Partisanen

Inhaltsverzeichnis

6 Prolog: Die Mauer

14 Artur Klinau:

Partisan und Antipartisan

28 Der Partisan auf der Suche nach sich selbst

32 Der Partisan auf der Suche nach der Stadt

34 Benjamin Cope: Marx’ Gespenster

47 Artur Klinau: Die Stadt der Götter

52 Der Partisan auf der Suche nach Helden

56 Alaksandr Suškou: Kim

63 Dzmitry Strocau: Jod

77 Juras Barysievic: Frag’ nicht, wem die Schüssel scheppert

88 Der Partisan auf der Suche nach dem Platz

91 Artur Klinau: Altglas

102 Almira Usmanava: Anarchist, Partisan, Künstler

112 Der Partisan und Dostojewski

118 Siarhiej Dubaviec: Dostojewskis belarussische Wurzeln

126 Der Partisan auf der Suche nach der Gegenwart

132 Taciana Arcimovic: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer

144 Volha Šparaha: Das Politische ist das Private

150 Epilog: Eine Idee von der Zukunft?

153 Valancin Akudovic: Wir brauchen einen radikalen Strategiewechsel

160 Anmerkungen

161 Register

Partisanen

KULTUR_MACHT_BELARUS

Buch (Taschenbuch)

12,80 € inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Der Partisan, sagt Artur Klinau, ist nicht nur der heroische Typ mit der Waffe in der Hand. „Er ist auch eine Diagnose: pathologischer Bewusstseinszustand mit tief sitzenden Ängsten als Reaktion auf historisch bedingte Traumata.“ Der Partisan ist eine für Belarus typische Figur. Heute aber, so Klinau und die Macher seiner Zeitschrift pARTisan, ist eine Partisanen-Strategie der Kunst & Kultur der einzige Weg aus der tiefen Misere seines Landes. Denn Politik hilft gegen das Regime eines Lukaschenka nicht weiter. Wie diese Strategie aussieht, davon handelt dieses Buch.

Artur Klinau, geboren 1960 in Minsk, wo er lebt und arbeitet. Schriftsteller, Künstler, Architekt. Leitet seit mehr als zehn Jahren die belarussische Zeitschrift pARTisan. Arbeit mit Kunst-Installationen, Fotoserien und zahlreichen Essays, außerdem ist er Autor von drei Büchern, davon erschien 2006 auf Deutsch Minsk. Sonnenstadt der Träume.

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

10.03.2014

Herausgeber

Taciana Arcimovic + weitere

Verlag

Edition.fotoTAPETA Berlin

Seitenzahl

168

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

10.03.2014

Herausgeber

Verlag

Edition.fotoTAPETA Berlin

Seitenzahl

168

Maße (L/B/H)

22,3/12,9/1,7 cm

Gewicht

248 g

Übersetzer

Literabel.de

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-940524-26-3

Das meinen unsere Kund*innen

0.0

0 Bewertungen

Informationen zu Bewertungen

Zur Abgabe einer Bewertung ist eine Anmeldung im Kund*innenkonto notwendig. Die Authentizität der Bewertungen wird von uns nicht überprüft. Wir behalten uns vor, Bewertungstexte, die unseren Richtlinien widersprechen, entsprechend zu kürzen oder zu löschen.

Verfassen Sie die erste Bewertung zu diesem Artikel

Helfen Sie anderen Kund*innen durch Ihre Meinung

Erste Bewertung verfassen

Unsere Kund*innen meinen

0.0

0 Bewertungen filtern

Der Partisan tritt dort in Erscheinung, wo Widerstandsgeist weht, aber
keine Möglichkeit gegeben ist, den Gegner im offenen Kampf zu
besiegen. Wenn das Kräfteverhältnis gar zu einseitig verteilt ist, lässt
einem der Gegner zwei Optionen: Tod oder Tod. Im ersten Fall handelt
es sich um den heroischen Märtyrertod, allerdings ist anschließend
der Gegner der unangefochtene Herr im fremden Haus, da niemand
mehr da ist, der für sein Recht auf Autonomie streiten könnte. Im
zweiten Fall kommt man zwar physisch mit dem Leben davon, verliert
aber sein Ich, das man auch gar nicht mehr braucht, würde es einem
doch nur immerfort quälend ins Bewusstsein rufen, dass man ein
Sklavendasein fristet. Doch man kann auch aus sich heraus beide
Angebote des Gegners ausschlagen und einen dritten Weg gehen, der
für ihn besonders gefährlich ist: den Weg des Partisanen.
Die Belarussen haben alle drei Wege eingeschlagen. Manche
haben sich der Herausforderung gestellt und sind gefallen. Andere
haben sich mit dem Leben als Insekten abgefunden und sich in gefügige
Biomasse verwandelt. Wieder andere haben sich für die einzig
mögliche Form der Selbsterhaltung entschieden- das Karma des Partisanen.
Eine Chronik des belarussischen Partisanentums wäre in diesem
Text fehl am Platze. Daher soll der Hinweis genügen, dass es mit dem
Kociuszko-Aufstand seinen Anfang nahm und bis heute in unterschiedlichster
Ausprägung fortlebt, im Politischen (Zianon Paniak)
genauso wie im Kulturellen (Siarhiej Dubaviec), in der Aktion (Miron)
und anderswo.
Hier soll es weniger um einzelne Vertreter des belarussischen
Parti sanen-Pantheons gehen (zu dem die Mehrzahl herausragender
belarussischer Kulturschaffender gezählt werden darf), sondern um
die Grundzüge, die den Aktivisten der résistance nationale gemein
sind, sei es im bewaffneten Widerstand (Kastu Kalinoski, Stanisa
Buak-Baachovi) oder in der Kultur- und Bildungsarbeit (Franciak
Bahuevi, Vaca astoski, Uadzimir Karatkievi).
Allgemein gesprochen, lässt sich der Partisan als Mensch außerhalb
des herrschenden Systems beschreiben, der keine passive Haltung
einnimmt, sondern aktiven Widerstand bis hin zum bewaffneten
Aufstand leistet. Dabei ist der Partisan a priori außer Stande,
mit dem System zu kollaborieren, es sei denn rein äußerlich. Jede
darüber hinaus gehende Kollaboration mit dem System hebt die
Definition des soziokulturellen Phänomens Partisan auf. Aufgabe
des Partisanen ist es nicht, das System zu stürzen. Sicher verfolgt
er langfristig auch diesen Zweck, rückt der aber zu stark in
den Vordergrund, entfernt sich der Partisan ebenfalls von der Partisanen-
definition und gliedert sich in ein Alternativsystem ein,
sobald sein Tun in einer regulären Bewegung aufgeht. Die Hauptaufgabe
des Partisanen besteht darin, seinen kulturellen Code zu
bewahren, sein Territorium möglichst weit auszudehnen, das System
maximal zu dekonstruieren und den Moment der gegenseitigen
Auflösung herbeizuführen.
Mitunter mag das Ziel des Partisanen unerreichbar oder nur in
ferner Zukunft realisierbar scheinen, dann wird sein Widerstand zur
persönlichen Mission, zur Großtat eines Helden, der darum weiß, dass
er den Sieg nicht mehr erleben wird.
Die Aneignung von Räumen, in die das System nicht vorzudringen
vermag, macht die Stärke des Partisanen aus. Diese Räume, die Zonen
des Irrationalen, sind für das System unzugänglich, da es sich a priori
im Rahmen des rationalen Diskurses bewegt. Gleichzeitig findet sich
der Partisan in den Labyrinthen des Systems bestens zurecht. Weil er
die Schwachstellen kennt, kann er dem System empfindliche Nadelstiche
versetzen und anschließend in seinen sicheren Hafen auf der
anderen Seite des Spiegels verschwinden. So kann er zu einem
wahren Albtraum für das System werden, zur Sublimation der unbewussten
Angst, die sich überall dort ausbreitet, wo das Gebiet der
Reflexion endet und die Zone des Unbekannten und Uner
  • Partisanen
  • 6 Prolog: Die Mauer

    14 Artur Klinau:

    Partisan und Antipartisan

    28 Der Partisan auf der Suche nach sich selbst

    32 Der Partisan auf der Suche nach der Stadt

    34 Benjamin Cope: Marx’ Gespenster

    47 Artur Klinau: Die Stadt der Götter

    52 Der Partisan auf der Suche nach Helden

    56 Alaksandr Suškou: Kim

    63 Dzmitry Strocau: Jod

    77 Juras Barysievic: Frag’ nicht, wem die Schüssel scheppert

    88 Der Partisan auf der Suche nach dem Platz

    91 Artur Klinau: Altglas

    102 Almira Usmanava: Anarchist, Partisan, Künstler

    112 Der Partisan und Dostojewski

    118 Siarhiej Dubaviec: Dostojewskis belarussische Wurzeln

    126 Der Partisan auf der Suche nach der Gegenwart

    132 Taciana Arcimovic: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer

    144 Volha Šparaha: Das Politische ist das Private

    150 Epilog: Eine Idee von der Zukunft?

    153 Valancin Akudovic: Wir brauchen einen radikalen Strategiewechsel

    160 Anmerkungen

    161 Register