Poesie und Grammatik

Poesie und Grammatik

Dialoge. Mit e. Verzeichn. d. Veröffentlichungen Roman Jakobsons in dtsch. Sprache 1921-1982

Buch (Taschenbuch)

16,00 € inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

»Der eigentliche Auslöser für diesen neuen Zugang zur Sprache und zur Sprachwissenschaft war jedoch – zumindest was mich angeht – die ungestüme Entwicklung der Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diejenigen von uns, die sich mit der Sprache beschäftigten, erlernten die Anwendung des Relativitätsprinzips auf linguistische Operationen. Von allen Seiten wurden wir geradezu gedrängt, diesen Weg zu beschreiten: von der aufsehenerregenden Entwicklung der modernen Physik, von Theorie und Praxis der kubistischen Malerei, in der ›alles auf Relationen beruht‹, auf der Wechselwirkung zwischen Teilen und Ganzem, zwischen Farbe und Gestalt, Darstellung und Dargestelltem« (»Roman Jakobson«).
Am Leitfaden der Biographie Roman Jakobsons gibt dieser Band einen Überblick über die Probleme und Forschungsergebnisse des bedeutendsten Linguisten der Gegenwart.

Horst Brühmann, geboren 1951 in Borken, studierte Philosophie, Politik- und Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main. Er war als Lehrbeauftragter an der Universität in Frankfurt am Main und als Lektor im wissenschaftlichen Lektorat u. a. im Suhrkamp Verlag tätig. Außerdem arbeitete er als Übersetzer für wissenschaftliche Texte. Er starb am 24. Februar 2022 in Frankfurt.

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

06.03.1982

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

193

Maße (L/B/H)

17,7/10,8/1,1 cm

Gewicht

184 g

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

06.03.1982

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

193

Maße (L/B/H)

17,7/10,8/1,1 cm

Gewicht

184 g

Auflage

2. Auflage

Originaltitel

Dialogues

Übersetzer

Horst Brühmann

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-27986-1

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Laute, Sinn, Poesie und Grammatik

Zitronenblau am 01.02.2012

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Das vorliegenden Bändchen enthält einen Dialog zwischen dem berühmten Linguisten Roman Jakobson und dessen Frau Krystyna Pomorska. Menschen, die sich ernsthaft mit Lyrik beschäftigen, werden nicht drum herum kommen, Jakobson und seine Pionierarbeit hinsichtlich seiner Poetik kennen zu lernen bzw. zu lernen ihn kennen zu lernen, denn es heißt, "[seine] Texte legten den Grund für alle späteren linguistischen Abhandlungen über die Idee der Verwandtschaft, der Verschwisterung und der Entwicklung von Sprachen". Wie der Titel "Poesie und Grammatik" offen suggeriert, beschäftigte sich der Linguist nicht nur mit Phonetik und Phonologie, insbes. zur Saussure-kritischen Frage wie Laute Sinn machen ("Offenbar ließen sich die Phoneme aller Sprachen der Welt trotz ihrer Unterschiedlichkeit gemäß einer strengen Logik in differentielle Elemente zerlegen." [...] "Wie es scheint, schreiben sich die universalen phonologischen Gesetze, die das Repertoire der bestehenden distinktiven Mittel begrenzen und hierarchisieren, genau in den genetischen Bauplan des Menschen ein und stellen insofern eine der wesentlichen Determinanten seiner gesellschaftlichen und kulturellen Tätigkeit dar."), er lieferte auch bahnbrechende Untersuchungsergebnisse zum Thema Sprachpathologie und erweiterter das berühmte Bühlersche Organon-Modell mit den sechs Faktoren bzw. Funktionen: Kontext, Botschaft, Sender, Empfänger, Kontakt, Code. Im Dialog gehen die Sprecher in nuce auf das wissenschaftliche Werk des Linguisten ein. Hierbei werden die Kernerkenntnisse wiederholt, Rückblicke in die Vergangenheit sollen erklären, wie es zu den einzelnen Forschungsmotivationen und -ergebnissen kam. Das zentrale Thema ist die "Grammatik der Poesie und Poesie der Grammatik". Ohne einen normativen Anspruch zu erheben, analysierte Jakobson die Struktur zahlreicher Gedichten (z.B. Pasternak) und kam zu erstaunlichen Erkenntnissen: "Nicht minder bedeutsam ist freilich die Entdeckung, dass die Struktur des Verses offenbar selbst eine Hierarchie aufweist." Jakobson geht noch einmal auf seine wichtigsten Forschungsbegriffe ein (Raumfaktor, Zeitfaktor, Merkmal und Parallelismus, das vielleicht wichtigste Element der Dichtkunst, denn es fragt "Was verbindet diese beiden parallelen Verse? Ist es eine Verknüpfung durch Ähnlichkeit oder Kontrast?"). Aber "die bahnbrechende Neuerung, die die Poetik Ihnen verdankt, besteht ja eben darin, die besondere Rolle aufzuweisen, die die Grammatik in der Poesie spielt." Im Grunde will Jakobson zeigen, dass ein gewisser grammatischer Zwang hinter jeder poetischen Figur steht, Poetik ihre eigene Grammatik aufweist, so heißt es an einer Stelle: "Ohne systematisch wiederholte Einheiten, gibt es keinen Vers, welcher Art diese Einheit auch sein mag, die dem betreffenden Verssystem zugrundeliegt..." Jakobson will u. a. die Rolle der Biographie des Dichters neu bewerten, auch der Frage nach dem Mythos geht er nach, "um die Beziehungen zu klären, die der Mythos zu dem geschichtlichen Hintergrund des poetischen Werks unterhält." Die Dialoge enden mit einigen Worten zur Semiotik als Wissenschaft von den Zeichen. Pomorska schließt mit einem Nachwort. Für tiefere Studien zu den Leistungen und Errungenschaften dient das vorliegende Buch nicht. Wer grundsätzlich in den Jakobsonschen Kosmos eintauchen will, dem sei mit den Dialogen einführend geholfen. Jakobson gehört zu Linguisten wie Whorf auch deswegen zu den lesenswerten Wissenschaftlern, weil sie mit einer unglaublichen Begeisterung und mit ihrem sympathischen Forschungsdrang überzeugen. Es macht einfach Spaß ihnen "nachzulesen".

Laute, Sinn, Poesie und Grammatik

Zitronenblau am 01.02.2012
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Das vorliegenden Bändchen enthält einen Dialog zwischen dem berühmten Linguisten Roman Jakobson und dessen Frau Krystyna Pomorska. Menschen, die sich ernsthaft mit Lyrik beschäftigen, werden nicht drum herum kommen, Jakobson und seine Pionierarbeit hinsichtlich seiner Poetik kennen zu lernen bzw. zu lernen ihn kennen zu lernen, denn es heißt, "[seine] Texte legten den Grund für alle späteren linguistischen Abhandlungen über die Idee der Verwandtschaft, der Verschwisterung und der Entwicklung von Sprachen". Wie der Titel "Poesie und Grammatik" offen suggeriert, beschäftigte sich der Linguist nicht nur mit Phonetik und Phonologie, insbes. zur Saussure-kritischen Frage wie Laute Sinn machen ("Offenbar ließen sich die Phoneme aller Sprachen der Welt trotz ihrer Unterschiedlichkeit gemäß einer strengen Logik in differentielle Elemente zerlegen." [...] "Wie es scheint, schreiben sich die universalen phonologischen Gesetze, die das Repertoire der bestehenden distinktiven Mittel begrenzen und hierarchisieren, genau in den genetischen Bauplan des Menschen ein und stellen insofern eine der wesentlichen Determinanten seiner gesellschaftlichen und kulturellen Tätigkeit dar."), er lieferte auch bahnbrechende Untersuchungsergebnisse zum Thema Sprachpathologie und erweiterter das berühmte Bühlersche Organon-Modell mit den sechs Faktoren bzw. Funktionen: Kontext, Botschaft, Sender, Empfänger, Kontakt, Code. Im Dialog gehen die Sprecher in nuce auf das wissenschaftliche Werk des Linguisten ein. Hierbei werden die Kernerkenntnisse wiederholt, Rückblicke in die Vergangenheit sollen erklären, wie es zu den einzelnen Forschungsmotivationen und -ergebnissen kam. Das zentrale Thema ist die "Grammatik der Poesie und Poesie der Grammatik". Ohne einen normativen Anspruch zu erheben, analysierte Jakobson die Struktur zahlreicher Gedichten (z.B. Pasternak) und kam zu erstaunlichen Erkenntnissen: "Nicht minder bedeutsam ist freilich die Entdeckung, dass die Struktur des Verses offenbar selbst eine Hierarchie aufweist." Jakobson geht noch einmal auf seine wichtigsten Forschungsbegriffe ein (Raumfaktor, Zeitfaktor, Merkmal und Parallelismus, das vielleicht wichtigste Element der Dichtkunst, denn es fragt "Was verbindet diese beiden parallelen Verse? Ist es eine Verknüpfung durch Ähnlichkeit oder Kontrast?"). Aber "die bahnbrechende Neuerung, die die Poetik Ihnen verdankt, besteht ja eben darin, die besondere Rolle aufzuweisen, die die Grammatik in der Poesie spielt." Im Grunde will Jakobson zeigen, dass ein gewisser grammatischer Zwang hinter jeder poetischen Figur steht, Poetik ihre eigene Grammatik aufweist, so heißt es an einer Stelle: "Ohne systematisch wiederholte Einheiten, gibt es keinen Vers, welcher Art diese Einheit auch sein mag, die dem betreffenden Verssystem zugrundeliegt..." Jakobson will u. a. die Rolle der Biographie des Dichters neu bewerten, auch der Frage nach dem Mythos geht er nach, "um die Beziehungen zu klären, die der Mythos zu dem geschichtlichen Hintergrund des poetischen Werks unterhält." Die Dialoge enden mit einigen Worten zur Semiotik als Wissenschaft von den Zeichen. Pomorska schließt mit einem Nachwort. Für tiefere Studien zu den Leistungen und Errungenschaften dient das vorliegende Buch nicht. Wer grundsätzlich in den Jakobsonschen Kosmos eintauchen will, dem sei mit den Dialogen einführend geholfen. Jakobson gehört zu Linguisten wie Whorf auch deswegen zu den lesenswerten Wissenschaftlern, weil sie mit einer unglaublichen Begeisterung und mit ihrem sympathischen Forschungsdrang überzeugen. Es macht einfach Spaß ihnen "nachzulesen".

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