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Die Jahre

Bibliothek Suhrkamp Band 1502


»Das Schwarz-Weiß-Foto eines Mädchens in dunklem Badeanzug auf einem Kieselstrand. Im Hintergrund eine Steilküste. Sie sitzt auf einem flachen Stein, die kräftigen Beine ausgestreckt, die Arme auf den Felsen gestützt, die Augen geschlossen, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Sie lächelt. Ein dicker brauner Zopf fällt ihr über die Schulter, der andere verschwindet hinter ihrem Rücken. Offensichtlich imitiert sie die Pose der Filmstars aus Cinémonde oder aus der Werbung für Ambre-Solaire-Sonnenmilch und will so ihrem demütigend unreifen Kleinmädchenkörper entfliehen. Auf ihren Schenkeln und Oberarmen zeichnet sich der helle Abdruck eines Kleides ab, ein Hinweis darauf, dass ein Ausflug ans Meer für dieses Kind eine Seltenheit ist. Der Strand ist menschenleer. Auf der Rückseite: August 1949, Sotteville-sur-Mer.«

Kindheit in der Nachkriegszeit, Algerienkrise, die Karriere an der Universität, das Schreiben, eine prekäre Ehe, die Mutterschaft, de Gaulle, das Jahr 1968, Krankheiten und Verluste, die so genannte Emanzipation der Frau, Frankreich unter Mitterrand, die Folgen der Globalisierung, die uneingelösten Verheißungen der Nullerjahre, das eigene Altern. Anhand von Fotografien, Erinnerungen und Aufzeichnungen, von Wörtern, Melodien und Gegenständen vergegenwärtigt Annie Ernaux die Jahre, die vergangen sind. Und dabei schreibt sie ihr Leben – unser Leben, das Leben – in eine völlig neuartige Erzählform ein, in eine kollektive, »unpersönliche Autobiographie«. 

Geschichte ihrer selbst, Gesellschaftsporträt, universelle Chronik: Annie Ernaux hat ein melancholisches Meisterwerk der Gedächtnisliteratur geschrieben und einen schillernden roman total.

Rezension
"Annie Ernaux' konsequentes Unternehmen, das autobiografische Ich zu dezentrieren und den Nebensachen ein existenzielles Gewicht zu geben, verändert den eigenen Blick und wirkt lange nach."
Beatrice von Matt, Neue Zürcher Zeitung 15.02.2018
Portrait
Ernaux, Annie
Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als »Ethnologin ihrer selbst«. Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit, ihre zwanzig Romane sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden.

Finck, Sonja
Sonja Finck, geboren 1978 in Moers, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Inzwischen lebt sie als literarische Übersetzerin in Berlin und Gatineau (Kanada).
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 255
Erscheinungsdatum 11.09.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-22502-8
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 22,1/14,7/2,8 cm
Gewicht 437 g
Originaltitel Les années
Auflage 8. Auflage
Übersetzer Sonja Finck
Verkaufsrang 20124
Buch (gebundene Ausgabe)
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Buchhändler-Empfehlungen

Ein Wahnsinn, diese Buch!

Rafael Ulbrich, Thalia-Buchhandlung Augsburg

Ganz großes Kino! Ein Buch, in dem so unglaublich viel steckt! Es ist eine Autobiografie, die sich aus Erinnerungen, Zufälligkeiten, die sich ihr ins Gedächtnis rufen und Fotografien, die ihr als Erinnerung dienen, zusammen setzt. Es ist ein Buch über das Vergehen der Zeit, die Veränderung der Ideen und Sitten und dem Innenleben einer Frau. Es ist sehr persönlich, vermittelt aber auch viel gesellschaftlichen Hintergrund ihrer jeweiligen Zeit und hat durchaus auch philosophische Ansätze. Es spielt zwar in Frankreich, aber die Parallelen zu unserem Land sind doch erstaunlich. Es ist ein Buch mit unglaublichem Sog und einer rasanten Geschwindigkeit durch die oft sehr kurzen Episoden und Erinnerungen von Annie Ernaux. Der Schreibstil mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber nach ein paar Seiten wird man das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen!

Kundenbewertungen

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Erinnerungen an verlorene Jahre
von einer Kundin/einem Kunden am 27.01.2018

In Frankreich erschien das Buch „Les Années“ von Annie Ernaux schon im Jahr 2008. Letztes Jahr publizierte der Suhrkamp Verlag das Buch endlich in einer deutschen Übersetzung. Annie Ernaux ist 1940 in Frankreich geboren und hat eine Vielzahl autobiografischer Romane und Erzählungen veröffentlicht. Einige von ihnen wurden ins De... In Frankreich erschien das Buch „Les Années“ von Annie Ernaux schon im Jahr 2008. Letztes Jahr publizierte der Suhrkamp Verlag das Buch endlich in einer deutschen Übersetzung. Annie Ernaux ist 1940 in Frankreich geboren und hat eine Vielzahl autobiografischer Romane und Erzählungen veröffentlicht. Einige von ihnen wurden ins Deutsche übertragen: Z. B. „Das bessere Leben“ und „Das Leben einer Frau“. In dem Buch „Die Jahre“ sind es Schnipsel, Miniaturen, Träume, Fragmente und kleine Broken, die sich zu Erinnerungen von etwa 60 gelebten und verlebten Jahren zusammenfügen. Annie Ernaux erzählt, beschreibt, imaginiert, konstatiert und urteilt. Sie beginnt mit den Bildern, die sie hat. Es sind Bilder aus den Jahren 1941 bis 2006. Zuweilen sind es Fotos, oder aber Erinnerungsreste. Aber es sind auch Bilder, die verschwinden werden. Wie die Jahre, von denen sie Zeugnis geben. Ihr Schreibstil erinnert an eine soziologische bzw. ethnologische Beschreibung historischer Phänomene. Totes wird mit Lebendigem verknüpft. Privates und Intimes auf Gesellschaftliches und Öffentliches bezogen. Umbrüche und Verwerfungen werden in ihrer geschichtlichen Relevanz aufgerufen. So wird das autobiografische Gedächtnis von Annie Ernaux eine Erzählung auf Distanz und damit zu einer Erzählung und einem Zeugnis einer Generation, die verschwinden wird. Das Buch schließt dann auch mit dem folgenden Satz: „Etwas von der Zeit retten, in der man nie wieder sein wird.“