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Mädchen, Frau etc.

Ungekürzte Lesung mit Constanze Becker (2 mp3-CDs)

Hörbuch (MP3-CD)

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Beschreibung

Details

Medium

MP3-CD

Sprecher

Constanze Becker + weitere

Spieldauer

13 Stunden und 55 Minuten

Erscheinungsdatum

22.01.2021

Verlag

Der Audio Verlag

Beschreibung

Rezension

»Bernardine Evaristo ist eine Autorin, die jede*r lesen sollte, überall!« Elif Shafak
»Komplex, scharfsinnig, schmerzhaft, aufschlussreich und vor allem unterhaltsam!« The Boston Globe
»Sprüht vor Vitalität« Financial Times

Details

Medium

MP3-CD

Sprecher

Spieldauer

13 Stunden und 55 Minuten

Erscheinungsdatum

22.01.2021

Verlag

Der Audio Verlag

Anzahl

2

Hörtyp

Lesung

Übersetzer

Tanja Handels

Sprache

Deutsch

EAN

9783742418630

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Was sie alle eint

Bewertung aus Berlin am 02.04.2021

Bewertet: Hörbuch (MP3-CD)

Dass dieses Werk der britisch-nigerianischen Autorin Bernardine Evaristo mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde, scheint bereits in zweierlei Hinsicht naheliegend: Erstens trifft es mit Themen wie Rassismus, Feminismus und Identität den Puls der Zeit, zweitens ist es hemmungslos anders, so anders, dass man es nicht so schnell wieder vergisst. Ob das daran liegt, dass Evaristo die Geschichten der Protagonistinnen dieses Werks ohne Punkt und Komma erzählt oder aber an den zum Teil sehr bewegenden Stories selbst, sei dahingestellt. Die Prosa ist Geschmacksache. Im Fokus der Geschichte steht Amma, die als frischgebackene Dramatikerin verdammt hart gearbeitet hat, um als schwarze Frau endlich im Mainstream der Theaterszene anzukommen. Sie hat 15 Stücke geschrieben, bei mehr als 40 Regie geführt und dennoch Selbstzweifel, dass sie verrissen wird. Oder aber wie Evaristo pointiert: „Vor ein paar Monaten hätte sie für ein Engagement wie dieses noch ihre Großmutter in die Sklaverei verkauft.“ Dreh- und Angelpunkt des Werkes ist daher die Erstaufführung von Ammas großem Stück im Nationaltheater, wo all ihre Freundinnen zusammenkommen werden. In Evaristos Werk wird in einer Vielzahl von Geschichten über all diese Frauen gesprochen, wobei der Kampf jeder Einzelnen von ihnen zum Thema wird, sei es um als schwarze Frau, als Einwanderin, als Muslimin oder nicht-binäre, lesbische Frau angenommen zu werden. Geschickt werden all diese Einzelschicksale miteinander verknüpft, verwoben, wobei der Aha-Effekt der Berührung bei manch einer Verbindung erst zum Ende einsetzt. Schnell wird klar, dass der Kampf manch einer für ihre Sache für die nächste Generation von Kämpferinnen schon wieder etwas ganz Selbstverständliches ist, aber auch – und das ist die Gesellschaftskritik – nicht davor schützt, dass Diskriminierung und Rassismus sogar in den eigenen Riegen der Vorreiterinnen stattfinden. Evaristos erzählerische Leistung liegt in den vielen Einzelschicksalen, die trotz des nüchtern-sachlichen Ton, den auch Constanze Becker hervorragend trifft, unter die Haut gehen. Dennoch verliert sie sich manchmal ein wenig, was zu Langatmigkeit führt, aber in Verbindung mit der abstrakten Interpunktion auch dazu, dass man den Faden verliert und im Wirrwarr der Geschichten und Namen unterzugehen droht. „Mädchen, Frau, etc.“ ist kein Hörbuch, was mal ebenso nebenbei gehört werden kann. Auf dieses Hörbuch … auf diese Geschichten, aber ebenso die besondere Erzählweise der Autorin muss man sich einlassen (wollen). Wer das tut, der erhält im Gegenzug ein besonderes Hörvergnügen, das zum Nachdenken anregt, darüber, was uns alle eint – die Essenz der Gesellschaft ist.

Was sie alle eint

Bewertung aus Berlin am 02.04.2021
Bewertet: Hörbuch (MP3-CD)

Dass dieses Werk der britisch-nigerianischen Autorin Bernardine Evaristo mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde, scheint bereits in zweierlei Hinsicht naheliegend: Erstens trifft es mit Themen wie Rassismus, Feminismus und Identität den Puls der Zeit, zweitens ist es hemmungslos anders, so anders, dass man es nicht so schnell wieder vergisst. Ob das daran liegt, dass Evaristo die Geschichten der Protagonistinnen dieses Werks ohne Punkt und Komma erzählt oder aber an den zum Teil sehr bewegenden Stories selbst, sei dahingestellt. Die Prosa ist Geschmacksache. Im Fokus der Geschichte steht Amma, die als frischgebackene Dramatikerin verdammt hart gearbeitet hat, um als schwarze Frau endlich im Mainstream der Theaterszene anzukommen. Sie hat 15 Stücke geschrieben, bei mehr als 40 Regie geführt und dennoch Selbstzweifel, dass sie verrissen wird. Oder aber wie Evaristo pointiert: „Vor ein paar Monaten hätte sie für ein Engagement wie dieses noch ihre Großmutter in die Sklaverei verkauft.“ Dreh- und Angelpunkt des Werkes ist daher die Erstaufführung von Ammas großem Stück im Nationaltheater, wo all ihre Freundinnen zusammenkommen werden. In Evaristos Werk wird in einer Vielzahl von Geschichten über all diese Frauen gesprochen, wobei der Kampf jeder Einzelnen von ihnen zum Thema wird, sei es um als schwarze Frau, als Einwanderin, als Muslimin oder nicht-binäre, lesbische Frau angenommen zu werden. Geschickt werden all diese Einzelschicksale miteinander verknüpft, verwoben, wobei der Aha-Effekt der Berührung bei manch einer Verbindung erst zum Ende einsetzt. Schnell wird klar, dass der Kampf manch einer für ihre Sache für die nächste Generation von Kämpferinnen schon wieder etwas ganz Selbstverständliches ist, aber auch – und das ist die Gesellschaftskritik – nicht davor schützt, dass Diskriminierung und Rassismus sogar in den eigenen Riegen der Vorreiterinnen stattfinden. Evaristos erzählerische Leistung liegt in den vielen Einzelschicksalen, die trotz des nüchtern-sachlichen Ton, den auch Constanze Becker hervorragend trifft, unter die Haut gehen. Dennoch verliert sie sich manchmal ein wenig, was zu Langatmigkeit führt, aber in Verbindung mit der abstrakten Interpunktion auch dazu, dass man den Faden verliert und im Wirrwarr der Geschichten und Namen unterzugehen droht. „Mädchen, Frau, etc.“ ist kein Hörbuch, was mal ebenso nebenbei gehört werden kann. Auf dieses Hörbuch … auf diese Geschichten, aber ebenso die besondere Erzählweise der Autorin muss man sich einlassen (wollen). Wer das tut, der erhält im Gegenzug ein besonderes Hörvergnügen, das zum Nachdenken anregt, darüber, was uns alle eint – die Essenz der Gesellschaft ist.

Die Sprecherin könnte besser nicht sein

Elke Seifried aus Gundelfingen am 08.02.2021

Bewertet: Hörbuch (MP3-CD)

Die Autorin zeigt hier nicht nur bunte Ansammlung unterschiedlicher Frauenporträts, die sich zusammenhanglos aneinanderreihen, vielmehr sind alle Frauen, wie eine Art roter Faden, irgendwie über Generationen und soziale Grenzen hinweg miteinander verbunden. Sicher mit von Bedeutung ist hier ein gemeinsames Leben in Peckham. Das ist toll gemacht. Ganz besonders erwähnen muss ich hier auch den Epilog, bei dem sich noch einmal eine ganz besondere Verbindung zwischen zweien auftut, und der mich sehr berührt hat. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass die Autorin die Frauen so ausgewählt hat, dass eine große Bandbreite abgezeichnet wird. Die betroffenen Frauen sind nicht allesamt harmonisch und als Opfer oder sanftmütige Menschen darstellt. Das macht das Buch äußerst authentisch. Hier werden nicht ausschließlich Männer als die Schuldigen gezeigt. Sie vergisst nicht darzustellen, dass sich auch unter Frauen Radikalität und Unterdrückung findet und Narzisstinnen und Psychopathinnen Täterinnen sein können. Ebenso klar deutlich wird durch die geschickte Zusammenstellung der Einzelschicksale, dass Schwarzsein eben auch nicht automatisch, solidarisch und sensibler für Unrecht zu sein, heißt. Benachteiligung ist nicht nur an eine Hautfarbe gebunden, sondern, "komplexer", so wie das auch Jazz´Freundin feststellt. Zahlreiche Perspektiven und diverse Grautöne werden in diesem Roman gelungen aufgezeigt. „Besonders schockiert, und damit gefesselt, haben mich die Kapitel über Dominique, die in die Hände einer gewaltbereiten Lesbierin, ja eigentlich Psychopathin gerät. Ich war sprachlos, teilweise schon geschockt, wie man sich so einnehmen, so bevormunden lassen und das so lange so stillschweigend erdulden kann. Die Frau mit der ich zweifelsohne am meisten sympathisierte war Hatti, für die gilt, „Hattie hat überhaupt kein Problem mit Bibi, die als Mann zur Welt gekommen ist, sie kennt sie ja nur als Frau, und das leuchtet ihr auch noch irgendwie ein zu behaupten, man wäre weder-noch, ist allerdings so weithergeholt, dass es ihr nur noch lächerlich vorkommt“, und die ich als warmherzig, humorvoll und für ihr Alter super aufgeschlossenen empfand. Sicher wird mir auch ihr neuer Begriff für Weihnachten noch ein Weilchen in Erinnerung bleiben. „unter dem Baum stapeln sich die Geschenke, nur darum geht es den Leuten noch, mit Religion hat das nichts mehr zu tun, es sollte nicht Weihnachten heißen, sondern Giernachten“. Die Autorin hat mit meinen Emotionen gespielt. So hat sie es bei einer Windsome, die mir auf die ersten Blicke so sympathisch war, mit der ich fühlen konnte, mit einem Verhalten, das mich furchtbar entsetzt hat, geschafft, dass ich von einer Sekunde auf die andere völlig anders fühlen musste. Allerdings wechselte meine Betroffenheit, mein gebanntes Mehr-Erfahren-Wollen, auch je nach Porträt deutlich. Relativ wenig konnte ich so z.B. trotz der schrecklichen Gruppenvergewaltigung, die sie als Jugendliche erleiden muss bei La Tisha empfinden. Ja, sie hat alles andere als Glück mit Männern und Kindsvätern, aber viel mehr war da für mich nicht. Wenig anfangen konnte ich auch mit Megan, Morgan, für die sicher das etc. im Titel reserviert ist. Sicher mit ein Grund für den Wechsel meiner Begeisterung von Frau zu Frau, war auch, dass in manchen Porträts teils derbe Sprache vorherrscht, die gar nicht mein Ding ist. Klar, Anfeindungen, Ausgrenzungen, erlittenes Unrecht muss gar nicht schöngefärbt werden, es soll ja ein authentischer Eindruck entstehen. Aber ganz besonders die sexuellen Vorlieben hätte ich z.B. nicht und schon gar nicht in dieser teils doch in meinen Augen vulgären Sprache gebraucht. „gib das Balg an die Kirche, sonst fliegst du raus, sagte er zu Daisy als ob ich dich jemals im Stich gelassen hätte, Gracie, so unschuldig, rein und ganz, eins von Gottes gesegneten Geschöpfen? meine Aufgabe war es, dich zu beschützen.“ oder „Tränen aus der Wohnung ging und Mama dafür dankte, dass sie endlich wieder mit ihr redete, denn, sagte sie, wenn die eigene Mutter so tut, als wäre man gar nicht da, dann ist das doch, als wäre man tot“, Sätze wie diese haben mich tief betroffen gemacht, mir einen regelrechten Stich im Herzen versetzt. Auch das erlittene Unrecht, die Anfeindungen, wie z.B. keine Unterkunft erhalten, weil die schwarze Hautfarbe auf die Laken abfärben könnte, Vergewaltigungen und einiges mehr haben mich sehr betroffen gemacht. Gleichzeitig gab auch zahlreiche Stellen, bei denen ich mich so richtig mit den Frauen freuen konnte, so z.B. bei Grace, der Mama von Hattie, als gilt „Grace konnte ihr Glück kaum fassen, als Joseph um ihre Hand anhielt, er benahm sich, als wäre sie der Hauptgewinn und nicht der Trostpreis“ und die nach schweren Schicksalsschlägen dann doch noch einmal die Kurve bekommt. Ich habe abwechselnd gelesen und gehört und muss sagen, dass mir das Hören erheblich besser gefallen hat als das Selbst-Lesen. Die fehlende Interpunktation, bzw. die fehlenden Punkte, die ein Satzende kennzeichnen, das Aneinanderreihen des Textes war äußerst gewöhnungsbedürftig für mich. Am Schreibstil gut gefallen haben mir aber wieder die Beschreibungen mit vielen Bildern und Vergleichen. „Pullis, Jacken, Mäntel die wasserstoffblonden Dreadlocks das ganze Jahr über darauf getrimmt, hochzustehen wie die Kerzen einer Geburtstagstorte silberne Creolen, klobige afrikanische Armreifen und pinken Lippenstift das ist ihr immerwährender, persönlicher Statement-Style“, ist nur ein Beispiel dafür. Ich hatte stets alles deutlich vor Augen. Ich könnte mich nicht erinnern, dass ich schon einmal ein von Constanze Becker eingesprochenes Hörbuch gehört hätte. Aber das wird sicher nicht mein letztes sein. Der Klang ihrer kräftigen Stimme ist ganz meines und ich habe ihr unheimlich gerne zugehört. Ganz besonders positiv habe ich empfunden, dass sie der Erzählung genau an den für mich richtigen Stellen etwas an der Härte nimmt. Sie gleicht die an mancher Stelle ist die doch recht schroffe, derbe Ausdrucksweise, gelungen aus, indem sie diese nicht auch noch extra betont. Zudem zeigt sie unheimlich viel Empathie, die sie in ihren Vortrag legt und verleiht auch jeder Frau hier, ein ganz eigenes, zu den Beschreibungen passendes Profil. Alles in allem hatte ich mit Mädchen, Frau etc. gelungene, interessante Unterhaltung. Für fünf Sterne genügt es bei mir nicht ganz aber gute vier sind auf jeden Fall drin.

Die Sprecherin könnte besser nicht sein

Elke Seifried aus Gundelfingen am 08.02.2021
Bewertet: Hörbuch (MP3-CD)

Die Autorin zeigt hier nicht nur bunte Ansammlung unterschiedlicher Frauenporträts, die sich zusammenhanglos aneinanderreihen, vielmehr sind alle Frauen, wie eine Art roter Faden, irgendwie über Generationen und soziale Grenzen hinweg miteinander verbunden. Sicher mit von Bedeutung ist hier ein gemeinsames Leben in Peckham. Das ist toll gemacht. Ganz besonders erwähnen muss ich hier auch den Epilog, bei dem sich noch einmal eine ganz besondere Verbindung zwischen zweien auftut, und der mich sehr berührt hat. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass die Autorin die Frauen so ausgewählt hat, dass eine große Bandbreite abgezeichnet wird. Die betroffenen Frauen sind nicht allesamt harmonisch und als Opfer oder sanftmütige Menschen darstellt. Das macht das Buch äußerst authentisch. Hier werden nicht ausschließlich Männer als die Schuldigen gezeigt. Sie vergisst nicht darzustellen, dass sich auch unter Frauen Radikalität und Unterdrückung findet und Narzisstinnen und Psychopathinnen Täterinnen sein können. Ebenso klar deutlich wird durch die geschickte Zusammenstellung der Einzelschicksale, dass Schwarzsein eben auch nicht automatisch, solidarisch und sensibler für Unrecht zu sein, heißt. Benachteiligung ist nicht nur an eine Hautfarbe gebunden, sondern, "komplexer", so wie das auch Jazz´Freundin feststellt. Zahlreiche Perspektiven und diverse Grautöne werden in diesem Roman gelungen aufgezeigt. „Besonders schockiert, und damit gefesselt, haben mich die Kapitel über Dominique, die in die Hände einer gewaltbereiten Lesbierin, ja eigentlich Psychopathin gerät. Ich war sprachlos, teilweise schon geschockt, wie man sich so einnehmen, so bevormunden lassen und das so lange so stillschweigend erdulden kann. Die Frau mit der ich zweifelsohne am meisten sympathisierte war Hatti, für die gilt, „Hattie hat überhaupt kein Problem mit Bibi, die als Mann zur Welt gekommen ist, sie kennt sie ja nur als Frau, und das leuchtet ihr auch noch irgendwie ein zu behaupten, man wäre weder-noch, ist allerdings so weithergeholt, dass es ihr nur noch lächerlich vorkommt“, und die ich als warmherzig, humorvoll und für ihr Alter super aufgeschlossenen empfand. Sicher wird mir auch ihr neuer Begriff für Weihnachten noch ein Weilchen in Erinnerung bleiben. „unter dem Baum stapeln sich die Geschenke, nur darum geht es den Leuten noch, mit Religion hat das nichts mehr zu tun, es sollte nicht Weihnachten heißen, sondern Giernachten“. Die Autorin hat mit meinen Emotionen gespielt. So hat sie es bei einer Windsome, die mir auf die ersten Blicke so sympathisch war, mit der ich fühlen konnte, mit einem Verhalten, das mich furchtbar entsetzt hat, geschafft, dass ich von einer Sekunde auf die andere völlig anders fühlen musste. Allerdings wechselte meine Betroffenheit, mein gebanntes Mehr-Erfahren-Wollen, auch je nach Porträt deutlich. Relativ wenig konnte ich so z.B. trotz der schrecklichen Gruppenvergewaltigung, die sie als Jugendliche erleiden muss bei La Tisha empfinden. Ja, sie hat alles andere als Glück mit Männern und Kindsvätern, aber viel mehr war da für mich nicht. Wenig anfangen konnte ich auch mit Megan, Morgan, für die sicher das etc. im Titel reserviert ist. Sicher mit ein Grund für den Wechsel meiner Begeisterung von Frau zu Frau, war auch, dass in manchen Porträts teils derbe Sprache vorherrscht, die gar nicht mein Ding ist. Klar, Anfeindungen, Ausgrenzungen, erlittenes Unrecht muss gar nicht schöngefärbt werden, es soll ja ein authentischer Eindruck entstehen. Aber ganz besonders die sexuellen Vorlieben hätte ich z.B. nicht und schon gar nicht in dieser teils doch in meinen Augen vulgären Sprache gebraucht. „gib das Balg an die Kirche, sonst fliegst du raus, sagte er zu Daisy als ob ich dich jemals im Stich gelassen hätte, Gracie, so unschuldig, rein und ganz, eins von Gottes gesegneten Geschöpfen? meine Aufgabe war es, dich zu beschützen.“ oder „Tränen aus der Wohnung ging und Mama dafür dankte, dass sie endlich wieder mit ihr redete, denn, sagte sie, wenn die eigene Mutter so tut, als wäre man gar nicht da, dann ist das doch, als wäre man tot“, Sätze wie diese haben mich tief betroffen gemacht, mir einen regelrechten Stich im Herzen versetzt. Auch das erlittene Unrecht, die Anfeindungen, wie z.B. keine Unterkunft erhalten, weil die schwarze Hautfarbe auf die Laken abfärben könnte, Vergewaltigungen und einiges mehr haben mich sehr betroffen gemacht. Gleichzeitig gab auch zahlreiche Stellen, bei denen ich mich so richtig mit den Frauen freuen konnte, so z.B. bei Grace, der Mama von Hattie, als gilt „Grace konnte ihr Glück kaum fassen, als Joseph um ihre Hand anhielt, er benahm sich, als wäre sie der Hauptgewinn und nicht der Trostpreis“ und die nach schweren Schicksalsschlägen dann doch noch einmal die Kurve bekommt. Ich habe abwechselnd gelesen und gehört und muss sagen, dass mir das Hören erheblich besser gefallen hat als das Selbst-Lesen. Die fehlende Interpunktation, bzw. die fehlenden Punkte, die ein Satzende kennzeichnen, das Aneinanderreihen des Textes war äußerst gewöhnungsbedürftig für mich. Am Schreibstil gut gefallen haben mir aber wieder die Beschreibungen mit vielen Bildern und Vergleichen. „Pullis, Jacken, Mäntel die wasserstoffblonden Dreadlocks das ganze Jahr über darauf getrimmt, hochzustehen wie die Kerzen einer Geburtstagstorte silberne Creolen, klobige afrikanische Armreifen und pinken Lippenstift das ist ihr immerwährender, persönlicher Statement-Style“, ist nur ein Beispiel dafür. Ich hatte stets alles deutlich vor Augen. Ich könnte mich nicht erinnern, dass ich schon einmal ein von Constanze Becker eingesprochenes Hörbuch gehört hätte. Aber das wird sicher nicht mein letztes sein. Der Klang ihrer kräftigen Stimme ist ganz meines und ich habe ihr unheimlich gerne zugehört. Ganz besonders positiv habe ich empfunden, dass sie der Erzählung genau an den für mich richtigen Stellen etwas an der Härte nimmt. Sie gleicht die an mancher Stelle ist die doch recht schroffe, derbe Ausdrucksweise, gelungen aus, indem sie diese nicht auch noch extra betont. Zudem zeigt sie unheimlich viel Empathie, die sie in ihren Vortrag legt und verleiht auch jeder Frau hier, ein ganz eigenes, zu den Beschreibungen passendes Profil. Alles in allem hatte ich mit Mädchen, Frau etc. gelungene, interessante Unterhaltung. Für fünf Sterne genügt es bei mir nicht ganz aber gute vier sind auf jeden Fall drin.

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Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Zwölf Frauen unterschiedlicher Altersgruppen, beruflicher Orientierung und sozialer Hintergründe entfalten ihre Geschichten durch die eloquente Feder von Evaristo, die ein komplexes buntes Mosaik aus Erfahrungen, Leidenschaften und Gedanken komponiert. Der Leser folgt dem Leben und Alltag der Protagonisten durch ein narratives Prisma, das die Schwierigkeiten von farbigen Frauen in Großbritannien mit absoluter Aufrichtigkeit auflistet, ohne die Realität zu verschleiern. Das im Buchtitel enthaltene Wort “etc.” bezeichnet genau diese Marginalisierung und verächtliche Haltung gegenüber diesen Frauen. Ein fesselndes, großartiges Buch, das den Booker Prize 2019 absolut verdient hatte.
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Zwölf Frauen unterschiedlicher Altersgruppen, beruflicher Orientierung und sozialer Hintergründe entfalten ihre Geschichten durch die eloquente Feder von Evaristo, die ein komplexes buntes Mosaik aus Erfahrungen, Leidenschaften und Gedanken komponiert. Der Leser folgt dem Leben und Alltag der Protagonisten durch ein narratives Prisma, das die Schwierigkeiten von farbigen Frauen in Großbritannien mit absoluter Aufrichtigkeit auflistet, ohne die Realität zu verschleiern. Das im Buchtitel enthaltene Wort “etc.” bezeichnet genau diese Marginalisierung und verächtliche Haltung gegenüber diesen Frauen. Ein fesselndes, großartiges Buch, das den Booker Prize 2019 absolut verdient hatte.

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Zwölf starke Frauen, die nicht unterschiedlicher sein können und dennoch miteinander verbunden sind. Ein Schreibstil, der dich lehrt keine Grenzen zu setzen.. & eine Message die niemand verpassen sollte!
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von Bernardine Evaristo

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