Recherche HAUSHOFER

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Annäherung an den Autor der Moabiter Sonette

Buch (Taschenbuch)

15,00 € inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

„Es gibt wohl Zeiten, die der Irrsinn lenkt …“ Eine Frau blickt von ihrem Balkon in Moabit auf den Kriegsgräberfriedhof und auf das Grab Albrecht Haushofers. Er ist so gut wie vergessen, genau wie seine Geschichte. Die Autorin beginnt mit ihrer Annäherung, befragt Texte, Orte, Fotos und findet eine widersprüchliche Lebensgeschichte. Haushofer, anfangs Berater für die NS-Außenpolitik und später ein Mann des Widerstandes, schrieb seine „Moabiter Sonette“ in der Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße. Er legt darin Zeugnis ab über das, was er als seine Schuld erkennt. Die Nazis brachten ihn vor 75 Jahren in Moabit um, wenige Tage vor Kriegsende. Die Recherche der Nachgeborenen wird zum Zwiegespräch.

Geboren 1967 in Limburg, Schriftstellerin und Journalistin, Dramaturgin und Übersetzerin. Schreibt für verschiedene Medien über Geschichte, Theater und Film und übersetzt Theaterstücke aus dem Englischen. In der edition.fotoTAPETA erschien 2019 ihr Roman Ruth. Moabit. Anna Opel lebt und arbeitet in Berlin.

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

15.10.2020

Verlag

Edition.fotoTAPETA Berlin

Seitenzahl

208

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

15.10.2020

Verlag

Edition.fotoTAPETA Berlin

Seitenzahl

208

Maße (L/B/H)

22,1/13,1/2,2 cm

Gewicht

311 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-940524-93-5

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Auf dem Balkon, den samtblauen Nachthimmel über mir, den Winter im Rücken. Ein lauer Hauch liegt in der Luft, alle Poren auf Empfang, und die Gegenwart pocht hinter meinen Schläfen. Neues Jahr, neues Glück, die Bäume blühen schon, und die Straßenlaternen zeigen aufs Ziegelrot der Friedhofsmauer. Fette Graffitibuchstaben und gedämpfte Geräusche. Autos rauschen durch Felder aus Licht, die Fenster offen, Türkenpop auf der Durchreise.Eine Zigarette auf die Schönheit, auf die Vergänglichkeit dieser Nacht.Vom Friedhof klingt ein durchdringendes Lied herüber, so süß und schwer, dass es kribbelt auf meiner Haut. Ich hör derNachtigall zu, meiner, unserer Nachtigall, wenn sie singt, in den Zweigen über seinem Grab. In diesem und in jedem Mai.Auch im Mai 1945, als der Tote drüben auf dem provisorischen Friedhof beerdigt wurde, hat sie gesungen, stelle ichmir vor. Albrecht Haushofer, geboren am 7. Januar 1903, ermordet in den allerletzten Kriegstagen, Dichter, Geograph,Autor der Moabiter Sonette.Gegenüber meinem Balkon liegt er, nur ein Stück weiter rechts und in einer Ecke des Friedhofs, sein Grabstein unter dem Ast, auf dem die Nachtigall sitzt. Sie ist so klein, sie streckt ihre gefederte Brust heraus, stelle ich mir vor, und siesingt ihr herrliches Lied.Das kleine Tor zum Friedhof ist abgesperrt in der Nacht, weil die Toten ruhen. Weil sie ungestört sein wollen. Die Toten der letzten Kriegstage, gestorben in den Straßen der Umgebung, während der Schlacht um Berlin. Männer und Frauen. Kinder.Männer vor allem. Haushofer ist einer von ihnen. Dreihundert Gefallene, hier sind sie für immer vereint, hier bleibensie zusammen. In Ewigkeit Amen.Wer ist Albrecht Haushofer, dieser Dichter von Gedichten, die Sonette heißen? Sonare ist ein lateinisches Verb, das"klingen, tönen" heißt. Kleine klingende Stücke also, das sind Sonette, jeweils aus vierzehn metrischen Zeilen gemacht. Aus einer Zeit, als Gedichte sich noch reimten, längst vergangen. Nicht meine Welt, nicht meine Zeit. Was geht mich das an? Lange habe ich an ihm vorbeigelebt, ihn übersehen, Albrecht Haushofer, den geheimnisvollen Toten vom Friedhof gegenüber. (...)
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