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Und jeden Morgen das Meer

Roman

Dreißig Jahre war Sonja Chefin eines Hotels am Bodensee; ihr Mann Bruno bekam als Koch sogar einen Stern. Doch dann stirbt Bruno. Sein Bruder Arno ist bereit, alles, und damit auch einen Berg von Schulden, zu übernehmen – vorausgesetzt, sie verschwindet. Also reist sie nach Wales zu Mister Pettibone. Obwohl dieser sie gewarnt hat. Vor der abgetakelten Pension, dem Essen, seinem Onkel, und überhaupt vor diesem traurigen Land: zugige Fenster, zugige Türen, rundum Ödnis. Doch das Meer ist herrlich! Und ist Wales im Regen nicht allemal besser als ein Feinschmeckerhotel ausgerechnet am Bodensee? In Karl-Heinz Otts brillantem, bösem Roman entfaltet sogar das Unglück seinen ironischen, bissigen Reiz.
Portrait
Karl-Heinz Ott, 1957 in Ehingen an der Donau geboren, wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises (1999), dem Alemannischen Literaturpreis (2005), dem Preis der LiteraTour Nord (2006), dem Johann-Peter-Hebel-Preis (2012) und dem Wolfgang-Koeppen-Preis (2014). Zuletzt erschienen bei Hanser Die Auferstehung (Roman, 2015), Und jeden Morgen das Meer (Roman, 2018) und Hölderlins Geister (2019).
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 144
Erscheinungsdatum 20.08.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-446-25995-9
Verlag Carl Hanser Verlag
Maße (L/B/H) 20,8/13,1/2 cm
Gewicht 270 g
Auflage 4. Auflage
Buch (gebundene Ausgabe)
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Buchhändler-Empfehlungen

Der Schimmelreiter in Wales

Kerstin Wichmann, Thalia-Buchhandlung Recklinghausen

Karl Heinz Ott ist hier, in einer prägnanten und leise humorvollen Sprache, ein existenzielles Kammerstück um eine radikale Frau gelungen, die entscheidene Veränderungen in ihrem Leben bewältigen muss. Es geht nicht unbedingt um einen Neuanfang, sondern darum, vor der Kulisse des rauhen Meeres, von Tag zu Tag zu überleben und die Vergangenheit zu ordnen. Eine klare Empfehlung!

Meer ohne Idylle

Michaela Höher, Thalia-Buchhandlung Berlin

Gerade hatte ich ein hübsches kleines Buch (Capus, "Königskinder") zu Ende gelesen, das von einer (fast) puren Idylle mitten in der Französischen Revolution erzählt. In "Und jeden Morgen das Meer" erwähnt ein gewisser Professor Todd, Gast im Hotel unserer Hauptfigur, dass "Adlige sich während der Revolution gepudert und geschminkt zur Guillotine führen ließen." Es geht darum, das Leben bis zur letzten Minute auszukosten und bis zur letzten Minute Haltung zu bewahren. Gejammert wird jedenfalls nicht. Das Leben auskosten - bei dem Gedanken, an der Küste von Wales, direkt am Strand, ein kleines, wenn auch etwas heruntergekommenes Hotel zu übernehmen, um den Lebensabend dort ausklingen zu lassen, muss doch Sehnsucht und ein bisschen Neid aufkommen. Das muss Idylle pur sein. Doch sehr schnell wird klar, dass es sich nicht um eine neue Version des "kleinen Strandcafés" handelt, sondern um die eher unfreiwillige Flucht einer ehemals "grande" Dame um die Anfang 60, einst Inhaberin eines renommierten Vier-Sterne-Hotels am Bodensee. Sehr langsam, behutsam und mit viel Empathie ribbelt Karl-Heinz Ott Sonjas Leben auf wie einen Wollpullover, der den Vorstellungen letztlich doch nicht entspricht - also alles auf Anfang. So zumindest Sonjas Hoffnung. Doch die Vergangenheit mit all den Erinnerungen lässt sich nicht so leicht abschütteln, ganz gleich wie sehr Sonja sich den Naturgewalten auch aussetzt, um sie buchstäblich aus ihr hinauspeitschen zu lassen. Die Zeit soll Wunden heilen, und doch ahnt Sonja: "Vielleicht vergeht die Zeit überhaupt nicht und häuft bloß Schicht auf Schicht. Vielleicht ist nie etwas vorbei. Vielleicht türmt sich alles nur auf." Sonja jammert zwar nicht, doch sie leidet. Es ist die Geschichte eines Niedergangs, der Sonja offenbar größtenteils unverschuldet zugestoßen ist, und die sich doch nach und nach zu einer Geschichte über Schuld entwickelt. Die allmählichen Enthüllungen werden sehr elegant und einfühlsam, außerdem sprachlich sehr schön von Karl-Heinz Ott eingefädelt.

Kundenbewertungen

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Eine starke Erzählung über Erfolg und über das Scheitern
von einer Kundin/einem Kunden aus Bielefeld am 20.01.2020

Der Roman ist beim Hanser Verlag erschienen. Auf seinen knapp über 100 Seiten erzählt der Autor Karl-Heinz Ott von einer Frau, die für ihren Gastronomiebetrieb gelebt hat und nach dem Tod ihres Mannes vor einem Scherbenhaufen steht. Alles was sie sich ein Leben lang aufgebaut hat, ist verloren. In Wales, weit ab von allem, vers... Der Roman ist beim Hanser Verlag erschienen. Auf seinen knapp über 100 Seiten erzählt der Autor Karl-Heinz Ott von einer Frau, die für ihren Gastronomiebetrieb gelebt hat und nach dem Tod ihres Mannes vor einem Scherbenhaufen steht. Alles was sie sich ein Leben lang aufgebaut hat, ist verloren. In Wales, weit ab von allem, versucht sie Frieden zu finden. Aus der gegenwärtigen Perspektive schaut sie zurück auf bewegte Jahre. Der Roman erzählt das Leben seiner Hauptfigur in kurzen Rückschauen. Es sind Sonjas Gedanken, in die wir, als Leser, eintauchen. Mal erinnert sie sich an ihre Kindheit, mal an ihre erfolgreiche Zeit, als der Lindenhof zu den ersten Adressen gehörte, dann wieder an ihre Ausbildung in der Schweiz. Ohne Mitleid, dafür gnadenlos ehrlich erzählt der Roman vom Scheitern und vom Weitermachen. Jeden Morgen steht Sonja Bräuning an den Klippen und schaut auf das Meer, nur ein Schritt, wäre ein Schritt zu weit. Sie hat einen weiten Weg zurückgelegt und ist sich darüber bewusst, dass sie ihr Schicksal immer noch selbst in den Händen hält. Ein starker Roman, der mir sicher im Gedächtnis bleiben wird.