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Brüder

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Zwei Männer. Zwei Möglichkeiten. Zwei Leben. Jackie Thomae stellt die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind.

Mick, ein charmanter Hasardeur, lebt ein Leben auf dem Beifahrersitz, frei von Verbindlichkeiten. Und er hat Glück - bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel, der seine Eltern nie gekannt hat, ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht plötzlich als Aggressor da - ein prominenter Mann, der tief fällt. Brüder erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, der ihnen nur seine dunkle Haut hinterlassen hat. Die Fragen, die sich ihnen stellen, sind dieselben. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein.
Portrait
Jackie Thomae, 1972 in Halle an der Saale geboren, ist Journalistin und Fernsehautorin. 2014 erschien ihr Debütroman Momente der Klarheit. Sie lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 416 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 19.08.2019
Sprache Deutsch
EAN 9783446265097
Verlag Hanser
Dateigröße 2272 KB
Verkaufsrang 219
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Buchhändler-Empfehlungen

Klug, unterhaltsam, spannend

Uta Iwan, Thalia-Buchhandlung Neuss

Mit großen Erwartungen begann ich die "Brüder", nachdem mich schon 2015 Jackie Thomaes Erstlingsroman "Momente der Klarheit" total begeistert hat. Und ich habe auch diesmal jede Zeile genossen! Zwei Brüder, in der DDR geboren, kennen einander nicht und kennen auch ihren gemeinsamen senegalesischen Vater nicht. Der eine der beiden Halbbrüder mäandert durch das Partyleben der Berliner Nachwendezeit; der andere arbeitet wie besessen an seiner internationalen Karriere als Architekt. Thomae erzählt nacheinander ihre beiden Geschichten und entwickelt dabei fast spielerisch ein breitgefächertes Bild unserer gesellschaftlichen Fragen und Themen. Unbedingt empfehlenswert und völlig zurecht auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2019

Mein Favorit für den Deutschen Buchpreis 2019

Carola Ludger, Thalia-Buchhandlung Lippstadt

„Brüder“ von Jackie Thomae ist mein persönlicher Favorit für den Deutschen Buchpreis 2019. Es geht um Familie, Diskriminierung, soziale Klassenunterschiede und es ist die Geschichte von Mick und Gabriel, die den gleichen senegalesischen Vater haben und nichts von einander wissen. Wortgewandt, klug, mit einer souveränen Leichtigkeit wird die Geschichte der Söhne getrennt voneinander erzählt. Da ist zuerst der ziemliche konzeptlose, charmante Mick, dann der ambitionierte erfolgreiche Gabriel. Beide haben fast die gleichen Voraussetzungen und dennoch könnten ihre Lebenswege kaum unterschiedlicher sein. Sie dürfen sich auf literarische Kunst freuen, die sehr angenehm zu lesen ist. Die Autorin mag ihre Kindheit vielleicht ein Stück in diesem Roman verarbeitet haben, lässt uns Leser*innen, und das gefällt mir besonders, genügend Raum zur Interpretation.

Kundenbewertungen

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Brüder
von Miss.mesmerized am 06.10.2019
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Mick und Gabriel sind Brüder, doch das wissen sie nicht, denn sie haben außer den Genen des Vaters und der dadurch dunklen Hautfarbe wenig gemeinsam. Mick wächst im Ost-Berlin der DDR auf und auch nach der Wende hat das Leben wenig zu bieten. Mit Delia könnte alles in sichere und ruhige Bahnen laufen, aber er kann ihr das nicht ... Mick und Gabriel sind Brüder, doch das wissen sie nicht, denn sie haben außer den Genen des Vaters und der dadurch dunklen Hautfarbe wenig gemeinsam. Mick wächst im Ost-Berlin der DDR auf und auch nach der Wende hat das Leben wenig zu bieten. Mit Delia könnte alles in sichere und ruhige Bahnen laufen, aber er kann ihr das nicht geben, was sie will: ein Baby. Gabriel hingegen wächst in Sachsen bei den Großeltern auf, nachdem seine Mutter früh bei einem Unfall starb. Zielstrebig wird er zu einem der besten Architekten weltweit und baut sich in London genau das Leben auf, das er als Kind nicht hatte und von dem er nur träumen konnte. Ihre Wege sollten sich nie kreuzen, doch es gibt ja den gemeinsamen Vater. Jackie Thomae erzählt in ihrem zweiten Roman, der es 2019 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, zwei Geschichten. Die Ausgangssituation ist vergleichbar, doch dann sind es Umstände, Begegnungen, Zufälle, persönliche Dispositionen, die dazu führen, dass die beiden Jungs sich ganz unterschiedlich entwickeln. Überzeugend zeigt die Autorin so, dass das Leben nie planbar ist und es immer viele Faktoren sind, die darüber entscheiden, wie die Dinge laufen. „und er begriff erst jetzt: sein Bruder war nicht wie seine Schwestern mit diesem Mann hier aufgewachsen. Nein. Sein Bruder war wie er.“ Mick täuscht sich kolossal in seiner Einschätzung, denn die beiden Brüder könnten verschiedener kaum sein. Mick wirft sich voll ins Leben, erwartet alles und will es mit allen Sinnen auskosten. Frauen, Drogen, Partys bis in den Morgen – you name it. Gabriel hingegen ist ehrgeizig und zielstrebig und überlässt wenig dem Zufall. Seine Entscheidungen sind durchdacht und sorgfältig gewählt. So verlaufen ihre beruflichen Karrieren und Beziehungen auch diametral entgegengesetzt. Ein Thema, das eigentlich keins ist, ist ihre Hautfarbe. Im multikulturellen London ist Gabriel einer von vielen, selbst als ihm ein Angriff vorgeworfen wird, wird seine Hautfarbe nicht thematisiert. Er lässt sich nicht in die britische Gesellschaft mit ihrem strengen Klassensystem eingruppieren, sondern wird nach seinem Erfolg und Charakter beurteilt. Sie ist jedoch für ihn wesentliches Kriterium, einen Job in den USA auszuschlagen, denn dort sieht er trotz Obamas Erfolg immer noch eine Reduktion auf sein Äußeres. Auch in Berlin ist Mick nicht ernsthaft Rassismus ausgesetzt, Stigmatisierungen verlaufen eher über soziale Faktoren. Einzig in seiner Beziehung mit Delia kommen ihm gelegentlich Zweifel, ob er nicht gerade wegen seinem Aussehen als Partner in Frage kam, sein Einkommen und Status können es kaum gewesen sein. Jackie Thomae erzählt lebendig mit eingängigem Humor, der einem immer wieder Schmunzeln lässt. Sie verfällt nicht naheliegenden Klischeedarstellungen, weder wie erwähnt die Hautfarbe noch die Wende werden als Schicksalsschlag ausgeschlachtet, dem die Figuren nicht entkommen können. Es ist ein Blick in den Alltag zweier interessanter Individuen, der auch Erzählperspektivisch überzeugend gestaltet wurde.

Vaterloses Aufwachsen
von einer Kundin/einem Kunden aus Potsdam am 25.09.2019
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Zwei Halbbrüder, die nichts voneinander wissen. Ein Vater, der nur von einem seiner Söhne weiss. In der ersten Hälfte des Romans steht Mick im Mittelpunkt. 1970 in Ostberlin geboren. Seine Mutter Monika, eine recht ambivalente Frau, entschloss sich bald nach Westberlin umzusiedeln. Mick bleibt das ewige Kind, unstet, unverbi... Zwei Halbbrüder, die nichts voneinander wissen. Ein Vater, der nur von einem seiner Söhne weiss. In der ersten Hälfte des Romans steht Mick im Mittelpunkt. 1970 in Ostberlin geboren. Seine Mutter Monika, eine recht ambivalente Frau, entschloss sich bald nach Westberlin umzusiedeln. Mick bleibt das ewige Kind, unstet, unverbindlich, Partygänger und Clubmitbesitzer. Mit seiner Freundin Delia, auf die er sich nie so recht einlässt, lebt er in ihrem Haus in Berlin-Pankow. Delia wünscht sich sehnlichst ein Kind. In einem kleinen Zwischenspiel wird Idris näher beleuchtet. Aus Senegal stammend, erhielt dieser ein Stipendium für ein Medizinstudium in der DDR. Dort lernte er Monika und auch Gabriele kennen, die Mütter seiner Söhne. Er kehrt jedoch in seine Heimat zurück. In Dakar ist er nun seit langem als Zahnarzt erfolgreich tätig. Irgendwann besucht er wieder seine Freunde in Deutschland und beginnt sich zu erinnern, wird wachgerüttelt und Verdrängtes kommt zum Vorschein. Im zweiten Teil steht Gabriel, der Sohn Gabrieles im Fokus. Von den Großeltern großgezogen, wurde er Stararchitekt und dozierte zuletzt, bis zu seinem Ausschluss, an der Uni. Verheiratet ist er mit Fleur. Sie haben einen gemeinsamen Sohn Albert, der, aktuell in der Pubertät, schwierig in seinem Verhalten ist. Im letzten Abschnitt verbinden sich diese drei Stränge... Ein sehr detaillreiches Familienepos entblättert sich hier Seite um Seite. Die Protagonisten sind überaus authentisch und realistisch gezeichnet. Sie sind lebendig und glaubhaft. Ein Vergleich, ein Gegenüberstellen der Figuren und ihrer Lebensentwürfe drängt sich natürlich auf und ist durchaus spannend. Sehr interessant und eindrücklich werden die Beziehungen der Figuren beleuchtet. Abhängigkeiten, Beeinflussungen, Prägungen werden deutlich, weitreichende Folgen offenkundig, selbst nach nur kurzen (Zufalls-)Begegnungen. Der Hintergrund ist recht groß angelegt- von der DDR der 70er Jahre, über das Berliner Clubleben der 90er bis hin nach London der begüterten Bessergestellten, deren Kinder aufs Internat gehen und ohne social media nicht mehr existieren können. Der Roman ist sehr vielschichtig. Fragen nach Herkunft, Identität und Zugehörigkeit werden aufgeworfen. Nie explizit, aber immer deutlich spürbar die Frage nach bzw. "Problematik" der Hautfarbe, des Fremdseins. Es geht um die Ost-Westthematik, Rassismus, Erziehungsfragen und natürlich um Mutterschaft und Vaterschaft. Die Rollenzuschreibungen werden gegenübergestellt und die daraus abgeleiteten Verantwortlichkeiten. Das ist sehr spannend, zeigt es doch, dass es letztendlich ganz legitim ist, wenn Väter sich nicht kümmern, Mütter hingegen, egal was sie tun, dies oder jenes stets vorgeworfen bekommen, dass sie an bestimmten Entwicklungen des Kinders "schuld" seien. Was geben Väter? Was geben Mütter? Wie wachsen die Kinder ohne Vaterfigur auf? Wie prägt sie das? Viele Fragen werden aufgeworfen und laden zum Nachdenken und Diskutieren ein. All die Themen werden dabei mühelos und beiläufig im Text verwoben, es sind die Lebensthemen der Figuren. Neben Nachdenklichem finden sich auch Witz und Satire im Roman. Die Autorin hat zudem die unglaubliche Gabe in scheinbar beiläufigen Nebensätzen Gewaltiges zu packen, das mit voller Wucht einschlägt. Dennoch, besonders in der ersten Hälfte, zum Ende hin weniger, langweilten mich einige Passagen. Zeitraffend, nüchtern, berichtend wird hier der Leser von den Lebenswegen der Protagonisten in Kenntnis gesetzt. Sobald die Autorin jedoch wieder näher an den Szenen verweilte, konnte sie mich gut mitnehmen. Auch Mick hat mich nicht so sehr interessiert, weil mich Typen wie er grundsätzlich nicht sonderlich interessieren und mir wenig sympathisch sind. Das ist jedoch rein subjektiv und aus Frauensicht, ich glaube Männer finden solche Kumpels toll, es sei denn, es geht wirklich ans Eingemachte..:) Dennoch hat sie ihn sehr eindrücklich und wirklich grandios als Figur entwickelt. Gabriel fand ich hier etwas interessanter, da er meinem Erfahrungshorizont ferner ist und etwas sympathischer wirkte. Zudem standen hier auch Fleur und Albert mehr im Fokus sowie deren Interaktionen untereinander, die das Ganze etwas spannender machten. Gegen Ende, als ich alles in einen Blick bekam, entfaltete diese unglaublich große und dichte Beschreibung ihre volle Wirkkraft und liess mich staunen und der Autorin für ihr Werk Respekt zollen.

Ein Roman in Überlänge
von einer Kundin/einem Kunden am 20.09.2019
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Brüder ist ein Roman um zwei Brüder, Mick und Gabriel. Jackie Thomaes Debütroman Momente der Klarheit von 2015 hatte mich damals nicht so ganz überzeugt, daher habe ich zu Brüder hauptsächlich deswegen gegriffen, weil es immerhin in der Shortlist für den Deutschen Bücherpreis ist. Leider wurde ich leicht enttäuscht. Es gibt zwa... Brüder ist ein Roman um zwei Brüder, Mick und Gabriel. Jackie Thomaes Debütroman Momente der Klarheit von 2015 hatte mich damals nicht so ganz überzeugt, daher habe ich zu Brüder hauptsächlich deswegen gegriffen, weil es immerhin in der Shortlist für den Deutschen Bücherpreis ist. Leider wurde ich leicht enttäuscht. Es gibt zwar viele sprachlich gut gemachte Passagen, aber die Themen werden nicht klar herausgebracht und eigentlich bleibt alles banal und oberflächlich. Den Gedanken des Protagonisten Mick, insbesondere in der ersten Hälfte, fehlt jegliche Tiefgründigkeit. Das ändert sich in der zweiten Hälfte mit Gabriel als Hauptfigur. Da gibt es auch ein paar außergewöhnliche Szenen und mehrere Erzählperspektiven.Trotzdem bleibt es leider so, dass mich die Ereignisse kaum berühren. Dabei ist die Geschichte zweier Halbbrüder mit dunkler Hautfarbe nicht uninteressant. Teilweise handelt es in der DDR und der Nachwendezeit, mit Gabriel auch in den Nullerjahren in London bis in die Gegenwart. Man hätte aber wirklich mehr daraus machen können.