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The Shards

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Beschreibung

Details

Verkaufsrang

244

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.01.2023

Verlag

Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl

736

Maße (L/B/H)

21,8/14,7/5,2 cm

Beschreibung

Rezension

»Dieser Roman reiht sich in die Reihe der großen Texte von Ellis ein. Dass er noch einmal so einen Hammer veröffentlicht, damit war nicht mehr zu rechnen.« ("Frankfurter Neue Presse")
»eine hedonistische, verrückte, düstere und tragisch-komische Geschichte« ("Frankfurter Rundschau Online")
»Wer Ellis früher einmal verehrte, wird dankbar zurückkehren in den Kreis der Jünger. Wer noch nie etwas gelesen hat von ihm, wird die Sensation spüren, diesen
Autor zum ersten Mal zu erleben, in Hochform.« ("stern")
»irrwitzig aufregend« ("NDR Kultur")
»›The Shards‹ ist ein furioses Scherbengericht.« ("Stuttgarter Zeitung")
»ein Buch mit Sogwirkung [...], das einen an der Gurgel packt und nicht mehr loslässt« ("Falter")
»großartige wie radikale Satire« ("Deutschlandfunk Kultur")
»Wie suggestiv Bret Easton Ellis die Spannung hält und Panik und Paranoia erzeugt, ist sagenhaft. Ein großer Roman. Schon im Januar eines der Bücher des Jahres.« ("Passauer Neue Presse")
»Bret Easton Ellis kann es noch. Und wie.« ("SWR Lesenswert")
»Als Leser folgt man [Ellis] bereitwillig, wie er seine goldenste und schwärzeste Zeit auf ein Neues literarisch erkundet.« ("Deutschlandfunk")

Details

Verkaufsrang

244

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.01.2023

Verlag

Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl

736

Maße (L/B/H)

21,8/14,7/5,2 cm

Gewicht

756 g

Auflage

1. Auflage

Übersetzer

Stephan Kleiner

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-462-00482-3

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Ganz großes Kino

Bewertung am 01.02.2023

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

»Unsere Chancen schienen gut zu stehen: Wir waren jung und lebendig und stark, und nichts konnte uns verletzen, und es gab nichts, was diese Wahrnehmung getrübt hätte, schon gar kein Märchen, das von unserem Platz auf der Welt handelte, und wir ignorierten die störenden Gedanken an Schicksal und Schrecken und grausamen Tod, die uns aus der goldenen Kuppel der Jugend hätten entführen können, unter der wir lebten.« S.415 Eine gelangweilte Eliteclique verbringt ihren letzten Sommer vor dem Abschlussjahr an der Buckley Highschool mit Poolpartys, zugedröhnten Wochenenden und Sex. Auch wenn zu Beginn alles makellos erscheint, streut der Ich-Erzähler Bret Andeutungen ein, die darauf hinweisen, dass dieser scheinbar endlose, unbeschwerte Sommer bald ein Ende haben wird, was zu unmittelbaren Spannung führt. Er sieht in dem neuen Mitschüler Robert Mallory eine Gefahr und einen Zusammenhang mit dem Serienmörder »der Trawler«. Doch Robert gelingt es, Teil dieser eingeschworenen Gemeinschaft zu werden, keiner glaubt Brets Zweifeln. Benebelt von Drogen und Beruhigungsmitteln ist er sich am Ende auch nicht mehr sicher. „Ich versuchte mich mit dem üblichen Mantra zu beruhigen – du hörst Dinge, die gar nicht da sind –, aber diesmal war das Signal zu stark, um es zu ignorieren, denn es pulsierte und sandte fiebrige Wellen der Panik aus.„ Es war mein erstes Buch von Bret Easton Ellis und ich habe auch American Psycho nicht gesehen. Aber das, was ich hier gelesen habe, ist ein Meisterwerk. Ich glaube, man muss das Buch als Gesamtkunstwerk betrachten, das aus so vielen Details zusammengesetzt ist, dass ich es nur schwer sortieren kann. Ich wünschte, so manch anderer Autor hätte die Gabe, mich mit seinem Erzählstil so einzusaugen, wie Bret Easton Ellis es ab der ersten Seite geschafft hat. Es nur als Roman zu sehen, wäre zu einfach. Schon die latente Bedrohung, die von Beginn an im Raum schwebt, treibt die Spannung auf das Niveau eines Psychothrillers, denen er am Ende einige Slasher-Momente hinzufügt. Zugleich ist es Coming-of Age, Highschoolroman und Erotik. Nichts davon ist trivial oder abgenutzt. Die Geschichte, die auf klischeehaftem Fundament zu stehen scheint, wird eingerahmt von angeblich biografischen Erinnerungen des unzuverlässigen Erzählers Bret Ellis, verwoben mit realen Begebenheiten und Verweisen zu Ellis’ ersten Roman »Unter Null«. Hier manipuliert der Autor den Leser und man fragt sich ständig, wo die Grenzen der Autofiktionalität sind. Das ging so weit, dass ich mich über einiges schlaumachen musste. Und tatsächlich bin ich auf reale Ereignisse gestoßen, die Ellis hier verarbeitet hat. Eine wirkliche Handlung wird man hier vergeblich suchen, der Roman lebt eher durch detailverliebte Schilderungen der 80er Jahre, Playlists, Kinofilme, angesagte Markenklamotten, Statussymbole, das ständig lässige Cruisen auf den Boulevards, waren für mich wie Flashbacks in meine Jugend. (Ellis ist gerade mal 2 Jahre älter als ich.) Sie erinnerte mich ständig an Miami Vice und Denver Clan. Hat mir hier was gefehlt, habe ich mich gelangweilt? Nicht eine Sekunde. Doch das Eigentliche versteckt Bret Easton Ellis gekonnt hinter seinen Figuren. Nicht, dass eine davon besonders sympathisch wäre, aber in der Kombination ergibt es ein Bild der »Rich Kids« der frühen 80er. Thom, der gutaussehende Quaterback, der mit Susan, dem schönsten Mädchen zusammen ist. Susan, die in ihrer makellosen Abgestumpftheit für Bret begehrenswert scheint. Doch Bret ist augenscheinlich mit Debbi zusammen, die ständig auf Koks ist und Valium braucht, um wieder runterzukommen. Doch sie ist nur ein Alibi für Bret, der eigentlich schwul ist, oder zumindest bi, ganz genau weiß er es auch nicht. Und ja, mit 17 hat er nur Augen für Knackärsche und sonnengebräunte Sixpacks. Doch Brets eigentliche Liebe ist Matt, ein dauerbekiffter Mitschüler, der dem Serientäter zum Opfer fällt. Und wer expliziete homoerotische Sexszenen nicht aushält, denn davon gibt es reichlich, sollte das Buch gar nicht erst lesen. Oder die grausamen Details der Morde, die bis ins Detail geschildert werden. Aber was genau versteckt er hinter diesem Hollywoodtraum? Nichts – eine gähnende Leere. Die Ästhetik der Taubheit, der Reiz des Illegalen, Paranoia, Einsamkeit, Klingt alles ziemlich abgefahren? Ist es auch! Ich könnte jetzt noch weiter schwadronieren, könnte mir Superlative aus den Fingern saugen und Lobpreisungen an den Autor verfassen. Mach ich nicht, denn mir ist klar, dass man das Buch lieben oder hassen wird. Für mich war es ein grandioses Erlebnis, das mir noch lange durch den Kopf geistern wird.

Ganz großes Kino

Bewertung am 01.02.2023
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

»Unsere Chancen schienen gut zu stehen: Wir waren jung und lebendig und stark, und nichts konnte uns verletzen, und es gab nichts, was diese Wahrnehmung getrübt hätte, schon gar kein Märchen, das von unserem Platz auf der Welt handelte, und wir ignorierten die störenden Gedanken an Schicksal und Schrecken und grausamen Tod, die uns aus der goldenen Kuppel der Jugend hätten entführen können, unter der wir lebten.« S.415 Eine gelangweilte Eliteclique verbringt ihren letzten Sommer vor dem Abschlussjahr an der Buckley Highschool mit Poolpartys, zugedröhnten Wochenenden und Sex. Auch wenn zu Beginn alles makellos erscheint, streut der Ich-Erzähler Bret Andeutungen ein, die darauf hinweisen, dass dieser scheinbar endlose, unbeschwerte Sommer bald ein Ende haben wird, was zu unmittelbaren Spannung führt. Er sieht in dem neuen Mitschüler Robert Mallory eine Gefahr und einen Zusammenhang mit dem Serienmörder »der Trawler«. Doch Robert gelingt es, Teil dieser eingeschworenen Gemeinschaft zu werden, keiner glaubt Brets Zweifeln. Benebelt von Drogen und Beruhigungsmitteln ist er sich am Ende auch nicht mehr sicher. „Ich versuchte mich mit dem üblichen Mantra zu beruhigen – du hörst Dinge, die gar nicht da sind –, aber diesmal war das Signal zu stark, um es zu ignorieren, denn es pulsierte und sandte fiebrige Wellen der Panik aus.„ Es war mein erstes Buch von Bret Easton Ellis und ich habe auch American Psycho nicht gesehen. Aber das, was ich hier gelesen habe, ist ein Meisterwerk. Ich glaube, man muss das Buch als Gesamtkunstwerk betrachten, das aus so vielen Details zusammengesetzt ist, dass ich es nur schwer sortieren kann. Ich wünschte, so manch anderer Autor hätte die Gabe, mich mit seinem Erzählstil so einzusaugen, wie Bret Easton Ellis es ab der ersten Seite geschafft hat. Es nur als Roman zu sehen, wäre zu einfach. Schon die latente Bedrohung, die von Beginn an im Raum schwebt, treibt die Spannung auf das Niveau eines Psychothrillers, denen er am Ende einige Slasher-Momente hinzufügt. Zugleich ist es Coming-of Age, Highschoolroman und Erotik. Nichts davon ist trivial oder abgenutzt. Die Geschichte, die auf klischeehaftem Fundament zu stehen scheint, wird eingerahmt von angeblich biografischen Erinnerungen des unzuverlässigen Erzählers Bret Ellis, verwoben mit realen Begebenheiten und Verweisen zu Ellis’ ersten Roman »Unter Null«. Hier manipuliert der Autor den Leser und man fragt sich ständig, wo die Grenzen der Autofiktionalität sind. Das ging so weit, dass ich mich über einiges schlaumachen musste. Und tatsächlich bin ich auf reale Ereignisse gestoßen, die Ellis hier verarbeitet hat. Eine wirkliche Handlung wird man hier vergeblich suchen, der Roman lebt eher durch detailverliebte Schilderungen der 80er Jahre, Playlists, Kinofilme, angesagte Markenklamotten, Statussymbole, das ständig lässige Cruisen auf den Boulevards, waren für mich wie Flashbacks in meine Jugend. (Ellis ist gerade mal 2 Jahre älter als ich.) Sie erinnerte mich ständig an Miami Vice und Denver Clan. Hat mir hier was gefehlt, habe ich mich gelangweilt? Nicht eine Sekunde. Doch das Eigentliche versteckt Bret Easton Ellis gekonnt hinter seinen Figuren. Nicht, dass eine davon besonders sympathisch wäre, aber in der Kombination ergibt es ein Bild der »Rich Kids« der frühen 80er. Thom, der gutaussehende Quaterback, der mit Susan, dem schönsten Mädchen zusammen ist. Susan, die in ihrer makellosen Abgestumpftheit für Bret begehrenswert scheint. Doch Bret ist augenscheinlich mit Debbi zusammen, die ständig auf Koks ist und Valium braucht, um wieder runterzukommen. Doch sie ist nur ein Alibi für Bret, der eigentlich schwul ist, oder zumindest bi, ganz genau weiß er es auch nicht. Und ja, mit 17 hat er nur Augen für Knackärsche und sonnengebräunte Sixpacks. Doch Brets eigentliche Liebe ist Matt, ein dauerbekiffter Mitschüler, der dem Serientäter zum Opfer fällt. Und wer expliziete homoerotische Sexszenen nicht aushält, denn davon gibt es reichlich, sollte das Buch gar nicht erst lesen. Oder die grausamen Details der Morde, die bis ins Detail geschildert werden. Aber was genau versteckt er hinter diesem Hollywoodtraum? Nichts – eine gähnende Leere. Die Ästhetik der Taubheit, der Reiz des Illegalen, Paranoia, Einsamkeit, Klingt alles ziemlich abgefahren? Ist es auch! Ich könnte jetzt noch weiter schwadronieren, könnte mir Superlative aus den Fingern saugen und Lobpreisungen an den Autor verfassen. Mach ich nicht, denn mir ist klar, dass man das Buch lieben oder hassen wird. Für mich war es ein grandioses Erlebnis, das mir noch lange durch den Kopf geistern wird.

Sex, Drugs und ein Serienkiller

Bewertung aus Hamburg am 30.01.2023

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

September 1981: Als mit Robert Mallory ein neuer Mitschüler die Oberstufe der privaten Buckley School in Los Angeles betritt, gerät die Welt des 17-jährigen Bret Ellis komplett aus den Fugen. Einerseits charismatisch und charmant, andererseits nimmt Robert es offenbar mit der Wahrheit in Bezug auf seine düstere Vergangenheit nicht allzu genau. So dauert es nicht lange, bis der immer wahnhafter werdende Bret eine Verbindung zwischen Robert und dem Trawler vermutet - einem grausamen Serienmörder, der es auf Jugendliche abgesehen hat. Und während Brets Clique immer stärker in den Fokus des Trawlers zu geraten scheint, häufen sich auch bei ihm selbst seltsame Vorkommnisse. Wer fährt den beigen Transporter, der Bret verfolgt? Und was hat es mit den nächtlichen wortlosen Telefonanrufen auf sich? Es wäre aufgrund der Serienkiller-Thematik zu einfach, Bret Easton Ellis' jüngst bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen neuen Roman "The Shards" als schnöden Psychothriller zu lesen oder zu bezeichnen. Denn in dem 740 Seiten schweren Pageturner steckt so viel mehr, als man es auf den ersten Blick erwarten könnte. Bereits im Vorwort, das bis sage und schreibe Seite 24 andauert, erkennt man die große Fabulierlust des Autors, seine Liebe zum Detail, seinen Blick für vermeintliche Nebensächlichkeiten. Es soll nicht das letzte Mal sein, dass man sich während der Lektüre an Stephen Kings große Werke erinnert fühlt. Ellis betont in seinem Vorwort fast schon obsessiv, wie stark ihn die Vorkommnisse im September 1981 traumatisiert hätten und erklärt, warum er sich erst jetzt in der Lage fühle, diese Geschehnisse niederzuschreiben. Denn der Protagonist und Ich-Erzähler - und hier beginnt bereits das Verwirrspiel mit den Leser:innen - heißt eben Bret Ellis und nur "Easton" scheint einen Keil zwischen Hauptfigur und Autor treiben zu wollen. Bret ist ein Erzähler, der mit zunehmender Dauer immer paranoider und unzuverlässiger zu werden scheint. Es ist daher dringend zu empfehlen, bei der Lektüre auf jeden kleinsten Zwischenton des Erzählers zu achten, jede Äußerung gerade im Finale des Buches auf die Goldwaage zu legen. Denn ansonsten entgehen der Leserschaft möglicherweise zentrale Details. Im September 1981 beginnt das letzte Schuljahr für Bret und seine Freunde auf der Buckley School. Ellis baut eine Scheinwelt der Reichen und Schönen auf und ist sich nicht zu schade, die ein oder andere Klischeefigur auftreten zu lassen. Wie an amerikanischen Highschools üblich, gibt es natürlich den beliebten und etwas einfältigen Football-Star, der selbstverständlich mit dem schönsten Mädchen der Schule ein Traumpaar bildet. Es gibt den dauerbekifften Träumer, die drogenabhängige Tochter eines berühmten Filmproduzenten. Und natürlich gibt es Bret, der inmitten dieser Clique den coolen Unauffälligen gibt. Diese Unauffälligkeit ist ein zentrales Element, um den Protagonisten und alle seine folgenden Handlungen zu verstehen. Denn sie ist nicht aufgesetzt, sondern überlebenswichtig: Bret versteckt seine Homosexualität vor den anderen und hat sich mit Debbie, jener Filmproduzententochter, sogar eine Schein-Freundin zugelegt. Doch diese Scheinwelt bricht nach und nach wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Spätestens mit dem Auftritt Robert Mallorys lassen sich vorherige Oberflächlichkeiten nicht mehr aufrechterhalten. Während also der Großteil seiner Freunde nichts davon ahnt, konfrontiert der Ich-Erzähler seine Leserschaft umso expliziter mit dieser Homosexualität. Denn gerade in der ersten Hälfte des Romans bleibt man von den Details nicht verschont. In diesen Momenten erinnert "The Shards" ein wenig an Alan Hollinghurst, wobei dessen Figuren in der Regel etwas bornierter scheinen. Berührender sind da schon die stillen Momente, Brets Gedanken und Gefühle, die er verstecken muss. Ebenso explizit und grausam sind die Details der Trawler-Morde, die im letzten Drittel an einen Slasher-Film erinnern. Sie sind zu verzeihen, denn zuvor schafft es Bret Easton Ellis auf wirklich außergewöhnliche Art und Weise, eine so unheimliche und bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, wie ich sie lange nicht mehr gelesen habe. In einer besonders aufregenden Szene verbringt Bret allein eine Nacht in einem Haus in der Wüste in Palm Springs und wird durch Geräusche und einen durchs Haus wandernden Lichtstrahl einer Taschenlampe geweckt, was fast schon atemberaubend spannend ist. Ohnehin schafft Ellis immer wieder Cliffhanger und Andeutungen an den Kapitelenden, die es den Lesenden unglaublich schwer machen, das Buch aus der Hand zu legen. Die Einsamkeit der Jugendlichen ist ein weiterer zentraler Aspekt in "The Shards". Denn die Erwachsenen glänzen vornehmlich durch Abwesenheit oder Fehlverhalten. So erwacht Bret jeden Morgen in seinem "leeren Haus am Mulholland Drive", die Eltern eines verschwundenen Mitschülers bemerken erst drei Tage später dessen Verlust. Eine Einsamkeit, die sich ganz hervorragend auch am melancholischen Soundtrack des Buches ablesen und nachhören lässt, denn der Einsatz der Musik spielt eine so wichtige Rolle, dass man sich auch diesen Ellis-Roman wieder, wie schon bei "American Psycho", unbedingt als Verfilmung vorstellen kann. Insgesamt ist "The Shards" eine äußerst gelungene Mischung aus Coming-of-Age-Drama, Highschool-Roman, Psychothriller und Horror, die neben den King- und Hollinghurst-Referenzen in ihren filmischen Momenten auch an David Lynch, Brian de Palma oder John Carpenter erinnert. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Orts- und Straßennamen in Hollywood und Los Angeles. Unbedingt lesenswert, auch wenn das Buch insgesamt vielleicht 50 oder 100 Seiten kürzer hätte ausfallen können.

Sex, Drugs und ein Serienkiller

Bewertung aus Hamburg am 30.01.2023
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

September 1981: Als mit Robert Mallory ein neuer Mitschüler die Oberstufe der privaten Buckley School in Los Angeles betritt, gerät die Welt des 17-jährigen Bret Ellis komplett aus den Fugen. Einerseits charismatisch und charmant, andererseits nimmt Robert es offenbar mit der Wahrheit in Bezug auf seine düstere Vergangenheit nicht allzu genau. So dauert es nicht lange, bis der immer wahnhafter werdende Bret eine Verbindung zwischen Robert und dem Trawler vermutet - einem grausamen Serienmörder, der es auf Jugendliche abgesehen hat. Und während Brets Clique immer stärker in den Fokus des Trawlers zu geraten scheint, häufen sich auch bei ihm selbst seltsame Vorkommnisse. Wer fährt den beigen Transporter, der Bret verfolgt? Und was hat es mit den nächtlichen wortlosen Telefonanrufen auf sich? Es wäre aufgrund der Serienkiller-Thematik zu einfach, Bret Easton Ellis' jüngst bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen neuen Roman "The Shards" als schnöden Psychothriller zu lesen oder zu bezeichnen. Denn in dem 740 Seiten schweren Pageturner steckt so viel mehr, als man es auf den ersten Blick erwarten könnte. Bereits im Vorwort, das bis sage und schreibe Seite 24 andauert, erkennt man die große Fabulierlust des Autors, seine Liebe zum Detail, seinen Blick für vermeintliche Nebensächlichkeiten. Es soll nicht das letzte Mal sein, dass man sich während der Lektüre an Stephen Kings große Werke erinnert fühlt. Ellis betont in seinem Vorwort fast schon obsessiv, wie stark ihn die Vorkommnisse im September 1981 traumatisiert hätten und erklärt, warum er sich erst jetzt in der Lage fühle, diese Geschehnisse niederzuschreiben. Denn der Protagonist und Ich-Erzähler - und hier beginnt bereits das Verwirrspiel mit den Leser:innen - heißt eben Bret Ellis und nur "Easton" scheint einen Keil zwischen Hauptfigur und Autor treiben zu wollen. Bret ist ein Erzähler, der mit zunehmender Dauer immer paranoider und unzuverlässiger zu werden scheint. Es ist daher dringend zu empfehlen, bei der Lektüre auf jeden kleinsten Zwischenton des Erzählers zu achten, jede Äußerung gerade im Finale des Buches auf die Goldwaage zu legen. Denn ansonsten entgehen der Leserschaft möglicherweise zentrale Details. Im September 1981 beginnt das letzte Schuljahr für Bret und seine Freunde auf der Buckley School. Ellis baut eine Scheinwelt der Reichen und Schönen auf und ist sich nicht zu schade, die ein oder andere Klischeefigur auftreten zu lassen. Wie an amerikanischen Highschools üblich, gibt es natürlich den beliebten und etwas einfältigen Football-Star, der selbstverständlich mit dem schönsten Mädchen der Schule ein Traumpaar bildet. Es gibt den dauerbekifften Träumer, die drogenabhängige Tochter eines berühmten Filmproduzenten. Und natürlich gibt es Bret, der inmitten dieser Clique den coolen Unauffälligen gibt. Diese Unauffälligkeit ist ein zentrales Element, um den Protagonisten und alle seine folgenden Handlungen zu verstehen. Denn sie ist nicht aufgesetzt, sondern überlebenswichtig: Bret versteckt seine Homosexualität vor den anderen und hat sich mit Debbie, jener Filmproduzententochter, sogar eine Schein-Freundin zugelegt. Doch diese Scheinwelt bricht nach und nach wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Spätestens mit dem Auftritt Robert Mallorys lassen sich vorherige Oberflächlichkeiten nicht mehr aufrechterhalten. Während also der Großteil seiner Freunde nichts davon ahnt, konfrontiert der Ich-Erzähler seine Leserschaft umso expliziter mit dieser Homosexualität. Denn gerade in der ersten Hälfte des Romans bleibt man von den Details nicht verschont. In diesen Momenten erinnert "The Shards" ein wenig an Alan Hollinghurst, wobei dessen Figuren in der Regel etwas bornierter scheinen. Berührender sind da schon die stillen Momente, Brets Gedanken und Gefühle, die er verstecken muss. Ebenso explizit und grausam sind die Details der Trawler-Morde, die im letzten Drittel an einen Slasher-Film erinnern. Sie sind zu verzeihen, denn zuvor schafft es Bret Easton Ellis auf wirklich außergewöhnliche Art und Weise, eine so unheimliche und bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, wie ich sie lange nicht mehr gelesen habe. In einer besonders aufregenden Szene verbringt Bret allein eine Nacht in einem Haus in der Wüste in Palm Springs und wird durch Geräusche und einen durchs Haus wandernden Lichtstrahl einer Taschenlampe geweckt, was fast schon atemberaubend spannend ist. Ohnehin schafft Ellis immer wieder Cliffhanger und Andeutungen an den Kapitelenden, die es den Lesenden unglaublich schwer machen, das Buch aus der Hand zu legen. Die Einsamkeit der Jugendlichen ist ein weiterer zentraler Aspekt in "The Shards". Denn die Erwachsenen glänzen vornehmlich durch Abwesenheit oder Fehlverhalten. So erwacht Bret jeden Morgen in seinem "leeren Haus am Mulholland Drive", die Eltern eines verschwundenen Mitschülers bemerken erst drei Tage später dessen Verlust. Eine Einsamkeit, die sich ganz hervorragend auch am melancholischen Soundtrack des Buches ablesen und nachhören lässt, denn der Einsatz der Musik spielt eine so wichtige Rolle, dass man sich auch diesen Ellis-Roman wieder, wie schon bei "American Psycho", unbedingt als Verfilmung vorstellen kann. Insgesamt ist "The Shards" eine äußerst gelungene Mischung aus Coming-of-Age-Drama, Highschool-Roman, Psychothriller und Horror, die neben den King- und Hollinghurst-Referenzen in ihren filmischen Momenten auch an David Lynch, Brian de Palma oder John Carpenter erinnert. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Orts- und Straßennamen in Hollywood und Los Angeles. Unbedingt lesenswert, auch wenn das Buch insgesamt vielleicht 50 oder 100 Seiten kürzer hätte ausfallen können.

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