Vielleicht Esther

Ausgezeichnet mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2013, dem Aspekte-Literatur-Preis 2014, dem Ernst-Toller-Preis 2015 und dem Schubart-Literaturpreis 2015

suhrkamp pocket Band 4826

Katja Petrowskaja

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Beschreibung

Hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die jiddischen Worte, die sie vertrauensvoll an die deutschen Soldaten auf der Straße richtete – wer hat sie gehört? Und als die Soldaten die Babuschka erschossen, »mit nachlässiger Routine« – wer hat am Fenster gestanden und zugeschaut?
Die unabgeschlossene Familiengeschichte, die Katja Petrowskaja in kurzen Kapiteln erzählt, hätte ein tragischer Epochenroman werden können: der Student Judas Stern, ein Großonkel, verübte 1932 ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat in Moskau. Sterns Bruder, ein Revolutionär aus Odessa, gab sich den Untergrundnamen Petrowski. Ein Urgroßvater gründete in Warschau ein Waisenhaus für taubstumme jüdische Kinder.
Wenn aber schon der Name nicht mehr gewiß ist, was kann man dann überhaupt wissen?
Statt ihren gewaltigen Stoff episch auszubreiten, schreibt die Autorin von ihren Reisen zu den Schauplätzen, reflektiert über ein zersplittertes, traumatisiertes Jahrhundert und rückt Figuren ins Bild, deren Gesichter nicht mehr erkennbar sind. Ungläubigkeit, Skrupel und ein Sinn für Komik wirken in jedem Satz dieses eindringlichen Buches.

Geboren 1970 in Kiew, studierte Katja Petrowskaja Literaturwissenschaften in Tartu (Estland) und promovierte 1998 in Moskau. Seit 1999 lebt sie in Berlin. 2014 erschien ihr preisgekröntes Debüt Vielleicht Esther.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum 10.03.2014
Verlag Suhrkamp
Seitenzahl 285
Maße 21,8/13,5/2,8 cm
Gewicht 384 g
Auflage 6
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42404-9

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"...dieser Krieg (ist) dein Ursprung..., deine Geschichte, deine Antike (...)." (321)

Miri am 17.11.2018

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Ich-Erzählerin Katja, begibt sich auf die Suche nach ihren Verwanden/ihrem Stammbaum. Viele Fragen bleiben jedoch unbeantwortet, da der Großteil der Familie schweigt, verschollen bleibt oder nicht mehr am Leben ist. Ihr bleibt nichts anderes übrig als in Archiven und an Gedenkstätten ihren Drang nach „(Ge-)Wissen“ zu befriedigen/zu stillen. Als sie die Orte betritt, wo unzählige Menschen ermordet wurden, plagt sie der Gedanke der Kontaminierung/Überschreibung und Selektion. Sowie ihre fast blinde Oma manchmal das Blatt beim Niederschreiben ihrer Memoiren nicht gewechselt hatte und einfach das Vorige mit Neuem überschrieben hatte, so findet sie auch diese Orte vor (Bahnhof Berlin, Babij Jar - Kiew, Mauthausen, St.Johann und viele andere). „Bleibt ein Ort derselbe Ort, wenn man an diesem Ort mordet, (…), später zehn Mahnmale errichtet, der eigenen Opfer einmal pro Jahr gedenkt oder meint, man habe damit nichts zu tun?“ (224). „Zehn Denkmäler, aber keine gemeinsame Erinnerung, sogar im Gedenken setzt die Selektion sich fort. Was mir fehlt, ist das Wort Mensch.“ (234). Sie realisiert, dass ohne Krieg, auch sie keine Geschichte hätte. Toll geschrieben. Man spürt die Verzweiflung beim Lesen. Viele Stellen bringen einen zum Nachdenken und Innehalten. Wir alle sind durch den Krieg geformt, der weder Verlierer noch Gewinner hatte/hat (so scheint es mir), weil durch die unzähligen Toten an beiden Seiten, hat die ganze Menschheit verloren. Unmenschlichkeit der Menschlichkeit. Ein tolles Werk, das zeigt wie die Sowjets den Krieg gedenken dürften - nur Helden wurden geehrt, Kriegsgefangene und Opfer des Holocausts (Zigeuner, Behinderte, Juden...) dürften noch viele Jahre nach dem Krieg kein Teil der Erinnerung und Huldigung sein. Werk, das mahnt und auch die absichtlich vergessenen Opfer ehrt. Sehr lesenswert. Meine absolute Empfehlung.

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Ein sehr bewegendes Buch

Eine Kundin/ein Kunde aus Löhne am 03.04.2014

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Wer sich für Geschichte und Schuld, aber auch für Sprache interessiert, muss dieses Buch einfach gelesen haben. Ich verneige mich vor dieser Autorin und ihrem faszinierenden Stil, die jeden, der Sprache liebt und vor der jüngeren deutschen Geschichte nicht die Augen verschließt, nach wenigen Seiten in ihren Bann zieht.

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Ein berührendes Buch über das Schicksal der meist namenlosen Opfer der Nazidiktatur in Kiew, Mauthausen, Warschau u.a.Orten. Petrowskaja gibt ihnen wieder eine Stimme. Lesen.
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