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Die Waffen-SS

Hitlers überschätzte Prätorianer

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Die Waffen-SS umgibt bis heute der düstere Mythos der Brutalität, der Indoktrination und Unbesiegbarkeit. Doch in wie weit war die Waffen-SS tatsächlich militärische Elite? Oder waren ihre Divisionen doch nur ganz normale Fronttruppen?
Klaus-Jürgen Bremm wagt eine ebenso kritische wie fundierte Gesamtdarstellung der militärischen Eliteformation. Er schildert die Verfahren der Ideologisierung und die Organisationsgeschichte von den ersten Totenkopfverbänden und der Leibstandarte Adolf Hitler bis zu den schließlich 38 Divisionen der Waffen-SS am Kriegsende, zu denen auch viele Einheiten mit ausländischen Soldaten zählten. Er fächert detailliert ihre Operationsgeschichte, ihre tatsächlichen – erfolgreichen wie desaströsen – Kampfeinsätze auf. Er widmet sich den Kriegsgräueln der 1946 zur »verbrecherischen Organisation« erklärten Truppe und den Aktivitäten ihrer Angehörigen in der frühen Bundesrepublik. Sein prägnantes Fazit: Am besten war die Waffen-SS nach dem Krieg.
Portrait
Lars-Broder Keil, geb. 1963, war als Journalist seit 1989 u.a. für das Auslandsmagazin Freie Welt, Die Zeit und Welt am Sonntag tätig, seit 2001 ist er Redakteur im Ressort Innenpolitik der WELT mit Schwerpunkt Zeitgeschichte und historische Serien. Daneben publiziert er Bücher vorwiegend zu zeithistorischen Themen; letzte Veröffentlichungen: "Fake News machen Geschichte. Gerüchte und Falschmeldungen im 20. und 21. Jahrhundert", Berlin 2017 (zus. mit S. F. Kellerhoff), "Stauffenbergs Gefährten. Das Schicksal der unbekannten Verschwörer", München 2013 (zus. mit Antje Vollmer).

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 363
Erscheinungsdatum 01.10.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8062-3793-1
Verlag WBG Theiss
Maße (L/B/H) 22,1/15,4/3,2 cm
Gewicht 576 g
Abbildungen 30 schwarz-weiße Abbildungen
Verkaufsrang 41.588
Buch (gebundene Ausgabe)
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Sehr speziell, aber hochinteressant
von Igelmanu66 aus Mülheim am 23.10.2018

»Nicht lange nachdem der Kampfgruppenkommandeur mit seinem Panzer die Kreuzung hinter sich gelassen hatte, eröffneten die zurückgebliebenen SS-Soldaten mit ihren automatischen Bordwaffen das Feuer auf ihre wehrlosen Opfer. Wer von den Amerikanern die ersten Salven überlebt hatte, wurde anschließend per Kopfschuss getötet.« Es sind Taten wie diese, die man gemeinhin... »Nicht lange nachdem der Kampfgruppenkommandeur mit seinem Panzer die Kreuzung hinter sich gelassen hatte, eröffneten die zurückgebliebenen SS-Soldaten mit ihren automatischen Bordwaffen das Feuer auf ihre wehrlosen Opfer. Wer von den Amerikanern die ersten Salven überlebt hatte, wurde anschließend per Kopfschuss getötet.« Es sind Taten wie diese, die man gemeinhin mit der Waffen-SS in Verbindung bringt, Gräueltaten, die in ihrer Brutalität jedes Maß vermissen lassen. Auf der anderen Seite hält sich hartnäckig das Bild von der Waffen-SS als militärischer Elite des Regimes, die immer wieder kritische Lagen an allen Fronten meistern konnte. Was die Kriegsverbrechen und Massenmorde angeht, gibt es keine Zweifel, genügend Gerichtsurteile sind dazu ergangen. Aber wie steht es mit der Frage nach der Elite? Klaus-Jürgen Bremm, Historiker und Publizist mit dem Spezialgebiet Militärgeschichte, hat sich diesem Punkt gewidmet. Akribisch arbeitet er die Geschichte durch, vom ersten scharfen Einsatz der Truppe am 30. Juni 1934 an bis weit in die Nachkriegszeit. Chronologisch werden Einsätze und Schlachten durchgearbeitet, präzise aufgeschlüsselt in Aktivitäten der Wehrmacht einerseits und solche der Waffen-SS andererseits. Schon nach kurzer Zeit wankt das Bild der militärischen Elite gewaltig, lässt sich von Ausnahmen abgesehen keine aus militärischer Sicht bedeutendere Rolle erkennen. Und das trotz häufig besserer Ausrüstung. Dieses Bild zieht sich durch. Immer wieder stößt man auf überzeichnete Darstellungen der Leistungen der Waffen-SS in der Presse, liest man von Aktionen, bei denen gewöhnliche Heeresdivisionen ebenfalls beteiligt waren, teils sogar höhere Verluste im Kampf hatten, und trotzdem den Platz auf den Titelseiten für die SS-Division räumen mussten. Wie kam es dazu? Weshalb erbrachten die angeblichen Elite-Soldaten in Wahrheit keine herausragenden Leistungen? Bremm blickt an dieser Stelle auf die Zusammensetzung der Truppe und ihre Ausbildung. Während Himmler in seinen Reden von einer »elitären Gemeinschaft nordisch bestimmter Männer« schwärmte, war seine SS tatsächlich ein zusammengewürfelter Haufen von Männern aus allen Gesellschaftsschichten. Da fanden sich ehemalige Soldaten, Polizisten, Kaufleute, Landwirte, Handwerker, aber auch Schläger und Kriminelle. Herkunft und Bildung entsprachen also schon mal nicht den NS-Fantasien vom elitären, nordischen Kämpfertyp und beim Lehrpersonal in den Kaderschmieden sah es nicht anders aus. Als von Himmler eingeschaltete psychologische Prüfstellen die charakterliche Eignung der zukünftigen SS-Führer untersuchen sollten, führte dies zum reihenweisen Durchfallen der Bewerber. Daraufhin schaffte Himmler die Prüfstellen wieder ab und erklärte, dass es ihm »bei der Auswahl der Bewerber zukünftig vor allem auf rassische Gesichtspunkte und eine einwandfreie Ahnenreihe ankomme.« Die Propagandatruppe sollte halt in erster Linie gut aussehen, daher steckten die großgewachsenen Gestalten in beeindruckenden schwarzen Uniformen. Ihre zweite Aufgabe war, »willige Schlächter des Regimes zu sein«, die sich dadurch auszeichneten, dass sie keine Fragen stellten und niemals diskutierten. Hitler sah in den Stammdivisionen der Waffen-SS anfangs vor allem »ein ihm bedingungslos ergebenes Staatsschutzkorps, das im Extremfall jeden möglichen Versuch der deutschen Bevölkerung, den »Verrat« vom November 1918 zu wiederholen, brutal niederschlagen sollte.« Der Fronteinsatz diente in seiner Logik der militärischen Bewährung und damit der »politischen Legitimation eines notfalls schonungslosen Kampfes nach innen.« Bekanntlich nutzte das Regime seine angsteinflößende Wirkung zur Sicherung der eigenen Machtposition. Und die martialischen SS-Truppen waren dabei ein wichtiges Instrument. Zweifel an der überragenden Stärke durften nicht aufkommen, weshalb selbst glatte Fehlschläge durch öffentlichkeitswirksame Auszeichnungen getarnt wurden. All das wird vom Autor gut herausgearbeitet und sachlich dargestellt. In einigen Fällen, in denen es für der SS zugerechnete Gräueltaten keine Beweise gibt, erwähnt er das ebenfalls. Diese Objektivität schätze ich gerade bei Sachbüchern besonders! Es bleiben aber ohnehin mehr als genug massive Kriegsverbrechen über, die gesichert und bewiesen sind und ebenfalls beschrieben werden. Ich habe schon viel darüber gelesen und trotzdem schockiert es mich immer wieder, wenn ich von diesen Fällen lese, in denen »nur töten« den Tätern nicht reicht. Und nicht weniger schockierend ist, wenn diese Untaten im Anschluss von höherer Stelle gedeckt werden. Da kommt dann beispielsweise ein SS-Hauptsturmführer mit einer Disziplinarmaßnahme davon, obwohl auf sein Konto bestialisch ermordete Kleinkinder gehen. Und ein anderer kaltblütiger Massenmord an gefangenen Briten sorgte zwar unter der Heeresgeneralität für Empörung, doch Himmler und Eicke wussten eine Strafverfolgung zu hintertreiben. Sehr interessant ist auch die Betrachtung der Nachkriegszeit. Wie erging es den ehemaligen SS-Soldaten, wie war ich Ansehen und wie stellten sie sich dar? Der Autor führt hier die faszinierende These aus, dass sie nach dem Krieg erfolgreicher waren als währenddessen. So schafften sie es, dass bei ihrem Bild in der Öffentlichkeit die Darstellung von »kämpferischer Bewährung, Heldentum und Opfermut« im Fokus stand. »Der Bundeskanzler war es sogar, der in einer Wahlkampfrede in Hannover im August 1953 den ehemaligen Soldaten der Waffen-SS das zentrale Stichwort ihrer künftigen Selbstdarstellung lieferte, als er resümierte: Die Waffen-SS hat nur den Namen gemeinsam mit der SS, aber im übrigen waren es Soldaten wie andere auch.« Wie gut, dass dieses Buch mithilft, da einiges geradezurücken! Die detaillierten und sachlichen Schilderungen werden durch zahlreiche Fotos und Karten zu den einzelnen Schlachten unterstützt. Im Anhang gibt es u.a. eine genaue Übersicht sämtlicher Verbände der Waffen-SS. Fazit: Sehr speziell, aber hochinteressant und bestechend durch eine detaillierte und sachliche Darstellung.