Abhandlung über den Ursprung der Sprache

Hrsg. v. Hans D. Irmscher

Reclams Universal-Bibliothek Band 8729

Johann G. Herder

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Beschreibung

Herders »Abhandlung über den Ursprung der Sprache« misst gegenüber den Arbeiten seiner Vorgänger der Sprache eine neue Bedeutung bei. Sprache ist nicht mehr nur Mittel zum Zweck der Erkenntnis, sondern gehört wesentlich zur menschlichen Natur und determiniert ihre Erkenntnismöglichkeiten. Deshalb erfordert die Reflexion über Sprache mehr, als Grammatik oder Rhetorik leisten können, sie wird zu einer philosophischen Aufgabe. Mit seiner Aufwertung der Sprache hat Herder nicht nur das Denken seiner Zeit und literarischen Epoche geprägt, sondern auch nachwirkende Impulse für die Sprachreflexion der kommenden zwei Jahrhunderte gegeben.
»Ich habe lange eine philosophische Sprachkunst für unsere Sprache gewünscht, aber wenig Materialien dazu gefunden«, schrieb Herder 1767. Eine 1769 gestellte Preisfrage der Berliner Akademie der Wissenschaften war ihm dann der willkommene Anlass, seine »Abhandlung über den Ursprung der Sprache« zu schreiben, die dann auch den Preis der Akademie erhielt.

Johann Gottfried Herder (25.8.1744 Mohrungen, Ostpreußen – 18.12.1803 Weimar) absolvierte ab 1762 ein Theologiestudium in Königsberg, bevor er u. a. als Lehrer, Prediger und Konsistorialrat arbeitete. Sein Leben prägte eine lange Seereise nach Frankreich, die er in dem »Journal meiner Reise im Jahr 1769« zum Thema machte. Neben seiner Volksliedersammlung ist Herder vor allem für seine theologischen und geschichtsphilosophischen Schriften bekannt, in denen er das Christentum und die Humanitätsidee miteinander zu verbinden versuchte.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Erscheinungsdatum 01.01.1986
Herausgeber H. D. Irmscher
Verlag Reclam, Philipp
Seitenzahl 176
Maße 14,7/9,3/1,5 cm
Gewicht 92 g
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-008729-9

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"... die Sprache wird ein Proteus auf der runden Oberfläche der Erde."
von Zitronenblau am 13.05.2010

Herders Abhandlung - 1770 veröffentlicht - hat bis heute Wirksamkeit und gehört zur Standardlektüre eines jeden Sprachphilosophen und -wissenschaftlers. Der Aufsatz unterteilt sich in "Haben die Menschen, ihren Naturfähigkeiten überlassen, sich selbst Sprache erfinden können" und "Auf welchem Wege der Mensch sich am füglichsten ... Herders Abhandlung - 1770 veröffentlicht - hat bis heute Wirksamkeit und gehört zur Standardlektüre eines jeden Sprachphilosophen und -wissenschaftlers. Der Aufsatz unterteilt sich in "Haben die Menschen, ihren Naturfähigkeiten überlassen, sich selbst Sprache erfinden können" und "Auf welchem Wege der Mensch sich am füglichsten hat Sprache erfinden können und müssen". Grundsätzlich ist die Schrift polemisch gegen zeitgenössische Thesen und Theorien (Süßmilch, Condillac). So signalisiert Herder im ersten Satz seinen Ernüchterungsversuch: "Schon als Tier hat der Mensch Sprache." Der Klang der Gefühle als verlautbarte Töne ist das vom Menschenverstande losgebundene, ursprünglich Elementare einer Sprache ("Naturtöne"). Doch sind Laute schon Sprache? "Der Mensch, in den Zustand von Besonnenheit gesetzt, der ihm eigen ist, und diese Besonnenheit (Reflexion) zum erstenmal frei würkend, hat Sprache erfunden." Die mechanischen Laute der Seele verwandeln sich in Gedanken des Geistes, die "lippenbewegt" zur Welt "worten"? Kritikpunkt ist der hermeneutische Zirkel: Sprache wird mit Hilfe der Vernunft erfunden, jedoch ist Sprache (also auch Kopfsprache) Bedingung der Vernunft - wie also soll Sprache möglich sein, wenn sie Vernunft braucht, die ihrerseits nur möglich sein kann, wenn sie Sprache braucht? Hier bleibt es trüb und dunkel. Es heißt nur: "Bei sinnlichen Geschöpfen, die durch viele verschiedne Sinne auf einmal empfinden, ist diese Versammlung von Ideen unvermeidlich; denn was sind alle Sinne anders als bloße Vorstellungsarten EINER positiven Kraft der Seele?" Dennoch: ist Sprache gegeben, so auch ihre Genetik (in der ersten Besinnung <<< Kognition?) und Progression! Das ersinnte "Merkmal" ist innern Sprache, wird durch "Verlautung" das Wort zur äußern Sprache. "... dadurch wird jeder Sinn sprachfähig." Herder drückt dies Phänomen der sprachlichen Entwicklung so aus: "... so werden alle Zustände der Besonnenheit in ihm sprachmäßig: seine Kette von Gedanken wird eine Kette von Worten." Ist es nicht paradox, dass die Wurzeln der Sprachen nun doch eine lineare Triebhaftigkeit besitzen? "Aber Worte selbst, Sinn, Seele der Sprache - welch ein unendliches Feld von Verschiedenheit!" Zurück zur Progression: "Seine [des Menschen] Seele ist gewohnt, immer das, was sie sieht, zu reihen mit dem, was sie sahe, und durch Besonnenheit wird also ein progressives EINS aller Zustände des Lebens - mithin Fortbildung der Sprache." Was Herder hier meint, ist die Befähigung der Sprache nicht nur ontogenetisch, sondern phylogenetisch Entwicklungs- also Evolutionspotenzial mitzubringen, zum einen durch die Tradition, zum anderen durch die Gewohnheit. Diese und andere Thesen dann in seinen "4 Naturgesetzen" expliziert... Zusammenfassung: Göttlichen Urspunges kann die Sprache nicht sein, denn dann wäre sie immer schon da wie bei der Biene die "Grammatik der Honigwabe". So ganz tierischen (biologischen) Ursprunges kann sie nicht sein, da der Mensch sich ihrer - ganz homo-faber-technisch - (als Werkzeug) bemächtigt. Was Herder somit vorlegt, ist eine Art Sprachphilosophie vor dem Hintergrund einer Anthropologie, die das Göttliche ausklammert und den Menschen selbst und dessen Kunstfähigkeit als Folge sinnlicher und geistiger Freiheit die Bedingung zur Möglichkeit von Denken und folgerecht Sprache konstiuiert. Dennoch ist unklar, wie der Gedanke von der Sprache getrennt wird (getrennt werden kann?). Inwieweit Linien zum Ursprung auf eine gemeinsame (vorbabylonische) Protosprache gezogen werden können?


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