Finale hinausläuft. Was hat es mit den beiden Männern auf sich? Wie ist ihr jeweiliges Leben verlaufen, bevor sie in Schrötten auftauchen?

Die Autorin entlarvt sehr geschickt die scheinheilige Gesellschaft, die viele Dinge einfach unter den Teppich kehrt. Und wer nicht dazu gehört, der hat es schwer. In so einem abgeschiedenen Dorf in der Höhe, wie die Autorin den fiktiven Ort Schrötten beschreibt, ist es natürlich wichtig, dass die Dorfgemeinschaft zusammenhält. Aber trotzdem gibt es unter der Oberfläche doch die üblichen Streitereien, Eifersüchteleien und mehr. Und wenn dann Fremde hinzukommen, teilt sich so eine vermeintlich eingeschworene Gemeinschaft plötzlich in unterschiedliche Parteien auf.
Mir war bis dahin nicht bewusst, dass der Schwarzwald offensichtlich vor dem Tourismus eine sehr arme Gegend Deutschlands war. Doch dies schildert Marie Brunntaler jetzt bereits in zwei Romanen.

Erschreckend sind die Episoden, die sich hinter den Klostermauern abspielen.

Einmal ein ganz anders gemachter Roman, der die menschlichen Schwächen brillant hervorholt. Ein wenig düster und ausgesprochen spannend, der einige Überraschungen parat hält.

Wolf - Marie Brunntaler
Wolf
von Marie Brunntaler
(12)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

 
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