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Der Reisende

(ungekürzte Lesung)

Ulrich Alexander Boschwitz

(80)
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Beschreibung

Berlin, 1938: Der Kaufmann Otto Silbermann findet sich nach den Novemberpogromen und seiner Flucht aus Berlin als rastloser Reisender in den Zügen der Deutschen Reichsbahn wieder. Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Was ihm noch bleibt, ist eine Aktentasche voller Geld. In den Waggons, auf Bahnsteigen und in Bahnhofsrestaurants, auf seinen Fahrten quer durchs Land trifft er auf andere Reisende, Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie schlechte Menschen. Noch nie hat man mit so unmittelbarer Wucht nachempfinden können, wie lebensverändernd die Novemberpogrome für jeden einzelnen Menschen in Deutschland waren. Ungekürzte Lesung mit Torben Kessler

Produktdetails

Abo-Fähigkeit Ja
Medium MP3
Sprecher Torben Kessler
Spieldauer 445 Minuten
Erscheinungsdatum 22.03.2018
Verlag Der Audio Verlag
Format & Qualität MP3, 445 Minuten, 401.65 MB
Sprache Deutsch
EAN 9783742405173

Buchhändler-Empfehlungen

absolut bewegend und lesenswert

Meike Westermann (Mayersche Kamen), Thalia-Buchhandlung Kamen

Otto Silbermann, ein gut situierter jüdischer Geschäftsmann, hat den Zeitpunkt, Deutschland nach seinen Bedingungen zu verlassen, verpasst. Das wird ihm schmerzlich bewusst, als im November 1938 die Nazis seine Wohnung stürmen und er Hals über Kopf fliehen muss. Er rettet sich in einen Zug und von nun an reist er kreuz und quer durch Deutschland, immer mit der Angst im Nacken, entdeckt zu werden. Er führt viele interessante, aber auch verstörende Gespräche auf diesen Zugfahrten und er muss einsehen, dass er völlig auf sich allein gestellt ist… 80 Jahre nach seinem Entstehen ist das Buch zum ersten Mal auf deutsch erschienen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, führt es uns doch vor Augen, wohin Hass und aber auch Gleichgültigkeit führen können. Ein eindringliches Werk gegen das Vergessen, unbedingt lesenswert!

Ulrike Kaiser, Thalia-Buchhandlung Mülheim Rhein-Ruhr-Zentrum

Ein fulminanter Roman aus dem Jahre 1939, der auch heute noch widerspiegelt, wie verzwiefelt die Situation der jüdischen Bevölkerung im Nazi-Deutschland war. Sehr beeindruckend!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
80 Bewertungen
Übersicht
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Muss man lesen
von Andrea Karminrot aus Berlin am 06.05.2020
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Der Reisende ist ein Buch, das man unbedingt lesen muss. Man spürt die Verzweiflung und Verlorenheit des Kaufmanns Silbermann. Ein wirklich gut geschriebener kleiner Roman. Silbermann, ein reicher (jüdischer) Kaufmann, fühlte sich eine Zeitlang recht sicher, in der Zeit, als Hitler seinen Spießgesellen die Freiheit gab, mit den... Der Reisende ist ein Buch, das man unbedingt lesen muss. Man spürt die Verzweiflung und Verlorenheit des Kaufmanns Silbermann. Ein wirklich gut geschriebener kleiner Roman. Silbermann, ein reicher (jüdischer) Kaufmann, fühlte sich eine Zeitlang recht sicher, in der Zeit, als Hitler seinen Spießgesellen die Freiheit gab, mit den Juden machen zu dürfen, was sie wollten. An dem Tag, als Silbermann sein Wohnhaus verkaufen wollte, schlug die SS an seine Tür. Alle Juden wurden verhaftet und in Lager oder Gefängnisse verbracht. Silbermann's Frau, die nicht jüdisch war, scheuchte ihn aus dem Hinterausgang auf die Strasse. Nur seiner ruhigen und gesetzten Art, hatte es Silbermann zu verdanken, den Schurken durchs Netz zu gehen, ihnen zu entwischen. Aber wohin nun? Ohne Ausreisepapiere war er aufgeschmissen. Sein Kompagnon konnte ihm einiges an Geld geben, das er in einer Ledertasche bei sich trug. Aber ohne wirkliches Ziel und Möglichkeiten, kam er nicht aus Nazideutschland heraus. So fuhr er als der Reisende mit dem Zug durch Deutschland. Silbermann, einst Chef eines gut laufenden Kontors, war plötzlich ein Nichts, ein Jude ohne Rechte, ohne Handhabe. Abhängig von Menschen, mit denen er gestern noch Geschäfte getätigt hat, denen er Anweisungen gab und vertraut hat. Unsicher sucht er nach Vertrauten, nach Menschen, die ihm zur Seite stehen würden. Doch oft genug traf er auf Verräter. Ständig kreisten seine Gedanken um Dinge, die er machen könnte und verwirft sie sofort wieder, weil er sich sicher ist, dass er dann einen Fehler machen würde. Er musste einen Weg finden, ins Ausland zu gelangen. So stieg er in einen Zug und begann eine seltsame Reise. Er wurde der Reisende. Was ich gelesen habe Silbermann, der Kaufmann, erzählt seine eigene Geschichte. Die Gedanken sind unermüdlich am Rotieren. Wohin nur? Und wie? Wem kann er noch vertrauen? Dinge, die einem sicherlich in einer solch brenzligen Situation durch den Kopf gehen. Von der ersten Seite an habe ich mit dem Mann mitgegrübelt. Wie würde ihm geholfen. Der Roman hat sich sehr zügig gelesen. Bewundernswert dafür, dass der Schriftsteller selber noch nicht besonders alt war. Ulrich Alexander Boschwitz schrieb diesen Roman mit 24 Jahren. 1915 in Berlin geboren war er mit seiner Mutter nach Skandinavien emigriert. Dort schrieb er seinen ersten Roman, der ihm ein Studium ermöglichte. 1939 schrieb er dann „Der Reisende“ in England. 1942 wurde er dann nach Australien, als enemy alien interniert. Auf seiner Rückreise, nach England, wurde Boschwitz‘s Schiff, von einem deutschen U-Boot torpediert. Sein letztes Manuskript ging (wahrscheinlich) mit dem talentierten Schriftsteller unter.

Intensiv und eindrücklich!
von monerl aus Langen am 03.04.2019

Meine Meinung “Was war ich? Nein, was bin ich? Was bin ich eigentlich? Ein Schimpfwort auf zwei Beinen, dem man es nicht ansieht, dass es ein Schimpfwort ist!” (Zitat aus Hörbuch) Ein Buch, durch das ich regelrecht geflogen bin. Ich fühlte mich getrieben, wie auch der Protagonist Otto Silbermann, der leider viel... Meine Meinung “Was war ich? Nein, was bin ich? Was bin ich eigentlich? Ein Schimpfwort auf zwei Beinen, dem man es nicht ansieht, dass es ein Schimpfwort ist!” (Zitat aus Hörbuch) Ein Buch, durch das ich regelrecht geflogen bin. Ich fühlte mich getrieben, wie auch der Protagonist Otto Silbermann, der leider viel zu spät erkannt und akzeptiert hat, dass er als Jude, auch wenn ihm die Religion immer herzlich egal war, in Deutschland keine Heimat mehr hat. Er wollte nicht wahrhaben, dass so jemand wie er, der im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatte, nun ein Niemand sein soll, dem man das Deutsch-Sein absprach. Mit seinem letzten Hab und Gut, einer Aktentasche voller Geld, versucht er sich ins Ausland abzusetzten. Doch es ist zu spät. So findet er sich wieder als Reisender mit der Deutschen Reichsbahn, die gleichermaßen Freiheit und Gefängnis für ihr geworden ist. Man fühlt die wachsenden Ängste, die Verzweiflung und die Resignationsgedanken des Protagonisten. Es gibt keinen Ausweg. Soll er sich seinem Ende ergeben? Doch welchem Ende? Der Gefangenschaft im KZ, dem Tod oder gar dem Freitod? Durch das Nachwort erfährt der*die Leser*in, dass der Roman starke auto- bzw. familienbiografische Züge aufweist. Ulrich Alexander Boschwitz floh 1935 mit seiner Mutter nach Schweden und es ist sehr tragisch, dass dieser damals noch sehr junge Autor 1942 mit dem Schiff unterging und starb, auf dem er sich auf der Rückreise vom Internierungslager von Australien nach England befand, das von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. (Quelle: Wikipedia) Boschwitz erzählt intensiv und sehr eindrücklich über die Zeit in Deutschland, kurz bevor der 2. Weltkrieg ausbrach. Man spürt ganz deutlich, wie ihn diese Veränderung durcheinander brachte und er nicht nachvollziehen konnte, wie unmenschlich und unwürdig Juden nun behandelt wurden. In seinem Roman setzt er sich mit verschiedenen Denkansätzen von Deutschen, ob Juden oder Nicht-Juden, auseinander. Er geht soweit, dass er Otto Silbermann die Juden hassen lässt, die in seinen Augen für sein Schicksal verantwortlich sind, denn durch sein recht arisches Aussehen könnte er als Nicht-Jude durchgehen, wenn nicht dieses große, gelbe “J” in seinem Pass leuchten und ihn anprangern würde. Fazit Ein absolut lesens- und hörenswertes Buch, das als ein gelungenes zeitgeschichtliches Dokument die dunkle Zeit in Deutschland und Europa beschreibt, das heute leider wieder thematisch sehr aktuell geworden ist. Sei es auf den Judenhass bezogen wie auch auf den Umgang mit Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen und wie mit ihnen in Deutschland und Europa umgegangen wird. Man kann nach der Lektüre sehr gut sehen, wie die Vergangenheit die Gegenwart wieder eingeholt hat und in eine neue Sprialebene mündet und sich weiter dreht.

Mein Schicksal wird zur Redensart oder dein Trick. Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz.
von Michael Fuchs aus Hannover am 25.03.2019
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Da fährt so ein Mensch durch Deutschland. Hat zu lange gezögert ins Ausland zu gehen, der Jude ist doch schließlich auch nur ein Mensch mit Heimat und Familie. Er konnte es sich nicht vorstellen, dass der Rassenwahn so weit gehen könnte. Dann kamen sie, die rohen verhetzten meist jungen Kerle und schlugen ihm das Mobiliar kurz u... Da fährt so ein Mensch durch Deutschland. Hat zu lange gezögert ins Ausland zu gehen, der Jude ist doch schließlich auch nur ein Mensch mit Heimat und Familie. Er konnte es sich nicht vorstellen, dass der Rassenwahn so weit gehen könnte. Dann kamen sie, die rohen verhetzten meist jungen Kerle und schlugen ihm das Mobiliar kurz und klein. Die Nacht vom 9. zum 10. November 1938 offenbarte das Mord an Juden staatsoffiziell wurde, der Völkermord begann. Otto Silbermann, ein wohlhabender Kaufmann, verliert alles, seine Firma, sein Haus. Nur eine größere Summe Geldes verbleibt ihm. Seine Freunde und Geschäftspartner – Menschen wie Becker mit dem er im Krieg durch alle Gefahren ging, den er in seine Firma aufnahm und zum Geschäftspartner aufsteigen ließ – betrügen und berauben ihn. Seine Verwandten verleugnen ihn. Die Leidensreise des Otto Silbermann schrieb der junge Ulrich Alexander Boschwitz unmittelbar nach den Pogromen. Flüssig wie an einem Strang fährt der Leser mit dem Protagonisten von Ort zu Ort, erlebt Episode auf Episode. Silbermann erlebt Skurriles, erfährt Gleichgültigkeit und Ablehnung. Er fühlt sich mehr und mehr wie im Irrenhaus. Seine letzten Hoffnungen erlöschen, sind vernichtet. Der Wunsch nach Nähe und Vertrauen ist so stark in ihm, dass er sich einer wildfremden Person im Zug anvertraut. Aber auch diese schöne, elegante Frau bringt ihm bestenfalls nachlässiges Mitleid entgegen. Nachdem ihm auch noch die letzten Geldmittel gestohlen wurden, beschließt er sich verhaften zu lassen. Er zeigt den Diebstahl seiner letzten Barmittel an, wird vom verhörenden Beamten aufgrund seiner jüdischen Herkunft verhöhnt und beleidigt. Silbermann reagiert sehr direkt, aber der Beamte will ihn nicht verhaften, da Silbermann Freiwilliger im 1. Weltkrieg war. Er wird ohne Aufnahme seiner Anzeige aus dem Revier geschmissen. Erst als er seinen ehemaligen Rechtsanwalt besucht, der doch noch hofft, in das Ausland zu gelangen, wird er von der Gestapo mitgenommen. Seine Leidensreise endet im Irrenhaus, das gelungene Gleichnis des Autors die Zustände in Deutschland zu benennen. Er findet sich mit einem Verrückten in der Zelle, der, als er erfährt, dass Silbermann Jude ist, anfängt zu brüllen: Juden raus. Nachdem in der gesamten Irrenanstalt der Ruf erschallt, fordert er Silbermann auf mitzubrüllen. Der Roman Der Reisende zeichnet die damaligen Entwicklungen ohne Entsetzen und Empörung nach. Es ist jedoch keine kalte distanzierte Beschreibung, nein, die Geschichte gibt auch Einblick in die Folgerichtigkeit der Handlungen jener Menschen, die sich an der ausgegrenzten und entrechteten Gruppe bereichern und über sie herrschen wollen. Das Buch ist Wiederentdeckung von ganz besonderer Art. Es verdient uneingeschränkt die höchste Bewertung.

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