Der arme Spielmann

Erzählung

Reclams Universal-Bibliothek Band 4430

Franz Grillparzer

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Beschreibung

Die aus dem Jahre 1848 stammende Musiknovelle Der arme Spielmann führt den Leser in das Wien des 19. Jahrhunderts. Der österreichische Dichter Franz Grillparzer (1791-1872) schildert seine Begegnung mit einem alten Hagestolz, der den Besuchern eines Jahrmarktes mit der Geige aufspielt. In das innige Spiel des Musikanten ist eine bittersüße Liebesgeschichte eingeflochten, deren Verlauf wir alsbald aus dem Munde des Geigers erfahren. Die in einigen Zügen autobiographische Erzählung, die "zum festen Bestandteil klassischer Erzählkunst gehört", wurde von Adalbert Stifter und Franz Kafka als Meisterwerk gewürdigt.

Produktdetails

Verkaufsrang 35668
Einband Taschenbuch
Erscheinungsdatum 01.01.1986
Verlag Reclam, Philipp
Seitenzahl 75
Maße 14,7/9,7/0,7 cm
Gewicht 48 g
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-004430-8

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Schicksalsschläge

Mario Pf. aus Oberösterreich am 16.06.2021

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Eine Mischung aus Autobiografie und Roman verleiht diesem Werk Franz Grillparzers seinen unvergesslichen Charme. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, dem das Schicksal einfach nicht freundlich gesinnt war. Es erzählt von einem tragischen Lebenswandel eines jungen Mannes und endet tragisch-dramatisch mit einem unausweichlichen Ende. Der arme Spielmann ist eine Geschichte, eine die man gerne erzählt. Sie rührt und erheitert. Und genau dieses emotionale ist es was sie so besonders macht, denn sie ist mit Herz und aus Erfahrung geschrieben. Sie beginnt mit einem Wiener Volksfest und der Ich-Erzähler ist mitten unter den Feiernden als er unter den zahlreichen Straßenmusikanten einen entdeckt der seine ganze Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Er spielt nach Noten und das mit ganzer Leidenschaft. Als er ohne Lohn aufbricht und einige letzte Worte in Latein fluchend von sich gibt ist das Interesse des Erzählers endgültig geweckt. Er beschließt dem Musikanten zu folgen und herauszufinden was ein derart kultivierter Mann nur als armer Spielmann treibt. Über eine geschäftliche Vereinbarung kommen die beiden überein und so beginnt der Spielmann von sich zu erzählen. Geboren als Sohn eines Hofrats durchlebte er eine unbeschwerte Kindheit und scheiterte am Gymnasium. Bei einer Prüfung, wo auch sein Vater anwesend ist, wird dem Jungen noch eine Chance gegeben, nur scheitert er an einem ihm fehlenden Wort. Der Vater nimmt ihn aus der Schule und bringt ihn stattdessen in einer Schreibstube unter. Eine harte Zeit für ihn und als die beiden Brüder aus dem Haus ausziehen ist er so ziemlich allein. Sein von ihm enttäuschter Vater hält ihn gewissermaßen gefangen. Eines Tages jedoch hört er seine Nachbarin, Barbara, ein Lied summen und er unternimmt zunächst alles mögliche es sich zu merken. Er greift nach Jahren wieder zu seiner Geige und spielt. Doch ohne die passenden Noten fehlt ihm etwas an das er sich orientieren kann. Unter Selbstüberwindung bittet er sie um Hilfe in seinem Bestreben und sie willigt ein ihm zu helfen. Dank eines guten Kunden des Geschäftes ihres Vaters, einem Chorleiter, kommt Jakob an die Noten. Doch auch seine Beziehung zu Barbara beginnt sich zu entwickeln. Als jedoch sein Vater stirbt ist das nur der erste Schicksalsschlag. Er wird von einem scheinbar vertrauenswürdigen Bekannten um sein Geld gebracht und muss erfahren, dass seine geliebte Barbara drauf und dran ist einen anderen Mann zu heiraten. Er kann es nicht ändern und beschließt von nun an als Straßenmusikant seinen Lebensunterhalt zu bestreiten… Eine großartige Geschichte, emotional, tiefgehend, autobiografisch, glaubhaft und einfach schön zu lesen, wenn auch zunächst sprachlich etwas gewöhnungsbedürftig und insgesamt kurz.

4/5

Schicksalsschläge

Mario Pf. aus Oberösterreich am 16.06.2021
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Eine Mischung aus Autobiografie und Roman verleiht diesem Werk Franz Grillparzers seinen unvergesslichen Charme. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, dem das Schicksal einfach nicht freundlich gesinnt war. Es erzählt von einem tragischen Lebenswandel eines jungen Mannes und endet tragisch-dramatisch mit einem unausweichlichen Ende. Der arme Spielmann ist eine Geschichte, eine die man gerne erzählt. Sie rührt und erheitert. Und genau dieses emotionale ist es was sie so besonders macht, denn sie ist mit Herz und aus Erfahrung geschrieben. Sie beginnt mit einem Wiener Volksfest und der Ich-Erzähler ist mitten unter den Feiernden als er unter den zahlreichen Straßenmusikanten einen entdeckt der seine ganze Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Er spielt nach Noten und das mit ganzer Leidenschaft. Als er ohne Lohn aufbricht und einige letzte Worte in Latein fluchend von sich gibt ist das Interesse des Erzählers endgültig geweckt. Er beschließt dem Musikanten zu folgen und herauszufinden was ein derart kultivierter Mann nur als armer Spielmann treibt. Über eine geschäftliche Vereinbarung kommen die beiden überein und so beginnt der Spielmann von sich zu erzählen. Geboren als Sohn eines Hofrats durchlebte er eine unbeschwerte Kindheit und scheiterte am Gymnasium. Bei einer Prüfung, wo auch sein Vater anwesend ist, wird dem Jungen noch eine Chance gegeben, nur scheitert er an einem ihm fehlenden Wort. Der Vater nimmt ihn aus der Schule und bringt ihn stattdessen in einer Schreibstube unter. Eine harte Zeit für ihn und als die beiden Brüder aus dem Haus ausziehen ist er so ziemlich allein. Sein von ihm enttäuschter Vater hält ihn gewissermaßen gefangen. Eines Tages jedoch hört er seine Nachbarin, Barbara, ein Lied summen und er unternimmt zunächst alles mögliche es sich zu merken. Er greift nach Jahren wieder zu seiner Geige und spielt. Doch ohne die passenden Noten fehlt ihm etwas an das er sich orientieren kann. Unter Selbstüberwindung bittet er sie um Hilfe in seinem Bestreben und sie willigt ein ihm zu helfen. Dank eines guten Kunden des Geschäftes ihres Vaters, einem Chorleiter, kommt Jakob an die Noten. Doch auch seine Beziehung zu Barbara beginnt sich zu entwickeln. Als jedoch sein Vater stirbt ist das nur der erste Schicksalsschlag. Er wird von einem scheinbar vertrauenswürdigen Bekannten um sein Geld gebracht und muss erfahren, dass seine geliebte Barbara drauf und dran ist einen anderen Mann zu heiraten. Er kann es nicht ändern und beschließt von nun an als Straßenmusikant seinen Lebensunterhalt zu bestreiten… Eine großartige Geschichte, emotional, tiefgehend, autobiografisch, glaubhaft und einfach schön zu lesen, wenn auch zunächst sprachlich etwas gewöhnungsbedürftig und insgesamt kurz.

5/5

Kein "Opfer des Schicksals", sondern ein gütiger Held mit Würde

Eine Kundin/ein Kunde aus Wien am 16.06.2021

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Leseprobe: "Und dabei sang sie leise in sich hinein. -- Es war das Lied, mein Lied! -- Sie aber zwitscherte wie eine Grasmücke, die am Bache das Hälslein wäscht und das Köpfchen herumwirft und die Federn sträubt und wieder glättet mit dem Schnäblein. Mir war, als ginge ich auf grünen Wiesen. Ich schlich näher und näher und war schon so nahe, daß das Lied nicht mehr von außen, daß es aus mir herauszutönen schien, ein Gesang der Seelen. Da konnte ich mich nicht mehr halten und faßte mit beiden Händen ihren in der Mitte nach vorn strebenden und mit den Schultern gegen mich gesenkten Leib. Da aber kam's. Sie wirbelte wie ein Kreisel um sich selbst. Glutrot vor Zorn im Gesichte stand sie vor mir da; ihre Hand zuckte, und ehe ich mich entschuldigen konnte-- [Die] Ohrfeige (...) ging ins Riesenhafte. Ich stand wie vom Donner getroffen. Die Lichter tanzten mir vor den Augen. -- Aber es waren Himmelslichter. Wie Sonne, Mond und Sterne; wie die Engelein, die Versteckens spielen und dazu singen. Ich hatte Erscheinungen, ich war verzückt. Sie aber, kaum minder erschrocken als ich, fuhr mit ihrer Hand wie begütigend über die geschlagene Stelle. Es mag wohl zu stark ausgefallen sein, sagte sie, und -- wie ein zweiter Blitzstrahl--" ...hierauf folgt der wohl zärtlichste Moment in der österreichischen Literatur. Was die mehrfach mißglückten "Zusammenfassungen" des Inhaltes betrifft: der "Spielmann" ist keinesfalls die weinerliche, sentimentale Biographie eines Versagers! Er ist vielmehr ein übergroßes, herrliches Porträt des stillen, genügsamen, bescheidenen Helden, der am Schluß gerade aufgrund seiner vermeintlich schwächsten Eigenschaft, einer beinah kindlichen Herzensgüte, über sein widriges Schicksal triumphiert. Ignoriere man also die platten Versuche, dieses Kleinod mehr schlecht als recht auf die Handlung zu reduzieren, lasse man sich nicht abschrecken von weitgehend dünkelhaften Rezensionen. Nein, das Buch ist nicht in "Alt-Deutsch" verfaßt. Grillparzer lebte im 19. Jahrhundert und schrieb in einem sehr schönen, formvollendeten, dabei jeder unnötigen Schnörkel entbehrendem Deutsch mit vereinzelten Austriazismen - schließlich war er auch Österreicher. Daß der Harry-Potter-, Wendy- und Twilight-Generation diese Ausdrucksweise erschrecklich oder "gewöhnungsbedürftig" dünkt, nun gut. Aber einem erwachsenen Menschen? Geh bitte. Grillparzer hatte ich bis zu dieser Lektüre für unterhaltsam, jedoch weitgehend harmlos gehalten. Was mir allerdings im "Spielmann" vor Augen geführt wurde, war eine Geschichte, die sich so großartig, reich, erhaben und schön ausnahm, daß ich mich nach dem Fertiglesen fühlte wie verwaist. Für mich ist die vorliegende Erzählung eine der großartigsten der Weltliteratur, und die Zeit, die ich auf das Lesen desselben verwendete, eine der erquicklichsten und sinnvollsten gewesen, die ich in meinem bisherigen Leben an einem Buche verbracht habe.

5/5

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Was wird das für eine Generation? Eine harte oder nur eine rohe?

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Es ist nicht nur eine ganze Generation, gegen die er sich stellt - Schüler, Eltern, Offziere. Es ist eine Weltanschauung, eine Ideologie, ein Glauben. Ein Glauben, den er nicht vertritt. Er kämpft, um sich nicht unterordnen zu müssen, seine eigene Meinung vertreten zu dürfen. Er kämpft, um selbst denken zu dürfen, hinterfragen zu dürfen. Aber er hinterfragt nicht nur den Glauben oder die Ideologie. Er hinterfragt auch die Religion, die Rolle des Staates und der Gesellschaft. Er hinterfragt seine Existenz. Er hinterfragt das ganze Sein. Er kämpft, bis er aufgibt. Bis er sich geschlagen gibt. Er kämpft, bis er nicht mehr kämpft. Es ist das Bild einer verkorksten Jugend, die von Horvath hier beschreibt. Einer Jugend, gnadenlos und eiskalt. Einer Jugend, geblendet von falschen Ideologien und Rassenvorstellungen. Geblendet von dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Rasse. Und es ist das Bild eines Mannes, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, über andere zu urteilen (zurecht, bedenkt man seinen gesellschaftlichen Kontext), aber sich bald eingestehen muss, dass auch er nicht völlig ohne Schuld ist. Dass vielleicht niemand völlig ohne Schuld ist. Und dass irgendwann der Moment kommt, an dem man sich fragen muss, wie man denn handeln möchte. Wie man denn sein möchte. Ob man weiter schweigen kann oder sich eingestehen muss, dass jeder Sklave seiner Handlungen und Entscheidungen ist. Und dass der Moment kommt, kommen kann, an dem man sich beugt. An dem man aufgibt. Auch wenn man es nicht möchte, auch wenn es den eigenen moralischen Vorstellungen widerspricht. Es kommt der Moment, an dem man sich beugt. Es ist eine klare, direkte Sprache mit der von Horvath die Entwicklung des Faschismus' der NS-Zeit beschreibt. Dabei kommt es durchaus auch vor, dass man lachen muss, weil man es einfach nicht glauben kann, dass erwachsene Menschen sich so leicht "verführen" lassen, einer Lüge so leicht aufliegen. Doch genau das war der Fall. Genau das war die Realität. Und wenn man das begrifft, sich dessen bewusst wird, Seite um Seite, dann vergeht das Lachen ganz schnell, weicht dem Entsetzen darüber, wie so etwas passieren konnte. Doch von Horvarths Buch ist so viel mehr als ein Anprangern der Kollektivschuld während des Regimes. Es ist vor allem ein Buch über die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, über die Rolle von Moral, von Verantwortung und Schuld. Es ist ein Buch, welches immer wieder die eine Frage stellt: Soll ich schweigen, um mich selbst zu schützen oder sage ich die Wahrheit, obwohl ich mich dadurch selbst in Gefahr bringe? Genau diese Frage ist es, die dieses Buch auch heute noch, obwohl bereits 1937 erschienen, mit einer Aktualität belegt, die seinesgleichen sucht. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklung und der Frage nach Anstand und Moral ist dieses Buch alles andere als ein eingestaubter Klassiker, sondern Pflichtlektüre und Lehre, wie man es nicht machen sollte. Lehre, wie schnell sich einzelne Ansichten zu einem Kollektiv entwickeln können. Lehre, wie schnell wir uns ihr hingeben, der Lüge, der Mutter aller Sünden.
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Was wird das für eine Generation? Eine harte oder nur eine rohe?

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Laura Donauer
  • Laura Donauer
  • Buchhändler*in

Unsere Buchhändler*innen meinen

Jugend ohne Gott

von Ödön von Horváth

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