Vorboten der Moderne

Inhaltsverzeichnis




Vorwort

Präludium

Ankunft

Freundschaft

Liebe

Fuge in Berlin

Winter in der Ziegelstraße

Schlegels Bild der Liebe

Die Modernität des Romans

Schleiermachers »Verächter« der Religion

Das Wesen der Religion

Religionspolitik

Parallele Melodien

Sommerunruhen

Intermezzo

Von Göttingen nach Jena

Chorgesang in Dresden

Winteraffären 1798/99

Variationen in Jena

Herbstliche Hektik

Die romantische Europa-Vision

Novalis utopisches Ideal

Schellings parodistische Entgegnung

Tiecks legendenhaftes Gegenstück

Tiecks Ästhetisierung der Religion

Zwei Frauen unter einem Dach

Koda

Winterharmonien

Poetische Gespräche

Abreisen

Nachklänge

Anhang:

Säkulardichtungen?

Chronik

Literaturverzeichnis

Anmerkungen

Register

Vorboten der Moderne

Eine Kulturgeschichte der Frühromantik

Buch (Gebundene Ausgabe)

23,00 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung


»Ein Genie«, sagt Lessing, »kann nur von einem Genie entzündet werden«, was sich kaum schlagender in der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte belegen läßt als an der kongenialen Vereinigung der jungen Romantiker. Die Gebrüder Schlegel und »Madame Lucifer«, Caroline Schlegel, die spätere Frau von Friedrich Wilhelm Schelling, Ludwig Tieck, Novalis und Friedrich Schleiermacher revolutionierten mitten in der Ära Goethes Kultur, Kunst, Wissenschaft, das Verständnis von Politik, das Verhältnis der Geschlechter, des einzelnen zur Gesellschaft ...

Ihnen gelang es, ein damals ganz neues Verständnis von Leben zu etablieren und so ungewohnt und modern auszudrücken, so daß wir uns auch zweihundert Jahre später diesem geistigen Bann nicht entziehen können, wie nicht zuletzt die Diskussionen um die Postmoderne oder moderne Lebensverhältnisse belegten.

Es ist die Absicht dieses Buches, die manchmal skandalösen Lebensverhältnisse unter den Verfassern mitsamt ihren Frauen und Freunden darzustellen, die oft erstaunlichen Parallelen unter ihren damals entstandenen Schöpfungen aufzudecken. Verfolgt werden die überraschenden wie die bisher kaum oder noch nie beachteten Spuren, wie die Vorboten der Moderne bis in die Gegenwart weiterwirken.

Theodore Ziolkowski, geboren 1932, ist Professor Emeritus für Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Princeton University. Zahlreiche Publikationen in Deutsch und Englisch zur europäischen Kultur- und Geistesgeschichte und zur Antikerezeption.

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

23.08.2006

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

282

Maße (L/B/H)

21,6/13,4/2,9 cm

Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

23.08.2006

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

282

Maße (L/B/H)

21,6/13,4/2,9 cm

Gewicht

429 g

Auflage

1. Auflage 2006

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-94460-0

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Genial!

Bewertung am 21.02.2021

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Das von Ziolkowski virtuos dargebotene Konzert hebt auf die Harmonie ab, auf "parallele Melodien", auf die Übereinstimmungen und Zusammenklänge, die zwischen bestimmten Werken der Frühromantik feststellbar sind, zwischen Friedrich Schlegels Roman "Lucinde" etwa und Friedrich Schleiermachers "Reden über die Religion", oder zwischen Novalis' "Europa"-Rede und Tiecks Legendendichtung "Genoveva".

Genial!

Bewertung am 21.02.2021
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Das von Ziolkowski virtuos dargebotene Konzert hebt auf die Harmonie ab, auf "parallele Melodien", auf die Übereinstimmungen und Zusammenklänge, die zwischen bestimmten Werken der Frühromantik feststellbar sind, zwischen Friedrich Schlegels Roman "Lucinde" etwa und Friedrich Schleiermachers "Reden über die Religion", oder zwischen Novalis' "Europa"-Rede und Tiecks Legendendichtung "Genoveva".

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Vorboten der Moderne

von Theodore Ziolkowski

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Vorwort
Den sehr warmen Sommer 1999 verbrachte ich mit meiner Frau im Gästehaus der Humboldt-Universität in der Ziegelstraße, die sich in Berlin-Mitte, keine hundert Meter nördlich der Spree, zwischen Friedrichstraße und Montbijoupark erstreckt. Ich beschäftigte mich damals im Ribbeck-Haus und in der Staatsbibliothek Unter den Linden mit anderen Arbeiten, aber bei meiner Lektüre fiel mir auf einmal auf, daß Dorothea Veit vor rund 200 Jahren in den Monaten gleich nach ihrer Scheidung auch in der Ziegelstraße, und zwar in einigen jämmerlichen Zimmern, nur einige Schritte entfernt von uns, gelebt hatte. Es wurde mir plötzlich klar, daß es dort war, wo sie fast täglich ihren Geliebten Friedrich Schlegel empfangen hatte, und daß er in ihrer Wohnung große Teile seines Romans Lucinde geschrieben hatte. Ferner: Weil er zu dieser Zeit bei seinem Freund Schleiermacher in der heutigen Chausseestraße jenseits des Oranienburger Tors (etwa in der Nähe der heutigen Schlegelstraße) wohnte, wo der junge Theologe sich gerade mit seinen Reden über Religion trug, hat ihn sein täglicher Weg die noch ländliche Friedrichstraße hinuntergeführt, an der Artillerie-Kaserne vorbei (wo heute der Friedrichstadt- Palast steht) und um die Ecke links in die Ziegelstraße zu seiner Geliebten. Als ich an die anderen Personen dachte, die für die Berliner Literaturgeschichte dieser Zeit eine Rolle spielen, entsann ich mich, daß Ludwig Tieck damals auch mit seiner Schwester Sophie in der Nähe - in der Hospitalstraße beim Rosenthaler Tor (der heutigen Auguststraße, die auch wieder zu einer Künstlergegend geworden ist) - gewohnt hatte. Wenn man alle zusammennimmt - Friedrich Schlegel, Schleiermacher, Tieck, auch Fichte kam später hinzu -, die damals in dem kleinen vorstädtischen Dreieck Ziegelstraße/Oranienburger Tor/Rosenthaler Tor sich aufhielten, darf man modifizierend ergänzen, daß die sogenannte »Berliner Romantik« eigentlich eine Vorstadt-Romantik gewesen ist. Denn nicht in den glänzenden Salons der Friedrichstadt oder bei Henriette Herz in der Neuen Friedrichstraße/Ecke Königstraße (ungefähr dort, wo sich heute der Fernsehturm erhebt), sondern in den kümmerlichen Wohnungen der ärmlichen nördlichen Vorstadt wurden einige bedeutende Werke, die wir heute als Höhepunkt der Berliner Romantik betrachten, konzipiert und zum großen Teil auch geschrieben.
Aus einem solchen Zufall heraus - aufgrund meines Wohnsitzes bei meinem Berlin-Aufenthalt - ist dieses Buch also entstanden: Ich wollte die Geschichte dieser Menschen - sozusagen meiner »geistigen Nachbarn« von vor zwei Jahrhunderten - erzählen und ihre häufig diskutierten Werke nicht so sehr neu interpretieren als vielmehr im Kontext ihres gemeinsamen Lebens lesen und dadurch auf sonst kaum beachtete Zusammenhänge hinweisen. Aus der Masse der Schriften dieser schreibfreudigen jungen Menschen ragen einige heraus, die noch weiterwirkten und auch heute zu unserer lebendigen Kultur gehören, ob wir uns dessen bewußt sind oder nicht. So will ich zum Ende des Buchs noch die »Nachklänge« dieser Vorboten der Moderne aus dem Jahr 1799 verfolgen.
Es war in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts lange Zeit Mode, literarische Werke »werkimmanent« und ohne Rücksicht auf die äußeren Umstände des Schaffens zu interpretieren. Heute sind viele Kritiker und Literaturhistoriker zu der Überzeugung zurückgekehrt, die Wilhelm Dilthey vor mehr als einem Jahrhundert seinem Leben Schleiermachers zugrunde gelegt hat: »Die Philosophie Kants kann völlig verstanden werden ohne nähere Beschäftigung mit seiner Person und seinem Leben; Schleiermachers Bedeutung, seine Weltansicht und seine Werke bedürfen zu ihrem gründlichen Verständniß biographischer Darstellung« (Vorwort). Das Prinzip läßt sich aber auch verallgemeinern, wie Dilthey selbst gesehen hat: »Es besteht ein wichtiger bisher noch nicht wissenschaftlich untersuchter Zusammenhang zwischen großen Richtungen der Gesellschaft und solchen des geistigen Schaffens « (S. 193). Auch hier gilt es aufzuzeigen, wie und warum gewisse repräsentative Texte gerade im Jahr 1799, das allgemein als Glanzzeit der Frühromantik gilt, geschrieben wurden und inwiefern sie miteinander in Zusammenhang stehen. Hier wird auch eine örtliche Verschiebung sichtbar, denn in der zweiten Jahreshälfte verlegte sich der Schwerpunkt - mit dem Wechsel des Wohnorts durch die Hauptfiguren - von Berlin nach Jena, wo andere »Mitspieler«, vor allem August Wilhelm und Caroline Schlegel sowie Friedrich Schelling, »warteten«.
Das Gründerjahr 1870 hat zwei Meisterwerke der deutschen Literaturgeschichtsschreibung hervorgebracht. In seinem Hauptwerk Die romantische Schule gab uns der ehemalige Frankfurter Parlamentarier und Journalist Rudolf Haym als »Beitrag zur Geschichte des deutschen Geistes« das erste umfassende Bild der Hauptgestalten der Frühromantik, während der erst 37jährige Geisteswissenschaftler Wilhelm Dilthey in seinem Leben Schleiermachers das immer noch maßgebende Modell einer intellektuellen Biographie entwarf. Auch der heutige Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker konkurriert nur zögernd mit diesen beiden kenntnisreichen Werken, die, wenn auch in mancher Hinsicht überholt und in ihrer Methodik - deduktiv gegenüber induktiv - wesentlich voneinander unterschieden, in ihrer Gründlichkeit und entdeckungsfreudigen Energie noch immer unübertroffen sind. Wir Heutigen haben aber gegenüber diesen großen Vorgängern einen Vorteil: Wir leben 130 Jahre später. Der 1821 geborene Haym war noch ein später Zeitgenosse von mehreren Hauptakteuren seiner Geschichte - Tieck, Schleiermacher, Schelling, August Wilhelm Schlegel, Dorothea Schlegel unter anderen. Auch Dilthey bezieht sich wiederholt auf mündliche Berichte von Gewährspersonen, die Schleiermacher und seinen Kreis persönlich kannten. Für beide war also die Frühromantik noch aktuelle Gegenwart, eine lebende Tradition, die erst zwei Generationen zuvor entstanden war und deren Voraussetzungen sie weitgehend noch teilten. Und beide entrüsteten sich manchmal aus generationsbedingten Gründen über das »unmoralische« Leben der von ihnen behandelten Personen. Am Anfang des 21. Jahrhunderts sehen wir das alles aus einer anderen Perspektive. Wo die großen Gelehrten des 19. Jahrhunderts etwa Schlegels Lucinde und Tiecks Genoveva mehr oder weniger verständnislos gegenüberstanden, betrachten wir bei de Werke nach dem sozialen und ästhetischen Wandel des 20. Jahrhunderts mit völlig anderen Augen.
Gilt immer noch die Frage, die sich Dilthey in seinem Vorwort stellte: »Hat die Gegenwart ein Recht, diese mächtige Erscheinung sich in geschichtlicher Ferne halten zu wollen?« Ist für uns die Frühromantik nur noch »Geschichte«, oder enthält sie eine sinngebende Bedeutung für unsere Gegenwart? Auf den folgenden Seiten wird es also nicht darum gehen, mit Haym und Dilthey als Historiker zu konkurrieren, sondern um eine völlig andere Fragestellung: Wir wollen fragen, ob eine Reihe von repräsentativen Texten, die nicht zufällig im Jahre 1799 geschrieben und veröffentlicht wurden, heute noch relevant sind - ob sie nicht nur in den speziellen Studien der Literaturwissenschaft, sondern auch im allgemeinen Bewußtsein denkender Menschen immer noch Sinn und Bedeutung haben.

Diese Arbeit habe ich bei einem weiteren angenehmen Aufenthalt im Gästehaus in der Ziegelstraße im Herbst 2000 begonnen. Ich habe hier keine Städteporträts von Berlin und Jena zu geben versucht, zum Teil weil ich das in den beiden anderen, dieses Buch zeitlich umrahmenden Bänden meiner Romantik-Trilogie - Das Wunderjahr in Jena. Geist und Gesellschaft 1794/95 und Berlin. Aufstieg einer Kulturmetropole um 1810 - bereits getan habe; die chronotopischen Verhältnisse haben sich demgegenüber nur unerheblich geändert. Vor allem aber, weil es sich hier um ein anderes Projekt handelt: Ich wollte kein laufendes Protokoll des Jahres 1799 schreiben und kein breites zeitgeschichtliches Bild entwerfen, sondern die Beziehungen unter spezifischen repräsentativen Meisterwerken der Frühromantik aufzeigen und auf deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart hinweisen.
[...]
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  • Vorwort

    Präludium

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    Freundschaft

    Liebe

    Fuge in Berlin

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    Schlegels Bild der Liebe

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    Das Wesen der Religion

    Religionspolitik

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    Die romantische Europa-Vision

    Novalis utopisches Ideal

    Schellings parodistische Entgegnung

    Tiecks legendenhaftes Gegenstück

    Tiecks Ästhetisierung der Religion

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    Koda

    Winterharmonien

    Poetische Gespräche

    Abreisen

    Nachklänge

    Anhang:

    Säkulardichtungen?

    Chronik

    Literaturverzeichnis

    Anmerkungen

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