»ich lerne: gläser + tassen spülen«

Briefe 1923–1956

Bertolt Brecht, Helene Weigel

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Beschreibung

Erst seit jüngstem gehört die »Brecht- Sammlung Victor N. Cohen« dem Brecht-Archiv, einschließlich zahlreicher unbekannter Briefe, die Brecht während seines amerikanischen Exils Mitte der vierziger Jahre von der Ostküste der USA an Helene Weigel, mit der er seit 1929 verheiratet war, nach Kalifornien geschickt hat.

In einer ersten Bestandsaufnahme zum Jahreswechsel 1923/24 schreibt Brecht an und über die junge Schauspielerin: »H W / (zu deutsch: Havary)«; von ihr getrennt herrschen bei ihm »Starke Langeweile / 90 % Nikotin / 10 % Grammophon«. Immer wieder bestürmt er sie: Fragen nach einem Zimmer oder einer Wohnung, nach Büchern und Artikeln oder nach Autopreisen und der Wiederbeschaffung von verlorenen Papieren; er erkundigt sich nach ihren Rollen und Auftritten und nach der Resonanz von Publikum und Kritik; er berichtet über die Arbeitan seinen eigenen Stücken oder darüber, daß er »mit viel Nikotin wenige Sonette hergestellt« habe.

Nach der Flucht aus Deutschland Anfang 1933 geht es immer wieder um Orte, an denen Brecht weiterarbeiten kann, um die Mühsale einer Familie im Exil, um zwei Kinder, die ihre Muttersprache nur noch zu Hause hören, und um die Nöte einer Schauspielerin, die fünfzehn Jahre lang ohne Bühne ist. Und deren Briefen wir hier zum ersten Mal begegnen.

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren und starb am 14. August 1956 in Berlin. Von 1917 bis 1918 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Naturwissenschaften, Medizin und Literatur. Sein Studium musste er allerdings bereits im Jahr 1918 unterbrechen, da er in einem Augsburger Lazarett als Sanitätssoldat eingesetzt wurde. Bereits während seines Studiums begann Brecht Theaterstücke zu schreiben. Ab 1922 arbeitete er als Dramaturg an den Münchener Kammerspielen. Von 1924 bis 1926 war er Regisseur an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin. 1933 verließ Brecht mit seiner Familie und Freunden Berlin und flüchtete über Prag, Wien und Zürich nach Dänemark, später nach Schweden, Finnland und in die USA. Neben Dramen schrieb Brecht auch Beiträge für mehrere Emigrantenzeitschriften in Prag, Paris und Amsterdam. 1948 kehrte er aus dem Exil nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tod als Autor und Regisseur tätig war..
Helene Weigel (1900-1971), seit 1929 mit Bertolt Brecht verheiratet, war Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles..
Erdmut Wizisla, 1958 geboren, ist Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs und Leiter des Walter Benjamin Archivs an der Akademie der Künste Berlin.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum 11.11.2012
Herausgeber Erdmut Wizisla, Wolfgang Jeske
Verlag Suhrkamp
Seitenzahl 402
Maße (B/H) 20,5/13/3 cm
Gewicht 506 g
Auflage 2
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-41857-4

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Ein kompliziertes Künstlerpaar...
von Henrik Nobis aus Dresden am 21.08.2013

Viele großartige Briefwechsel sind bereits bei Suhrkamp erschienen, man denke nur an die herausragende und sehr unterhaltsame Korrespondenz zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld. Doch Vorsicht: wer mit eben diesen Erwartungen an die vorliegende Brecht-Weigel-Ausgabe herantritt, der könnte enttäuscht werden! Warum? Die... Viele großartige Briefwechsel sind bereits bei Suhrkamp erschienen, man denke nur an die herausragende und sehr unterhaltsame Korrespondenz zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld. Doch Vorsicht: wer mit eben diesen Erwartungen an die vorliegende Brecht-Weigel-Ausgabe herantritt, der könnte enttäuscht werden! Warum? Dies hat keineswegs negative Gründe. Die Briefe von 1923 bis 1956 erheben nämlich gerade nicht den Anspruch, ein Briefwechsel zu sein, dafür ist der Anteil der von Bertolt Brecht verfassten Schriftstücke zu groß (nur ein Viertel stammt aus der Feder von Helene Weigel), das bedeutet, dass es viel zu wenig Bezug auf die Schreiben des jeweils anderen gibt. Zu groß sind also oftmals die Lücken, was jedoch schlicht und ergreifend daran liegt, dass leider viele Briefe als verschollen gelten! Trotzdem wird dem Leser eines im Buch sehr gut vermittelt: wie sich ein Künstlerehepaar trotz aller Rückschläge und trotz der schwierigen Lebensumstände im Exil um einen Alltag bemüht, was schon im Buchtitel erkennbar wird, als Brecht das Gläser und Tassen spülen erlernen muss und sich dabei etwas ironisch auf seine autodidaktischen Fähigkeiten beruft. Oft hat man in den Briefen auch den Eindruck, Helene Weigel sei nichts anderes gewesen als eine Sekretärin Brechts, wenn sie beispielsweise beauftragt wird Zimmer, Papiere oder Bücher zu beschaffen, Kontakte zu knüpfen und Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Doch stets schafft es Bertolt Brecht, die nüchterne und knappe Schreibweise mit aufmunternden und zärtlichen Formulierungen aufzulockern, etwa wenn er sich auf unnachahmliche Art und Weise bei seiner "Helli" nach den gemeinsamen Kindern erkundigt oder wenn er einen Brief mit "Ich kratze Dir im Geist den Rücken..." schließt. Die von Erdmut Wizisla herausgegebene und mit einem Bildteil versehene Erstausgabe über alle erhaltenen Briefe schafft es also, einen Blick hinter die Kulissen freizugeben und neue Erkenntnise anzubieten! Die Empfehlung, das Buch zu lesen, geht demzufolge sowohl an Kenner als auch an alle Interessierten, die eine andere Weigel und einen anderen Brecht kennenlernen möchten!


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